Autor Thema: Kämpfe in der Logistikbranche  (Gelesen 3590 mal)

ManOfConstantSorrow

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Re: Kämpfe in der Logistikbranche
« Antwort #15 am: 14:26:05 Di. 19.März 2019 »
Zitat
Die Urteilsverkündung in dem inszenierten Prozess gegen Aldo Milani, den Sprecher der italienischen Basisgewerkschaft  SI Cobas, soll in den nächsten Tagen erfolgen: Es geht um sage und schreibe zwei Jahre und vier Monate Haft – wegen angeblichen Erpressungsversuchs. (Siehe die ausführliche Berichterstattung zu Beginn dieses Dossiers, in der die Konstruktion dieser Anklage ein ausführlich behandeltes Thema ist, vor allem in der Erklärung von SI Cobas von Anfang 2017). Was in Wirklichkeit vor Gericht steht, ist die selbstorganisierte gewerkschaftliche Arbeit und dabei insbesondere das Streikrecht – war Aldo Milani doch immer wieder als Sprecher gerade in Streikbewegungen im Logistiksektor, wo SI Cobas stark vertreten ist, aufgetreten.
http://www.labournet.de/?p=110819
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Kuddel

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Re: Kämpfe in der Logistikbranche
« Antwort #16 am: 16:13:38 Do. 23.Mai 2019 »
Zitat
Logistik und Transportwesen.
Ein Feld der sichtbaren und unsichtbaren Auseinandersetzungen im digitalen, globalen Kapitalismus
, Teil I

Logistik gehört ursprünglich zum Militärbereich, zur »Kunst des Krieges«. In diesem Zusammenhang wird darunter »die Organisation des Nachschubs für eine Armee in Bewegung« verstanden. Nachschub von Proviant, Waffen, Munition, Kleidung, Arzneimitteln, Informationen, Post usw. für ein sich im feindlichen Gebiet bewegendes Heer. Logistik war also eine Kunst der Conquistadores, Meister der Logistik waren die alten Römer.
(...)
Aber machen wir einen Sprung in die Gegenwart. Seit den 70er Jahren kommt der Logistik eine immer größere Bedeutung in den Produktions- und Handelsprozessen zu. Sie durchdringt heute unser Alltagsleben so sehr, dass wir sie nicht mehr als eine Funktion der Produktion, sondern als ein gesellschaftliches Phänomen wahrnehmen.
(...)
Die 1970er Jahre waren eine Zeit hoher Inflation, das heißt, die Unternehmen mit großen Beständen in ihren Lagern kämpften mit einer drastischen Verminderung des Wertes ihrer Waren in der Zeitspanne zwischen Lagerung und Absatz. Es war notwendig, die Menge der Bestände zu verringern. Aber wie? Mittels der Reduzierung der Zeitspanne zwischen Lagerung und Absatz. So entstand die Theorie des »stock zero«, die später zum Konzept des just in time geführt hat.
(...)
Die erste Innovation war das Internet. Das Internet hat für alle in der Logistik bereits in Gang befindlichen Tendenzen einen enormen Schub nach vorn bedeutet: Integration, Beschleunigung, Standardisierung, Flexibilisierung, Internationalisierung der Prozesse und selbstverständlich Steigerung der Produktivität. In der Logistik wurde es üblich, rund um die Uhr zu arbeiten. Die Logistik wurde der Bereich, in dem das Arbeitstempo und der Arbeitsaufwand eine extreme Intensität erreichten, und so ist es bis heute geblieben. In dieser Zeit bekam die Logistik ihren richtigen Namen: the physical Internet. Genau in der Zeit, als das Internet die virtuelle, abstrakte Welt zu planetarischen Dimensionen erweiterte, trat die Logistik als sein Gegenstück – als permanenter materieller Faktor der wirtschaftlichen Prozesse – auf und bildete damit die Voraussetzungen einer neuen Phase der Konflikte zwischen Arbeit und Kapital. Die Gurus, die vorausgesagt hatten, dass die manuelle, materielle, physische Arbeit verschwinden werde und die gesamte menschliche Wertschöpfung durch intellektuelle Arbeit geleistet werden könne, wurden in ihren Erwartungen enttäuscht.
(...)
http://www.labournet.de/branchen/dienstleistungen/speditionen/logistik-und-transportwesen-ein-feld-der-sichtbaren-und-unsichtbaren-auseinandersetzungen-im-digitalen-globalen-kapitalismus/#teil1

Zitat
Teil II

An die Logistik heften sich nicht nur in den Stabsabteilungen von Unternehmen und Regierungen Hoffnungen, sondern – mit etwas anderer politischer Intention – auch in der Linken. Die Vorstellung, mit der Lahmlegung von »Hubs« und Häfen das System an seinen empfindlichsten Teilen treffen und so aus den Angeln heben oder ihm doch zumindest per elektronischem Knopfdruck empfindlichen Schaden zufügen zu können, beflügelt nicht wenige Aktive, sei es am Schreibtisch oder bei der Blockade. Die VertreterInnen des italienischen Operaismus beschäftigen sich schon etwas länger mit dem Thema, als es populär ist. Zu erinnern ist hier etwa an die vor 40 Jahren erschienene »Geschichte des Containers« der Gruppe »Primo Maggio«. Sergio Bologna, selbst Teil der operaistischen Geschichte, hat sich in » Zerstörung der Mittelschichten. Thesen zur neuen Selbstständigkeit« (Graz 2006) erneut mit der Bedeutung dieses Sektors beschäftigt.
(...)
Logistik spielt im modernen kapitalistischen Akkumulationsmodell eine zentrale Rolle, aber sie ist genauso strategisch für die Zukunft des Kapitalismus wie der Finanzsektor oder die IT-Gruppen wie Google, Amazon, Facebook, die die menschliche Wahrnehmungsfähigkeit, die ›menschliche DNA‹ zu manipulieren versuchen.
(...)
http://www.labournet.de/branchen/dienstleistungen/speditionen/logistik-und-transportwesen-ein-feld-der-sichtbaren-und-unsichtbaren-auseinandersetzungen-im-digitalen-globalen-kapitalismus/

Kuddel

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Re: Kämpfe in der Logistikbranche
« Antwort #17 am: 09:38:19 So. 20.September 2020 »
Zitat
Hamburg
Proteste gegen Schließung des Hermes Retouren-Zentrum

Mehrere Hundert Mitarbeiter haben Anfang der Woche gegen die Schließung des letzten Retouren-Zentrums vor der Otto-Zentrale demonstriert. Auch die Gewerkschaft Verdi hat sich eingeschaltet.


Wie die Otto Group vor wenigen Wochen bekannt gab, soll in der zweiten Jahreshälfte 2021 der letzte deutsche Retourenbetrieb der Konzerntochter Hermes Fulfilment in Hamburg geschlossen werden. Die Arbeit wird stattdessen nach Polen und Tschechien verlagert, für die Otto Group war der Betrieb des Retouren-Zentrums nicht mehr wirtschaftlich.

Von den 840 betroffenen Angestellten haben Anfang der Woche rund 200 vor der Otto-Zentrale in Bramfeld gegen die Schließung demonstriert. „840 Kolleginnen und Kollegen verlieren ihre Existenzgrundlage. Und gleichzeitig sind die Retouren ja dennoch da, werden aber nach Polen und nach Tschechien verlagert“...
https://www.logistik-watchblog.de/unternehmen/2681-hamburg-proteste-schliessung-hermes-retouren-zentrum.html


Kuddel

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Re: Kämpfe in der Logistikbranche
« Antwort #19 am: 14:50:43 Sa. 31.Oktober 2020 »
Zitat
Streik in TNT-Verteilzentrum

Die Mitarbeiter des Paketzustellers TNT haben am Donnerstag im deutschlandweit größten Verteilzentrum in Wiesbaden gestreikt.


Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi vom Freitag haben sich rund 100 Beschäftigte beteiligt. Ziel sei es, in dem Unternehmen einen Tarifvertrag durchzusetzen.Wegen des Streiks kam es zu verzögerten Auslieferungen.
https://www.hessenschau.de/wirtschaft/streik-in-tnt-verteilzentrum-in-wiesbaden,kurz-verteilerzentrum-tnt-wi-100.html