Autor Thema: Stadtteilarbeit  (Gelesen 6252 mal)

Fritz Linow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1536
Re: Stadtteilarbeit
« Antwort #75 am: 23:43:24 Sa. 08.Juni 2019 »
Aber die Frau, die das Mietertreffen besuchte, arbeitete nicht nur da, sondern sie identifizierte sich mit dem, was sie da zu tun hat.

Klassischer Fall von Jahrgangsbeste: https://www.szlz.de/startseite_artikel,-igs-traenen-nach-stimmungsvoller-abschiedszeremonie-_arid,137871.html

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 12862
  • Fischkopp
Re: Stadtteilarbeit
« Antwort #76 am: 19:30:46 Di. 11.Juni 2019 »
Die Trulla vom Stadtteilbüro meinte, rein persönlich fände sie die Politik von Vonovia auch nicht gut. Aber sie kümmere sich bei ihrer Arbeit allein um den "öffentlichen Raum" und da setzt sie sich ein für mehr Grün, weniger Raum für Autos mehr für Kinder, Kunst und Kultur. Ich versuchte darauf hinzuweisen, daß es aber einen ziemlichen Unterschied macht, in welchen Umfeld sich eine Wohnung befindet und ein Vermieter völlig andere Prese erzielen kann, je nachdem, ob sie sich in der Pampa, im Ghetto, oder in einer begrünten, kulturell vielfältigen urbanen Raum liegen. Sie wollte von diesem Zusammehang nichts wissen und meint, es alles nur für die Menschen im Stadtteil zu tun.

Sie glaubt scheinbar selbst, wir würden auf einer Seite stehen. Sie schlug vor, wir könnten ja bei einem der anstehenden Stadtteilfesten uns mit einem eigenen Stand beteiligen und dort unsere Ansichten verbreiten. Sie könnte sich auch umsehen, ob es für bestimmte Aktivitäten ein Sponsoring geben könne, sie könnte gegebenfalls auch mit Pressekontakten weiterhelfen. Mit ihrer sympathischen, freundlichen Art wickelte sie die Mieter um den Finger. Ich blieb ziemlich verspannt und für mich war es kein Stück besser, als säße jemand von Vonovia selbst in unserer Runde (was wir ja auch schon hatten).

Einer nahm nochmal das Dilemma mit der Kulturrotation auf und sagte, daß es ja nicht stimmte, daß wir den Leuten keine kostenlose Kultur gönnten, sondern wir nicht wollten, daß die Kultur für die falschen Zwecke eingespannt wird. Man könnte es vermeiden, indem man selbst einen solchen Event auf die Beine stellen würde unter dem Motto "Kultur gegen Vonovia". Das fand natürlich unsere Stadtteilbüroangestellte indiskutabel, denn sie dürfe sich nicht "politisch" äußern. Er sagte, "Dann nennen wir es einfach: Kultur gegen hohe Mieten", doch auch damit war sie nicht einverstanden. Damit könnten auch Geldgeber des Büros unzufrieden sein. Wenn nicht mehr bezahlbare Mieten zum Hauptproblem der Menschen im Stadtteil geworden sind und sie sich nicht für die Lösung dieses Problems interessiert, dann ist klar, daß sie nicht auf der Seite der Mieter steht.

Es ging dann auch um die Pseudobürgerbeiteiligung bei Ausschreibungen für Bauprojekte. Allein mit der Wahl von Ort und Zeit würde man sich viele Interessierte vom Leib halten. Mit der Moderation würgt man kritische Nachfragen ab. Und unterm Strich bleibt die "Bürgerbeteiligung" eh scheißegal, denn der Entscheid findet sowieso hinter verschlossenen Türen onne den lästigen Bürger statt. Unsere Sozialtante vom "Büro Soziale Stadt Gaarden" erkläre, sie sehe sich als Bindeglied zwischen Politik und den Menschen im Stadtteil und deshalb werde sie unsere Bedenken ins Rathaus weiterleiten. Sie machte sich in ihrem Block die ganze Zeit Notizen bei allem, was wir sagten. Ich habe schon eine Ahnung, was dabei herauskommt. Etwa sowas:


Die SPD hat den kommunalen Wohnraum der Spekulantenmafia in der Rachen geschmissen. Dann wirft sie sich das soziale Mäntelchen über, quatscht was von "Solidarität" und nimmt verbal all das auf, was protestierende Mieter sagen. Doch politisch tut sie weiterhin alles, um die Interessen von Vonovia und Co. durchzusetzen.

Wir redeten auch darüber, daß es schwierig ist, die recht große Zahl interessierter Mieter bei der Stange zu halten. Es sei schließlich nur bei einem kleinen Teil so, daß sie sich nur mal auskotzen wollen oder ihr ganz spezielles eigenes Problem gelöst haben möchten. Es waren bei den großen Veranstaltungen eine Menge, die sich weitaus tiefegerhende Gedanken gemacht haben über den Internationalen Konzern, über die Proftigier, über Blackrock und Friedrich März, über Korruption und Enteignung. Es waren dabei auch Leute im hohen Rentenalter, die recht radikale Gednken formulierten. Wir müssen uns überlegen, wie wir die Kontakte aufrecht erhalten, öffentlich sichtbar bleiben, die Beteiligten mit einbeziehen und auch neue Kontakte bekommen.

Für's erste machten wir einen Termin für eine schon lange angedachte Straßenaktion: VONOVIA ANGRILLEN!


(to be continued)

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 12862
  • Fischkopp
Re: Stadtteilarbeit
« Antwort #77 am: 13:35:37 Fr. 14.Juni 2019 »
Bericht vom Mieterklönschnack am 8.6. am Sandkrugbunker in Gaarden.

Das Wetter war nicht auf unserer Seite. Kräftige Windböen und ein paarmal nieselte es sogar.
Doch der Duft von Grillkohle und brutzelnenden Würsten breitete sich aus.


Unsere gekleisterten Plakate und die mit Testa an den Eingängen der Vonoviagebäude aufgehängten Flyer wurden schon wahrgenommen, aber die Leute hielten sich eher zurück. Ein Mieter sagte, er hätte sich mit seiner Nachbarin darüber unterhalten und sie hätte versprochen auch vorbeizukommen, doch sie tauchte nicht auf. Die Atmosphäre am Grill war aber gut für Gespräche. Die Leute tauten langsam auf, wollten erstmal ihrer Wut freien Lauf lassen, fingen dann aber an, zu fragen, wie man mit der Situation mit Vonovia eigentlich umgehen kann. Sie hatte alle mit großem Interesse die bundesweiten Mieterproteste verfolgt und auch das, was sich in Kiel getan hat.


Es kamen auch Gespräche auf über andere Versuche der Stadtteilarbeit. Einer berichtete von einem gepachteten Gartengrundstück, das in einer gaardener Baulücke liegt und nun als Treffpunkt genutzt wird. Dieser Treff wird zu einem Großteil von bulgarischen Migranten genutzt. Es sind einmal Kiddies, die zum Spielen vorbeikommen. Dann sind es Jugendliche, eher Sprayerszene. Die Erwachsenen sind teilweise Trinker. Der Garten als freier Raum für Ausgegrenzte scheint gut zu funktionieren, doch es wurde beklagt, daß die Generationen völlig getrennt voneinander sind und sich aus dem Weg gehen. Und so wurde über weiteres gequatscht, alltägliche Probleme, Streß mit Nachbarn, mit Ämtern und Behörden. Es gab immer wieder Ansatzpunkte, an denen es durchaus Möglichkeiten gibt, nicht nur zu schimpfen, sondern sich zu wehren. Man schrieb Termine auf für die selbstorganisierte Mieterberatung und tauschte Adressen aus.

Viele schienen neugierig zu sein, trauten sich aber nicht, sich zu unserem Haufen hinzuzugesellen. Ein Polizeiwagen fuhr im Schrittempo vorbei, hielt aber nicht. Die Leute warfen verstohlene Blicke von ihren Balkons auf das Geschehen.


Es kam noch jemand aus der Nachbarschaft vorbei, den wir von der Mieterselbstorganisierung kannten. Es wurden dann am Grill noch weitere Pläne geschmiedet. Mit den Klagen von Mietern, die die Kosten für illegal abgestellten Sperrmüllhaufen auf die Miete aufgeschlagen bekommen, soll der Ortsbeirat Gaarden aufgemischt werden. Die Welle, die die Diskussion über Gentrifizierung unter Künstlern ausgelöst hat, ist scheinbar noch nicht abgeklungen. Wir werden wohl in 2 Monaten eine Veranstaltung zu dem Schwerpunktthema machen, wie die Politik wohlmeinende Kulturschaffende in ihre Strategien zur Verdrängung der weniger zahlungskräftigen Mieter einspannt. Und die Idee der offenen Straßendiskussion am Grill wurde auch für gut befunden und soll das nächste Mal in Kiel Friedrichsort in Zusammenarbeit mit der dortigen Mieterini stattfinden.

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 12862
  • Fischkopp
Re: Stadtteilarbeit
« Antwort #78 am: Gestern um 13:03:06 »


Unser Grillstand befand sich unterhalb des Wandbilds am Bunker.

https://youtu.be/gBH4rJNFE-o

Ein widerlich schmierig-hippes Video über das von Vonovia gesponserte "Streetart"-Projekt. Das Büro Soziale Stadt Gaarden und das Wirtschaftsbüro Gaarden arbeiten wacker an der Gentrifizierung des Stadtteils.

Der Bunker gehört Vonovia. Unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer wurde das Werk am 21. Juli 2017 feierlich enthüllt. Das Projekt entstand aus einer Kooperation mit dem Wirtschaftsbüro Gaarden.

Fritz Linow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1536
Re: Stadtteilarbeit
« Antwort #79 am: Gestern um 14:46:05 »
Der Bunker gehört Vonovia. Unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer wurde das Werk am 21. Juli 2017 feierlich enthüllt. Das Projekt entstand aus einer Kooperation mit dem Wirtschaftsbüro Gaarden.

Und im Hintergrund schrammelträllern die Musikanten Bella ciao. Ich schäme mich.

milchbrötchen

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 30
Re: Stadtteilarbeit
« Antwort #80 am: Gestern um 19:21:30 »
Zitat
Klassischer Fall von Jahrgangsbeste: https://www.szlz.de/startseite_artikel,-igs-traenen-nach-stimmungsvoller-abschiedszeremonie-_arid,137871.html

studiert und trotzdem blöd
eine Bulemiewissenschnecke
Politik-nein damit hab ich nix am Hut- ich mach nur sooooosozial
man ist die doof
oder scheißverlogen
die soll gehn wo sie herkommt