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Digitalisierung

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Kuddel:
Durch die Medien geistert die ganze Zeit der Begriff "Digitalisierung". In Wahlkampfzeiten war es besonders schlimm.
Es heißt, Deutschland hätte den Anschluß verpaßt. Deutschland hat sozusagen die Zukunft verpaßt.
Angeblich wollen alle "die Digitalisierung".
Das ganze wird dann so bebildert:







Fragt denn niemand, was mit dieser "Digitalisierung" gemeint ist und wer das eigentlich will?
Es geht sicherlich nicht darum, daß man irgendwelchen Netflixscheiß besser streamen kann.

Aber worum geht es wirklich?

Ich glaube, die Totalüberwachung ist nicht das primäre Anliegen.
...auch wenn das bereits vorangetrieben wird mit überwachenden Smart-TVs, datensendenden Dildos und Peilsendern in Schulranzen.

http://www.zeit.de/2015/07/smart-tv-daten-sicherheit-ueberwachung
https://www.welt.de/politik/ausland/article162660714/Weinender-Engel-soll-Fernseher-in-Wanzen-verwandelt-haben.html
https://www.stern.de/digital/online/vibrator-als-wanze--hersteller-gibt-aufnahme-von-sexgeraeuschen-zu-7696136.html
http://www.20min.ch/digital/news/story/Hacker-koennen-Sie-ueber-Dildo-Kamera-filmen-27590881
https://futurezone.at/netzpolitik/wenn-der-dildo-daten-an-behoerden-liefert/224.917.968
http://www.neuepresse.de/Nachrichten/Niedersachsen/GPS-Sender-im-Schulranzen-Testphase-in-Wolfsburg

Im Moment geht es eher um einen radikalen Umbau der Arbeitswelt mit dem Generalangriff auf die Arbeitsbedingungen.
Viele Büros und Behörden können weitgehend dichtgemacht werden. Es wird umgestellt auf Home Office. Hippe Arbeit als Crowdworker. Ohne Festanstellung, ohne Arbeitskollegen, ohne soziale Absicherung. Und so manche Arbeit, die vorher von behäbigen deutschen Beamten gemacht wurde, wird nun nach Usbekistan outgesourct. Umgang mit Formularen ist auch bei mäßigen Deutschkenntnissen möglich und außerdem gibt es Google Translate, das auch immer besser arbeitet. Es ist die Auflösung des regulierten Arbeitsmarktes geplant, es sollen Heere an prekären Clickworkern entstehen. Total hip, versteht sich.

Alle Parteien beschuldigen sich gegenseitig, diese tolle Digitalisierung nicht schnell genug voranzubringen. Da will auch der DGB nicht hinten anstehen: "Um die Chancen zu nutzen und die Risiken zu minimieren ist es wichtig, die Digitalisierung als einen Prozess zu verstehen, der von Menschen gemacht - und in dem Gute Arbeit gestaltet werden kann und muss."

Rudolf Rocker:
Das ist die Frage!
Wie sieht es denn in anderen Ländern aus, in denen die Digitalisierung schon weiter fortgeschritten ist? Gibt es da Anzeichen, das es weniger Behörden und Büros gibt?
Das würde mich wirklich mal interessieren, ob es dazu irgendwelche Untersuchungen gibt.

Während ich das hier schreibe, fallen mir grade die Auswirkungen der Digitalisierung ein, die es hierzulande schon lange gibt. Stichwort: Homebanking!

Kuddel:
Ich habe diesen Beitrag geschrieben, als Folge von meinem letzten Besuch beim Finanzamt. Als ich deren Schreiben und Formulare nicht begriffen hatte, bin ich hingegangen, um mir erklären zu lassen, was die eigentlich von mir wollen. Das konnte ein Sachbearbeiter dann auch so machen, daß selbst ich es begriff. Er fügte aber an, daß das demnächst nicht mehr möglich sei, seine Abteilung soll dichtgemacht und durch Onlinebearbeitung ersetzt werden.

BGS:
Die vielgepriesene "Digitalisierung" ist ein Trojanisches Pferd und Scheisse.

Im dünn besiedelten Skandinavien ist man damit schon viel weiter. Es scheint ein blindes Vertrauen zu geben, dass das Internet stets und ewig funktioniert, was sehr zweifelhaft ist. Abgesehen davon, dass man für unklare Fragestellungen  - wie beim Finanz- oder Arbeitsamt - immer einen menschlichen Ansprechpartner wird brauchen müssen. Doch dies ist nicht mehr gewährleistet, schon lange. Und es trifft zuerst die Alten, die Kranken und die nicht Internetaffinen oder auch Menschen, denen das ganze "App"Dreckszeugs ein Buch mit sieben Siegeln ist und bleibt. Beispiele:

Ein Landwirt muss den Umfang seiner Landwirtschaft den Behörden gegenüber erklären. Dies war schon früher eine Bürde für sehr viele, so dass sie oft externe Berater bezahlen mussten, und sei der Hof noch so klein. Heute soll der arme Bauer dem bürorkatischem Irrsinn im Netz nachkommen und damit sind selbst die Berater regelmässig überfordert, zumal Gesetze und Verordnungen regelmässig geändert werden von realitätsfernen Spinnern aus Brüssel, die das Wort "Arbeit" nicht kennen.

Ein Arbeitsloser hat zwar ständig mehr "Pflichten" ohne Ausgleich bzw. Gegenleistung zu erfüllen, doch ist das Arbeitsamt mittlerweile so gut wie unerreichbar geworden, zumindest im realen Leben. Ich bin einige Male notgedrungen dorthin gereist und musste mitansehen, wie untätige Bürokraten dort ihre Zeit absitzen. Vor Langeweile ist dort mancher zum Alkoholiker geworden. Sucht jemand Hilfe oder Unterstützung, so bleiben alle Türen verschlossen, ein Zettel am Haupteingang verweist auf die bescheuerte Homepage des "Amtes".

Konsularische Angelegenheiten, wie z.B. die Beantragung eines Passes und dergleichen, sind ins Netz verlagert. Die Leute begeben beizeiten sich zum Photografen in der nächsten Stadt, der ein digitales Photo schiesst, auf dem absolut nicht gelächelt werden darf. Man erhält eine Codenummer. Zu Hause meldet Mensch sich auf der Polizeihomepage an und füllt die geforderten Angaben natürlich hundertprozentig korrekt aus. Das Programm schmeisst einen bei nicht genehmem Ankreuzen etc. raus, wie ich vernahm. Den Photocode muss man auch eingeben und nach etwa einer Woche kommt die Nachricht, man möge seinen neuen Pass schleunigst bei Kiosk XYZ abholen. Den Photografen interessiert der Name seines Kunden übrigens nicht im geringsten.

Ausser in akuten Notfällen erreicht ein schwerkranker Mensch ohne Geld keinen Arzt innerhalb vernünftiger Zeitgrenzen. Sechs Wochen Wartezeit hatte ein kranker Nachbar, der jeden Tag litt. Für den Arzttermin musste er wie gehabt in den nächsten grösseren Ort fahren, Busse gibt es kaum noch. Als er schliesslich beim Doctor vorsprechen konnte, zeigte sich, dass jener keinen Schimmer hatte vom Krankheitsbild und ihn zu einem Facharzt überwies mit mehreren Monaten erneuter Wartezeit. Medikamente gab es auf einem digitalem "E-Rezept", sehr geschmeidig. Nur dass es die verkehrten waren und somit nutzlos. Er liess sich das Rezept in der Apotheke ausdrucken, falls mal der Strom ausfällt ... .

Wer viel Geld hat kann sich zum privat zu zahlenden Arzt begeben, doch ist dies absolut keine Gewähr, dass jener etwas weiss bzw. kann, bei Kosten von mehr als 100,- pro Besuch. So bekam eine Bekannte hier für Probleme mit der Schilddrüse einen Termin beim Gynäkologen. Jaja, die Ausbildung in Skandinavien ist "weltspitze".

Habe keine Lust, zum Thema mehr zu schreiben. Mir reichts so dermassen, dass ich Anfang Februar nach Südfinnland reisen werde, um dort gegen die geplante weitere Veraschung. Gängelung, Demütigung, Entrechtung und Bestrafung arbeitslos gemachter mitzudemonstrieren. Solidarität ist ein Muss in diesen Tagen.

MfG

BGS

P.S.: Wer haftet für die Folgeschäden der "Digitalisierung"? Weitere Verblödung, Orientierungslosigkeit und Haltungsschäden aller Art? Vielleicht der Abschaum, der sich gerade in Davos trifft?


Rudolf Rocker:

--- Zitat ---Die vielgepriesene "Digitalisierung" ist ein Trojanisches Pferd und Scheisse.
--- Ende Zitat ---
Mein Verhältniss dazu ist so ziemlich der Gleiche wie zu Waffen. Man kann damit schlimme Dinge anrichten oder sich damit zu Weihnachten den Wildschweinbraten klarmachen!
Gut, ok, mit der Digitalisierung fängt man keine Wildschweine... ;D
Du hast viele negative Folgen ja bereits aufgezählt, aber ohne Digitalisierung (das Internet ist ein wesentlicher Teil davon) würden wir hier nicht, hunderte Kilometer auseinander lebend, darüber diskutieren können.
Ohne die Digitalisierung (also das Internet) hättest du, am Ende der Welt, weniger Möglichkeiten der Kommunikation.


--- Zitat ---Und es trifft zuerst die Alten, die Kranken und die nicht Internetaffinen oder auch Menschen, denen das ganze "App"Dreckszeugs ein Buch mit sieben Siegeln ist und bleibt.
--- Ende Zitat ---
Ich halte es für eine Fehleinschätzung, das alte Menschen nicht mit dem Internet/ Apps umgehen können! Mein Vater, Ende 70 erklärt mir, wie Watsapp funktioniert und seine Kumpels, im gleichen Alter schicken sich den ganzen Tag, Witze und zotige Fotos per Watsapp.
Darüber hinaus dürften die letzten "Alten", denen Internet ein Fremdwort ist, in den nächsten 20 Jahren ausgestorben sein. Die nachfolgenden Generation saugen das schon mit der Muttermilch auf.


--- Zitat ---Ein Arbeitsloser hat zwar ständig mehr "Pflichten" ohne Ausgleich bzw. Gegenleistung zu erfüllen, doch ist das Arbeitsamt mittlerweile so gut wie unerreichbar geworden, zumindest im realen Leben.
--- Ende Zitat ---
Sehe ich als absoluten Vorteil an! Es gibt eigentlich nichts, was man mit denen, nicht schriftlich, klären müsste! Und wenn ich doch mal ganz dringend eine Auskunft brauche, rufe ich im Callcenter des JC an und bitte um einen Anruf meiner SB. Und spätestens am nächsten Tag kommt der dann auch!
Beim Straßenverkehrsamt währe es ein Traum, wenn man das endlich mal Digital abwickeln könnte! Man muss sich nicht mehr drei Stunden ans Bein binden, um ein Auto anzumelden!


--- Zitat ---Vor Langeweile ist dort mancher zum Alkoholiker geworden. Sucht jemand Hilfe oder Unterstützung, so bleiben alle Türen verschlossen, ein Zettel am Haupteingang verweist auf die bescheuerte Homepage des "Amtes".
--- Ende Zitat ---
Da muss ich mal wieder meinen Vater ins Spiel bringen: Der hat in den 1960ern in der Stadtverwaltung gearbeitet. Wenn der erzählt, was die früher gesoffen haben und was die für eine Scheiße gebaut haben, weil sie langeweile hatten! "Das könnte sich heute keiner mehr erlauben", sagt er dann immer!
In diesem Fall rettet die Digitalisierung tatsächlich Menschenleben, weil weniger besoffene Behördenmitarbeiter auf den Straßen unterwegs sind. ;D


--- Zitat ---Ausser in akuten Notfällen erreicht ein schwerkranker Mensch ohne Geld keinen Arzt innerhalb vernünftiger Zeitgrenzen. Sechs Wochen Wartezeit hatte ein kranker Nachbar, der jeden Tag litt. Für den Arzttermin musste er wie gehabt in den nächsten grösseren Ort fahren, Busse gibt es kaum noch. Als er schliesslich beim Doctor vorsprechen konnte, zeigte sich, dass jener keinen Schimmer hatte vom Krankheitsbild und ihn zu einem Facharzt überwies mit mehreren Monaten erneuter Wartezeit. Medikamente gab es auf einem digitalem "E-Rezept", sehr geschmeidig. Nur dass es die verkehrten waren und somit nutzlos. Er liess sich das Rezept in der Apotheke ausdrucken, falls mal der Strom ausfällt ... .

--- Ende Zitat ---

Das falsche Rezept kann man auch ohne Digitalisierung bekommen und der Rest ist eigentlich eine Frage, der Gesundheitsversorgung und nicht der Digitalisierung.
In Afrika gibt es keine E- Rezepte, aber dafür auch keine Medikamente und der Weg zum Arzt ist sogar noch weiter!
Soweit ich weiß ist die Gesundheitsversorgung in allen dünn besiedelten Teilen der Welt ein größeres Problem. Im norden Skandinaviens, sowie auch in Kanada oder sogar im ländlichen Raum in Deutschland. Da spielt es dann auch keine Rolle, wie arm oder reich dieses Land ist. Bei 5 Leuten auf 100 Quadratkilomter lohn sich die ärtzliche Versorgung schlicht nicht mehr.


--- Zitat ---Wer viel Geld hat kann sich zum privat zu zahlenden Arzt begeben, doch ist dies absolut keine Gewähr, dass jener etwas weiss bzw. kann, bei Kosten von mehr als 100,- pro Besuch. So bekam eine Bekannte hier für Probleme mit der Schilddrüse einen Termin beim Gynäkologen. Jaja, die Ausbildung in Skandinavien ist "weltspitze".
--- Ende Zitat ---
Daran hat jetzt die Digitalisierung auch keine Schuld sondern siehe oben.


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