Autor Thema: Stadtteilarbeit  (Gelesen 11895 mal)

Kuddel

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Re: Stadtteilarbeit
« Antwort #120 am: 12:57:29 Do. 31.Oktober 2019 »
Mieterprotest  in Kiel-Gaarden


Kuddel

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Re: 2.11. Mieterdemo Kiel-Gaarden
« Antwort #121 am: 17:52:02 So. 03.November 2019 »


das Transparent an der Spitze der Demo



Das Bündnis für bezahlbaren Wohnraum



Die Behörde trat übertrieben martialisch auf. Der Wahlkampf ist vorbei. Die SPD ist fest im Sattel und kann wieder er wahres Gesicht zeigen.



Die Forderungen auf dem Plakat hatten im Vorfeld zu machen Diskussionen geführt. Es fühlten sich Rentner und Erwerbslose nicht angesprochen. Ein Hartz IV Empfänger konnte mit Lohnforderungen nichts anfangen, es interessierte ihn auch nicht.



Aufgrund dieser Reaktion gab es ein erklärendes Transparent. Es gab insgesamt nur wenige negative Reaktionen. Es gab auch viel Lob: "Diese Fragen gehören zusammen". Es war auch ein Hinweis auf eine lange klassenkämpferische Tradition. Die Forderung "Löhne rauf, Mieten runter" gab es bereits in den 20ern und bei Demos in den 60er und 70er Jahren. Die einfachen Leute fordern ein größeres Stück vom Kuchen und daß es ihnen nicht von den Vermietern gleich wieder weggenommen wird.



Löhne rauf! Mieten runter! war die meistgerufene Parole auf der Demo.



Und oft gezeigt.



Einfach, verständlich und richtig.



Klartext gaardener Mieter.



Es wurden auch sehr persönliche Forderungen gestellt.



Es sind nicht einmal 300 Leute zur Demo gekommen. Ich war enttäuscht, daß es im demoerprobten Gaarden nicht mehr Teilnehmer gab als in Kiel Mettenhof. Ich war von weitaus mehr Teilnehmern ausgegangen. Es sind Tausende betroffen, doch wir bekamen nur einen Bruchteil auf die Straße.



Trotz allem war es eine beeindruckende Demo. Die Zwischenkundgebungen und die Redebeiträge waren toll. Es beginnen die Mieter in den Häusern und Blöcken sich zu organisieren, erheben ihre Stimme und stellen ihre eigenen Forderungen auf. Ein organisiertes und illegages Vorgehen von Vonovia wird nachgewiesen und angeprangert. Einige Redebeiträge wurden auf Türkisch gehalten. Es wurde auch berichtet, daß Vonovia versucht, widerständige Mieter unter Druck zu setzen.



Es muß auch erwähnt werden, daß wir aus den Häusern viel Zustimmung erhielten, aus den Fenstern wurde gewunken, teilweise auch kämpferisch mit der Faust gegrüßt. Es reichte aber nicht dazu, herunterzukommen und sich einzureihen.



Erklärung für Nichtkieler: Dusternbrook ist der historische Stadtteil der Reichen. Hier kriegen auch Studenten für'n Appel und n Ei ein Zimmer in einer Villa zu dem Aufpreis, sich einer reaktionären schlagenden Verbindung anzuschließen.



Es ging weiter zu einer Zwischenkundgebung zu einem Vonoviadepot. Es war der Plan, die Hauptverkehrsader Ostring dabei zu blockieren.



Doch wo ist das Vonovia Depot geblieben?



Es ist kurz zuvor verziert worden.



Die Medien haben diese Veranstaltung konsequent ignoriert. Die verständigten Sender genauso, wie unser lokales Schmierblatt.



Wir wissen, worauf es ankommt.



Zeit zum Nachdenken über die weiteren Schritte der MieterInnenbewegung.

Kuddel

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Re: Stadtteilarbeit
« Antwort #122 am: 20:31:59 Mo. 04.November 2019 »

NachbarArsch

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Re: Stadtteilarbeit
« Antwort #123 am: 19:34:12 Do. 12.Dezember 2019 »
In Kiel Gaarden gibt es ein kleines Gartengrundstück mitten zwischen Wohnhäusern. An der Ecke ( steinmarderweg), die von einem Nachbarn mal als das Gaarden von Gaarden bezeichnet wurde, konzentrieren sich soziale Probleme (Drogen, Arbeitstrich, verschiedenste Communities meist ohne sozialer Absicherung usw)
Dieser Garten wird nun seit einem Jahr als Nachbarschaftsgarten genutzt.
- Sprayer haben sich legale wände gebaut und bemahlt, gab auch schon hiphop Jams
- Kinder nutzen den Gaarten als Spielplatz. Als im Sommer die AWO zumachte, wurde es für 30-40 Kinder zu einer Art Ferienlager (die kinder können meist deutsch, die erwachsenen selten)
- Nachbarn kommen vorbei und zusammen, um zu konsumieren oder einfach nur nett quatschen

Es ist ein Ort wo verschiedenste Leute, Communities, Gruppen und Nachbarn zusammen. Kinder bis Rentner.

Jetzt wird es ein Fest geben um den Garten winterfest zu machen und nocheinmal zusammen kommen.


Kuddel

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Re: Stadtteilarbeit
« Antwort #124 am: 13:22:31 Fr. 13.Dezember 2019 »
von einem Nachbarn mal als das Gaarden von Gaarden bezeichnet

Haha, nicht schlecht. Das ist die Ecke der Armen und Ausgegrenzten innerhalb des Ghettos.

Der Garten ist super. Eine kleine Oase.
Die Atmosphäre war stets astrein, als ich da war. Ein wirklich wichtiges Projekt.
Ich wünsche euch ein prächtiges Winterfest!
Ich kann leider nicht dabei sein.

Kuddel

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Re: Stadtteilarbeit
« Antwort #125 am: 13:47:31 Sa. 18.Januar 2020 »
Solidarisch in Gröpelingen hat eine neue Website.
Sie befindet sich noch im Aufbau.

www.solidarisch-in-groepelingen.de

Kuddel

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Re: Stadtteilarbeit
« Antwort #126 am: 18:55:05 Sa. 18.Januar 2020 »
Hier ein paar Aufkleber von dem Stadtteilladen ZORES in Bremen-Walle.








https://zores.blackblogs.org/dritte-seite/

Kuddel

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Re: Stadtteilarbeit
« Antwort #127 am: 19:09:50 So. 22.März 2020 »


In Bremen haben solidarische Menschen in kürzester Zeit ein Hilfenetzwerk auf die Beine gestellt. Danke euch an dieser Stelle ! Hier findet ihr die Plakate auf deutsch. Die Flyer mit vielen Sprachen folgen. Bitte verbreitet sie weiter über eure sozialen Netzwerke. Wenn ihr euch vorstellen könnt, Einkäufe oder anderes zu übernehmen, meldet euch. Es gibt für jeden Stadtteil auch Telegramm Gruppen.

Unsere Antwort auf Corona sind keine egoistischen Hamsterkäufe sondern Solidarität !

Und wenn diese Krise überstanden ist, müssen wir anfangen, uns grundsätzliche Gedanken zu machen. Das bedeutet auch, dieses gesamte kaputte System namens Kapitalismus infrage zu stellen. Denn diese Krise zeigt mehr als deutlich, was passiert wenn Profit und Wirtschaftswachstum vor den Bedürfnissen der Menschen stehen.

https://nachbarschaftshilfe-hb.de/

Kuddel

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Re: Stadtteilarbeit
« Antwort #128 am: 12:01:42 Di. 07.April 2020 »
Rundmail aus Kiel-Gaarden:


Moin Leute!

Ab jetzt könnt Ihr gedruckte Flyer und Poster zur weiteren Bekanntmachung vom "Gaarden solidarisch gegen Corona" Solidaritäts- und Hilfsnetzwerk an verschiedenen Orten in Gaarden abholen, um diese im Stadtteil zu verteilen.

Die Flyer gibt's derzeit an folgenden Orten:
• Subrosa (Elisabethstr. 25, durchgängig zugänglich im Eingangsbereich)
• Li(e)ber Anders (Iltisstr. 34, 10-18 Uhr im Eingangsbereich)
• Fire and Flames (Kaiserstr. 31b, Mo.-Fr. 13-16 Uhr oder nach telefonischer Absprache 0431-53033985)

• An den Orten werden regelmäßig Flyer und Poster nachgelegt. Falls Euch noch andere Orte zum deponieren einfallen, sagt gerne Bescheid!

• Wir wollen versuchen das Verteilen etwas zu koordinieren, damit möglichst viele Orte erreicht werden. Dafür wäre es super, wenn ihr Häuser oder Geschäfte, in denen ihr verteilt habt in das dafür eingerichtete Pad eintragt. So können wir sehen, wo noch Flyer fehlen. Der Link zum Pad ist: http://pad.riseup.net/p/1234
• Ihr könnt die Flyer und Poster auch selbst ausdrucken, unter folgendem Link findet Ihr die Druckdateien: http://mega.nz/folder/NqIgyAxa#M3UwxcchY95D8eXQpi0cmQ
• Verbreitet die Nachricht auf allen Kanälen!

Und jetzt viel Spaß beim Verteilen - bleibt gesund und solidarisch!

*************************
Gaarden solidarisch gegen Corona - Das Solidaritäts- und Hilfsnetzwerk

Facebook: Gruppe 'Gaarden solidarisch gegen Corona'
WhatsApp-Link: chat.whatsapp.com/Dykn5vNPeaFHXmdYUmONX9
Telefon: 01573-3344382 (10-16 Uhr)
Mail: gaarden_solidarisch_gegen_corona@riseup.net

--
Perspektive Solidarität Kiel

https://perspektive-solidaritaet.org



Kuddel

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Re: Stadtteilarbeit
« Antwort #129 am: 16:58:26 Mo. 20.April 2020 »
während vielerorts die Mieterinitiatiativen wg. der momentanen Situation auf kleiner Flamme kochen, tut sich die Gruppe in Bremen Gröpelingen mit besonderen Aktivitäten hervor: Sie hat ihre erste Stadtteilzeitung herausgebracht.

Zitat
Unsere neue Stadtteilzeitung ist da
Die letzten Tage waren wir im Stadtteil unterwegs und haben die erste Ausgabe unserer neuen Stadtteilzeitung verteilt. Darin werden wir ab jetzt regelmäßig Interviews mit Bewohner*innen aus Gröpelingen veröffentlichen, sowie Wissenswertes, Meinungen und Einschätzungen rund um Corona. In der ersten Ausgabe findet ihr ein Interview mit Ahmet, der bei DHL arbeitet. Er erzählt, wie er Corona auf der Arbeit erlebt und welche Gedanken er sich dazu macht.
Außerdem findet ihr wichtige Telefonnummern, die in der aktuellen Zeit hilfreich sein können, wie z.B. bei Stress auf der Arbeit, mit dem Jobcenter, Vermieter*innen oder Zuhause.

http://solidarisch-in-groepelingen.de/

Kuddel

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Re: Stadtteilarbeit
« Antwort #130 am: 16:47:43 Fr. 24.April 2020 »
Ich finde die Idee, Stadtteilarbeit zu machen, wirklich gut.
Es ist die Frage, ob die darin engagierten auch das notwendige Durchhaltevermögen haben. Stadtteilarbeit funktioniert halt nicht als politische Mode, es dauert wohl Jahre, bis diese Arbeit Früchte trägt und solche Projekte wirklich im Stadtteil eingebunden und akzeptiert sind.

Ich kenne ein paar Projekte in verschiedenen Städten persönlich und versuche auch mitzuverfolgen, was anderswo läuft. Ich habe den Eindruck, daß vieles nicht so recht funktionert wegen der Haltung und Tradition der Linken Szene. Es ist, was ich grundsätzlich an linken Ansätzen kritisiere: Es sind nicht wir als Linke oder als Revoluzzer, die die Welt verändern, sondern es ist die Klasse, die Mehrheit der Menschen, die "einfachen Leute".

Deshalb fand ich es problematisch, wenn man bei Stadtteilprojekten einfach im Laden gesessen und darauf gewartet hat, daß der Stadtteil hereinkommt. Ein Laden als Anlaufpunkt ist gut, aber man muß auch da sein, wo die Leute sind. Infotische und Flugblattaktionen sind zumindest Versuche, auf der Straße und sichtbar zu sein.

Mich törnt auch das traditionell linke Outfit von solchen Läden ab. Zeugt eher davon, daß man sich selbst wohlfühlen will. Und so etwas habe ich auch im Umgang mit Leuten erlebt hab, die sich aus dem Stadtteil in den Laden getraut haben. Diese Art, sie zu mustern, ist schon daneben. Und bei Leuten aus armen Stadtteilen muß man davon ausgehen, daß sie eine andere Art, Umgangsformen und Sprache haben als Leute aus der Politiszene. Wenn Leute wegen ihres nicht politisch korrekten Auftretens gemaßregelt und vergrault werden, wird aus einem solchen Projekt nie eine echte Stadtteilarbeit. Jeglicher herablassender Umgang mit der Nachbarschaft ist einfach Gift für die Basisarbeit. Man muß auch erstmal verstehen, woher einige der plumpen und teilweise auch ekligen Sprüche unter armen Leuten herkommen. Es gibt auch Rassismus und Sexismus unter Migranten. Aber erst wenn man sich unter den Leuten normal bewegen kann und von ihnen anerkannt wird, kann man auch diese Haltungen angreifen. Ansonsten bleiben die Versuche kontraproduktiv und enden in Selbstisolation.

Kuddel

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Re: Stadtteilarbeit
« Antwort #131 am: 13:40:08 Mo. 04.Mai 2020 »
Ich bewundere die Aktivitäten der Initiative Solidarisich in Gröpelingen.
Seit Ausbruch der Coronakrisa hat sie nun die zweite Stadtteilzeitung herausgebracht...



"Die Zeitung gibt es auf deutsch, türkisch, englisch, persisch und bulgarisch.

In der 2. Ausgabe findet ihr ein Interview mit einem Leiharbeiter, der über Kurzarbeit, Entlassungen und Solidarität in Zeiten von Corona erzählt.

Außerdem gibt es unter dem Titel „Corona und danach wieder der alte Mist …? ein paar Gedanken zur aktuellen Krise und was das für uns im Stadtteil heißen kann."

http://solidarisch-in-groepelingen.de/

Kuddel

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Re: Stadtteilarbeit
« Antwort #132 am: 15:25:05 Do. 21.Mai 2020 »
Erfahrungen aus London

Zitat
Im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe Cinéma Klassenkampf hat die Gruppe AngryWorkers ihr Buch "Class Power on Zero-Hours" ("Klassenmacht bei Null-Stunden Verträgen") vorgestellt.

Die Veranstaltung fand als Zoom Meeting und auf Deutsch statt.

Das filmische Intro ist astrein.
Danach ist es ein Zoom Meeting, also nicht mehr so schön konsumierbar, schlechtes Bild, mieser Ton.
Die Herangehensweise und die Erfahrungen der ANGRY WORKERS sind definitiv spannend und es lohnt, sich damit auseinanderzusetzen:

https://de.labournet.tv/buchvorstellung-angryworkers