Autor Thema: Rechter Terror  (Gelesen 32559 mal)

counselor

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Re: Rechter Terror
« Antwort #255 am: Gestern um 22:53:12 »
Zitat
Es ist ja immer einfach - und wird von den Medien auch gern gemacht - so einen Täter als Rechtsradikalen hinzustellen

Oder man pathologisiert einen Faschisten, um ja nicht über den politischen Hintergrund der Tat sprechen zu müssen. Wird bei uns auch gern gemacht.

Es gibt unter den psychisch Kranken sowohl Rechte, wie Linke. Was politische Einstellungen angeht, sind psychisch Kranke nicht anders, als Gesunde.

Beim Täter von Hanau scheinen eine Schizophrenie mit rechten politischen Einstellungen und mit Gewaltbereitschaft zusammen gekommen zu sein. Die Schizophrenie kann durchaus durch belastende Lebensereignisse, wie sie im Kapitalismus vorkommen (Ortswechsel, Arbeitsplatzverlust, Stress etc) verstärkt werden. Kommen dann noch rechte Einstellungen und eine Gewaltaffinität hinzu, dann kann es zu Verbrechen kommen. Die AfD fördert rechte Einstellungen und ist somit mitverantwortlich für ein zunehmend aggressives, gegen Migranten und Linke gerichtetes gesellschaftliches Klima.

Ach ja - die meisten psychisch Kranken sind keine Gefahr für die Allgemeinheit.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Troll

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Re: Rechter Terror
« Antwort #256 am: Heute um 10:14:28 »
Zitat
Prüffall Uniter: Dubioser Verein traut sich aus der Deckung

Der zum Prüffall des Verfassungsschutzes erklärte Verein Uniter will Vertrauen aufbauen. Erstmals stellen sich Elite-Soldaten und weitere Mitglieder einem Video-Interview. Das größte Problem des Vereins ist dabei zugeschaltet.

Die Pistole soll schnell noch aus dem Bild: Zum ersten Mal treten Mitglieder des geheimnisumwitterten Vereins Uniter gemeinsam vor die Kameras, und sie wollen ein gutes Bild abgeben. Deshalb packt die Waffe schnell jemand weg, ehe die Aufzeichnung beginnt. Fünf Stunden lang geben acht Uniter-Aktive t-online.de und dem ARD-Politikmagazin "Kontraste" Einblicke und beteuern, doch nur helfen zu wollen im Kreis Gleichgesinnter.
Uniter will offener sein, sein Image aufpolieren. Der Verein hält Öffentlichkeitsarbeit offenbar für geboten, denn er ist mit rechtsextremen Netzwerken in Verbindung gebracht worden. Schon ein leiser Verdacht ist brisant bei einem Zusammenschluss, in dem sich bestens ausgebildete Elitekräfte aus Bundeswehr und Polizei organisiert haben. Aktuell fällt Uniter eher auseinander.

Konspirativ: Keine Gesichter, keine Namen
...

https://dlc2.t-online.de/s/2020/02/26/20012878-1080p.mp4
Quelle: t-online

"Bei anderen ist es Camping und bei uns ist es die Vorbereitung der Machtübernahme".  :o
Machtübernahme von wem, rechtsradikal wollen sie nicht sein, viele Uniter-Mitglieder kommen aus Polizei und Militär (was bekannter maßen eigentlich das Rechtsradikale nahe legen würde), d.h. sie streben einen Polizeistaat oder Militärdiktatur an.
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
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Kuddel

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Re: Rechter Terror
« Antwort #257 am: Heute um 10:26:30 »
Mir geht es auch so, daß ich nicht glücklich bin mit der Analyse, "die AfD war's". Damit macht man es sich zu leicht. Der gesellschaftliche Rechtsruck und auch das Attentat haben vielfältige Gründe und Vorgeschichten. Es ist schon ok, sich Gedanken zu machen und zu philosophieren, was als normal und was als krank gilt.

Dabei ist es besonders problematisch, daß Menschen, die als psychisch krank gelten, auch gleich als aussortiert werden und nicht mehr als Teil der Gesellschaft und dessen Moralcodex gesehen werden. Menschen sind sehr unterschiedlich. Menschen sind soziale Wesen und sie sind auch beeinflußt von ihrem Umfeld und vom gesellschaftlichen Klima.

Ganz im Ernst, wo will man die Grenze ziehen zwischen "gesund" und "bekoppt"? Wenn ich vor die Tür gehe, habe ich oft den Eindruck, "die sind ja alle irre!". Ja, es gilt als normal, jeden Tag zur Arbeit zu gehen und sich klaglos ausbeuten zu lassen. Das ist eine subjektive Wertung. Es gibt auch die medizinische Einordnung. Einer Studie https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/studie-fast-40-prozent-der-europaeer-sind-psychisch-krank-a-784400.html zufolge nach gelten 40% der Europäer als psychisch krank. Sollen die alle ihr Wahlrecht verlieren? Sind die in ihrem (politischen) Handeln nicht zurechnungsfähig?

Der eine wird weggeschlossen, der andere macht mit dem gleichen Krankheitsbild Karriere. Eine narzistische Persönlichkeit wird auch Donald Trump nachgesagt. Es heißt, viele Manager seien psychopathisch https://www.zeit.de/karriere/beruf/2014-05/psychopathen-interview-psychologe-jens-hoffmann veranlagt.

Diverse Geschichten aus der Bibel lassen sich anders interpretieren. Vielleicht hatten die Leute, die Visionen und Erscheinungen hatten, einfach eine Psychose. Man sagt auch Jean D'Arc eine Psychose nach. 

Vor rund einem Jahrhundert gab es auch politische Attentate von links und von rechts. Die Attentäter waren auch nicht unbedingt die Hellsten und einige waren auch psychisch gestört. Da machte man es sich auch gern leicht, je nach eigener politischer Position. Es war entweder ein Angriff einer gesamten politischen Bewegung oder die Tat eines durchgeknallten Einzeltäters.

Mir fallen dazu diverse eigene Erlebnisse ein. Ein recht tragischer Typ hat sich Anfang der 80er hat sich als hardcore Anarcho Straßenkämpfer ausstaffiert und sich bei Polizeieinsätzen gern auf die Mitte von Kreuzungen gestellt in der Hoffnung, die Presse würde ihn knipsen. Als die Hausbesetzerbewegung vorrüber war, legte er sich ein neues Image zu. Er kleidete sich in einer Mischung aus Neanderthaler und Landfreak, behängt mir Tierfellen. Danach ging es in eine neue Richtung: Es waren traditionelle arabische Klamotten. Darüber schallte er sich eine Sitar und einen Koran. Danach brachte er sich um. Es war, als im Jugoslawienkrieg die UN-Blauhelme als "Friedenstruppe" eingesetzt wurde, da ist ein geistig Behinderter bei mir im Stadttteil (der in einer Behindertenwerkstatt arbeitete) drauf angesprungen und lief in seiner Freizeit stets in einer vollständigen Blauhelmuniform herum. Ich fand das absolut gruselig. Als ein Verhinderter Sprengstoffanschlag mit preparierten Gasflaschen auf einem Bahnhof die Titelseiten aller Zeitungen zierte, war es ein Verrückter (er pendelte stets zwischen Drogenszene und Psychiatrie) aus der benachbarten Kleinstadt, der mit einer Gasflasche in einen Bus einsteigen wollte. Er wollte als "Terrorist" gesehen und festgenommen werden.

Das mögen so die "Verrückten" gewesen sein. Als ich während des Jugoslawienkriegs im Krankenhaus lag, redete mein Bettnachbar oft davon, daß er sich gern Milosovic greifen und an Händen und Füßen anketten würde. Die Ketten sollte man an Panzern befestigen, die dann ganz, gaaaanz langsam in alle 4 Himmelsrichtungen fahren. Der Typ war der Inbegriff des "Normalen". Ein ruhiger Familienvater mit normalen Job und stinklangweilem Leben. Er glaubt aber, das Richtige für die Gesellschaft und eine bessere Welt zu wollen.

Tja, diese Bilder von einer anderen und besseren Gesellschaft hängen im Raum. Es sind kollektive Vorstellungen. Die Menschen greifen sie auf. Die Normalen genauso, wie die "Verrückten".

Der Attentäter von Hanau hat ja nicht wahllos auf Menschen geschossen. Er hat ja ganz bewußt die Besucher von Shisha Bars ausgewählt. Er wollte die Gesellschaft, ja, die Welt verbessern. Er wollte die Bedrohungen ausmerzen. Und daß Shisha Bars eine gesellschaftliche Bedrohung darstellen, das behauptet ja nicht allein die AfD. Aus allen Medien erfährt man von der Gefahr von "Parallelkulturen" und "Clanstrukturen". Die Entscheidung von Politikern, mit massiven Polizeieinsätzen gegen Shisha Bars vorzugehen, beweisen schließlich die Gefahr dieser Orte.

So lange es gesellschaftlicher Konsenz ist, daß man nach oben buckelt und nach unten tritt, wird diese Gewalt gegen "Randgruppen" (Migranten, Obdachlose, Schwule, Behinderte, etc.) nicht aufhören. Da hilft auch all dieses "Zeichen setzen" nichts, ebensowenig wie die gutgemeinten antirassistischen Kampagnen.

Das angewachsene Aggressionspotential ist ja auch nicht einfach das Ergebnis von Haßkommentaren im Internet. Es ist das Spiegelbild gesellschaftlicher Verhältnisse. Es ist ja die bürgerliche Politik, die so vernünftig, rechtsstaatlich und demokratisch daherkommt, aber verantwortlich ist für das Absaufen von Tausenden im Mittelmeer, für Waffenexporte, für das Errichten von Lagern, in denen oftmals nicht nur Elend herrscht, sondern auch Folter, Vergewaltigung und Mord. Ganze Teile des arabischen Raums und von Schwarzafrika werden überzogen mit einem permanenten Kriegszustand. Das ist das Resultat der Politik unserer Volksparteien (und nicht der AfD, die aber das Selbe tun würde).

Damit wir uns nicht wehren gegen die Politik der Autoindustrie, von Blackrock, von Vonovia oder den Cum-Ex Gangstern, sollen wir Angst haben vor Migranten, Moslems, Linken oder militanten Antifaschisten. Ein simples Konzept.
Zitat
Friedrich Merz
Auf die Frage eines Journalisten, ob er Rechtsradikalismus mit der Thematisierung von Grenzschließung bekämpfen wolle, hatte er mit „Ja“ geantwortet.
https://www.fr.de/politik/cdu-vorsitz-merz-will-rechtsradikalismus-grenzkontrollen-bekaempfen-zr-13531416.html

Es ist letztendlich egal, ob es ein organisierter Faschist oder ein psychisch gestörter Einzeltäter war, in jedem Fall handelte es sich nur um die Umsetzung politisch gesetzter Vorgaben. Man wollte die Gesellschaft vor einer "Bedrohung" durch Migranten schützen.

Troll

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Re: Rechter Terror
« Antwort #258 am: Heute um 10:47:08 »
Zitat
Es ist letztendlich egal, ob es ein organisierter Faschist oder ein psychisch gestörter Einzeltäter war, in jedem Fall handelte es sich nur um die Umsetzung politisch gesetzter Vorgaben. Man wollte die Gesellschaft vor einer "Bedrohung" durch Migranten schützen.

Ja, es ist gar nicht so schwer die Abgründe zu erfassen, die angeblichen Unterschiede erklärt uns tagtäglich die aufklärende 4te Mediengewaltät und daß ziemlich dumm-verzweifelt.
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti

Onkel Tom

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Re: Rechter Terror
« Antwort #259 am: Heute um 11:52:11 »
Zitat
...
Der Attentäter von Hanau hat ja nicht wahllos auf Menschen geschossen. Er hat ja ganz bewußt die Besucher von Shisha Bars ausgewählt. Er wollte die Gesellschaft, ja, die Welt verbessern. Er wollte die Bedrohungen ausmerzen. Und daß Shisha Bars eine gesellschaftliche Bedrohung darstellen, das behauptet ja nicht allein die AfD. Aus allen Medien erfährt man von der Gefahr von "Parallelkulturen" und "Clanstrukturen". Die Entscheidung von Politikern, mit massiven Polizeieinsätzen gegen Shisha Bars vorzugehen, beweisen schließlich die Gefahr dieser Orte.
...

Sehe ich auch so und meiner Vermutung nach hat sich Attentäter damit in der Vergangenheit in eine
Psychose hinein gesteigert.. Nahrung zu seiner "Radikallisierung" hat er ja reichlich aus Berichterstattungen
bekommen.. Kann mir gut vorstellen, das er in seiner Hütte Zeitungsartikel etc. an Pinnwand sammelte und so..
Lass Dich nicht verhartzen !