Autor Thema: Leihsklaven für Klage auf equal pay gesucht  (Gelesen 19821 mal)

Kuddel

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Re:Leihsklaven für Klage auf equal pay gesucht
« Antwort #30 am: 12:47:38 Sa. 20.Januar 2018 »
@ Rudi: Das weiß ich.

Für mich ist die Initiative von LabourNet/Däubler nicht wirklich entscheidend.
Und so lange einer klagt, ist sie nicht gescheitert. Daß Gerichte so oder so entscheiden können, sollte auch klar und kein Grund zum Flennen sein, wenn die Richter sich für die Interessen der Wirtschaft entscheiden.

Wenn Leiharbeiter mit einer gerichtlichen Auseinandersetzung als Kampfform nichts anfangen können, sollten wir das zur Kenntnis nehmen, nicht aber so interpretieren, als seien sie unfähig zu kämpfen.

Ich habe Interesse daran herauszufinden, wo denn Konfliktlinien liegen, an denen sich Kämpfe entzünden können.
Wir sollten nicht erwarten, daß man uns dafür einen roten Teppeich auslegt. Wir können so etwas auch nicht einfach ausdiskutieren, solche Ideen müssen als Versuche in der Praxis ausprobiert werden. Und so maches wird nicht so funktionieren, wie wir es uns vorgestellt haben. Wir sollten auf Niederlagen und Rückschläge vorbereitet sein, wenn wir weiterkommen wollen.

Ich habe kein Interesse daran, hier zu diskutieren, warum alles sinnlos ist. Um dafür Bestätigung zu finden, bräuchte ich mir nur eine Bildzeitung oder den Spiegel zu kaufen. Ich bin in diesem Forum unterwegs, weil ich nach Möglichkeiten und Ansätzen suche, trotz der zugebenerweise widrigen Umstände.

@ Onkle Tom: Ich bin gegen Equal Pay! Der ganze Sektor prekärer Arbeit mit Leiharbeit, Werkvertägen, Subunternehmen und Co. muß angegriffen werden. Equal Pay schafft zwar etwas bessere Bedingungen, zementiert aber die Spaltungen der Belegschaft. 


Fritz Linow

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Re:Leihsklaven für Klage auf equal pay gesucht
« Antwort #31 am: 13:09:52 Sa. 20.Januar 2018 »
(...)
 Equal Pay schafft zwar etwas bessere Bedingungen, zementiert aber die Spaltungen der Belegschaft. 

Nö, Equal Pay würde vor allem ein wichtiger Baustein dafür sein, dass Leiharbeit an Attraktivität verliert und dadurch die Spaltung der Belegschaft verringert wird. Es ist ja nicht so, dass bei Equal Pay auf einmal alles gut wäre, sondern dass der Widerstand (hoffentlich) nicht mehr ganz so schwierig ist.

Onkel Tom

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Re:Leihsklaven für Klage auf equal pay gesucht
« Antwort #32 am: 13:18:01 Sa. 20.Januar 2018 »
Yupp, Leiharbeit sollte für Leihbutzen und Entleiher so unattraktiv werden, das sich
das nicht mehr lohnt.. Anbei sitzt noch der Dorn Werksverträge im Auge..

Stück für Stück, ran zum Glück.  ;)
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Kuddel

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Re:Leihsklaven für Klage auf equal pay gesucht
« Antwort #33 am: 13:19:11 Sa. 20.Januar 2018 »
Sicherherlich würden die Sklavenbuden aufheulen und einige würden auch über die Klinge springen...
Das wären in meinen Augen weiterhin viel zu kleine Brötchen.

Denn in Frankreich kriegen Leiharbeiter nicht Equal Pay, sondern 10% mehr.
Also bitteschön, warum so bescheiden!?!
Und trotz Equal Pay ist die Leihsklaverei für die französiche Wirtschaft attraktiv, denn sie sorgt weiterhin für die so lukrative Flexibilität und Spaltung der Belegschaften.

Trotz 110% Lohn für Leiharbeiter werden bei Großdemos in Frankreich den Sklavenhändlern noch immer die Scheiben eingeworfen.

Rudolf Rocker

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Re:Leihsklaven für Klage auf equal pay gesucht
« Antwort #34 am: 14:37:45 Sa. 20.Januar 2018 »
Es ist ja nicht nur die Bezahlung, sondern auch der Umstand das man bei Leihklitschen von vorne bis hinten beschissen wird!
Die Versprechen einem das blaue von Himmel in Punkto Verdienst und Arbeitsbedingungen. Sobald der Arbeitsvertrag unterschrieben wurde, wollen die davon aber nichts mehr wissen.
Sie bescheissen dich mit den Zeitkonten und Aufgrund des unsicheren Arbeitsverhältnisses kann man nichts planen, was über einen Zeitrahmen von drei Monaten hinaus geht.
Darüber hinaus zwingen sie Menschen, in Betrieben zu arbeiten, in denen kein normaler Arbeitgeber mehr arbeiten möchte.
Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!

Fritz Linow

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Re:Leihsklaven für Klage auf equal pay gesucht
« Antwort #35 am: 14:57:10 Sa. 20.Januar 2018 »
Zitat
Das wären in meinen Augen weiterhin viel zu kleine Brötchen.

Es geht hier ja erstmal nur um einen vorgeschlagenen Klageweg, damit die Tarifverträge ungültig werden und dann Equal Pay gelten würde. Dafür, was man sich sonst so wünscht oder machen kann, gibt es hier ja genug Beispiele.

In Frankreich gibt es wohl fast genauso viele Leihsklaven wie hier, zwar mit den +10% (wie lange noch?), und Leiharbeit wird ebenso als Puffer benutzt. Und wenn sich Entleiher diese +10% "gönnen", dann kalkulieren sie mit einem Arbeitsheer, das weniger aufmuckt. Das ist es ihnen wert. Also eigentlich genauso wie hier, bloß mit dem Unterschied, dass hier die Entleiher nicht einen Pfennig dazu zahlen müssen und sogar noch neben der Spaltung direkte Kosten einsparen. Gleiche Bezahlung wäre eine Minimalforderung und es ist ein Unding, dass das mit Hilfe der Gewerkschaften verhindert wird. Das sind natürlich alles kleine Brötchen, die man da so backt, aber das dicke, fette und steinharte Baguette gibt es hier halt noch nicht. Und selbst diese kleinen Brötchen sollte man nicht wegwerfen.

Unabhängig von den Erfolgsaussichten für eine Klage auf Equal Pay sehe ich eher ein Problem darin, dass man sich generell viel zu sehr auf diese Rechtsschiene verlässt.

Kuddel

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Re:Leihsklaven für Klage auf equal pay gesucht
« Antwort #36 am: 15:16:36 Sa. 20.Januar 2018 »
Ich will und kann meinen Vorrednern nicht widersprechen.
Es gibt noch viel mehr Gründe, als die oben genannten, warum Leiharbeit scheiße ist.
Das sich Verlassen auf die Rechtsschiene halte ich auch für ein Problem.

Rudolf Rocker

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Re:Leihsklaven für Klage auf equal pay gesucht
« Antwort #37 am: 15:43:22 Sa. 20.Januar 2018 »
Zitat
Das sich Verlassen auf die Rechtsschiene halte ich auch für ein Problem.
Das Ding ist ja: Da klagt sich dann jemand jahrelang durch die Instanzen und bekommt am Ende vielleicht sogar recht und dann ändern sie einfach mal das Gesetz ein bißchen und schon ist alles wieder hinfällig!
Siehe SGB II!
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dagobert

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Re:Leihsklaven für Klage auf equal pay gesucht
« Antwort #38 am: 00:44:20 So. 21.Januar 2018 »
Das jedoch Leihkräfte sich schon um die
Ecke herum den gleichen Stiefel anziehen und deswegen um ihr zu Recht erarbeiteter
Nachzahlungen lieber verzichten, statt drum zu kämpfen, verstehe ich nicht !
Dann geb ich dir mal einen kleinen Denkanstoss:
Was wäre wenn der klagende LAN zum Zeitpunkt der Nachzahlung gerade Jobcenter-Kunde ist? Stichwort Zuflussprinzip.

Rein finanziell wird sich eine solche Klage nur für die wenigsten lohnen, und um der Sache an sich nehmen nur die allerwenigsten diese Mühe und in den höheren Instanzen auch das Kostenrisiko auf sich.

Onkel Tom

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Re:Leihsklaven für Klage auf equal pay gesucht
« Antwort #39 am: 12:50:20 Di. 23.Januar 2018 »
Jo, bei erfolgreicher Klage und Nachzahlung würde das JC anhand des
Zuflussprinzip anrechnen. Der Kläger müsste also eher darauf motiviert
sein, aus Gewissensgründen zu klagen..

Anbei enstehen ja auch Kosten, die vom JC berücksichtigt werden müssten,
aber das steht ja auf einem anderen Blatt.

Das LAN aus Gründen von möglicher Repressionen "still und ruhig bleibt",
finde ich als unnötig. Im Streitfall darf das JC weder Einfluss nehmen, noch
z.B. sanktionieren, weil ZAF den LAN entlassen hat.

Anders wäre es dann "Rechtsbeugung".  ;)
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Kuddel

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Re:Leihsklaven für Klage auf equal pay gesucht
« Antwort #40 am: 17:56:59 Di. 23.Januar 2018 »
Ein erster Klagetermin auf Equal Pay am 24. Januar 2018 in Gießen gegen Randstad

Die Klage auf Gleichbehandlung mit Stammarbeitskräften (Equal Pay) gegen den großen Verleiher Randstad wird am Mittwoch, den 24.1. ab 9:00 Uhr vor dem Arbeitsgericht Gießen (35392 Gießen, Aulweg 45) verhandelt. Kollege S. freut sich auf Unterstützung

rebelflori

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Re:Leihsklaven für Klage auf equal pay gesucht
« Antwort #41 am: 19:28:38 Di. 23.Januar 2018 »
Rein finanziell wird sich eine solche Klage nur für die wenigsten lohnen, und um der Sache an sich nehmen nur die allerwenigsten diese Mühe und in den höheren Instanzen auch das Kostenrisiko auf sich.
Das würde ich nicht sagen, ab einer gewiissen Instanz sind auch außergerichtliche Schlichtungen interessant. Beispiel mache setzten sich schon für 100000 Euro in ein Haus. ::) Und ich glaube die wären bestimmt bereit etwas mehr Geld auf denn Tisch zulegen, damit Equal Pay nicht  sofort kommt.
Und was willst du schon einen nackten Mann wegnehmen?

Onkel Tom

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Re:Leihsklaven für Klage auf equal pay gesucht
« Antwort #42 am: 10:42:55 Mi. 24.Januar 2018 »
Außergerichtliche Einigungen über Dinge, die fast 1 Million Arbeitnehmer betreffen,
finde ich Schei.., da sowas nur einer Person nutzt. Es werden richtungsweisende
Urteile gebraucht, die Equal Pay durchsetzt.

 ::)

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rebelflori

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Re:Leihsklaven für Klage auf equal pay gesucht
« Antwort #43 am: 21:48:45 Mi. 24.Januar 2018 »
Außergerichtliche Einigungen über Dinge, die fast 1 Million Arbeitnehmer betreffen,
finde ich Schei.., da sowas nur einer Person nutzt. Es werden richtungsweisende
Urteile gebraucht, die Equal Pay durchsetzt.
Wie gesagt so lange man selbst die mindestens 20000 € selbst zahlt, finde ich das durch aus ok.
Oder glaubst du ernst haft daran. Das sie die Klage am 14 ten, direkt zum Eugh schicken??
Wie gesgt ging es mir hier bei nur darum wo überhaupt bei der Klage Geld liegen kann und das ist nun mal nicht im Gerichtsaal.

Hafenkasper

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Re:Leihsklaven für Klage auf equal pay gesucht
« Antwort #44 am: 07:20:24 Do. 25.Januar 2018 »
Ein erster Klagetermin auf Equal Pay am 24. Januar 2018 in Gießen gegen Randstad

Die Klage auf Gleichbehandlung mit Stammarbeitskräften (Equal Pay) gegen den großen Verleiher Randstad wird am Mittwoch, den 24.1. ab 9:00 Uhr vor dem Arbeitsgericht Gießen (35392 Gießen, Aulweg 45) verhandelt. Kollege S. freut sich auf Unterstützung

Ich denke das dieser Termin erst mal lediglich nur der erste " Gütetermin " ist , also noch nicht wirklich Aussagekräftig.
Weiter kann man dann nur hoffen das für die Klage entsprechend zum einen Equal Pay ansprüche richtig bzw. dem Grunde nach zu erst bei der Zeitarbeitsfirma geltend gemacht wurden und gleichzeitig dabei nach §13 AÜG sich der Leiharbeiter bei den Entleihern bei denen er in diesem Zeitraum eingesetzt war Schriftlich hat Auskunft geben lassen. Andernfalls wird ihm die Arbeitsvertragliche Ausschlussfrist zum verhängnis wo mit er dann diese Klage verlieren wird . Im übriegen würde hier nur eine sogenante Stufen Klage Sinn machen.