Autor Thema: Frankreich aktuell  (Gelesen 16197 mal)

counselor

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Re:Frankreich aktuell
« Antwort #30 am: 19:54:17 Sa. 21.April 2018 »
Zitat
Paris - „Tous ensemble, tous ensemble, on va gagner!“

Alle zusammen, alle zusammen, dann wird man siegen – das war das Motto des 19. April in Paris.

Während der französische Ministerpräsident Emmanuel Macron in Berlin bei Frau Merkel weilte, um mit ihr seine imperialistischen Europapläne abzustimmen, zeigten die französischen Arbeiter und Arbeiterinnen, Studierende und Angestellte des Öffentlichen Dienstes in den Straßen von Paris, dass sie Macrons reaktionäre Pläne für ein "modernes Frankreich" ablehnen. Es sind Privatisierungspläne, u.a. der Bahn, weitere Flexibilisierung der Arbeitszeiten, Lohn- und Gehaltskürzungen, ein neues Hochschulgesetz, das Arbeiterkindern den Zugang zum Studium noch weiter erschwert und anderes mehr, wogegen die Menschen Sturm laufen.

Quelle: https://www.rf-news.de/2018/kw16/tous-ensemble-tous-ensemble-on-va-gagner
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Kuddel

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Re:Frankreich aktuell
« Antwort #31 am: 11:32:21 So. 22.April 2018 »
Zitat
Teilnahme am ersten berufsgruppenübergreifenden Protesttag (19. April): durchwachsen – Die CGT-Eisenbahner überlegt, nun andere Saiten aufzuziehen und das bisherige Korsett des Streikkalenders zu durchbrechen – Bahngewerkschaften brechen Gespräche mit der Transportministerin ab und verlangen, eine Etage höher empfangen zu werden – Die CGT im Energiesektor droht mit gezielten Stromsperren – Mobilisierungsversuch auch in den Pariser Nahverkehrsbetrieben (RATP); doch am gestrigen Tag ohne spürbare Auswirkungen auf den Verkehr – Studierendenprotest: Examina in Nanterre mussten verschoben werden, Fakultät von Tolbiac wurde am Freitag früh geräumt – Nächste berufsgruppenübergreifende Termine: 1. Mai und Samstag, der 05. Mai – Unterdessen sorgt die CFDT sich vor allem um Eines: dass der Transportstreik nur ja nicht ihren anstehenden Gewerkschaftstag beeinträchtigt…
http://www.labournet.de/?p=130859

Kuddel

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Re:Frankreich aktuell
« Antwort #32 am: 10:25:40 So. 06.Mai 2018 »
Zitat
Unmut gegen Macron wächst

Viele trugen Schilder mit "Stop Macron". Denn die Party für den Präsidenten ist nicht nett gemeint. Anlässlich des ersten Jahrestags der Wahl Emmanuel Macrons sehen viele nur einen Weg, ihren Unmut über seine Politik loszuwerden: indem sie auf die Straße gehen. "Was hat er beschlossen? Dass die Entscheidung, den Anteil am Atomstrom zu halbieren, rückgängig gemacht wird", hieß es auf der Demo.

Geschützt von 2000 Sicherheitskräften marschierten 40.000 Teilnehmer, darunter Studierende, die die Studienreform ablehnen, medizinisches Personal und viele, die im öffentlichen Dienst arbeiten. Sie werfen Macron einen Sozialstaats-Streich vor. Das Hauptargument gegen den Präsidenten lautet jedoch: Er mache Politik für Reiche, ja Superreiche. Das hatte jüngst sogar Macrons Amtsvorgänger Hollande gestichelt.

Die Anhänger des Unbeugsamen Frankreich befürchten, Macron, den sie als "Président des Riches", Präsident der Reichen, schmähen, wolle Frankreich um jeden Preis privatisieren und den Sozialstaat zerschlagen, unter anderem mit seiner Eisenbahnreform. Die nächste Demo der Macron-Gegner ist auch schon geplant. Am 26. Mai wollen dann auch die Gewerkschaften mit dem Unbeugsamen Frankreich gemeinsam in einem "großen Marsch" auf die Straße gehen.
https://www.tagesschau.de/ausland/proteste-gegen-macron-101.html

Es gibt wohl unterschiedliche Techniken Demonstranten zu zählen:
Zitat
Nach Angaben der Polizei nahmen an dem Protestmarsch am Samstag 40.000 Menschen teil. Die Linkspartei La France Insoumise ("Das unbeugsame Frankreich"), die die Demonstration unterstützte, sprach sogar von 160.000 Teilnehmern.
https://www.zdf.de/nachrichten/heute/tausende-franzosen-demonstrieren-gegen-macron-100.html

Die Tagesschau zog es vor, allein die Polizeiangaben zu nennen.

Hartzhetzer

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Re:Frankreich aktuell
« Antwort #33 am: 05:51:44 Di. 08.Mai 2018 »
Auch viele kleine Brennpunkte können ein Feuer entfachen

«Convergences des luttes» in Frankreich

Pünktlich zum 147. Jubiläum der Pariser Kommune und 50 Jahre nach den legendären Mairevolten wird der französische Staat von kleinen, oft noch eher unorganisierten, aber trotzdem schmerzhaften Angriffen heimgesucht.



Zitat
Dieser Artikel wird keine gewagten Zukunftsszenarien über den Verlauf der unterschiedlichen Proteste und Bewegungen aufstellen. Die kommenden Zeilen sollen einen Überblick über die Vielfalt der Brennpunkte verschaffen und aufzeigen, wo und wie sie zusammenhängen:

Sie finden wieder vermehrt statt, jene Aktionen, welche die Medien gerne als Saubannerzüge bezeichnen, aber für die freiheitlichen Kräfte Momente des Ausbruchs und Mittel für Ausdruck und Mobilisierung sind. So zum Beispiel am 18. März, als eine kleine Sauvage laut und unbequem durch die Strassen von Paris zog und «Vive la Commune!» durch die Strassen Ménilmontants hallte. Ähnliches ereignete sich am 20. April, als rund tausend wütende Menschen als Reaktion auf die gewaltsame Räumung der besetzten Pariser Universität Tolbiac durch das 13. Arrondissement von Paris zogen, Barrikaden bauten und Container anzündeten.

Weiterlesen:
http://www.untergrund-blättle.ch/politik/europa/frankreich_reformen_widerstand_4747.html
Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.
- Albert Einstein -

Jedoch ist das genau das, was in einer Marktwirtschaft Alternativlos ist.

counselor

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Re:Frankreich aktuell
« Antwort #34 am: 18:13:57 Di. 15.Mai 2018 »
Zitat
Frankreich - Seit über fünf Wochen anhaltende Massenkämpfe

Über einen Monat dauern Massenkämpfe und Massenstreiks in Frankreich nun schon an: Mit Verbissenheit streiken die Beschäftigten gegen die von der Macron-Regierung geplante Zerschlagung des Beamtenstatus im Zusammenhang mit der weitere Privatisierung der Bahn.

Quelle: https://www.rf-news.de/2018/kw20/frankreich-seit-ueber-fuenf-wochen-anhaltende-massenkaempfe
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Kuddel

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Re:Frankreich aktuell
« Antwort #35 am: 06:29:24 Mi. 04.Juli 2018 »
Zitat
Polizei erschießt jungen Mann :
Schwere Unruhen in Nantes



Molotowcocktails, brennende Autos und Gewalt. Die Lage in der französischen Stadt Nantes ist laut zuständigem Staatsanwalt „sehr unruhig und unübersichtlich“. Auslöser war eine Routinekontrolle.

In der westfranzösischen Stadt Nantes ist es am Dienstagabend nach der Tötung eines jungen Mannes durch die Polizei zu Zusammenstößen gekommen. Wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten, gab es Auseinandersetzungen zwischen Beamten und mit Molotowcocktails bewaffneten Jugendlichen. Die Unruhen betrafen mehrere als Brennpunkte geltende Stadtteile. Autos wurden angezündet und ein Einkaufszentrum teilweise in Brand gesteckt.

Der Staatsanwalt von Nantes, Pierre Sennès, beschrieb die Lage am späten Abend als „sehr unruhig und unübersichtlich“. Zur Verstärkung wurden weitere Polizeikräfte erwartet. Ein Bewohner von Nantes sagte AFP, er habe „Detonationen“ gehört. „Es hat überall gebrannt, sie waren dabei, alles kaputt zu machen.“

Zuvor am Abend war laut Polizei ein junger Mann im Alter von 22 Jahren wegen einer Ordnungswidrigkeit bei einer Fahrzeugkontrolle gestoppt worden. Bei der Kontrolle habe er „so getan, als wolle er aus dem Fahrzeug aussteigen“, und sei dann „gegen einen Polizeibeamten gefahren“, sagte der örtliche Polizeidirektor Jean-Christophe Bertrand. Der Beamte sei leicht am Knie verletzt worden, ein weiterer Beamter habe daraufhin geschossen und den jungen Mann getroffen, der „leider gestorben“ sei.

Aus Polizeikreisen verlautete, der junge Mann sei an der Halsschlagader getroffen worden und im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Laut Staatsanwaltschaft werden derzeit die „Umstände untersucht, unter denen der Polizist Gebrauch von seiner Schusswaffe machte“.
http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/unruhen-in-nantes-franzoesische-polizei-erschiesst-jungen-mann-15673675.html

Kuddel

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Re:Frankreich aktuell
« Antwort #36 am: 07:26:54 Do. 05.Juli 2018 »
Zitat
Explosives Gemisch in Frankreich

Der Fall des erschossenen Autofahrers in Nantes erinnert an andere Vorfälle in Frankreich und damit an ungelöste Probleme des Landes.  




Zunächst ist der gewaltsame Tot eines Autofahrers im westfranzösischen Nantes tragisch. Die trauernden und wütenden Angehörige fordern zurecht, dass die Verantwortlichen den Vorgang bei einer Kontrolle lückenlos aufklären, so wie es Bürgermeisterin Johanna Rollandes versprochen hat.
Doch das wird nicht genügen. Die Krawalle erinnern an andere Fälle in Frankreich.

Seit Ende der Siebzigerjahre kommt es in Frankreich vor allem in Vorstädten immer wieder zu Ausschreitungen, die 2005 eskalierten und lange andauerten. Keine Regierung hat es bislang geschafft, die sozialen Konflikte dahinter zu lösen, das explosive Gemisch aus Arbeitslosigkeit, Ausgrenzung, fehlender Integration und Rassismus zu entschärfen.

Präsident Emmanuel Macron versucht es derzeit mit Prämien für Arbeitgeber, die Menschen aus benachteiligten Stadtteilen unbefristet einstellt. Außerdem will Macron eine „Polizei der alltäglichen Sicherheit“ aufbauen, die sich in schwierigen Vierteln besser um die Sorgen der Bürger kümmert. Mehr Polizei hat aber bislang nicht geholfen.  
http://www.fr.de/politik/meinung/kommentare/nantes-explosives-gemisch-in-frankreich-a-1538512

Fritz Linow

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Re:Frankreich aktuell
« Antwort #37 am: 17:30:15 So. 14.Oktober 2018 »
Streikende Beschäftigte beim Hotel ParkHyatt werden von Sicherheitsleuten angegriffen und von der Polizei gewaltsam vertrieben (mit kleinem Video):
https://twitter.com/contre_capital/status/1051020549953114112

Seit dem 25. Sept befinden sich die teilweise bei Subunternehmen angestellten Reinigungs- und Servicekräfte des Luxushotels #ParkHyatt in #Paris im Streik. Sie fordern mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen.

Die Streikenden beim #ParkHyatt in #Paris erklärten sich entschlossen, den Streik wenn notwendig, auch bis zum Ende des Jahres fortzusetzen. Sie fordern auch eine direkte Anstellung bei der Luxushotelkette.

https://twitter.com/sebastianlotzer/status/1051423713034465281

Fritz Linow

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Re:Frankreich/Belgien aktuell
« Antwort #38 am: 22:27:53 Mi. 14.November 2018 »
Zitat
Belgien und Frankreich: Protestaktion mit Straßenblockaden – 17. November 2018
In Belgien und Frankreich manifestiert sich die Empörung der Bevölkerung über die seit Wochen steigenden Benzinpreise in einer Protestaktion am Samstag, 17.November 2018.
Die Bewegung „gilets jaunes“ (gelbe Warnwesten) ruft dazu auf, an diesem Tag zahlreiche Straßen in Belgien und Frankreich zu blockieren. Bislang sind mehr als 500 Straßensperren geplant.
Eine Übersichtskarte ist hier (externer Link; Quelle: The Local) abrufbar.
https://www.derbusinesstravel.com/belgien-und-frankreich-protestaktion-mit-strassenblockaden-17-november-2018/

„gilets jaunes“: Noch nie gehört davon.
Nur hier:
Zitat
Die Regierung will mit der höheren Besteuerung von Kraftstoff gegen die Luftverschmutzung im Land ankämpfen. Präsident Emmanuel Macron zufolge gehen die höheren Preise an der Tankstelle zum größten Teil auf den gestiegenen Ölpreis zurück. Gegen die Steuererhöhung hat sich unter dem Obergriff «Gilets Jaunes» (dt.:«Gelbe Westen») ein landesweiter Protest formiert. Der Begriff geht auf die gelben Warnwesten zurück, die französische Autofahrer immer dabeihaben müssen. Die «Gelben Westen» haben Autofahrer zu landesweiten Straßenblockaden am Samstag aufgerufen.
https://www.greenpeace-magazin.de/ticker/franzoesische-regierung-haelt-steuererhoehungen-fest-protest
Zitat
Proteste gegen massiven Preisanstieg bei Diesel in Frankreich

In ganz Frankreich planen Autofahrer Straßenblockaden für das kommende Wochenende, um gegen den starken Anstieg bei Spritpreisen zu protestieren. Nächstes Jahr will Paris die Steuern auf Diesel und Benzin angleichen. (...)
https://industriemagazin.at/a/proteste-gegen-massiven-preisanstieg-bei-diesel-in-frankreich

Irgend so ein "Freie Fahrt für freie Bürger" Kram oder mehr?

Kuddel

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Re:Frankreich aktuell
« Antwort #39 am: 13:41:28 Do. 15.November 2018 »
Zitat
Irgend so ein "Freie Fahrt für freie Bürger" Kram oder mehr?

Klar, mich nervt sowas erst einmal auch.
Aber die Menschen organisieren sich oftmals anders als Linke es erwarten.
Und ich denke, sie haben hier auch guten Grund dazu. Der Arbeitsmarkt ist heute voll flexiblilisiert. Die Malocher müssen mobil sein. Heerscharen von Pendlern. Leiharbeiter ohne Ende. Berufskraftfahrer sind in Frankreich mehrheitlich selbstfahrende Unternehmer. Die Spritkosten gehen von ihren Löhnen, bzw. Einnahmen gleich wieder ab. Sie empfinden es als Lohnraub. Das ist erst einmal ein eindeutiger Sozialer Protest.
In wie weit die interne Diskussion der Beteiligten, deren Flugblätter und Stellungnahmen weitere politische Zusammenhänge thematisieren, kann ich nicht beurteilen.

Fritz Linow

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Re:Frankreich aktuell
« Antwort #40 am: 10:07:18 Fr. 16.November 2018 »
Zitat
16.11.18
Proteste in Frankreich Zwei Euro pro Liter Benzin - Wut über Macrons C02-Abgabe

Sie nennen es "Operation Schnecke": In Frankreich wollen wütende Autofahrer den Verkehr lahmlegen, aus Protest gegen steigende Steuern auf Diesel und Benzin.(...)
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/frankreich-zwei-euro-fuer-den-liter-benzin-co2-abgabe-loest-proteste-aus-a-1238749.html

Zitat
16.11.18
Frankreich: Soziale Proteste diesmal eher von Rechts

Unser Frankreichkorrespondent Bernard Schmid berichtet über die Protestbewegung gegen höhere Steuern auf Benzin und vorallem Diesel. Am Samstag sind Demonstrationen und Blockaden geplant.
https://www.freie-radios.net/92098

Zitat
16.11.18
Macron und sein Problem mit den „gelben Westen“ – Frankreich am Scheideweg
https://www.nachdenkseiten.de/?p=47247

Kuddel

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Re:Frankreich aktuell
« Antwort #41 am: 14:30:16 Fr. 16.November 2018 »
Ich habe auch mitgekriegt, daß es bei den Protesten einen unangenehmen Beigeschmack gibt.
Das ist wohl die Folge, wenn Linke nicht dort vor Ort sind, wo es aus sozialen Gründen politisch gährt.

Es erinnert mich an die "Protestbewegung der Mistgabeln" in Italien. Er begann auch als Basisbewegung gegen die Kraftstoffpreise. Es waren LKW Fahrer, Fischer und Bauern, die gemeinsam auf die Straße gingen. Es schwappte vom äußersten Süden über das ganze Land, andere Berufsgruppen schlossen sich an, Autobahnkreuze wurden blockiert und Fiat mußt die Produktion für einige Zeit einstellen.

Es war eine spontane Basisbewegung, die jenseits linker Strukturen entstand. In ihr gab es auch befrememdliche und unangenehme Momente. Es gab in Süditalien vereinzelt Zusammenarbeit mit der Mafia und es wurde beobachtet, wie Nazis sich unter die Protestierenden gemischt haben. Die Linken kamen nicht darüber hinweg, daß sie nicht gefragt worden sind und daß sie kaum eine Rolle in diesem Protest spielten. Sie schossen sich auf die Ausrutscher in den Protesten ein und distanzierten sich dann insgesamt von dem Basisprotest.

Später erkannte man das als großen Fehler. Etwa ein Jahr danach rollte die nächste Protestwelle der Mitgabeln übers Land. Da distanzierte man sich nicht mehr. Die Faschos waren aber weitaus besser vorbereitet. Ihnen gelang es an vielen Orten, den Protesten ihren Stempel aufzudrücken. Demozüge voller Nationalflaggen. Vereinzelt wirkte es gar wie eine faschistische Erhebung. Es war gruselig.

Das wiederum erinnert mich an die Maidan Proteste in der Ukraine. Die begannen auch als soziale Protest, an dem sich auch Linke beteiligten. Die Faschisten waren jedoch wirklich vorbereitet und ihnen gelang es mit aller Gewalt, auch mit Waffengewalt, den Sozialen Protest in eine rechte Erhebung umzumünzen.

Wir sollten uns auch einmal Gedanken darüber machen, wenn sich irgendwo soziale Unruhen entwickeln, wie wir ihnen mit den besseren Argumenten eine brauchbare Richtung geben, bevor die Rechten das Ruder an sich reißen können. Wir sollten uns überlegen, wie es möglich ist, daß verzweifelte Menschen machmal den Rechten mehr Vertrauen entgegenbringen als den Linken. Es könnte an der herablassenden Art liegen, mit der sie von Linken behandelt worden sind.

Fritz Linow

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Re:Frankreich aktuell
« Antwort #42 am: 14:45:34 Fr. 16.November 2018 »
An die Mistgabeln hatte ich auch gedacht. Bleibt abzuwarten, wie es sich in Frankreich entwickelt. Es beteiligen sich ja auch welche aus dem linken Spektrum daran.
Zitat
Wir sollten uns überlegen, wie es möglich ist, daß verzweifelte Menschen machmal den Rechten mehr Vertrauen entgegenbringen als den Linken. Es könnte an der herablassenden Art liegen, mit der sie von Linken behandelt worden sind.
Es liegt an der herablassenden Art, es liegt.

Kuddel

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Re:Frankreich aktuell
« Antwort #43 am: 09:42:49 So. 18.November 2018 »
Es greift sicherlich zu kurz, wenn man die Proteste auf "freie Fahrt für freie Bürger" und "Proteste gegen Umweltmaßnahmen" reduziert.
Gestern gab es eine gute Radipeortage. Sie beschrieb die Voraussetzung etwa so: Die Mieten sind in den Städten derart explodiert, daß die nicht so wohlhabenden aufs Land flüchten mußten. Die neoliberale Poltik hat jedoch die Infrastruktur auf dem Land zerstört. Er fahren kaum noch Busse. Die Tante Emma-Läden sind ebenso verschwunden, wie Postfilialen, Büchereien,Schulen, Ärzte. All das kann man nur mit dem eigenen PKW erreichen. So ist es völlig normal täglich 50km zu fahren. Die finanziell gebeutelten Menschen sehen jetzt, daß ihnen wieder in die Tasche gegriffen werden soll.

Es wurde auch gesagt, es sei ungewöhnlich, daß ein Massenprotest nicht von den Gewerkschaften oder politischen Parteien oder Organisationen organisiert worden ist.

SPON schreibt heute:
Zitat
Die Unterschicht in Frankreich begehrt auf gegen die Politik von Emmanuel Macron, den sie für einen Präsidenten der Reichen halten. Ihre Wut ist unorganisiert, radikal - und ein unkalkulierbarer politischer Gegner.

Mehr als 280.000 Menschen, meldet am Abend das französische Innenministerium, haben den ganzen Tag lang an Straßenkreuzungen, Autobahnzahlstellen und anderen Verkehrsknotenpunkten demonstriert.

Ihr häufigster Ruf an diesem Tag: "Macron, tritt zurück!" Doch damit ist die neue Bürgerbewegung nicht exakt beschrieben. Das hier ist etwas anderes. Auf den Straßen scheint sich ein neues Bewusstsein der Unterschichten und der unteren Mittelschicht zu spiegeln. Eines, das noch unerprobte demokratische Organisationsformen sucht. Wogegen genau protestiert wird, ist nicht ganz klar. Doch es geht um weit mehr als um eine höhere Spritsteuer.

Etwa 3000 Straßenblockaden fanden statt. Dabei rauchte man viel, zündete Feuer an oder sonnte sich - wie auf der Autobahn von Nizza.

Doch die Gelbwesten sind ihm von nun an auf den Fersen, sie können zu seinem entscheidenden politischen Gegner heranwachsen. Schon hängt Macron der Spitzname "Präsident der Reichen" an, seitdem er nicht nur die Benzinsteuern erhöhte, sondern auch Vermögensteuern und Gewinnsteuern für Unternehmen beschnitt. Was vor allem Wohlhabende begünstigt.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/frankreich-emmanuel-macrons-soll-wegen-benzinsteuer-zuruecktreten-a-1239052.html

Kuddel

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Re:Frankreich aktuell
« Antwort #44 am: 16:51:53 Mo. 19.November 2018 »
Es ist scheinbar recht heftig, was in Frankreich abgeht.
Es ist ekelig, mit welcher Selbstverständlichkeit das Schmierblatt taz links und rechts in einem Atemzug nennt.

Zitat
Linke wie Rechte instrumentalisieren den Protest

Marine Le Pens Partei ist ebenso wie andere, auch die linke „France insoumise“ von Jean-Luc Mélenchon, auf den Protestzug aufgesprungen. Die SprecherInnen der Opposition von rechts und links versuchen, diesen „Volkszorn“ gegen die derzeitige Staatsführung zu instrumentalisieren. Die Ini­tiatoren der Bewegung sind sie nicht.
https://www.taz.de/Archiv-Suche/!5548507&s=frankreich/

Zitat
Eine Tote, viele Verletzte und Festnahmen - die Proteste in Frankreich gegen höhere Benzinsteuern waren heftig. Die Regierung Macron zeigt sich aber unbeeindruckt: An den geplanten Steuererhöhungen hält sie fest.



Mit Straßenblockaden legten die Gelbwesten mancherorts den Verkehr lahm. Es kam zu vielen Unfällen, als Autofahrer versuchten, ihre Wagen durch die Sperrungen zu steuern. Eine Frau starb. Die Zahl der Verletzten stieg auf 409. 14 von ihnen erlitten nach Angaben des Ministers schwere Verletzungen.

Die Proteste waren ungewöhnlich, weil sie weder von Gewerkschaften noch von Parteien offiziell unterstützt worden waren.

Innenminister Christophe Castaner beschrieb die Lage als unruhig. Während der Demonstrationen sei es zu Aggressionen, körperlichen Auseinandersetzungen und Messerstechereien gekommen, einige davon unter den Demonstrierenden. 157 Menschen wurden festgenommen.
https://www.tagesschau.de/ausland/proteste-frankreich-121.html

Ein Toter, überfahren von einer Frau, die sich von den Blockierern nicht aufhalten lassen wollte. Messerstechereien unter den Demonstrierenden?
Ich muß an einen LKW Streik vor einigen Jahren in Italien denken. Auf den Parkplätzen wurde deutschen LKW die Luft aus den Reifen gelassen, da deutsche Fahrer die Bedeutung eines Streiks meist nicht verstehen.  Eine Deutsche Fahrerin wollte einen solchen Parkplatz noch schnell verlassen und überrollte dabei einen Streikposten. Er starb.

Es ist extrem wichtig, daß die Linken sich nicht distanzieren, daß sie mit vor Ort sind und sich an den Diskussionen beteiligen!

Ich muß auch an die Dieseldemos denken, die vor 10 Jahren in Süddeutschland stattfinden. Es war zur Wirtschaftskrise 2008, als dann die Dieselpreise anzogen, kam es zu den seit dem nicht mehr errichten Truckerprotesten mit bis zu 800 teilnehmenden Trucks. Die Stimmung war nicht schlecht. Es solidarisierten sich Taxifahrer und Landwirte. Es entstand in Selbstorganisation. Zentral in der Geschichte das offene Micro, wo jeder sich zu Wort melden konnte. Da spiegelte sich die Wut der Fahrer wieder, wie ihre politische Unerfahrenheit. Einige äußerten sich auch rassistisch. Insgesamt war es aber nicht schlecht. Die Trucker wußten mit ihrer Macht nichts anzufangen und legten dann die Zügel in die Hand eines pensionierten Autobahnbullen, der ein guter Redner war und organisatorisches Geschick bewies. Er kümmerte sich um die Pressearbeit, er übernahm die politische Führung und versuchte unliebsamen Stimmen das Maul zu verbieten und ging dann auch juristisch gegen jeden vor, der ihm nicht in den Kram paßte. Es gab vor Ort keine politisch erfahrenen Menschen, die die Machübernahme (Machtübergabe) von (an) den/m Bullen hätte verhindern können. Das war das Ende der Protestbewegung.