Industrie & Handwerk & Agrar > Leiharbeit, bzw. moderner Sklavenhandel

Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie

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Fritz Linow:

--- Zitat ---3.4.18
Wie Leiharbeitsfirmen den Markt für Pflegekräfte aufmischen

Leiharbeitsfirmen rollen den Markt für Pflegekräfte auf, weil sie besser zahlen. Die Heime geraten dadurch in einen Teufelskreis.

(...)
Eine besondere Rolle spielen die Zeitarbeitsagenturen. „Wenn uns Mitarbeiter wegbrechen, kaufen wir dort für sehr viel Geld die Pflegekräfte ein, um die strengen Personalvorgaben zu erfüllen“, sagt Härtel-Lenssen. Bis vor etwas mehr als einem Jahr war das noch anders. Da standen die Zeitarbeitnehmerinnen auf der Matte, weil sie sich um eine Festanstellung im Wohnpark bewerben wollten. Inzwischen läuft es andersrum.
(...)
Ein wichtiger Grund ist, dass die Zeitarbeitsfirmen deutlich besser bezahlen. Während etwa in der Metall-Industrie Leiharbeitnehmer eher mit weniger Geld nach Hause gehen als die Stammbelegschaft, läuft es bei der Pflege inzwischen umgekehrt.
(...)
Sylvia Bühler, für die Pflege zuständiges Vorstandsmitglied bei der Gewerkschaft Verdi, kann den neuen Trend bestätigen. „Aktuell werden nach einer Auswertung der Bundesagentur für Arbeit 21.484 Pflegekräfte über Arbeitnehmerüberlassung eingesetzt.“ Ein Plus von 20 Prozent innerhalb eines Jahres.
(...)
--- Ende Zitat ---
http://www.handelsblatt.com/my/politik/deutschland/konkurrenz-im-altenheim-wie-leiharbeitsfirmen-den-markt-fuer-pflegekraefte-aufmischen/21135384.html

Fritz Linow:
Der VDAB ist der Lobbyverband für gut 1.600 Mitgliedsunternehmen der ambulanten und stationären Alten- und Behindertenhilfe.


--- Zitat ---5.4.
VDAB: Kostenträger sind verantwortlich für stark ansteigende Leiharbeit in der Langzeitpflege
(…)
Die Verantwortung für das Anwachsen der Leiharbeit liegt eindeutig bei den Kostenträgern.
(…)
--- Ende Zitat ---
https://www.vdab.de/presse/pressemitteilungen/news/vdab-kostentraeger-sind-verantwortlich-fuer-stark-ansteigende-leiharbeit-in-der-langzeitpflege/



--- Zitat ---Der VDAB vertritt bundesweit konsequent die Interessen der Unternehmen in der Privaten Professionellen Pflege.
--- Ende Zitat ---

Da die Interessen der Unternehmen darin bestehen, Gewinn zu machen und möglichst wenig an die Beschäftigten abzugeben, ist es irgendwie billig, die alleinige Schuld auf die Kostenträger/Krankenkassen zu schieben. Die Betreiber geizen mit jedem Scheiß herum, und jetzt, wo sie feststellen, dass Leiharbeit doch teurer ist, soll gefälligst mehr Geld fließen, damit der Gewinn stimmt.

Fritz Linow:

--- Zitat ---18.10.18
Bremer Kliniken steuern auf Rekorddefizit zu
(...)
Insidern zufolge war insbesondere der Monat September für die Geno ein Schlag ins Kontor, nicht zuletzt infolge schlechter Personalsteuerung. Auf Betreiben der Geschäftsführung sei die vergleichsweise teure Leiharbeit in diesem Monat drastisch zusammengestrichen worden. Das blieb offenbar nicht ohne Folgen für die Funktionsfähigkeit der einzelnen Häuser. An mehreren Standorten mussten zeitweise Stationen geschlossen werden, auf denen dann in der Folge auch keine Erträge erwirtschaftet werden konnten.
(...)
--- Ende Zitat ---
https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-bremer-kliniken-steuern-auf-rekorddefizit-zu-_arid,1776645.html

Fritz Linow:

--- Zitat ---29.10.18
Zeitarbeit lohnt sich nicht wirklich!
(...)
Es liegt allein in der Hand der Einrichtungsbetreiber und den dahinter stehenden Heuschrecken, diese Situation zu ändern. Denn, wenn die maßgeblichen Akteure sich dieser Situation fügen, die Rahmenbedingungen ändern, dann werden sie so ihre Pflegekräfte halten und neue hinzu gewinnen können. Maßgeblich sind hier die Zahlen: Gehalt, Dienstplan, Sicherheit.

Solange das Argument der Pflegekräfte in der Zeitarbeit lautet: „Ich habe Freiheiten über meinen Dienstplan!“ in Kombination „Ich habe mehr Netto als Ihr auf dem Konto“ bei den Leasingkräften als Argumente vorherrschen, wird die Zeitarbeit in der Pflege weiterhin immense Gewinne abschöpfen. Gewinne, die die Betreiber von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen viel besser für das eigene Personal verwenden könnten, wenn nicht die Dividende um die Ecke schaut.
--- Ende Zitat ---
https://frausofa.wordpress.com/2018/10/29/zeitarbeit-lohnt-sich-nicht-wirklich/

Es liegt natürlich nicht allein in der Hand der Einrichtungsbetreiber, aber immerhin wird die Pest der Leiharbeit nun auch von den Pflegenden selber kritisch gesehen.

Fritz Linow:

--- Zitat ---Fluch oder Segen der Zeitarbeit im Gesundheitssektor und der daraus resultierende Pflegenotstand

Der in der Bevölkerung stellenweise diskutierte Pflegenotstand hat nach Ansicht des Autors nicht nur die Ursache in der demographischen Bevölkerungsentwicklung, sondern auch im massiven Anstieg der Arbeitnehmerüberlassung (ANÜ) der letzten Jahre.
(...)
Sitzt man im Jahr 2018 zusammen um zu beratschlagen, wie man denn den Pflegenotstand zu lösen gedenkt, ist niemand auch nur im Ansatz in der Lage, auch nur zu erkennen, dass wir uns unser Problem selbstmachen.
Es sind nicht nur die renditeorientierten Träger, es sind auch die renditeorientierten Unternehmen, die sich fleissig am Topf der Solidargemeinschaft bedienen.
Deshalb muss die Konsequenz lauten, dass – ähnlich wie in der Baubranche – es ein Verbot der ANÜ und der Werkverträge geben muss.
--- Ende Zitat ---
http://www.labournet.de/?p=139953

Die Leiharbeitsbranche (die eigentlich keine Branche ist) versucht sich im Gesundheitswesen als die bessere Alternative darzustellen. Der Schuss geht nach hinten los, wenn noch viel mehr deutlich gemacht wird, dass die Sklavenhändler die Situation schamlos ausnutzen. Gerade beim emotionalen Thema "Pflegenotstand" müsste das eigentlich möglich sein. Ob jetzt ein Verbot der ANÜ in der Pflege sinnvoll ist? Schwierig. Wer will es einem verdenken, wenn er anderswo mehr verdient und bessere Bedingungen hat.

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