Autor Thema: Digitalisierung  (Gelesen 7374 mal)

Kuddel

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Re: Digitalisierung
« Antwort #45 am: 14:29:24 Fr. 13.Dezember 2019 »
Zitat
...Es passt nicht so recht ins Bild der schönen neuen Digi-Welt, aber Mediennutzer selbst beklagen zunehmend Erschöpfung, ein hoher Anteil junger Frauen fühlt sich "unter Druck"

Man sollte doch ab und zu nachdenken dürfen über unsere digitalen Gewohnheiten, auch auf die Gefahr hin, als pessimistisch oder Nicht-auf-der-Höhe gebrandmarkt zu werden. Was wäre das denn: die "Höhe" - die Digitale Moderne? Oder, weniger euphorisch, unsere vollkommen gewordene Abhängigkeit von einem Flachmann, vollgestopft mit Elektronik, glatt, strahlend, rohstoffhungrig, immer am Ohr?

Für viele nichts weniger als die Einlösung einer Verheißung. Jedes Smartphone ist Teil der neuen, globalen Menschengesellschaft, wir sind Begeisterte, nicht Ausgebeutete. Und wir, viele von uns sind neuesten Befragungen zufolge - digital erschöpft.

Immer erreichbar, immer seltener fit...
https://www.heise.de/tp/features/Generation-Tired-4607236.html

Kuddel

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Re: Digitalisierung
« Antwort #46 am: 20:15:25 Mi. 25.Dezember 2019 »
Es muß ja stockfinster sein, wenn selbst eine beschissene bürgerliche Zeitung zur Sabottage aufruft:

Zitat
Gegen die omnipräsente Überwachung helfen nur noch Guerrilla-Methoden. Wer dem Überwachungskapitalismus schon nicht entkommt, kann wenigstens dessen Maschinerie sabotieren.
https://www.sueddeutsche.de/digital/ueberwachung-gesichtserkennung-obfuskation-1.4714785


Nikita

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Re: Digitalisierung
« Antwort #47 am: 21:14:44 Mo. 15.Juni 2020 »
KI ist volle Automatisierung durch ausschließlich objektive Entitäten, die kurzfristig alle unsere Probleme lösen werden, ohne menschliche Eingriffe. Nachteile gibt es nicht. Wirklich nicht.
Dachten alle ...



Beitrag zu "Ghost Worker"

"As automation becomes more prevalent, many worry that the digital age is crowding out humans. In Ghost Work, anthropologist Mary L. Gray, a Harvard Fellow and Principal Researcher at Microsoft, argues the opposite: that these technologies rely, paradoxically and completely, on humans. Gray and co-author Siddharth Suri use the term “ghost work” to refer to the array of invisible, piecemeal tasks that keep the Internet running, including content moderation, image classification, and customer assistance. Despite the prevalence of this work–8% of Americans have participated in the ghost work economy–the industry is unregulated. Join Gray and Natalie Foster, senior fellow at the The Aspen Institute Future of Work Initiative, for a conversation about protecting the people involved with ghost work, whose labor may be hidden but whose impact is profound."

Nikita

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Re: Digitalisierung
« Antwort #48 am: 21:50:14 Mo. 15.Juni 2020 »
https://heise.de/tr/artikel/Die-Geisterarbeiter-der-KI-4514426.html

11.09.2019 Eva Wolfangel

Die Geisterarbeiter der KI

"Die großen Digitalkonzerne verraten es ungern, aber hinter ihren künstlichen Intelligenzen steckt in Wahrheit viel menschliche Arbeit. Statt es zuzugeben, tun sie lieber so, als seien Menschen eine KI.

Groß war die Aufregung, als Google im Frühjahr 2018 mit viel Tamtam seinen digitalen Assistenten Duplex der Öffentlichkeit vorstellte: Es schien die erste künst­liche Intelligenz zu sein, die Telefonate mit Menschen führen kann, ohne dass der Mensch am anderen Ende der Leitung auch nur eine Chance hat zu ahnen, dass es sich um eine Maschine handelt. Beim öffentlich vorgeführten Telefonat mit der ahnungslosen Mitarbeiterin eines Friseurladens ahmte Duplex sogar „Ähms“ nach und antwortete auf alle Fragen richtig und fehlerfrei. Für viele galt dieses Telefonat als Meilenstein, als Zeichen, wie weit KI heute schon ist. Debatten entsponnen sich, ob Menschen ein Recht darauf haben zu wissen, ob sie mit ­einer Maschine sprechen. Denn unterscheiden könne man beide fortan nicht mehr.

Wirklich nicht? Kürzlich deckte die „New York Times“ auf, dass hinter dem angeblich künstlich intelligenten Dienst von Google Duplex meist Menschen stecken. Als Redakteure der Zeitung den Dienst nutzten, um eine Restaurant-Reservierung vorzunehmen, waren die Angerufenen zwar auch erstaunt über die Qualität des Gesprächs – doch genauere Nachfragen ergaben, dass in der Tat meist auch ein Mensch in der Leitung war. Google erklärte nach Anfrage der „New York Times“, dass der Service eben perfekt sein solle: Nach einigen Missverständnissen habe man sich entschieden, hin und wieder auch Menschen anrufen zu lassen. Wie oft sie einspringen müssen, will das Unternehmen lieber nicht verraten.

Was aber, wenn diese Praxis nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist? Wenn natürliche Intelligenz als künstliche ausgegeben wird und die Menschen sich gewissermaßen in Roboter verwandeln? Dann wankt nicht nur der Ruf von ­Google als KI-Pionier, sondern mit ihm die Hoffnungen einer ganzen Branche auf einen Milliardenmarkt. Und es ­entsteht eine neue Klasse von Tagelöhnern. Geisterarbeiter nennt die Microsoft-­Re­search-Forscherin Mary Gray sie und hat ­–­ zusammen mit dem Informatiker Siddharth Suri – über sie ein Buch geschrieben: „Ghost Work: How to Stop Silicon Valley from Building a New Global Underclass“. „Wir haben noch nie so viele Industrien gehabt, die Leiharbeit so vollständig als Automatisierung verkaufen – um zu sagen, dass hier wirklich überhaupt keine Person arbeitet“, sagt sie. „Wenn das in jedem Sektor geschieht, der Informationsdienste verkauft, dann sind das viele Menschen, deren Beteiligung an der Wirtschaft unsichtbar wird.“

Kuddel

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Re: Digitalisierung
« Antwort #49 am: 09:43:35 Di. 16.Juni 2020 »
Danke für die Berichte.
"Digitalisierung" und "KI" schwiemeln durch die Medien als positiv besetzte Begriffe. Man verbindet damit Fortschrittlichkeit und Verbesserung von Arbeit und Alltag.

Die kritische Auseinandersetzung mit diesen Entwicklungen interessiert bisher die Medien nicht und auch in der Linken ist es eher ein Thema am Rande.

Die Machtverhältnisse sind die alten und allein deshalb können wir davon ausgehen, daß die technischen Entwicklungen und Möglichkeiten gegen uns gerichtet werden. Es geht um eine effektivere Ausbeutung der Arbeitskraft, um eine Perfektionierung der Überwachung, um das Vereinzeln der Arbeiter, das Aufbrechen von Netzwerken und Zusammenhalt.

Die Technologiegläubigkeit ist jedoch Quatsch. Auf beiden Seiten. Wir sollten nicht glauben, mit der Anderung der technischen Möglichkeiten würde die Gegenseite allmächtig werden und wir hätten keine Chance mehr. Viele der technischen Versprechungen sind heiße Luft. Sie machen die Systeme angreifbarer, fehlerhafter und zerbrechlicher.

Trotz allem müssen wir mit der kritischen Diskussion mit den Umwälzungen in der Arbeitswelt beginnen. Weder der Glaube an die neue Allmacht der Herrschenden, noch das Hoffen auf den Zusammenbruch der Verhältnisse ohne unser Zutun, wird uns nützen.

Tiefrot

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Re: Digitalisierung
« Antwort #50 am: 11:07:16 Di. 16.Juni 2020 »
"Künstliche Intelligenz" ist an sich ein Unding.
Maschinen sind nicht kreativ, fühlen nichts.
Tun nur, was Mensch denen befiehlt.

Was zur Hölle hat das mit Intelligenz zu schaffen ?  >:(
Denke dran: Arbeiten gehen ist ein Deal !
Seht in den Lohnspiegel, und geht nicht drunter !

Wie bekommt man Milllionen von Deutschen zum Protest auf die Straße ?
Verbietet die BILD und schaltet Facebook ab !

Kuddel

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Re: Digitalisierung
« Antwort #51 am: 11:44:05 Di. 16.Juni 2020 »
Hätte man der "Intelligenz" der Computer vertraut, wäre 1983 wohl ein Atomkrieg ausgebrochen. Da der russische Oberstleutnant Stanislaw Petrow den Computern und den ausgespuckten Daten eines atomaren Angriffs durch die Vereinigten Staaten mißtraute, verhinderte er den atomaren "Gegenschlag" der Sowjetunion. Petrow behielt Recht, es war ein Fehlalarm des Computers.

https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag-stanislaw-petrow-verhindert-atomkrieg-100.html

counselor

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Re: Digitalisierung
« Antwort #52 am: 21:43:41 Di. 16.Juni 2020 »
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Onkel Tom

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Re: Digitalisierung
« Antwort #53 am: 22:34:53 Di. 16.Juni 2020 »
Wat'n Zufall, das der Film und die Realität zum möglichen Atomschlag im gleichem Jahr die Runde machten..  ::)
Lass Dich nicht verhartzen !

Kuddel

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Re: Digitalisierung
« Antwort #54 am: 09:10:55 Di. 18.August 2020 »
Sehr guter Artikel:

Zitat
In welcher Weise kann Digitalisierung zu neuen Ausbeutungsformen führen und wie können sich die Arbeitnehmer dagegen wehren? Die kapitalistische Innovationsoffensive zielt auf die Zerstörung alter Arbeitsformen ab
https://www.heise.de/tp/features/Die-Rolle-der-IT-Industrien-in-der-gegenwaertigen-Offensive-kapitalistischer-Reorganisation-4872556.html

ManOfConstantSorrow

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Re: Digitalisierung
« Antwort #55 am: 09:39:33 Sa. 29.August 2020 »
Die feuchten Träume der Tech Konzerne:

Zitat
Tesla-Chef
„Ein Fitbit für den Schädel“ – Musk will mit Neuralink das Gehirn digitalisieren

Ein Chip im Gehirn soll erst Schmerzen besiegen und später Gedankenübertragung ermöglichen.
https://www.handelsblatt.com/technik/forschung-innovation/tesla-chef-ein-fitbit-fuer-den-schaedel-musk-will-mit-neuralink-das-gehirn-digitalisieren/26139594.html
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

counselor

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Re: Digitalisierung
« Antwort #56 am: 13:12:01 Sa. 29.August 2020 »
Schmerzen sind sinnvoll. Sie zeigen, dass im Körper etwas schief läuft. Menschen mit vermindertem Schmerzempfinden haben eine verkürzte Lebenserwartung.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

ManOfConstantSorrow

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Re: Digitalisierung
« Antwort #57 am: 13:37:39 Fr. 18.Dezember 2020 »
"KI" und "Digitalisierung" werden von Medien und Politik hochgejubelt und während der Coronakrise mit Milliardenförderungen der Bundesregierung gepusht. Das hat nichts mit Krisenhilfe zu tun, das ist eine politische Entscheidung zu einer Wirtschaftsförderung, die nie öffenlich diskutiert worden ist.

In diesem Thread wurden schon viele Argumente angeführt, warum diese Entwicklungen gruselig sind und nicht unseren Interessen folgen: Im Gegenteil, Es geht um eine optimalere Arbeitstaktung, um eine effektivere Ausbeutung und eine perfektere Überwachung.

Aber dieser ganze Hype ist sowieso völliger Schwachsinn. Er wird noch nicht einmal im Sinne der Herrschenden Klasse funktionieren. Es ist purer Größenwahn und der Glaube, es gäbe für alle Probleme technologische Lösungen.

Es erinnert daran, wie behauptet wurde, die Atombombe würde das Ende aller Kriege bewirken.
Oder wie Monokulturen und Massentierhaltung den Hunger weltweit beenden sollten.
Oder Atomkraftwerke die Energieprobleme dieser Welt lösen sollte.

All diese größenwahnsinnigen Projekte schufen weitaus mehr Probleme, als sie lösten. Sie brachten Katastrophen, Verstrahlung, Hunger und Seuchen.

Und jetzt sehen wir, daß Hacker selbst ins Pentagon eindringen konnten oder große Industrieunternehmen lahmglegt hatten. Es sind aber nicht nur irgendwelche bösen Hacker, die in diese Datennetze eindringen können, es sind die hochkomplexen und ach so intelligenten Systeme sich selbst austrixen und ausknocken können, wie bereits im Onlinebörsenhandel geschehen.

Wenn alle Kommunikation, der gesamte Verkehr (Autonomes Fahren, haha), die Produktion, die Strom und Wasserversorgung Bestandteil der Intelligenten Vernetzung sind, haben wir den Zusammenbruch sebst herbeigeholt. Selbst ein superautoritärer Sciene Fiction Staat könnte mit (auotmatisierter) Totalübewachung, das funktioneren dieses Systems garantieren. Es geht nicht allein um den Schutz vor Angriffen von außen, es reichen bereits gelangweilte, frustrierte oder wütende IT Leute, die das System sprengen könnten. Oder ein dummer Zufall.

Uns wurde auch gesagt, ein Atomunfall in einem AKW könnte schlimmstenfalls alle paarhundertausend Jahre passieren. Diese Zeit ist verdammt schnell vergangen. Schon mehrmals.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Kuddel

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Re: Digitalisierung
« Antwort #58 am: 09:50:53 Sa. 19.Dezember 2020 »
Zitat
Nach US-Behörden
Hackerangriff betrifft auch Deutschland – Telekom und Siemens auf der Liste
Hochprofessionelle Angreifer sind nicht nur in die US-Regierungsnetze eingedrungen. Auch deutsche Unternehmen und Behörden sind betroffen.
https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/nach-us-behoerden-hackerangriff-betrifft-auch-deutschland-telekom-und-siemens-auf-der-liste/26732258.html

Kuddel

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Re:Digitalisierung
« Antwort #59 am: 15:42:37 So. 27.Dezember 2020 »
Mein Verhältniss dazu ist so ziemlich der Gleiche wie zu Waffen. Man kann damit schlimme Dinge anrichten oder sich damit zu Weihnachten den Wildschweinbraten klarmachen!

Nunja, bei mir klingeln schon die Alarmglocken, wenn die Herrschende Klasse und ihre Medien nur Lobeshymnen auf die Digitalisierung singen. Da frage ich mich sofort, was für eine Schweinerei wohl dahinterstecken mag. Ich habe mich da eher gefühlsmäßig orientiert. Habe nun etwas gefunden, was sich wissenschaftlich mit den Auswirkungen der "Digitalisierung" befaßt und erklärt, warum die Wirtschaft das auf Teufel-komm-raus vorantreiben will.

Hier nur der Anfang einer spannenden Analyse der Entwicklungen und der Interessen dahinter:

Zitat
Disruption – Zerstörerischer Angriff des Kapitals. Wie Unternehmen die Arbeitswelt durch die Digitalisierung verändern

Mit der sich ausweitenden Digitalisierung in den Unternehmen werden neue Formen der Arbeitsteilung, der fragmentierten Erbringung von Teilarbeitsleistungen etwa über den Einsatz von Internetplattformen und den Arbeitsbedingungen des Crowdorkings geschaffen. „Disruption“, die Zerstörung, Auslagerung und Neuzusammensetzung bisheriger Abläufe in den Unternehmen nimmt der Autor Marcus Schwarzenbach zum Anlass, um durch viele Beispiele zu belegen, wie die Umsetzung der Unternehmensstrategien bei der Ausweitung der Digitalisierung ein Aushöhlen von Arbeitnehmerinteressen und Zerstörung von Arbeitsplätzen bewirkt.


Inhalt

I. Warum Unternehmen disruptive Veränderungen fordern
  • Digitalisierung als „permanente Verbesserung“ aus Unternehmenssicht
  • Totschlagargument „Alternativlosigkeit“ – jetzt auch in Unternehmen
  • Von Marketingabteilungen verbreitete Internet-Mythen
  • „Experimente“ und „digitale Labore“ als Testfelder
  • „Digitale Disruption“ als „Gestaltungsraum“
   
II. Digitale Plattformen als Instrument zur „Disruption“
  • Monopolkapitalismus im Internet
  • Zum Hintergrund: Der Weg von der „Datenspeicherung in der Cloud“ zum Crowdworking
  • Sprunghaftes Wachstum der Crowd-Arbeit
  • Fachzeitschriften geben Unternehmen Praxistipps zum Crowdworking
  • „Disruptives Potenzial“: Sozialer Sprengstoff in der Crowd
   

III. Zerstörerische Folgen: Crowdworking als Ende des Arbeitsverhältnisses?
  • Noch mehr prekäre Arbeitsverhältnisse durch Crowdworking?
  • Mit „Selbstbestimmung“ gegen „mitbestimmungsseitig fixierte Regelungen“
  • Eigentumsfrage: Crowdworker-Aktivistin will Produktionsmittel übernehmen
 

IV. Crowdworking – den Werkvertrag 4.0 verhindern: Gewerkschaftliche Forderungen

  • Crowdsourcing fordert Betriebsräte und Gewerkschaften
  • Gewerkschaftliche Forderungen zum Arbeitsrecht
  • Erweiterter Arbeitnehmerbegriff gefordert
  • Kampf für einen Sozialstaat 4.0 statt „Disrupt! – Aber wie?“

Vorwort: Die Arbeitswelt verändert sich – jetzt!

„Die öffentliche Diskussion über die Digitalisierung intensiviert sich spürbar“, betonen Personalvorstände aus DAX-Unternehmen in einem Positionspapier. „Zwar wird die Unumkehrbarkeit dieser Entwicklung noch zu wenig gesehen, doch besteht eine gute Chance, eine positive Grundstimmung in der Gesellschaft für die digitale Transformation zu erhalten beziehungsweise zu erzeugen“. Deutlich fordern sie eine Ausweitung der Arbeit in die Freizeit: „Arbeit wird wieder (wie in der Zeit vor der Industrialisierung) stärker ins Private übergreifen“. Selten äußern sich Unternehmensvertreter so offen, auch wird mit vermeintlichen Sachzwängen infolge der Digitalisierung argumentiert.

„Warum ein Konzern agil sein muss wie ein Start-up“, überschreibt beispielsweise das Capital Magazin ein Interview mit Béatrice Guillaume-Grabisch, der Vorstandsvorsitzenden von Nestlé Deutschland. „Start-ups können sich sehr gut an den Wandel anpassen. Wenn wir mit der Veränderungsgeschwindigkeit nicht mithalten oder als Großkonzerne die Agilität der Start-ups nicht in unsere Struktur integrieren können, dann werden wir einige große Chancen verpassen“, suggeriert die Firmenchefin eine Form der „Alternativlosigkeit“. Der Vergleich mit „Start-ups“ ist bewusst gewählt, stehen diese doch für Betriebe ohne Tarifvertrag und ohne Mitbestimmung. Auch wird gerne über „digitale Labore“ gesprochen, die Arbeitnehmer und Selbständige in Konkurrenz setzen. Mit Plattformen im Internet soll eine besondere Form der Arbeitsteilung über Werkverträge durchgesetzt werden. Sie ermöglichen „zunehmend auch die Übertragung kleiner Teilaufgaben einer Unternehmenseinheit an externe Partner (Outtasking) – bis hin zum sogenannten Microtasking. Dabei wird eine Aufgabe in möglichst viele kleine Teilaufgaben zerlegt, die von ebenso vielen externen sogenannten Click-Workern bearbeitet (Crowd-Working) und schließlich im Unternehmen wieder zu einer Leistung zusammengefügt werden“, fordern Unternehmensvertreter im erwähnten Positionspapier.

Diese Veröffentlichung soll die Entwicklungen in den Betriebe darstellen – denn Unternehmensvertreter gestalten derzeit die Digitalisierung in ihrem Interesse. Sie bereiten durch Internetplattformen per Crowdworking einen massiven Angriff auf Arbeitnehmerrechte vor. Gegenstrategien der Gewerkschaften fehlen derzeit.

Ich verwende die Begriffe Arbeitnehmer und Arbeitgeber und orientiere mich dabei an der Definition des Betriebsverfassungsgesetzes, nach der ein Beschäftigter als Arbeitnehmer verstanden wird. Eigentlich ist dieser aber der „Arbeit-Geber“, denn er stellt seine Arbeitskraft zur Verfügung.

Und hier geht's weiter: https://www.isw-muenchen.de/2018/10/disruption-zerstoererischer-angriff-des-kapitals-wie-unternehmen-die-arbeitswelt-durch-die-digitalisierung-veraendern/