Autor Thema: Au Pair Ausbeutung  (Gelesen 854 mal)

Kuddel

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Au Pair Ausbeutung
« am: 10:17:10 Do. 26.Oktober 2017 »
Zitat
Böses Erwachen
Ausbeutung von Au-pair-Mädchen: Eine Betroffene berichtet

Die Zustände für Au-pairs werden immer schlechter. Auch in Düsseldorf werden Mädchen ausgebeutet. Eine Betroffene berichtet, wie sie das erlebte.

Düsseldorf sollte für Sophia Mendoza (Name geändert) der Einstieg in ein neues Leben werden. Die Kolumbianerin bewarb sich zu Hause bei einer Au-pair-Agentur in Deutschland und ließ sich an eine Familie in Oberkassel vermitteln. Bei den ersten Gesprächen per Videochat machte alles einen seriösen Eindruck. „Die Idee war, ein Jahr für die Familie zu arbeiten und mich dann auf ein Studium in Deutschland vorzubereiten“, erklärt die 22-Jährige: „Hier zählt die Ausbildung einfach mehr, weil du in vielen Ländern Lateinamerikas dem jeweiligen Professor unter der Hand einfach genug zahlen kannst, um die Prüfung zu bestehen.“

Doch kurz nach ihrer Ankunft in der Landeshauptstadt kam das böse Erwachen: Distanzierte Eltern, kaum soziale Kontakte, dafür aber massig Überstunden. Für ihre Arbeit bekam sie gemäß der gesetzlichen Richtlinien 260 Euro im Monat. Von der angekündigten „leichten Hausarbeit“ als „Teil der Familie“, wie auch die Agentur für Arbeit ein Au-pair-Jahr in Deutschland bewirbt, konnte aber laut Mendoza keine Rede sein: „Mir wurden sechs Stunden Arbeit pro Tag angekündigt, tatsächlich waren es dann oft zehn, in denen ich nicht nur auf die Kinder aufgepasst habe, sondern gleich das ganze Haus putzen musste.“ Die junge Frau suchte Hilfe bei ihrer Vermittlungsagentur „Hambloch“ in Köln, fühlt sich dort aber zurückgewiesen. „Nach einiger Zeit wurde ich depressiv. Außer für die Arbeit habe ich mein Zimmer nicht mehr verlassen.“ Auf Anfrage wollte Heike Hambloch, Inhaberin der Agentur, die Kritik nicht gelten lassen: „Die Vorwürfe sind absolut haltlos. Ich bin telefonisch fünf Stunden von Montag bis Donnerstag zu erreichen. Ich betreue über 120 Au-pairs und Gastfamilien und trage das RAL-Gütezeichen.“

Mädchen mit Selbstmordgedanken


Susanne Flegel, selbst Inhaberin einer Au-pair-Agentur und Mitglied der Organisation „Au-pair-Hilfe“, rettet Au-pairs in Notsituationen und hat noch weit schlimmere Zustände erlebt. „Wir haben Mädchen aus beinahe jeder Notsituation befreien müssen. Gasteltern schlagen ihre Au-pairs, sperren sie ein oder schicken sie sogar in die Zwangsprostitution“, so Flegel: „Wir betreuen auch aktuell ein schwangeres Mädchen mit Selbstmordgedanken.“ Bereits 2002 nahm sich ein rumänisches Mädchen das Leben, nachdem sie von ihren Gasteltern misshandelt wurde. Flegel warnt davor, dass sich solche Fälle wiederholen können: „Nach diesem Vorfall vor sieben Jahren wurde ein bisschen öffentlicher Aktionismus betrieben. Seitdem wird es wieder schlechter. Sollte sich nichts tun, sind weitere Todesfälle nicht auszuschließen.“

Grund für die oft schlechten Zustände sind fehlende Kontrollen. Vermittlungsbörsen im Internet prüfen ihre Teilnehmer nicht. Die Agentur für Arbeit veröffentlicht lediglich ein Papier mit Richtlinien und Empfehlungen. Das Bundesministerium für Familie und Jugend unterstützt lediglich „ideel“ das „RAL-Gütezeichen“ einer Reiseversicherung für vermeintlich seriöse Vermittlungsagenturen. Dieses Siegel steht jedoch ebenfalls unter Kritik. „Diese sogenannte Gütegemeinschaft kontrolliert nur ein Mindestmaß an Schriftverkehr zwischen Vermittlung und Au-pair. Die Familien selbst besucht niemand“, erklärt Au-pair-Helferin Flegel.

Kontrollierter Schriftverkehr


Bei dem kontrollierten Schriftverkehr handelt es sich um einen Fragebogen, den Au-pairs nach sechs Wochen ausfüllen müssen. Dort machen sie Angaben zum Umgang mit der Familie, den Arbeitszeiten und ob weitere Rechte eingehalten werden.

Auch Sophia Mendoza füllte diesen Bogen aus. „Meine Gasteltern haben alles mit mir zusammen ausgefüllt. Da konnte ich nicht wirklich ehrlich sein.“ Ihre Zeit als Au-pair ist mittlerweile vorbei.

Da sie nicht in akuter Gefahr schwebte, biss sie die Zähne zusammen und hält bis heute an ihrem Wunsch fest, in Deutschland zu studieren: „Ich habe es ja jetzt geschafft und ein Visum für die Studienplatzsuche habe ich auch“, erzählt sie: „Das schlimmste ist jetzt vorbei.“
https://www.nrz.de/staedte/duesseldorf/ausbeutung-von-au-pair-maedchen-eine-betroffene-berichtet-id212241783.html