Autor Thema: Stadtteilarbeit  (Gelesen 8492 mal)

milchbrötchen

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Re: Stadtteilarbeit
« Antwort #105 am: 10:22:13 Sa. 07.September 2019 »
https://www.youtube.com/watch?v=TYSFGT7UGS8
...um der Welt zu zeigen, wie großzügig sie sind...
gut dass der Sophienhof noch steht- Konsumtempel statt Wohnraum

Onkel Tom

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Re: Stadtteilarbeit
« Antwort #106 am: 14:55:53 Sa. 07.September 2019 »
Von welchem Sophienhof schreibst Du ?

Vor 30 Jahren zählten solche Songs auch dazu, den gemeinsamen Kampf um Hausbesetzungen
zu fördern. Abends solche Scheiben aufgelegt und am nächsten Morgen den Bullentrupp erwarten
und so weit wie möglich was entgegensetzen..

Das Vorschaubild stellt den Versuch der Cops dar, in die rote Flora eindringen zu wollen..  :o
Lass Dich nicht verhartzen !

Kuddel

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Re: Stadtteilarbeit
« Antwort #107 am: 15:44:50 Sa. 07.September 2019 »
Sophienhof Kiel

1978



1981




1983




Heute


Onkel Tom

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Re: Stadtteilarbeit
« Antwort #108 am: 19:36:33 So. 08.September 2019 »
Ah, ok. Danke  ;)
Lass Dich nicht verhartzen !

Kuddel

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Re: Stadtteilarbeit
« Antwort #109 am: 16:01:15 Mo. 09.September 2019 »
Das Brunnenfest ist das offizielle Stadtteilfest von Kiel-Gaarden. Es wird auch von Vonovia gesponsort.

Wir haben uns nicht die Gelegenheit nehmen lassen, einen Infostand dort anzumelden.




Mit Kaffee und selbstgebackenen Muffins lockten wir zum Gespräch


Propagandamaterial


Großes Interesse


Klartext


Widerstand und gaardener Straßenkultur


Ich verteilte munter Flugblätter bis ich plötzlich den Kieler Oberbürgermeister vor mir hatte. Wir haben Wahlkampf. Ein Sunnyboy, ein aalglatter Typ. Ich war ziemlich baff, mit welcher Dreistigkeit er sich kumpelig gab und den Eindruck vermittelte, wir würden auf der gleichen Seite stehen.


Pressebild von OB Ulf Kämpfer

Er erzählte mir ganz begeistert, wie die Vonoviamieter am Holsteinstadion sich gegen den Konzern organisiert haben. Ich sprach an, daß aber Vonovia nicht nur auf Kosten der Mieter gewaltige Profite erwirtschaftet, sondern das zu großen Teilen mit zwielichten und kriminellen Methoden. Und die Stadt hat diesem Konzern einen wesentlichen Teil des kieler Wohnraums verkauft. "Das war ein Fehler die Wohngesellschaften an Vonovia zu verkaufen, das muß ich zugeben. Damit habe ich mir selbst geschadet. Jetzt muß ich selbst eine neue Wohnungsbaugesellschaft aufbauen.", antwortete der OB. Ach, so selbstkritisch ist der Volksvertreter. Läßt eine Heuschrecke die Mieter plündern, sagt dann "sorry, sorry, mein Fehler" und läßt sich erneut zum OB wählen. Die Politik in Schleswig-Holstein ist korrupt, ohne Aufarbeitung vergangener Vergehen und ohne Alternative...


Die Bilder von den Protesten in Kiel-Mettenhof waren inspirierend


Auf der gegenüberliegenden Straßenseite haben sich die Kollegen vom Bündnis für bezahlbaren Wohnraum aufgebaut. Es war eine gute Möglichkeit mit ihnen ein weiteres gemeinsames Vorgehen zu besprechen.


Treffer gegen Vonovia






Militante Untersuchung mit Fragebögen


Es ging darum, ein Bild von den Wohnverhältnissen im Stadtteil zu kriegen und von der Stimmung der Mieter



Auch der Kaiser (im Volksmund auch König oder Bürgermeister) von Gaarden kam vorbei.


Fritz Linow

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Re: Stadtteilarbeit
« Antwort #110 am: 16:58:02 Mo. 09.September 2019 »
Im regionalen Käseblatt steht dazu:

"Mit Flugblättern, Transparenten und persönlichen Gesprächen machten in der Elisabethstraße Aktive des Bündnisses für bezahlbaren Wohnraum auf ihr Anliegen aufmerksam. Ihr Postulat: Auch Arme sollen sich Mieten in ordentlichen Häusern leisten können. Konzerne wie die Vonovia sollten gestoppt oder am besten gleich enteignet werden, hieß es.
Egal wie man zu solchen Forderungen steht, das Problem steigender Mieten ist nicht zu leugnen. Bestätigte auch Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD), der kurz beim Wohnungsbündnis vorbeischaute und bereits vorab eine Einladung zu einer Diskussion über dieses Thema am 28. September angenommen hatte."

https://www.kn-online.de/Kiel/Auf-dem-Brunnenfest-in-Gaarden-ging-es-um-Wohnen-Verkehr-und-Teddys

Die Diskussion findet zwar am 27. statt, aber geschenkt, der Volontär hatte bestimmt viel um die Ohren.
https://bezahlbar-wohnen.org/

Fritz Linow

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Re: Stadtteilarbeit
« Antwort #111 am: 11:06:15 Mi. 02.Oktober 2019 »
"Seid ihr selbst Leiharbeiter_innen oder wart es, kennt ihr Leute die leiharbeiten oder habt einfach Kritik an dieser Form von Arbeit, dann kommt vorbei und sagt es weiter!
Weiter unten auch auf Bulgarisch, Farsi, Türkisch, Arabisch und Englisch.

Am 3. Oktober um 16:30 Uhr findet ein Treffen von Leiharbeiter*innen zusammen mit der Stadtteilgewerkschaft von Solidarisch in Gröpelingen statt.

Leiharbeit ist immer prekär. Trotzdem gibt es innerhalb der verschiedenen Zeitarbeitsfirmen große Unterschiede, z.B. im Umgang mit den Mitarbeiter*innen, der Bezahlung oder dem Anspruch auf Urlaub.

Wie können sich Menschen, die auf Jobs in Leiharbeitsfirmen angewiesen sind, gegenseitig informieren, rechtlich absichern, bei Konflikten unterstützen und sich langfristig solidarisch organisieren?

Diese und weitere Fragen wollen wir besprechen.

Das Treffen findet statt in den Räumen von Solidarisch in Gröpelingen,
Liegnitzstraße 12 in 28237 Bremen."

https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=456309411644185&id=239290850012710

milchbrötchen

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Re: Stadtteilarbeit
« Antwort #112 am: 14:45:44 So. 13.Oktober 2019 »
Zitat
Aber das nervt mich auch:
Zitat von: milchbrötchen am 11:11:52 Fr. 30.August 2019

    ...welcher Kapitalist läßt sich davon aufhalten? Staatsmacht angerufen...

ja Kuddel- dann haben sich die Leute gewehrt, viel Nerven aufgebraten, sich evtl. auch strafbar gemacht...schlimme Wohnverhältnisse in Kauf genommen, Dauerbaustelle, Heizung abgestellt, Wasser abgestellt.. die Medien sind voll davon. Das Recht ist in diesen Fällen auf der Seite der Betroffenen- muss aber erst mal in laaaaaaaaaaangwierigen verfahren durchgesetzt werden. Als Berufstätiger hälst du son Scheiß kaum durch. Schnell geht auch manch anderer auf dem Zahnfleisch. Erzähl mal- wie soll man sich als Mieter wehren, wenn man nicht dabei vor die Hunde gehen will. Hat nicht jeder eine Zweitwohnung ! um den repressiven Aktivitäten skrupelloser Miethaie wiederstand leisten zu können.

Onkel Tom

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Re: Stadtteilarbeit
« Antwort #113 am: 12:22:33 Mo. 14.Oktober 2019 »
Zitat
Aber das nervt mich auch:
Zitat von: milchbrötchen am 11:11:52 Fr. 30.August 2019

    ...welcher Kapitalist läßt sich davon aufhalten? Staatsmacht angerufen...

ja Kuddel- dann haben sich die Leute gewehrt, viel Nerven aufgebraten, sich evtl. auch strafbar gemacht...schlimme Wohnverhältnisse in Kauf genommen, Dauerbaustelle, Heizung abgestellt, Wasser abgestellt.. die Medien sind voll davon. Das Recht ist in diesen Fällen auf der Seite der Betroffenen- muss aber erst mal in laaaaaaaaaaangwierigen verfahren durchgesetzt werden. Als Berufstätiger hälst du son Scheiß kaum durch. Schnell geht auch manch anderer auf dem Zahnfleisch. Erzähl mal- wie soll man sich als Mieter wehren, wenn man nicht dabei vor die Hunde gehen will. Hat nicht jeder eine Zweitwohnung ! um den repressiven Aktivitäten skrupelloser Miethaie wiederstand leisten zu können.

Hmm, hast zwar Kuddel gefragt, kann mir es jedoch nicht verkneifen, mein Senf bei zu fügen. sorry  ;)

Ja, ist halt so, das es bei Räumung "was auf die Mütze gibt".. Doch zuvor steht auf dem "schwarzen Brett"
des Besetzerkollektiv : " Wir retten günstigen Wohnraum und wollen uns darin verwirklichen ! ".
Eine Hoffnung, die alle im Kopf haben oder gehört hier nicht rein..

Es kommt anbei immer darauf an, in wie weit sich in so einem "angeeignetem Haus" ein Gemeinschafts-
gedanke entwickelt und etabliert.
Das Risiko schwebt immer ein bissel mit, das morgen früh die Turtels vor der Tür stehen könnten.
Doch den vorläufigen Gewinn, die Basis für Selbstverwirklichung, den man gerade genießt, ist nur durch
diese Beireitschaft möglich, mit dem Risiko und dessen Folgen zu leben.. (Wird meistens auch kalkulliert).

Nicht nur die Erwachsenen haben die Hucke voll gekriegt.. Wir Jugendlichen kamen wieder ins Heim.
Anbei Jugendakte mit "Drohung der Verwahrlosung.." versehen und ab in die nächste "Erziehungsmasnahme",
die so manche Horrorerinnerungen nach sich zog.,
Jo, so hieß es im Amstsdeutsch, wenn Ausreißer_innen aus Heimen von den Cops aus Hausbesetzungen
"aufgabelten"..

Doch die Zeit hat mich geprägt.. Nirgendwo habe ich mehr Gemeinschaftsfeeling (nicht nur gutes) erlebt..
Da wurde mir klar, das Geld nicht das wichtigste ist, sondern a la Mensch ist ein Herdentier sich zusammen
tun sollten, sich gegenseitig ergänzen, um dem Ziel, die Basis von Verwirklichung zu sichern..

Außerhalb von Hausbesetzerfahrungen ist ausgeprägter Gemeinschaftssinn bei Seeleuten spürbar.

Außerdem heißt es ja nicht, das jedes Nachbarschaftstreffen mit Kaffee und Kuchen gleich in eine Haus-
besetzung münden soll, obwohl ich manchmal von "Mietenwahnsinn" betroffene Häuser erblicke, wo eine
Besetzung möglich wäre..  ::)

Da muss noch reichlich Kaffee geköchelt werden, um das sich Nachbarschft einig werden, was sie
wollen und ja, dann mal los..

Viele Außenstehende glauben anbei, das sich Besetzer nur auf gratis einnisten und auf der faulen
Pelle abhängen wollen, was jedoch völliger Mumpitz ist. Hausbesetzer sind meines Erachten die
kreativsten Intstandsetzer von Wohnraum.. So manch erfahrener Hausmeister kommt da nicht mehr
mit..

Ich habe dort viel gelernt, was Handwerk ums Haus angeht.. War 100x besser, als irgendwo in einer
geschlossenen Erziehungsanstalt zu versauern.. Ach ja, schön, wenn man historische Filme dazu
sehen kann. War ja noch nie selbstverständlich, das man am und im besetzten Haus filmen durfte..

 :D

Eine bessere Möglichkeit. Leute am großen Tisch zu bekommen, sehe ich derzeit nicht und drücke den
Gastgeber_innen zu Nachbarschaftstreffen die Daumen.
Lass Dich nicht verhartzen !

Kuddel

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Re: Stadtteilarbeit
« Antwort #114 am: 15:31:21 Do. 17.Oktober 2019 »
Ach Milchbrötchen,
mehr als herumzustänkern kriegst du hier wohl nicht hin.

Wir sollten mal festhalten:
Wegen geldgieriger Spekulanten und einer Stadtverwaltung, die auf Seiten der Spekulanten und nicht der Mieter steht, wird die Wohnsituation für die Menschen in der Stadt zunehmend zu einem Problem. Um wachsende Mieteinahmen wird sich gekümmert, um den Zustand der Wohnungen und den Service weniger. Wohnen ist bald nur noch was für Wohlhabende. Der gewöhnliche Mieter hat mehr und mehr zu kämpfen und zuerst geht es den ärmsten an den Kragen. Die anderen werden folgen.

Ich habe kein Patentrezept, aber ich weiß, es ist notwendig ist sich zu wehren.
Ich weiß, daß die Leute zumeist keine Erfahrungen auf dem Gebiet und Angst haben.

Ich kann hier nur mit einem etwas agbdroschenen Spruch kommen, der aber nichts an seiner Richtigkeit verloren hat:

Wer kämpft, kann verlieren.
Wer nicht kämpft, hat schon verloren!