Autor Thema: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie  (Gelesen 19240 mal)

Fritz Linow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 2199
Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
« Antwort #30 am: 17:29:54 Mo. 23.September 2019 »
Zitat
23.9.19
Gesetzgeber will Leiharbeit in der Pflege weitgehend verhindern

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) will bei der geplanten besseren Vergütung der Pflege in den Krankenhäusern ein Ausweichen auf Leiharbeiter verhindern.

„Leiharbeit in der Pflege soll die Ausnahme sein und nicht die Regel werden“, sagte er heute. Pflegekräfte in Krankenhäusern bräuchten Kollegen, auf die sie sich verlassen könnten und die sie auch bei Wochenend- und Nachtdiensten entlasteten. „Deswegen schaffen wir Anreize, Pflegekräfte fest anzustellen, statt auf Leiharbeit auszuweichen.“

Konkret sollen höhere Kosten, die bei Leiharbeitskräften anfallen können, nicht von den Krankenkassen refinanziert werden, wie Spahn erläuterte. Dafür soll ein Änderungsantrag an einem anderen Gesetz angehängt werden, das in dieser Woche in den Bundestag ein­ge­bracht wird. (...)
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/106210/Gesetzgeber-will-Leiharbeit-in-der-Pflege-weitgehend-verhindern?

Fritz Linow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 2199
Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
« Antwort #31 am: 10:30:44 Di. 29.Oktober 2019 »
Zitat
28.10.19
Senatorin Kalayci will Leiharbeit in der Pflege verbieten

In Pflegeheimen und Kliniken fehlt Stammpersonal - auch, weil Fachkräfte von Leiharbeitsfirmen abgeworben werden. Berlin will im Bundesrat dagegen vorgehen.

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) will Leiharbeit in der Pflege verbieten lassen. Anfang 2020 soll Berlin dazu eine Bundesratsinitiative starten; ein solcher Arbeitsmarkt-Eingriff ist Bundessache. „Wir werden dazu auf Bundesebene aktiv werden, Genaueres stellen Akteure und ich aus der Pflegebranche demnächst vor“, sagte Kalayci dem Tagesspiegel am Montag.

Heim- und Klinikleiter berichten seit Jahren, dass Pflegekräfte zunehmend Betriebe verließen und sich von Leasing-Firmen anstellen lassen. Diese zahlen höhere Löhne, um die knapper werdenden Pflegekräfte in den Betrieben zu ersetzen. Zudem versuchen Leiharbeiter, den Nacht- und Wochenendschichten zu entgehen.

Darunter, dass die Belegschaften öfter wechselten, leide die Pflegequalität, sagte Kalayci. Damit es ausreichend Stammpersonal gebe, müsse besser entlohnt und öfter ausgebildet werden. Der Bundestag hatte deshalb am Donnerstag ein Gesetz verabschiedet: Es schafft die Grundlage für einen allgemeinverbindlich erklärten, also flächendeckenden Tarifvertrag in der Branche.
https://www.tagesspiegel.de/berlin/leasing-firmen-werben-fachkraefte-senatorin-kalayci-will-leiharbeit-in-der-pflege-verbieten/25162724.html

Fritz Linow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 2199
Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
« Antwort #32 am: 12:42:08 Do. 23.Januar 2020 »
Zitat
23.1.20
Online-Plattform InSitu legt Preisobergrenze für Zeitarbeit in der Pflege fest
Berliner Anbieter will Preisspirale in der Pflege stoppen


Das Berliner Unternehmen InSitu gibt heute bekannt, eine Preisobergrenze für die mit ihm kooperierenden Zeitarbeitsunternehmen im Bereich Pflege einzuführen. Ziel der Deckelung ist es, die in Teilen überhöhten Preise für Leiharbeit auf ein adäquates Maß zu reduzieren. (...)
Als Digital-Plattform kooperiert InSitu mit über 300 Zeitarbeitsfirmen, die Pflegepersonal an Kliniken, Pflegeheime oder Seniorenheime vermitteln. Aktuell erhält InSitu ein monatliches Volumen von 55.000 Personalanfragen, die das Unternehmen mit einer Buchungsquote von 87% erfolgreich beantwortet. (...)
https://www.presseportal.de/pm/140625/4499891

Tiefrot

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 3763
  • Rote Socke
Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
« Antwort #33 am: 22:51:26 Do. 23.Januar 2020 »
Zitat
Online-Plattform InSitu legt Preisobergrenze für Zeitarbeit in der Pflege fest
Berliner Anbieter will Preisspirale in der Pflege stoppen
Es ist eine Binse, das in Berufen mit wenig Leuten die Löhne steigen.
Was wollen die denn ? Examinierte Krankenpfleger für 'nen Euro die Stunde ?  >:(
Denke dran: Arbeiten gehen ist ein Deal !
Seht in den Lohnspiegel, und geht nicht drunter !

Wie bekommt man Milllionen von Deutschen zum Protest auf die Straße ?
Verbietet die BILD und schaltet Facebook ab !

Fritz Linow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 2199
Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
« Antwort #34 am: 22:57:24 Do. 23.Januar 2020 »
(...)
Was wollen die denn ? Examinierte Krankenpfleger für 'nen Euro die Stunde ?  >:(

Die wollen ihren Arsch retten. Lesenswert dazu:

Zitat
23.1.20
Aus der mal nicht eindeutigen Welt der Leiharbeit. In der Pflege. Oder: Wenn ausnahmsweise Arbeitgeber vor Leiharbeitern geschützt werden sollen
(...)
https://aktuelle-sozialpolitik.de/2020/01/23/aus-der-mal-nicht-eindeutigen-welt-der-leiharbeit/

Tiefrot

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 3763
  • Rote Socke
Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
« Antwort #35 am: 00:15:46 Sa. 25.Januar 2020 »
Danke für den Artikel, Fritz.

Zitat
Daher überbieten sich viele Verleiher mit vielversprechenden Zusagen. Von übertariflicher Bezahlung, Weihnachts- und Urlaubsgeld, verbindlicher Dienstplangestaltung weit im Voraus und steuerfreien Zulagen ist in den Stellenanzeigen die Rede. Manche locken auch mit einem Willkommensbonus in Höhe von mehreren Hundert Euro. Das treibt die Preise hoch.
Davon glaube ich kein Wort. Es ist ja bei Sklavenhändlern schon länger üblich,
Leute mit solchen Goodies zu ködern und dann nichts folgen zu lassen.
Kann mir nicht vorstellen, das die Spekulanten (Sklavenhändler sind durchgängig Spekulantenhappen)
sich das bieten lassen.

Zitat
Aber selbst wenn man eine Vollbremsung der Leiharbeit in der Pflege befürwortet, stellt sich eine gewichtige praktische Frage, die in dem Beitrag Der Gesetzgeber will Leiharbeit in der Pflege „weitgehend verhindern“. Selbst wenn er wollte – wie will er das machen?
Hmmmm - Wie wäre es mit einem ersatzlosen Totalverbot von (u.a.) Leiharbeit ?
Ach nee, wäre ja zu einfach und für die Arbeiter zu gut...  >:(

Zitat
Nun berichtet Rainer Woratschka unter der Überschrift Lohnbegrenzung für Pflege-Leiharbeiter in Berlin: »Die Drohung der Berliner Gesundheitssenatorin wirkt: Um ein Verbot für die Pflege zu verhindern, will der größte Vermittler Löhne von Leasingkräften begrenzen.«
Wieso dieses ? Pflege ist ein absoluter Knochenjob, was ist dagegen einzuwenden,
in dem Beruf anständig zu verdienen ?

Zitat
Deutschlands größte Vermittlungs-Plattform für Pflegekräfte plant nun eine Preisobergrenze für alle mit ihr kooperierenden Zeitarbeitsunternehmen, berichtet Woratschka und meint damit die Firma InSitu. Es handelt sich dabei also nicht um eine „klassische“ Verleihfirma, sondern um eine dieser Plattformen: InSitu ist eine digitale Plattform, die Pflegekräfte an Entleiher wie Kliniken oder Pflegeheime vermittelt. Dazu kooperiert InSitu mit über 300 Verleihern.
Latürnich, so läßt sich die Rendite hoch halten.

Zitat
Ziel der Deckelung ist es, die in Teilen überhöhten Preise für Leiharbeit auf ein adäquates Maß zu reduzieren. Der Einsatz von Zeitarbeit in der Pflege wird zunehmend problematisch, da sich die Arbeitsbedingungen des Stammpersonals im Verhältnis zum Zeitarbeitspersonal dramatisch verschlechtern.
Aha. Die Pflegeeinrichtungen sehen es also in keinem Falle ein, ihre Leute ordentlich zu bezahlen.
Und dann wundern die sich, das die keine Leute kriegen, bzw. auch für Leihkeulen immer mehr
bezahlen müssen ? Leute, für euch wird es so oder so teurer. Also zahlt gleich anständig.
Sich Mitarbeiter aus dem Ausland zu holen, scheint denen auch nicht mehr billig genug zu sein. Gut so !
Ist schon Scheiße, wenn Leute berichten, nech ?  ;D

Zitat
Durch die Tarifbindung sind Krankenhäuser und Pflegeheime nur sehr eingeschränkt wettbewerbsfähig in diesen beiden Feldern.
Krankenhäuser und Pflegeheime sind soziale Einrichtungen, verdammt noch mal !
Werft die Spekulanten endlich da raus !  >:(

Prof. Dr. Sell hat hier ganz gut wiedergegeben, das die Lohnwelt aus den Fugen ist.
Also Leiharbeit generell verbieten und anständige Löhne für die Arbeiter.
Und wie gesagt, Spekulanten raus aus der Daseinsvorsorge. Dann klappts auch wieder.  ;)
Denke dran: Arbeiten gehen ist ein Deal !
Seht in den Lohnspiegel, und geht nicht drunter !

Wie bekommt man Milllionen von Deutschen zum Protest auf die Straße ?
Verbietet die BILD und schaltet Facebook ab !

Fritz Linow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 2199
Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
« Antwort #36 am: 23:21:07 Di. 04.Februar 2020 »
Ein weiterer Bericht zur Leiharbeit in der Pflege:

Zitat
4.2.20
Weshalb immer mehr Bremer Pflegekräfte in die Leiharbeit fliehen

Bremens Kliniken verlieren zunehmend Personal, das sie anschließend über Zeitarbeitsfirmen auf Station zurückholen. Darum verzichten viele auf die sichere Festanstellung. (...)
https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/gesellschaft/leiharbeit-pflegebranche-100.html

Bei der gesamten Berichterstattung kommt immer rüber, dass die Sklavenhändler in größter Not für die Beschäftigten eingesprungen sind und die Sklavenhändlerbranche nur von dem Pflegenotstand profitiert. Nebenbei ist es so, dass es schon seit Jahren Strategiepapiere von einigen IGZ- und BAP-Pfeifen gibt, in denen ganz genau die Marktlage analysiert wurde. Da ist dann die Rede davon, wo man präsent sein könnte, um das eigene Image aufzupolieren. Konsequenterweise wurde der Pflegesektor ausgewählt, der sich am wenigsten wehren kann, da er immer noch unter die allgemeine Daseinsfürsorge fällt.
Leiharbeit als Alternative in der Pflege wurde langfristig geplant und ist ein großartiges Projekt der "Köpfe der Zeitarbeit":
https://forum.chefduzen.de/index.php/topic,28830.0.html

Die ganze Absurdität der jetzigen Situation lässt sich mMn tatsächlich nur dadurch lösen, indem man Leiharbeit in der Pflege verbietet, auf dass die Spaltung endlich aufhört und ein schöner Dominoeffekt auch in anderen Branchen entsteht. 


Fritz Linow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 2199
Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
« Antwort #37 am: 21:53:36 So. 08.März 2020 »
Zitat
8.3.20
Zeitarbeit in der Pflege

Der Pflegenotstand hat sich in den letzten zwei Jahren immer weiter zugespitzt. Nicht nur der deutsche Markt ist leergefegt, auch im europäischen Ausland gibt es kaum noch Pflegekräfte, die in Deutschland arbeiten könnten. Die Not der Kliniken ist für Zeitarbeiter eine gute Nachricht: Weil sie die Lücken füllen, können sie die Bedingungen fast nach Belieben diktieren: Mehr Gehalt als das Stammpersonal, freie Wahl der Arbeitszeiten und Schichten. Arbeitsbedingungen von denen das Stammpersonal nur träumen kann. Die Kliniken fürchten jetzt einen Dominoeffekt: Immer mehr Pflegekräfte könnten sich für die attraktivere Zeitarbeit entscheiden und die Lage weiter verschärfen.
https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/westpol/video-zeitarbeit-in-der-pflege-100.html

Entweder die Profiteure der Gesundheitsindustrie gewinnen lassen oder kämpfen. Der DGB mit seinem vorauseilenden Gehorsam ist da wohl eher ein schlechter Berater. Musss auch ohne gehen...

Fritz Linow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 2199
Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
« Antwort #38 am: 15:13:55 Do. 02.April 2020 »
Klitzekleines Argument gegen Leiharbeit ist wohl neuerdings auch der ständig wechselnde Arbeitsplatz und die damit verbundene Durchseuchung von Stationen und ganzer Pflegeheime.

Fritz Linow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 2199
Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
« Antwort #39 am: 11:11:47 Di. 14.April 2020 »
Zitat
14.4.20
Pfleger positiv: 15 Klinikmitarbeiter in Quarantäne
(...)
Warum er sie verschwieg, ist bisher nicht bekannt. Der Pfleger war als Leiharbeitskraft eingesetzt.
(...)
https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/lueneburg_heide_unterelbe/Pfleger-positiv-15-Klinikmitarbeiter-in-Quarantaene,coronavirus1374.html

Das kann natürlich auch ohne Leiharbeit in der Pflege passieren, das Werbeargument der spannenden wechselnden Arbeitsorte gildet aber nun nicht mehr.

Schildhorster

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 6
Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
« Antwort #40 am: 05:59:46 Di. 21.April 2020 »
Die ganze Absurdität der jetzigen Situation lässt sich mMn tatsächlich nur dadurch lösen, indem man Leiharbeit in der Pflege verbietet, auf dass die Spaltung endlich aufhört und ein schöner Dominoeffekt auch in anderen Branchen entsteht.
Ich habe gelesen und inzwischen auch auf Nachfrage aus meinem privaten Umfeld erfahren, dass immer mehr Pflegekräfte bei ihrem Arbeitgeber kündigen und in die Leiharbeit wechseln. Gründe sind die bessere Bezahlung und vor allen Dingen bessere Arbeits(zeit)bedingungen (als Leiharbeiter sind sie nicht so schnell erpressbar).
Das würde bedeuten, dass ein Verbot der Leiharbeit in diesem Bereich die Situation verschlechtert.... 
Mir ist klar, dass das so nicht stimmt, es soll aber zeigen, dass das Problem vielschichtiger ist. Das sehen wir ja gerade jetzt in der Corona-Krise.

Fritz Linow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 2199
Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
« Antwort #41 am: 16:37:20 Do. 30.April 2020 »
Zitat
30.4.20 (komplett wegen "Registrierungszwang")

Weniger Leih-Pflegekräfte in der Coronakrise

Zeitarbeitsfirmen haben in der Coronakrise eigentlich eine wachsende Nachfrage von Pflegekräften erwartet und rechneten bereits mit steigenden Entgelten. Einige Zeitarbeitsfirmen verzeichnen nun jedoch Nachfragerückgänge bei Pflegehelfern von 70 Prozent und müssen selbst Kurzarbeit anmelden.

Viele Krankenhäuser haben wie von der Politik gefordert in der Coronavirus-Krise ihre Behandlungskapazitäten hochgefahren. Dafür haben sie auch in großen Aufrufen Medizinstudenten in höheren Semestern, pensionierte Pflegekräfte und Berufswechsler mit einem medizinischen Abschluss reaktiviert, um für den vermuteten Ansturm von Covid-19-Patienten gerüstet zu sein. Das Potenzial von Leih-Pflegekräften bleibt jedoch weitgehend ungenutzt, zeigen Recherchen von Tagesspiegel Background. Und das obwohl die Zahl von Pflegekräften in Kliniken und Pflegeheimen wächst, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben und deshalb unter Quarantäne stehen.

Allein in Berlin sind derzeit knapp 100 Mitarbeiter in den stationären Pflegeheimen nachgewiesenermaßen infiziert. Vor diesem Hintergrund hatten noch im März Zeitarbeitsfirmen, die auf die Überlassung von Pflegekräften spezialisiert sind, eine stark wachsende Nachfrage nach ihrer Dienstleistung erwartet. Man rechnete bereits mit steigenden Entgelten dafür. Laut einer 2019 veröffentlichten Detailanalyse der Bundesagentur für Arbeit gibt es in der Krankenpflege in Deutschland rund 22.000 Leiharbeitnehmer, in der Altenpflege 12.000. Mit steigender Tendenz.

Doch ausgerechnet in einer Zeit, in der zum einen durch den Ausbau von Behandlungskapazitäten in den Krankenhäusern und zum anderen durch eine immer größere Zahl von infizierten Pflegekräften die Lücken größer werden, bleibt diese Personalreserve zum großen Teil ungenutzt. Tagesspiegel Background hat sich bei Vermittlungsagenturen und Zeitarbeitsfirmen umgehört. Das Ergebnis: Der erwartete große Nachfragesprung bei den Leasingkräften in der Pflege blieb aus. Der Bedarf fällt derzeit sogar geringer aus als im Vorjahr. „Wir registrieren aktuell eine Halbierung der Nachfrage zum Vorjahr“, sagt Alexander Muschalle, Geschäftsführer der Berliner Firma InSitu, dem nach eigenen Angaben größten Vermittlungsportal in Deutschland, das Auftraggeber und Leiharbeitsfirmen in der Pflege zusammenbringt.

Sinkende Preise

Mit 70 Prozent weniger sei der Nachfragerückgang bei den Pflegehelfern „dramatisch“. Auch die Nachfrage nach Fachkräften sei deutlich zurückgegangen. Das Ergebnis des Einbruchs sei, dass bereits einige Zeitarbeitsunternehmen Kurzarbeit anmelden mussten. Und der Nachfragerückgang wirkt sich auch auf die Honorare aus: „Die Preise der Verleiher sinken“, sagt Muschalle. Ähnliche Erfahrungen macht die Berliner Zeitarbeitsfirma Anbosa, die auf die Überlassung von Pflegekräften in Berliner und Brandenburger Krankenhäusern und Pflegeheimen spezialisiert ist. „Im Vorjahresvergleich erleben wir gerade eine stark rückläufige Nachfrage sowohl nach Leasingkräften, als auch nach Freelancern“, sagt Anbosa-Geschäftsführer Andreas Worch. „Wir haben grob geschätzt etwa zehn Prozent weniger Anfragen.“

Einen rückläufigen Bedarf bestätigt auch die auf Pflege spezialisierte Berliner Zeitarbeitsfirma Flexxicare, „sowohl in den Kliniken als auch in den Pflegeeinrichtungen“, sagt Ulrike Müller, stellvertretende Geschäftsführerin von Flexxicare. Die Gründe lägen auf der Hand, meint Worch. „Krankenhäuser haben viele Stationen geschlossen, um die Intensivbetten und die personellen Kapazitäten dafür bereitzustellen.“ Weil die übrigen Stationen nicht belegt seien, könnten die „Kundenbetriebe“ in der Regel den Bedarf aus eigenen Reihen sicherstellen. Das zeige sich schon daran, dass einige Krankenhäuser in Deutschland Kurzarbeit angemeldet hätten.

Und auch in den Pflegeheimen wachse der Personalbedarf nicht, denn dort habe „ein stilles Sterben begonnen“. Etwa ein Drittel aller Corona-Toten lebte in Heimen. Ein weiterer Grund sei, dass Pflegeheime Leasingpersonal mit größter Achtsamkeit buchen, um das Eintragen von Infektionen ins Haus zu vermeiden, sagt Flexxicare-Vizechefin Müller. Und auch die Leasingfirmen selbst leiden unter einem hohen Krankenstand. „Wir hatten in den schlimmsten Zeiten der Pandemie einen coronabedingten Personalausfall in Höhe von 20 Prozent“, sagt Anbosa-Geschäftsführer Worch. „Es ist anderes gekommen, als wir alle dachten“, sagt InSitu-Chef Muschalle. „Der Markt ist extrem zurückgegangen, da die Einrichtungen sehr hohe Kapazitäten geschaffen haben und wir in Deutschland keine Überforderung des Gesundheitssystems haben.“

Und vielleicht ist genau das ein weiteres Argument für die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD), die daran festhält, das Verbot von Leasing in der Pflege vorantreiben zu wollen. Die Bundesratsinitiative zur Eindämmung der Leiharbeit in der Pflege wurde am 13. März in den Bundesrat eingebracht und in die Ausschüsse überwiesen, die wegen der Coronakrise derzeit pausieren. Das Thema wird also wiederkommen.
https://background.tagesspiegel.de/gesundheit/weniger-leih-pflegekraefte-in-der-coronakrise

Zitat
30.4.20
Corona im Vitanas-Seniorenheim in Wankendorf: Ein als Leiharbeiter eingesetzter Pfleger ist mit dem Virus infiziert, er wurde positiv getestet. Ein Wohnbereich mit 40 Menschen ist isoliert.
(...)
Der infizierte Mitarbeiter einer Leasingfirma sei nur an einem Tag für eine einzige Schicht im Einsatz gewesen.
(...)
https://www.kn-online.de/Lokales/Ploen/Corona-Fall-in-Wankendorf-Vitanas-Pflegeheim-sieht-keinen-Grund-zur-Sorge

Fritz Linow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 2199
Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
« Antwort #42 am: 10:14:17 Mi. 19.August 2020 »
Zitat
19.8.20
„Vor uns sitzen weinende Kolleg*innen“

taz: Herr Fabian, in Ihrem Aufruf zu der Kundgebung heute heißt es, „die Situation der Pflegenden in den Krankenhäusern und Altenheimen wird immer unerträglicher“. Gilt das nicht schon lange?

Roman Fabian: Ja, wir hatten schon vor Corona einen gravierenden Fachkräftemangel. (...)

Ich habe gehört, dass die Altenheime jetzt Pflegepersonal an die Kliniken verlieren, weil die Arbeitsbedingungen dort noch unerträglicher sind. Stimmt das?

Jein. Es wandern aus den Altenheimen gerade viele in die Leiharbeitsfirmen ab und werden dann von diesen an die Kliniken ausgeliehen. Das Problem ist dann, dass sie dort nicht nur für Hilfstätigkeiten eingesetzt werden, sondern ganz regulär in der Krankenpflege. Dabei sehen die meisten ein Krankenhaus zum ersten Mal von innen. Das führt dazu, dass die Kolleg*innen in den Kliniken deren Arbeit kontrollieren müssen, damit keine Patient*innen gefährdet werden. (...)
https://taz.de/Vor-uns-sitzen-weinende-Kolleginnen/!5702673/

Zitat
Kundgebung: „Mehr Personal und mehr Geld für die Beschäftigten in den Krankenhäusern und in der Altenpflege“, 14 Uhr, Haltestelle Klinikum Links der Weser

Fritz Linow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 2199
Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
« Antwort #43 am: 13:15:28 Di. 25.August 2020 »
Zitat
24.8.20
Angestellte Pflegekräfte sehen Zusammenarbeit mit Zeitarbeitenden kritisch

Das geht aus einer Online-Umfrage her­vor, die die Pflegekammer Niedersachsen zwi­schen September und November 2019 in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung (dip) durch­geführt hat. Von den 2.662 Mitgliedern der Kammer, deren Antworten ausgewertet wurden, arbeiteten 86 Prozent als Angestellte und vier Prozent als Zeitarbeiter. (...)
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/115888/Angestellte-Pflegekraefte-sehen-Zusammenarbeit-mit-Zeitarbeitenden-kritisch