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Stadtteilarbeit

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Kuddel:
Ein weiterer Besuch bei den Bremern.
Die "Stadtteilgewerkschaft" war beim letzten öffenlichen Termin gut besucht, bis zum letzten Stuhl besetzt.
Die meisten waren in Mietfragen da. Es lauft ja die Vonovia Kampagne, der Wohnungskonzern hat schließlich den halben Stadtteil aufgekauft.
Bei Arbeiterthemen waren es eher Leute, die zum persönlichen Umfeld der Aktivisten gehören.
Doch es tauchte auch ein BLG (Bremer Lagerhaus Gesellschaft - börsennotierter Großlogistiker) Arbeiter auf. Er kam nicht auf die zahlreich verteilten Flug- und Faltblatter hin, sondern auf eine Leihkeule. Er war so begeistert davon, daß er meinte, man muß jetzt auch etwas machen. In der Leihkeule gab es keine Bremer Kontaktadresse, doch er fragte sich durch und wurde auf Bremen macht Feierabend/Solidarisch in Gröpelingen verwiesen.

Es beginnt also dann zu funzen, wenn es ein Geflecht an Strukturen gibt. Die Leihkeule. Leute, die sie verteilen. Lokale Gruppen. Einen Treffpunkt und regelmäßige Termine, wo man die Aktiven treffen kann.

Es wurde auch diskutiert, wie man das Wort "Stadtteilgewerkschaft" mit Leben erfüllt. Als wichtigste Voraussetzung sieht man eine Verbindlichkeit in der Sache. Man muß den Leuten vermitteln, daß hier ein Zusammenschluß von Menschen entsteht, der füreinander einsteht. Es soll eine Mitgliedschaft ermöglicht werden. Es gab aus den Betrieben bereits die Frage, ob man "Mitglied" werden könne. Es geht dabei nicht um Mitgliedsbeiträge. Wer Mitglied wird, soll Teil eines Informationsnetzwerks werden. Statt durch Geldbeiträge die Sache zu unterstützen, soll jedes Mitglied sich aufgefordert fühlen, sich praktisch zu beteiligen, bei Protesten und Aktionen dabeizusein und mit Berichten aus dem eigenen Betrieb auch die anderen auf dem Laufenden zu halten.

Vielversprechender Ansatz. Mal sehen, wie sich das praktisch entwickelt.

Kuddel:

--- Zitat ---Was haben Solidarisch in Gröpelingen und der länderübergreifende Streik bei Amazon miteinander zu tun?

Vom 16. - 18. Juli diesen Jahres fand der erste gemeinsam koordinierte Streik von Amazon Arbeiter*innen aus Madrid (San Fernando de Henares) und den Werken in Bad Hersfeld, Leipzig, Graben, Rheinberg, Werne und Koblenz in Deutschland statt. Der 72 stündige Streik wurde zudem von Protestaktionen in einigen Amazon Lagern in Polen begleitet.

Amazon ist bekannt für die ultra schlechten Arbeitsbedingungen: Die Arbeiter*innen erzählen von extremen Leistungsdruck, extrem eintöniger Arbeit, Überwachung, Einschüchterung und Gängelungen, schlechter Bezahlung etc. Viele klagen über Gesundheitsprobleme. Deshalb überrascht es nicht, dass sich in einigen der Amazon Werken seit Jahren Protest regt: “Seit wir begonnen haben zu streiken, steigt mein Lohn und die Bedingungen werden besser”, erzählt ein Arbeiter aus Bad Hersfeld. Obwohl Amazon weltweit operiert, gab es jedoch bisher keine länderübergreifenden Streiks.

Deshalb ist der gemeinsame Streik in Madrid und den Werken in der BRD ein Erfolg – trotz der brutalen Angriffe der spanischen Nationalpolizei auf die Streikenden in Madrid (mit Verletzten und Verhafteten). Der Streik hat gezeigt, dass sich Menschen über Ländergrenzen hinweg organisieren und gemeinsam für ihre Forderungen kämpfen können. Insofern war der Streik ein Zeichen der internationalen Solidarität zwischen den Arbeiter*innen von Amazon und ein wichtiger Schritt im Kampf um bessere Arbeitsbedingungen.

Wir von Solidarisch in Gröpelingen freuen uns sehr, dass wir Teil dieser internationalen Koordination des Streiks waren.

Am 10. März haben uns Arbeiter*innen von Amazon aus Deutschland und Polen in unserem Stadtteilladen besucht und über ihren Arbeitskampf erzählt. Seit mehr als fünf Jahren organisieren und kämpfen sie in Bad Hersfeld gegen die schlechten Arbeitsbedingungen. Währenddessen verdient der Amazon Chef Jeff Bezos mit der Ausbeutung der Leute Milliarden. Christian Krähling, Arbeiter bei Amazon in Bad Hersfeld betonte während der Veranstaltung in Gröpelingen entsprechend: „Wir Arbeiter und Arbeiterinnen von Amazon haben Jeff Bezos zum reichsten Mann der Welt gemacht und nicht seine „großartige“ Geschäftsidee.“

In der selben Woche, in der die Arbeiter*innen von Amazon uns in Gröpelingen besucht haben, erreichte uns die Nachricht, dass die Arbeiter*innen im Lager San Fernando de Henares bei Madrid entschieden haben, am 21. und 22. März zu streiken. Da bei Solidarisch in Gröpelingen auch einige Personen organisiert sind, die aus Spanien kommen, war es möglich, Kontakt mit den Arbeiter*innen von Amazon in Madrid aufzunehmen und spontan eine Solidaritätsreise zum Streik zu organisieren. Zusammen mit Arbeitern aus Bad Hersfeld besuchten einige von uns die streikenden Kolleg*innen in Madrid, nahmen an den Streikposten und Demonstrationen teil, tauschten Erfahrungen aus und zeigten ihre Solidarität. Einige Wochen nach dem Besuch in Madrid reisten Kollegen und Kolleginnen aus Madrid nach Berlin, um an den Protesten gegen die Preisverleihung an Jeff Bezos teilzunehmen und sich mit Arbeiter*innen aus den deutschen Amazon Lagern zu treffen.

Der Besuch in Madrid war enorm wichtig, um die Arbeitskämpfe bei Amazon in Spanien, Deutschland und Polen miteinander zu verbinden und Kontakte aufzubauen. Gleichzeitig war er wichtig, um zu zeigen, dass die Probleme und Arbeitskämpfe von Arbeiter*innen in verschiedenen Ländern sehr ähnlich sind und die nationalen Grenzen, die uns trennen, überwunden werden müssen.
Und wir in Gröpelingen haben einmal mehr gelernt, wie wichtig es ist, die Isolation zu durchbrechen und gemeinsam über unsere Erfahrungen auf der Arbeit zu sprechen, sich über die Schwierigkeiten im alltäglichen Leben auszutauschen, sich Mut zu machen, von Widerständen und Kämpfen zu erzählen, Kontakte zu knüpfen und sich zu organisieren.

Einige der Kolleg*innen, die wir in Madrid persönlich kennen gelernt und mit denen wir zusammen an den Streikposten gestanden haben, wurden während des Streiks in Madrid von der Polizei verletzt und verhaftet. Ihnen gilt insbesondere unsere Solidarität und Unterstützung !


SiG Aktivist und Christian von Amazon Bad Hersfeld beim streik in Madrid
--- Ende Zitat ---
https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=276887686253026&id=239290850012710&__tn__=K-R




Kuddel:
Nachrichten aus der politischen Praxis

Im ganzen Bundesgebiet ist es zu Gründungen von Stadtteilgruppen gekommen. Die Gruppe in Gröpelingen scheint mir die am weitesten entwickelte Praxis zu haben. Das besondere liegt wohl daran, daß man nicht darauf wartet, daß die Leute in ihren Laden kommen, sondern man geht auf die Menschen im Stadtteil zu. Immer wenn man zum "Café" einlädt, geht man erst einmal eine Stunde mit Flyern durch die Straßen und die Flyer benutzt man im Wesentlichen als Vorwand, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen.

Das "Sprachcafé" ist für Migranten, um in lockerer Runde Deutsch zu lernen. Als ein paar Leute auf einem entfernten Stadtteil von der Volkshochschule dorthin geschickt wurden, war man anfänglich nicht so begeistert und hatte das Gefühl, die Behörden würden ein Problem nun abschieben und Aktivisten dazu mißbrauchen, unbezahlt Sozialarbeit und Lehrtätigkeiten zu übernehmen. Es entwicklte sich anders. Die beiden Flüchtlinge kommen nun regelmäßg wieder und haben sich mit den Caféleuten angefreundet.

In Gröpelingen leben rund 36.000 Menschen. Vonovia besitzt in Bremen 12.000 Wohnungen, großteils in Gröpelingen. Solidarisch in Gröpelingen hat Vonovia-Faltblatter für Mieter in verschiedenen Sprachen drucken lassen. Die werden aber nicht einfach in Briefkästen geworfen, sondern man geht von Wohnung zu Wohnung und klingelt bei den Leuten. Man geht zu zweit, möglichst mit einem migrantischen Mitstreiter, da viele Mieter selbst migrantisch sind und es sonst oft zu Verständigungsproblemen kommt.

Die SiG Aktivisten sind inzwischen im Stadtteil bekannt und werden auf der Straße gegrüßt. Man bleibt gern zu einem Klönschnack stehen. Hier liegt der Schlüssel zum Entstehen solidarischer Strukturen.

Kuddel:
Die Stadtteilarbeit beginnt zu greifen. Die Angebote werden angenommen und die Diskussion im Stadtteil wird angeheizt.
Die Vorarbeit gegen den Miethai VONOVIA trägt Früchte.




Über 70 Mieter und Mieterinnen von vonovia sind gestern unserer Einladung gefolgt. In einem.völlig überfüllten Raum haben wir uns über zwei Stunden gemeinsam ausgetauscht. Das große Interesse zeigt, wie groß der Ärger mit vonovia auch in Gröpelingen ist. Intransparente Nebenkosten Abrechnungen, fehlende Reparaturen und Instandsetzungen, Mieterhöhungen umv.
Auf dem ersten Treffen haben wir gemeinsam gesammelt, was die häufigsten Probleme sind. Im Anschluss hat ein Anwalt von Mieter helfen Mietern e.V. die rechtliche Situation beschrieben und Tipps gegeben

Deutlich geworden ist: Individuelle Rechtsberatung ist wichtig, aber stärker sind wir, wenn wir aufhören, uns vereinzelt mit vonovia auseinander zu setzen.

Dass so viele Leute zu der ersten Versammlung kamen, gibt uns Mut und Zuversicht. Jetzt geht es darum, in den nächsten Treffen konkrete Schritte zu planen, wie wir eine Verbesserung unserer Wohnsituation erreichen können. Bis dahin liegt es an uns, mit unseren Nachbarn und Nachbarinnen zu sprechen, die Mängel zu dokumentieren und noch mehr Leute zu mobilisieren.
Wir sehen uns auf der nächsten Versammlung!

https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=294638651144596&id=239290850012710

NachbarArsch:
Noch ein weiterer Versuch...
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1103159.kieztreff-mahalle-stadtteilladen-mit-revolutionaerem-hintergrund.html

ma sehen wie weit sie wirklich aus der Blase kommen oder ob sich eine neue bildet.
Mühsames lernen wird es in jedem Falle. Ich wüsch das beste....

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