Autor Thema: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie  (Gelesen 14185 mal)

Fritz Linow

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Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
« Antwort #15 am: 15:09:31 Di. 03.April 2018 »
Zitat
3.4.18
Wie Leiharbeitsfirmen den Markt für Pflegekräfte aufmischen

Leiharbeitsfirmen rollen den Markt für Pflegekräfte auf, weil sie besser zahlen. Die Heime geraten dadurch in einen Teufelskreis.

(...)
Eine besondere Rolle spielen die Zeitarbeitsagenturen. „Wenn uns Mitarbeiter wegbrechen, kaufen wir dort für sehr viel Geld die Pflegekräfte ein, um die strengen Personalvorgaben zu erfüllen“, sagt Härtel-Lenssen. Bis vor etwas mehr als einem Jahr war das noch anders. Da standen die Zeitarbeitnehmerinnen auf der Matte, weil sie sich um eine Festanstellung im Wohnpark bewerben wollten. Inzwischen läuft es andersrum.
(...)
Ein wichtiger Grund ist, dass die Zeitarbeitsfirmen deutlich besser bezahlen. Während etwa in der Metall-Industrie Leiharbeitnehmer eher mit weniger Geld nach Hause gehen als die Stammbelegschaft, läuft es bei der Pflege inzwischen umgekehrt.
(...)
Sylvia Bühler, für die Pflege zuständiges Vorstandsmitglied bei der Gewerkschaft Verdi, kann den neuen Trend bestätigen. „Aktuell werden nach einer Auswertung der Bundesagentur für Arbeit 21.484 Pflegekräfte über Arbeitnehmerüberlassung eingesetzt.“ Ein Plus von 20 Prozent innerhalb eines Jahres.
(...)
http://www.handelsblatt.com/my/politik/deutschland/konkurrenz-im-altenheim-wie-leiharbeitsfirmen-den-markt-fuer-pflegekraefte-aufmischen/21135384.html

Fritz Linow

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Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
« Antwort #16 am: 14:59:54 Fr. 06.April 2018 »
Der VDAB ist der Lobbyverband für gut 1.600 Mitgliedsunternehmen der ambulanten und stationären Alten- und Behindertenhilfe.

Zitat
5.4.
VDAB: Kostenträger sind verantwortlich für stark ansteigende Leiharbeit in der Langzeitpflege
(…)
Die Verantwortung für das Anwachsen der Leiharbeit liegt eindeutig bei den Kostenträgern.
(…)
https://www.vdab.de/presse/pressemitteilungen/news/vdab-kostentraeger-sind-verantwortlich-fuer-stark-ansteigende-leiharbeit-in-der-langzeitpflege/


Zitat
Der VDAB vertritt bundesweit konsequent die Interessen der Unternehmen in der Privaten Professionellen Pflege.

Da die Interessen der Unternehmen darin bestehen, Gewinn zu machen und möglichst wenig an die Beschäftigten abzugeben, ist es irgendwie billig, die alleinige Schuld auf die Kostenträger/Krankenkassen zu schieben. Die Betreiber geizen mit jedem Scheiß herum, und jetzt, wo sie feststellen, dass Leiharbeit doch teurer ist, soll gefälligst mehr Geld fließen, damit der Gewinn stimmt.

Fritz Linow

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Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
« Antwort #17 am: 10:15:54 Do. 18.Oktober 2018 »
Zitat
18.10.18
Bremer Kliniken steuern auf Rekorddefizit zu
(...)
Insidern zufolge war insbesondere der Monat September für die Geno ein Schlag ins Kontor, nicht zuletzt infolge schlechter Personalsteuerung. Auf Betreiben der Geschäftsführung sei die vergleichsweise teure Leiharbeit in diesem Monat drastisch zusammengestrichen worden. Das blieb offenbar nicht ohne Folgen für die Funktionsfähigkeit der einzelnen Häuser. An mehreren Standorten mussten zeitweise Stationen geschlossen werden, auf denen dann in der Folge auch keine Erträge erwirtschaftet werden konnten.
(...)
https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-bremer-kliniken-steuern-auf-rekorddefizit-zu-_arid,1776645.html

Fritz Linow

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Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
« Antwort #18 am: 22:01:58 Sa. 10.November 2018 »
Zitat
29.10.18
Zeitarbeit lohnt sich nicht wirklich!
(...)
Es liegt allein in der Hand der Einrichtungsbetreiber und den dahinter stehenden Heuschrecken, diese Situation zu ändern. Denn, wenn die maßgeblichen Akteure sich dieser Situation fügen, die Rahmenbedingungen ändern, dann werden sie so ihre Pflegekräfte halten und neue hinzu gewinnen können. Maßgeblich sind hier die Zahlen: Gehalt, Dienstplan, Sicherheit.

Solange das Argument der Pflegekräfte in der Zeitarbeit lautet: „Ich habe Freiheiten über meinen Dienstplan!“ in Kombination „Ich habe mehr Netto als Ihr auf dem Konto“ bei den Leasingkräften als Argumente vorherrschen, wird die Zeitarbeit in der Pflege weiterhin immense Gewinne abschöpfen. Gewinne, die die Betreiber von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen viel besser für das eigene Personal verwenden könnten, wenn nicht die Dividende um die Ecke schaut.
https://frausofa.wordpress.com/2018/10/29/zeitarbeit-lohnt-sich-nicht-wirklich/

Es liegt natürlich nicht allein in der Hand der Einrichtungsbetreiber, aber immerhin wird die Pest der Leiharbeit nun auch von den Pflegenden selber kritisch gesehen.

Fritz Linow

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Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
« Antwort #19 am: 20:41:06 Di. 13.November 2018 »
Zitat
Fluch oder Segen der Zeitarbeit im Gesundheitssektor und der daraus resultierende Pflegenotstand

Der in der Bevölkerung stellenweise diskutierte Pflegenotstand hat nach Ansicht des Autors nicht nur die Ursache in der demographischen Bevölkerungsentwicklung, sondern auch im massiven Anstieg der Arbeitnehmerüberlassung (ANÜ) der letzten Jahre.
(...)
Sitzt man im Jahr 2018 zusammen um zu beratschlagen, wie man denn den Pflegenotstand zu lösen gedenkt, ist niemand auch nur im Ansatz in der Lage, auch nur zu erkennen, dass wir uns unser Problem selbstmachen.
Es sind nicht nur die renditeorientierten Träger, es sind auch die renditeorientierten Unternehmen, die sich fleissig am Topf der Solidargemeinschaft bedienen.
Deshalb muss die Konsequenz lauten, dass – ähnlich wie in der Baubranche – es ein Verbot der ANÜ und der Werkverträge geben muss.
http://www.labournet.de/?p=139953

Die Leiharbeitsbranche (die eigentlich keine Branche ist) versucht sich im Gesundheitswesen als die bessere Alternative darzustellen. Der Schuss geht nach hinten los, wenn noch viel mehr deutlich gemacht wird, dass die Sklavenhändler die Situation schamlos ausnutzen. Gerade beim emotionalen Thema "Pflegenotstand" müsste das eigentlich möglich sein. Ob jetzt ein Verbot der ANÜ in der Pflege sinnvoll ist? Schwierig. Wer will es einem verdenken, wenn er anderswo mehr verdient und bessere Bedingungen hat.

Fritz Linow

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Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
« Antwort #20 am: 08:55:46 Mo. 19.November 2018 »
Zitat
19.11.18
Trier. Die Besetzung von offenen Stellen in der Pflege stellt die Kliniken in der Region vor große Herausforderungen.
(...)
Dringend notwendig sei zudem, die Leiharbeit in der Pflege zu verbieten. „Dieser Sektor wirbt inzwischen mit Gehältern, bei denen kein Unternehmen mithalten kann.“ Gelder die dort ausgegeben würden, fehlten für das fest angestellte Personal. Und ein fester Arbeitsplatz könne mit den dort aufgerufenen Preisen im Moment gar nicht mithalten.

„Wir stehen erst am Anfang des Mangels, aber schon mitten in der Katastrophe“, lautet das ernüchternde Fazit von Jogerst-Ratzka.
https://www.volksfreund.de/region/die-besetzung-von-offenen-stellen-in-der-pflege-stellt-die-kliniken-in-der-region-vor-grosse-herausforderungen_aid-34569519

dejavu

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Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
« Antwort #21 am: 20:32:53 Mo. 19.November 2018 »
Zitat
Dringend notwendig sei zudem, die Leiharbeit in der Pflege zu verbieten. „Dieser Sektor wirbt inzwischen mit Gehältern, bei denen kein Unternehmen mithalten kann.“ Gelder die dort ausgegeben würden, fehlten für das fest angestellte Personal. Und ein fester Arbeitsplatz könne mit den dort aufgerufenen Preisen im Moment gar nicht mithalten.

Ist doch in sich widersprüchlich. Ein fester Arbeitsplatz kann nicht konkurrieren, womit? Mit Leihpersonal das wegen der Gewinne für die Leihbuden zwangsläufig noch mehr kostet als die Festen, die den gleichen Bruttolohn bekommen? Versteh ich nicht, bin ich zu dumm für.
Leiharbeit und Werkvertragsmißbrauch verbieten! Weg mit dem Dreck!

Fritz Linow

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Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
« Antwort #22 am: 20:54:20 Mo. 19.November 2018 »
Ist doch in sich widersprüchlich. Ein fester Arbeitsplatz kann nicht konkurrieren, womit? Mit Leihpersonal das wegen der Gewinne für die Leihbuden zwangsläufig noch mehr kostet als die Festen, die den gleichen Bruttolohn bekommen? Versteh ich nicht, bin ich zu dumm für.
Die Leihbuden kaufen sozusagen den Markt auf in dem Wissen, dass ihre Ware auch überteuert abgenommen werden muss. Dass Betreiber und Krankenhäuser auch nur die Kohle im Sinn haben, wird stillschweigend übergangen.

dejavu

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Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
« Antwort #23 am: 21:31:11 Mo. 19.November 2018 »
Zitat
dass ihre Ware auch überteuert abgenommen werden muss.
Ja? Und warum machen sich die AN das nicht zunutze und lassen sich gleich für Leiharbeitslohn plus X anstellen? der Gewinn der Leihbude ist ja als Luft nach oben noch da.
So nach dem Motto: Gehen sie doch zur Leihbude xy und schauen sie mal was sie da bezahlen.
Wer die Ware überteuert ist doch im Prinzip egel, oder täusche ich mich da?
Das ganze müsste sich im Markt ja rumsprechen...
Leiharbeit und Werkvertragsmißbrauch verbieten! Weg mit dem Dreck!

Fritz Linow

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Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
« Antwort #24 am: 21:46:21 Mo. 19.November 2018 »
Ja? Und warum machen sich die AN das nicht zunutze und lassen sich gleich für Leiharbeitslohn plus X anstellen? der Gewinn der Leihbude ist ja als Luft nach oben noch da.
Wer die Ware überteuert ist doch im Prinzip egel, oder täusche ich mich da?
Das ganze müsste sich im Markt ja rumsprechen...
In weiten Teilen der Gesundheitsberufe bekommen sie doch auch als Leiharbeiter mehr. Und ja, es spricht sich am Markt rum. Da man aber in der Pflege nicht so einfach die Patienten liegen lassen kann, nutzen die Sklavenhändler diese Situation (noch) aus und verlangen absurde Summen für ihre Ware. Dieses Geld fehlt den Betreibern dann wiederum, um selber bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen. Sagen sie zumindest. Dass sie sich jahrzehntelang einen Dreck darum geschert haben, steht auf einem anderen Blatt.

Fritz Linow

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Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
« Antwort #25 am: 20:30:46 Di. 27.November 2018 »
Die nächste Sau wird durchs Dorf getrieben:
Zitat
27.11.18
Sind die Tage der Zeitarbeit in der Pflege gezählt?

Pflegekräfte und Klinikleitung – alle regen sich über die teure Leiharbeit auf. Nun gibt es erstmals eine Alternative: GigWork, eine digitale Plattform, die ähnlich wie Airbnb funktioniert. (...)
https://www.pflegen-online.de/sind-die-tage-der-zeitarbeit-in-der-pflege-gezaehlt

Fritz Linow

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Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
« Antwort #26 am: 00:10:33 Mi. 13.März 2019 »
Zitat
12.3.19
Piening-Fachbereich Incare wächst – Gesamtumsatz 2018 leicht im Plus

Mehr Leiharbeit in der Pflege

(blablabla…alles toll)

Gegründet wurde die Firma 1979 von Agnes und Jürgen Piening. Zum 40. Geburtstag werden 40.000 Euro an eine soziale Einrichtung gespendet – an wen, darüber stimmen die Kunden ab.
https://www.westfalen-blatt.de/OWL/Bielefeld/Bielefeld/3700249-Piening-Fachbereich-Incare-waechst-Gesamtumsatz-2018-leicht-im-Plus-Mehr-Leiharbeit-in-der-Pflege

Piening war für den Streikbrechereinsatz bei Neupack mitverantwortlich und ist mit den „Gewerkschaften“ auf einer Wellenlänge.

Bewertung aus dem Internet:

Zitat
2012
Ich selber war 4 Jahre Personaldisponent bei der Piening Gmbh.

Unser Dienststellenleiter hat uns gelegentlich aufgefordert auf verschienen testberichtsseiten gute Testberichte mit 5 sterne bewertungen abzugeben. Deswegen sind die guten bewertungen bei Piening immer so kurz. Die Disponenten wissen wie schlecht die mitarbeiter bezahlt werden und wie schlecht es ihnen geht können dagegen aber nichts machen.
http://www.igmetall-zoom.de/Forum/viewtopic.php?f=7&t=4830&hilit=piening#p33169

Kurz darauf kommt dann übrigens auch der absurde Werner Stolz zu Wort.

Auf jeden Fall wird deutlich, wie krampfhaft die Sklavenhändler einen Imagewandel erzwingen wollen, und wie lustlos viele Journalisten mittlerweile sind.

tleary

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Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
« Antwort #27 am: 06:30:24 Di. 09.April 2019 »
Von all den *momentanen*, weil absoluter Personalmangel im Pflegebereich herrscht, ist die Qualität eines Leiharbeiters in der Pflege mit Sicherheit schlechter, weil es immer einige Monate dauert, bis einem die Abläufe im jeweiligen Pflegeheim/Krankenhaus geläufig sind ("Einlernzeit"). Danach sind die LA-Pfleger dann nur noch kurz da oder schon wieder weg, und müssen dann an anderem Ort wieder neu eingelernt werden.

Dieser ständige Personalwechsel geht auf Kosten der Qualität der Pflege, worunter letztenendes die Patienten und Pflegeheimbewohner leiden.

Außerdem ist die ganze Pflegemisere doch der von der Politik gewollten Führung von Krankenhäusern und Pflegeheimen als Wirtschaftsbetrieb geschuldet. Die Quittung kommt nun als zusätzlicher Kostenerhöher in Form von Leiharbeit, schon allein weil die Leihklitschen einen erklecklichen Teil des Leiharbeiterlohns in Form von (unnötigen) Verwaltungskosten und Profit für sich einbehalten.
»Wir wissen, so wie es ist, kann es nicht weiter gehen. Aber es geht weiter.«
(Autor unbekannt)

Fritz Linow

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Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
« Antwort #28 am: 15:42:10 Di. 28.Mai 2019 »
Zitat
28.5.19
Privater Pflegeverband: Steigende Pflegekosten durch Leiharbeit

Alterswissenschaftlerin befürchtet höhere Eigenanteile für Pflegebedürftige

(...) Es entstünden zusätzliche Kosten von bis zu 89 Prozent durch den Einsatz von Leiharbeitern.
(...) Sie verdienen vielfach mehr Geld als festangestellte Heimmitarbeiter und haben bessere Arbeitsbedingungen.
(...) Hohe Wechselprämien im vierstelligen Bereich für Werber und geworbene Pfleger könnten diesen Trend verstärken.
https://www.swr.de/report/privater-pflegeverband-steigende-pflegekosten-durch-leiharbeit-alterswissenschaftlerin-befuerchtet-hoehere-eigenanteile-fuer-pflegebeduerftige/-/id=233454/did=23867146/nid=233454/cxtj6c/index.html