Autor Thema: Gig Economy - besonders hip, besonders scheiße  (Gelesen 7939 mal)

Kuddel

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Gig Economy - besonders hip, besonders scheiße
« am: 17:27:14 Sa. 30.September 2017 »
Bis vor Kurzem sagte mir dieser Begriff noch nichts.

Plötzlich gilt die "Gig Economy" als größter Wachstumsmotor schlechthin.

Zitat
Gig-Economy:
Von Auftrag zu Auftrag

Festanstellung? War gestern. Die Zahl der Freelancer wächst. Daraus erwachsen ist die sogenannte Gig-Economy, in der sich Paketboten, Taxifahrer oder Designer von Auftrag zu Auftrag hangeln. Was macht das mit dem Arbeitsmarkt?

http://www.zeit.de/thema/gig-economy

Zitat
Was war noch mal … die Gig Economy?

 Die Gig Economy bezeichnet einen vergleichsweise neuen Teil des Arbeitsmarktes. Kleine Aufträge, die kurzfristig an eine Vielzahl von unabhängigen Freiberuflern vergeben werden. So wie Musiker von ­einem bezahlten Auftritt (Gig) zum nächsten hangeln sich beispielsweise Uber-Fahrer oder Deliveroo-Boten von einem Auftrag zum anderen. Auf Plattformen wie Myhammer oder Taskrabbit werden Handwerks- oder Putztätigkeiten vermittelt. Bei Twago oder Upwork können Firmen einzelne Aufträge oder Projekte an Designer, Übersetzer oder Texter vergeben.

Von der klassischen Freiberuflichkeit, die in vielen Branchen seit Langem üblich ist, unterscheidet sich die Gig Economy dadurch, dass meist eine Onlineplattform als Mittler zwischen Auftraggeber und dem Auftragnehmer steht. Diese kassiert eine Provision und diktiert die Spielregeln. Oft wird deshalb auch von einer „Plattformisierung der Arbeit“ gesprochen. In der Gig Economy spielen langfristige Festanstellungen keine Rolle. Für gesuchte und spezialisierte Fachleute, die global tätig sein können, führe sie zu einer Blütezeit der flexiblen und unabhängigen Arbeit, so die Optimisten. Auf der anderen Seite ­befürchten Kritiker die Ausbeutung von Menschen, die auf dem klassischen Arbeitsmarkt keinen Platz (mehr) finden.

Wer hat’s erfunden?

In den USA wurde der Begriff Anfang 2009 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise geprägt. Für viele, die ihre Anstellung verloren, war eine Kombination aus vielen kleinen Jobs die einzige Alternative. Durch das Aufkommen von Onlineplattformen wie Uber (ebenfalls 2009 gegründet) oder Lyft (2012) in den folgenden Jahren etablierte sich der Begriff. Gleichzeitig stellte sich immer häufiger die Frage, ob die vermittelnden Firmen tatsächlich nur als neutrale Vermittler zwischen Auftraggebern und Auftragnehmern fungieren. Oder ob sie stattdessen weitergehende Verantwortung haben – sowohl für die Freelancer als auch für die Kunden beziehungsweise Auftraggeber. In Deutschland verboten die Richter des Landgerichts Frankfurt 2015 der Firma Uber, mit Fahrern ohne behördliche Beförderungserlaubnis der traditionellen Taxibranche Konkurrenz zu machen. (...)
weiter: https://www.brandeins.de/archiv/2017/offenheit/was-war-noch-mal-die-gig-economy/

Zitat
Gig-Economy und Plattform-Boom: Droht ein neuer Räuberkapitalismus?

Die Gig-Economy erlaubt es Millionen Menschen, selbstbestimmt zu arbeiten. Sie konzentriert aber auch mehr Macht in den Händen der Plattformbetreiber. Das Soziale bleibt dabei auf der Strecke.


... „Wenn wir eine neue Reinigungskraft auf die Plattform stellen, ist der Kalender innerhalb von zwei Tagen gefüllt“, sagt Claude Ritter, Mitgründer von Book A Tiger. So schnell wachse die Nachfrage, erzählt der Jungunternehmer, dass seine Firma Monat für Monat mehr als 50 weitere Putzhelfer beschäftige – zusätzlich zu den über tausend, die jetzt schon für das Berliner Startup im Einsatz sind.

Der Boom solcher Dienste illustriert die steile Karriere der Gig Economy: Ein Modell, das mit Freizeit-Taxifah­rern und Feierabend-­Pizza­kurieren begann, erobert immer neue Branchen. Angereichert mit Social-Media-Elementen, die Vertrauen schaffen, vergeben Plattformen wie Twago, Upwork oder Projektwerk inzwischen auch Aufträge für Ingenieure, Grafikdesigner oder Software-Entwickler.

Zwar betätigen sich bisher erst acht Prozent der Deutschen als Crowdworker, und das Konzept taugt längst nicht für alle Wirtschaftszweige. Doch im Service-Sektor gewinnt es schnell neue Anhänger.(...)
https://www.wired.de/collection/life/gig-economy-plattformen-service-kapitalismus-ausbeutung-soziale-sicherung

Und hier eine aktuelle Meldung:

Zitat
Ikea baut auf die Gig Economy
Möbelkonzern übernimmt Online-Vermittler für kleine Handwerksleistungen


San Francisco. Ikea will es seinen Kunden einfacher machen, jemanden zum Zusammenbau der frisch gekauften Möbel zu engagieren. Der schwedische Möbelriese übernimmt dafür das Start-up TaskRabbit, einen Vermittler von Arbeitskräften für kleine Aufgaben im Haushalt. In einer Nachricht an TaskRabbit-Kunden hieß es, man werde sich Ikea-Möbel zu einem erschwinglichen Preis liefern und montieren lassen können. Zugleich betonte Ikea, die Online-Plattform solle unter dem Konzerndach unabhängig agieren und »Tasker« würden wie bisher auch für alle möglichen anderen Aufgaben zur Verfügung stehen.

Ein Kaufpreis wurde am Donnerstag nicht genannt. TaskRabbit mit Sitz in San Francisco ist bisher in 40 US-Städten und außerhalb des Heimatmarkts nur in London aktiv. In der britischen Hauptstadt hatten die beiden Firmen bereits seit dem vergangenen Jahr in einem Pilotprojekt die Vermittlung von Leuten für den Zusammenbau von Ikea-Möbeln getestet. Nach der Übernahme soll die bisherige TaskRabbit-Chefin Stacy Brown-Philpot, eine frühere Google-Managerin, das Geschäft weiterführen.

Das Start-up ist ein Pionier der sogenannten Gig Economy. Hier werden kleine Aufträge kurzfristig an eine Vielzahl unabhängiger Freiberufler vergeben. Diese hangeln sich wie Musiker von einem bezahlten Auftritt (Gig) zum nächsten. Dabei geht es um Handwerksleistungen, aber auch Übersetzungen oder Putztätigkeiten. Von der klassischen Freiberuflichkeit unterscheidet sich die Gig Economy dadurch, dass meist eine Onlineplattform als Mittler zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer steht, dabei eine Provision kassiert und die Spielregeln diktiert. Der Vormarsch in den USA schürt zugleich soziale Sorgen, weil es in ihr weder Jobsicherheit noch Zahlungen im Krankheitsfall oder Urlaubsgeld gibt. Es wird auch befürchtet, dass die Betroffenen dauerhaft aus dem ersten Arbeitsmarkt ausgeschlossen werden.

Über TaskRabbit kann alles von der Putzhilfe über Rasenmähen bis zu Handwerkeraufgaben geordert werden. Das Unternehmen spezialisierte sich nie auf einzelne Aufgaben. Nischen werden erfolgreich von spezialisierten Anbietern ausgefüllt, etwa bei Fahr- oder Lieferdiensten. Die Montage von Ikea-Möbeln soll auch bisher schon eine oft nachgefragte Aufgabe gewesen sein.

Dem Technologieblog »Recode« zufolge, das zuerst über den Ikea-Deal berichtet hatte, nahm TaskRabbit in den vergangenen neun Jahren 50 Millionen Dollar von Investoren ein und war zuletzt profitabel. Rund 60 000 Arbeitskräfte böten sich über die Plattform an.
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1065384.ikea-baut-auf-die-gig-economy.html

Kuddel

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Re:Gig Economy - besonders hip, besonders scheiße
« Antwort #1 am: 13:26:12 Do. 18.Januar 2018 »
Na, sind die Hipster-Konzernsklaven doch nicht cool und bewundert?

Zitat
Silicon Valley
Apple und Google leiten ihre Pendlerbusse nach Angriffen um

Unbekannte beschießen oder bewerfen offenbar die Pendlerbusse, mit denen Apple und Google ihre Mitarbeiter täglich von San Francisco ins Silicon Valley bringen. Die Konzerne reagieren mit Umleitungen.
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/apple-und-google-leiten-ihre-pendlerbusse-nach-angriffen-um-a-1188519.html

BGS

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Re:Gig Economy - besonders hip, besonders scheiße
« Antwort #2 am: 14:04:05 Do. 18.Januar 2018 »
Schade, dass der Speigel nicht mehr lesbar ist. Naja, ist eh zum Drecksblatt gemacht worden seit Augsteins Tod.
Zitat
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Re:Gig Economy - besonders hip, besonders scheiße
« Antwort #3 am: 19:04:56 Do. 18.Januar 2018 »
Nein, auch unter Augstein war es ein Drecksblatt!!
Aber schlimmer geht immer.

Ein paar Auszüge aus dem Artikel:

Zitat
...In einer E-Mail der bei Apple für die Busse zuständigen Abteilung heißt es demnach: "Aufgrund der aktuellen Vorkommnisse besonders auf dem Highway 280 leiten wir die Busse bis auf Weiteres um. Für einige Pendler könnte das eine um 30 bis 45 Minuten längere Fahrtzeit pro Stecke bedeuten."

An vier Bussen wurden Fensterscheiben eingeschlagen. Die Vorfälle sollen sich zwischen dem 12. und 16. Januar ereignet haben. Ein Mitarbeiter spekuliert, jemand schieße mit Gummigeschossen auf die von Apple gemieteten Fahrzeuge. Das Unternehmen arbeite eng mit der Polizei zusammen, um die Zwischenfälle zu untersuchen, heißt es in der E-Mail weiter.

Auch ein Google-Bus wurde attackiert. Der Internetkonzern lässt seine Busse aus Sicherheitsgründen jetzt ebenfalls eine andere Route nehmen...

Hightech-Arbeiter als Ursache hoher Mieten

...Gentrifizierungsgegner kritisieren die Praxis seit Jahren. Manche versuchen, sich juristisch dagegen zu wehren, andere haben schon Busse blockiert, Reifen aufgeschlitzt und Scheiben eingeworfen.

Dass die jüngsten Angriffe auf die Busse von Apple und Google mit diesen Gruppen zusammenhängen, ist bislang aber nicht bewiesen.
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/apple-und-google-leiten-ihre-pendlerbusse-nach-angriffen-um-a-1188519.html

Kuddel

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Re:Gig Economy - besonders hip, besonders scheiße
« Antwort #4 am: 09:40:23 Fr. 19.Januar 2018 »
Zitat
Crowdwork:
Selbstständig? Abhängig!

Klickarbeiter bekommen Aufträge über Onlineplattformen und werden dort auch von ihren Kunden bewertet. Wie beeinflusst dieser Arbeitsmarkt künftig traditionelle Berufe?

...
Vor allem die Internet- und Start-up-Branche zelebriert die sogenannte digitale Bohème und verspricht so arbeiten zu können, wie es einem passt.
...
Die Jobs sind prekär. Die digitalen Arbeiter haben nicht den arbeitsrechtlichen Schutz wie abhängige Beschäftigte. Sie haben keinen Kündigungsschutz, keinen bezahlten Urlaub, keinen Mutterschutz und keinen Lohn, wenn sie krank werden. Die Crowdworker sind als Selbstständige registriert. Gleichzeitig bestimmen aber die Plattformen darüber, wie die Arbeit organisiert und strukturiert ist: Sie definieren die Aufgaben und Vergütung, sie legen fest, über welche Kanäle man kommunizieren kann und nach welchen Kriterien die Arbeiter oder ihre Arbeit bewertet und bezahlt werden. Vieles bleibt für die Crowdworker selbst intransparent.
...
Es ermöglicht den Auftraggebern, auf Arbeitskraft für ganz kurze Zeiten und überall auf der Welt zuzugreifen, ohne jemanden dafür einstellen zu müssen. Und gleichzeitig wird die Arbeit mit neuen Technologien bewertet, kontrolliert und kommuniziert, auf die die Crowdworker selbst wenig Einfluss haben
...
Auf Mikroplattformen werden Jobs erledigt, die schnell gemacht sind und für die man kaum professionelles Vorwissen braucht. Man schreibt etwa kurze Texte über Produkte, kategorisiert Bilder oder sucht Fehler in Apps. Pro Job gibt es immer nur ein paar Euro oder Centbeträge. Die Arbeit wird danach mit Sternen oder in Prozent bewertet. Nur wer eine hohe Bewertung hat, bekommt besser bezahlte Jobs.
...
Wir schätzen, dass die meisten auf den Mikroplattformen etwa zehn Stunden pro Woche arbeiten und zwischen 100 und 500 Euro im Monat verdienen. Nicht miteingerechnet ist allerdings, dass man auch mal umsonst arbeitet. Das passiert vor allem am Anfang vielen, weil sie nicht schnell genug einen Fehler in einer App finden oder sich erst einmal einarbeiten müssen, um einen Text nach den Kriterien des Auftraggebers schreiben zu können. Außerdem schwankt die Auftragslage häufiger.
...
Ein Crowdworker hat mir im Gespräch gesagt, seine Arbeit sei wie Flaschensammeln im Internet.
...
Interessant ist, dass viele sich nicht als Crowdworker bezeichnen, sondern eher als Kreative oder Freelancer. Auch die Plattformen sprechen lieber von User als von Crowdworker. Es gibt also bislang keine gemeinsame Klassenidentität als "digitales Proletariat".
...
In den USA gibt es verschiedene Netzwerke, auf denen sich Crowdworker untereinander austauschen können. In Deutschland gibt es bislang kaum Ansätze der Selbstorganisierung. 
...
Crowdwork ist ein Experimentierfeld für die Arbeit der Zukunft.
http://www.zeit.de/arbeit/2018-01/crowdwork-selbststaendigkeit-digitale-arbeit-arbeitsbedingungen-interview/komplettansicht

Kuddel

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Re:Gig Economy - besonders hip, besonders scheiße
« Antwort #5 am: 12:53:04 Sa. 31.März 2018 »
Zitat
4 Euro Grundlohn, weder Kranken- noch Urlaubsgeld und die erbarmungslose öffentliche Bewertung der eigenen Arbeit – das ist der Arbeitsalltag für Internetplattform-Arbeiter. Eva lieferte mit ihrem Fahrrad Essen für foodora aus, Dinko fährt Taxi für uber und Vanessa verkauft ihre Putzdienste über extrasauber. Sie erzählen von ihrer Arbeit und warum sie sich Freiheit versprochen, aber Ausbeutung bekommen haben.

„Gig Economy“ wird er genannt, dieser neue Teil des Arbeitsmarkts. Arbeitsaufträge werden  häppchenweise über Online-Plattformen vergeben, die Beschäftigten nur pro Auftrag („Gig“) gebucht. Sonst gibt es keine Absicherung. Die Arbeitsgeräte müssen die Beschäftigten selbst bereitstellen, der Lohndruck ist groß und auch das Risiko tragen die Beschäftigten allein.

Schuften im Akkord

Wer über Online-Plattformen wie foodora, uber oder extrasauber arbeitet, kennt in der Regel weder KollegInnen noch Vorgesetzte.
weiter: https://kontrast.at/ausbeutung-auf-bestellung-3-plattform-tageloehner-erzaehlen-ueber-ihre-jobs/

ManOfConstantSorrow

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Re:Gig Economy - besonders hip, besonders scheiße
« Antwort #6 am: 08:36:38 Sa. 28.April 2018 »
Der Deutsche Gewerkschaftsbund warnt vor dem Entstehen eines digitalen Prekariats.

Bestimmte Szenarien in der Internetwirtschaft müssten einem Sorgen bereiten, sagte DGB-Chef Hoffmann im Deutschlandfunk. So weigere sich etwa der Fahrdienstvermittler Uber, seine Rolle als Arbeitgeber anzunehmen, und Amazon behindere Betriebsratswahlen.

http://www.deutschlandfunk.de/arbeitswelt-dgb-chef-warnt-vor-dem-entstehen-eines.2932.de.html?drn:news_id=876871
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Kuddel

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Re:Gig Economy - besonders hip, besonders scheiße
« Antwort #7 am: 13:09:54 Fr. 25.Mai 2018 »
Ick glob, ick spinne.
Jetzt erklärt Merkel dem verschnarchten DGB, daß man mal was gegen die Ausbeutung in der digitalen Wirtschaft tun muß:
Zitat
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Schutz von Konsumenten und Arbeitnehmern vor Ausbeutung im Zuge der digitalen Umwälzungen gefordert.
"Weder wollen wir die weltweiten Monopole, noch wollen wir die digitalen Tagelöhner“
„Wenn da nichts geschieht, wird es eine ausbeuterische Struktur.“
https://www.heise.de/newsticker/meldung/Merkel-ruft-zu-Schutz-vor-digitaler-Ausbeutung-auf-4049967.html

BGS

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Re:Gig Economy - besonders hip, besonders scheiße
« Antwort #8 am: 18:34:07 Fr. 25.Mai 2018 »
Wer hätte sich das vorstellen können.

MfG

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Troll

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Re:Gig Economy - besonders hip, besonders scheiße
« Antwort #9 am: 11:02:45 So. 27.Mai 2018 »
War doch beim vorübergehenden Sozialdemokratischen Heiland Schulz ähnlich, Merkel hat ihm die die geltende deutsche Asylgesetzgebung um die Ohren gehauen, Merkel braucht gar nichts besser zu machen, die knallt den Meckerern nur die eigene Zuständigkeit/Unwissenheit vor den Latz und schon ist Ruhe.
Putin kann es genauso gut, er ist Scheiße, aber die anderen/seine Gegner sind noch Beschissener, der dreht Angriffe einfach nur herum und trifft damit so gut wie immer ins Schwarze,
Die Abwärtsspirale dreht sich auch im politischen.
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti

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Re:Gig Economy - besonders hip, besonders scheiße
« Antwort #10 am: 17:40:54 So. 27.Mai 2018 »
Da trifffst Du, "Troll", den Nagel auf den Kopf.

MfG

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Re:Gig Economy - besonders hip, besonders scheiße
« Antwort #11 am: 12:08:34 Mo. 16.Juli 2018 »
Riders unite: ein Kampfzyklus in der Gig Economy

Wir werden gerade Zeug_innen eines Prozesses, in dem Unternehmen wie Uber, Deliveroo and Amazon Turk arbeitsrechtlichen Schutz umgehen und ihr unternehmerisches Risiko durch Scheinselbständigkeit, "Gig Economy", Platform und Crowd Arbeit auf die Schultern der Arbeiter_innen abladen.

Essenszusteller_innen, die für Deliveroo, Foodora und Uber Eats arbeiten, stehen an vorderster Front im Kampf gegen die Ausbereitung prekärer Arbeit in der Gig Economy. In den letzten beiden Jahren haben sich ihre Kampagnen für bessere Arbeitsbedingungen international und über Kontinente hinweg ausgebreitet.

Mit irregulären Arbeitszeiten, einer fragmentierten Arbeitskraft, hoher Fluktuation und der ständigen Gefahr entlassen zu werden, organisieren sich diese Rider unter besonders schwierigen Bedingungen. Angesichts dieser Herausforderungen haben sie jedoch neue Wege gefunden ihre Kampagnen voranzubringen, durch direkte Aktionen, Petitionen, Streikposten vor Restaurants und Wilde Streiks. Manche dieser Aktionen hatten durchschlagenden Erfolg und brachten wichtige Ergebnisse.

Ein längerer Text und 5 Videos dazu bei Labournet TV:
https://de.labournet.tv/riders-unite-ein-kampfzyklus-der-gig-economy

Kuddel

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Re:Gig Economy - besonders hip, besonders scheiße
« Antwort #12 am: 20:00:22 So. 11.November 2018 »
Die App ist der Feind
Der Kapitalismus bringt ständig neue Formen von Ausbeutung hervor – und erzwingt so immer neue Formen des Kampfes


Lesenswert: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/die-app-ist-der-feind

Naja, auch ein wenig linkes Gelaber.
Chefduzenlektüre zum Thema ist meist interessanter, bzw. dort stand das gleiche bereits vor Jahren.

Kuddel

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Re: Gig Economy - besonders hip, besonders scheiße
« Antwort #13 am: 12:19:02 Do. 09.Mai 2019 »
Ich finde es erstaunlich, daß für viele die Begriffe "Start-up" oder "Gründer" einen positiven Klang haben. Ich kriege bei diesen Vokabeln das kalte Kotzen. Ich weiß nicht, was an dieser hippen Ausbeutung toll sein soll.

Immerhin gibt es inzwischen häufiger kritische Stimmen zu diesem Mythos. Das ist vielleicht ein erster Schritt.

Zitat
Studie über Crowdworking
Die nächste Arbeiterklasse

Wer sind eigentlich die Menschen, die ihr Geld mithilfe von Online-Plattformen verdienen? Eine Studie gibt Antworten.


Sie vermieten ab und an Ihre Wohnung über Airbnb? Herzlichen Glückwunsch! Dann gehören auch Sie zu denen, die man „Crowdworkers“ nennt, auf Deutsch: Plattformarbeiter:innen. Das sind Menschen, die sich über Online-Dienste Arbeit vermitteln lassen und damit Geld verdienen. Sie sind Teil des Plattform-Kapitalismus. Ihnen gegenüber stehen die Plattform-Betreiber. Die stellen eine Win-win-win-Situation in Aussicht: für die Arbeitenden, für die Konsument:innen und für sich selbst – nur Letzteres sagen sie meist nicht so laut.

Die Bertelsmann-Stiftung hat am Dienstag auf der re:publica eine Studie vorgestellt, die unter anderem untersucht, wer das eigentlich ist, dieser Mensch, der seine Arbeitskraft den Plattformen zur Verfügung stellt. Sie haben dafür im vergangenen September 710 Plattformarbeiter:innen aus einem repräsentativen Panel befragt. 437 Cloudworker:innen und 375 Gigworker:innen waren darin.

Der Unterschied: Cloudworker:innen finden nicht nur die Arbeit über eine Online-Plattform, sondern absolvieren sie auch online – zum Beispiel das Verfassen von Produktbeschreibungen. Gigworker:innen dagegen lassen sich zwar die Arbeit über eine Online-Plattform vermitteln, absolvieren sie aber offline – zum Beispiel Lieferdienste.

Die am häufigsten genutzte Vermittlungsplattform ist das Übernachtungsportal Airbnb. Knapp ein Drittel der Befragten bot hier seine Dienste an. Auf Platz zwei landet der Lieferdienst Lieferando, hier ließ sich gut ein Viertel der Aufträge vermitteln. Es folgt das Portal Freelancer, das Selbständige mit Auftraggebern zusammenbringen will, und Clickworker, das Mikrojobs wie das Schreiben von Glossaren oder die Verschlagwortung von Bildern vermittelt.

Untersuchungen aus den vergangenen Jahren beziffern den Anteil von Plattformarbeitenden niedrig – im einstelligen Prozentbereich, gemessen an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen. Werden es in den kommenden Jahren deutlich mehr werden? Werden Unternehmen sie als Drohpotenzial für Festangestellte nutzen? Wird die Deutsche Rentenversicherung reihenweise Bescheide verschicken, wegen mutmaßlicher Scheinselbständigkeit?

Oder werden irgendwann mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Schreib- und Verwaltungsprogramme zumindest einen Teil der Aufgaben übernehmen? Und verstärkt sich für alle anderen die Spaltung zwischen hochqualifizierten Spezialisten, die sich ihre Tätigkeiten aussuchen können, und Geringqualifizierten, die nehmen müssen, was sie kriegen? Die in der Bertelsmann-Studie befragten Expert:innen kommen jedenfalls zu einer Reihe an Maßnahmen, die helfen könnten, etwa: Plattformen regulieren, Betroffene mit einbeziehen, transparente Lohnstrukturen, verbesserte soziale Absicherung. Und das klingt wiederum ganz klassisch.

Gebildet und in der Stadt zu Hause

41 Jahre alt, verheiratet, aber ohne familiäre Verpflichtungen, höher gebildet. Nein, das ist nicht der:die typische Einwohner:in in Deutschland, da liegt das Durchschnittsalter mit 44,4 Jahren doch noch einen Tick höher. Sondern der:die typische Plattformarbeiter:in. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten ist männlich, das kann aber auch an der für die aktuelle Studie getroffenen Auswahl der Plattformen liegen. So hatte nämlich der erste Crowdworking-Monitor des Bundessozialministeriums ergeben, dass eine leichte Mehrheit weiblich ist.

Und auch wenn die meisten der Befragten auf dem Land leben: Verglichen mit der Bevölkerungsverteilung wohnen Crowdworker:innen überdurchschnittlich häufig in Städten. Das erklärt sich zum Teil mit der Art der Jobs, die die Arbeitenden verrichten. Jedenfalls: Mehr als zwei Drittel haben Abitur oder Fachabitur, die Hälfte aller Befragten einen Hochschulabschluss. Doch die Plattformen setzen mitunter auf eigene Tests, um Arbeiter:innen für bestimmte Aufträge zuzulassen – oder eben auszuschließen.

Vermieten, liefern, ­programmieren

Crowdworking – der Begriff suggeriert, dass da Menschen den ganzen Tag vor dem Computer sitzen und durch Klicken und Tippen Geld verdienen. In der Praxis sind die Arbeiter:innen allerdings, was die konkrete Tätigkeit angeht, erstaunlich analog unterwegs. Auch das könnte allerdings an der Auswahl der abgefragten Plattformen liegen. Die häufigsten Tätigkeiten sind plattformbasiertes Vermieten von Zimmern, das praktiziert mehr als ein Viertel der Befragten, und Lieferdienste mit knapp einem Viertel.

Dazu kommen weitere analoge Arbeiten wie Personenbeförderung (7 Prozent) und Putztätigkeiten (4 Prozent). Alles Tätigkeiten also, die in Metropolen schon allein deshalb besser funktionieren, weil durch die höhere Dichte an Menschen die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen höher ist. Bei reinen IT-Tätigkeiten landet mit 16 Prozent das Programmieren vorne.

Lieber flexibel


Den Engpass am Monatsende mal eben mit ein paar bezahlten Produkttests überbrücken? Ein Zimmer vermieten, weil man sich sonst die Miete nicht mehr leisten kann? Nein, das ist nicht das Bild, das die Studie zeichnet. Geldnot als Motivation für die Plattformarbeit landet mit Platz 13 ganz hinten. Häufigere Gründe: „netter Neben­erwerb“, zeitliche Flexibilität, Unabhängigkeit. Dazu passt: Für die allermeisten Befragten, nämlich 99 Prozent, ist die Tätigkeit nur ein Nebenjob.

Praktisch für die Plattformen: Wer nur nebenbei arbeitet, schaut wahrscheinlich nicht so genau auf den Stundenlohn. Denn wer – wie mit 56 Prozent die Mehrheit – 6 Stunden pro Woche investiert und dafür bis zu 400 Euro verdient, kommt zwar bestenfalls auf einen Stundenlohn von 15 Euro. Aber eben nur bestenfalls. Denn je nach persönlicher Arbeits- und Einkommenssituation gehen davon auch noch Steuern und Sozialabgaben ab.

Neue Technik? Yeah!

Wenig überraschend: Die Befragten interessieren sich für technische Trends und bewerten die Digitalisierung positiv. Sie schaffe neue Chancen für ihr Arbeitsumfeld, ermögliche flexibleres Arbeiten und damit einen Zeitgewinn – weil sie beispielsweise nicht in ein Büro fahren müssen. Aber: Die Hälfte gibt an, dass das flexible Arbeiten bei ihnen dazu führt, dass sie mehr arbeiten.
Harte Konkurrenz

Die Lieferfahrerin ist krank geworden, der Texter hat einen besseren Job gefunden – kein Problem für die Plattformen, die diese Tätigkeiten vermitteln. Indem sie umfangreiche oder komplexe Tätigkeiten in viele kleine Jobs aufsplitten, sind die einzelnen Arbeiter:innen leichter zu ersetzen. Denen wiederum ist das wohl bewusst: Konkurrenzkampf ist einer der Punkte, denen die Befragten mit am häufigsten kritisieren.

Außerdem unter den am meisten genannten Problemen: unbezahlte Zusatzarbeit, die häufig anfällt, und die fehlende soziale Absicherung. Dementsprechend wünschen sie sich gleichermaßen eine Regulierung der Plattformarbeit und einen Plattform-TÜV, eine Interessenvertretung und eine soziale Absicherung. Denn dass es die nicht gibt, ist Kalkül der Plattformen und der Unternehmen, die über sie Aufträge vergeben: Sie können diesen Teil des unternehmerischen Risikos einfach auf die Arbeiter:innen auslagern. Diese Probleme könnten auch Ursachen dafür sein, dass mit 58 Prozent die Mehrheit die Plattformarbeit nicht als Bestandteil des künftigen beruflichen Werdegangs sieht.
http://www.taz.de/Studie-ueber-Crowdworking/!5589780/

Wir sind aber noch weit entfernt von Protest- und Widerstandsformen für die hippe Ausbeutungsbranche.

Troll

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Re: Gig Economy - besonders hip, besonders scheiße
« Antwort #14 am: 13:08:25 Do. 09.Mai 2019 »
Dauert noch, derzeit bekommst du eher Streit mit einem Leidenden der den Mist mit Zähnen und Klauen verteidigt.
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
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