Autor Thema: Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)  (Gelesen 11580 mal)

mousekiller

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Re:Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)
« Antwort #15 am: 17:10:26 Mi. 21.März 2018 »
Es wäre ja schon mal mit Sicherheit denjenigen geholfen, die sonst am Existenzminimum herumkrebsen. Sei es EU-Rentner und Rentner im allgemeinen. Oder andere Erwerbstätige die aus verschiedenen Gründen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen (können). Denen monatlich einen pauschalen Betrag überlassen würde erstens Wohngeld überflüssig machen genau so wie diverseste Ämterarbeitsplätze erheblich reduzieren - ergo Einsparpotenzial.

Natürlich gibt es in der Gesellschaft immer Menschen, die nicht arbeiten wollen. Das ist ein Fakt. Genau so gibt es aber auch mehr als genug Menschen, die arbeiten wollen, aber keine finden, weil den Arbeitgebern aus irgendwelchen Gründen deren Nase nicht passt.

Hinzu kommt, dass - prognostisch gesehen - in der Zukunft immer mehr Arbeitsplätze verschwinden, der verbleibende Rest der Arbeitnehmer immer höheren Anforderungen ausgesetzt wird und letzten Endes dem Arbeitsmarkt auf Grund dauerhafter Erkrankung nicht mehr zur Verfügung steht.  Das zeichnet sich bereits heute ab, wie die Krankenkassen immer wieder feststellen.

Es muss angefangen werden darüber nachzudenken, wie man entweder die Belastung auf die Arbeitnehmer reduziert oder aber ein zweiter Arbeitsmarkt geschaffen wird, wo diejenigen, die nicht mehr in den ersten Arbeitsmarkt einsteigen können, unterkommen. Möglichkeiten gibt es genug, die Politik muß nur in einigen Bereichen die Voraussetzungen dafür schaffen bzw. anpassen.
Wer alles gesagt hat, sollte den Mund halten und zuhören.

counselor

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Re:Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)
« Antwort #16 am: 17:35:12 Mi. 21.März 2018 »
Es muss angefangen werden darüber nachzudenken, wie man entweder die Belastung auf die Arbeitnehmer reduziert oder aber ein zweiter Arbeitsmarkt geschaffen wird, wo diejenigen, die nicht mehr in den ersten Arbeitsmarkt einsteigen können, unterkommen.
Den zweiten Arbeitsmarkt gibt es schon in Form der Behindertenwerkstätten (WfbM), die auch auf Expansionskurs sind. Nur reicht dort der "Lohn" nicht zum Leben. Im Schnitt verdient man in einer WfbM €185 pro Monat in Vollzeit.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Kuddel

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Re:Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)
« Antwort #17 am: 17:42:07 Mi. 21.März 2018 »
Es wäre ja schon mal mit Sicherheit denjenigen geholfen, die sonst am Existenzminimum herumkrebsen. Sei es EU-Rentner und Rentner im allgemeinen. Oder andere Erwerbstätige die aus verschiedenen Gründen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen (können).
Die Festsetzung eine Minimalsatzes in vernünfter Höhe(!) wäre sinnvol unter dem niemand bleiben darf, egal ob erwerbslos, erwerbsunfähig, in Rente oder ähnliches. Das würde Sinn machen! Warum fordert man das nicht einfach?

Das BGE würde einen Umbau des gesamten Sozialsystems bedeuten mit ungeklärten Folgen.
(Die Folgen könnten zu unserem Nachteil sein.)

Zitat
Denen monatlich einen pauschalen Betrag überlassen würde erstens Wohngeld überflüssig machen genau so wie diverseste Ämterarbeitsplätze erheblich reduzieren - ergo Einsparpotenzial.
Diese Scheiß Jobcenter/Arges gehören sowieso abgeschafft. Das einzige was sie machen, ist ihre "Kunden" zu malträtieren, damit sie endlich"freiwillig" einen unwürdigen Drecksjob annehmen, sonst Sanktion.

Zitat
Natürlich gibt es in der Gesellschaft immer Menschen, die nicht arbeiten wollen. Das ist ein Fakt. Genau so gibt es aber auch mehr als genug Menschen, die arbeiten wollen, aber keine finden, weil den Arbeitgebern aus irgendwelchen Gründen deren Nase nicht passt.
Und was hat das mit dem BGE zu tun?

Zitat
Hinzu kommt, dass - prognostisch gesehen - in der Zukunft immer mehr Arbeitsplätze verschwinden
Totaler Schwachsinn!!
Diese Propaganda hat sich in diversen Köpfen festgesetzt.
Die Arbeitsplätze, die verschwinden, werden durch andere Arbeitsplätze ersetzt. Die werden aber nicht besser sein. Im Gegenteil!

Zitat
Es muss angefangen werden darüber nachzudenken, wie man entweder die Belastung auf die Arbeitnehmer reduziert oder aber ein zweiter Arbeitsmarkt geschaffen wird, wo diejenigen, die nicht mehr in den ersten Arbeitsmarkt einsteigen können, unterkommen. Möglichkeiten gibt es genug, die Politik muß nur in einigen Bereichen die Voraussetzungen dafür schaffen bzw. anpassen.
"Die Politik" will nichts und wird nichts für uns tun.

Entweder wir fordern konkrete Sachen, die unser Leben verbessern und wir lernen einen echten Druck aufzubauen oder unsere Situation wird von "der Politik" von schlecht in viel schlechter verwandelt.

Warum sagen wir nicht, was an diesen ganzen Hartz System scheiße ist und fordern die konkreten Horrorelemente des Gesetzes zurückzunehmen und durch etwas zu ersetzen, das von uns klar benannt werden muß.

Das BGE ist die Katze im Sack. Eine Blackbox, bei der wir nicht wissen, was drin ist. Was soll sowas? Mich nerven die halbreligiösen Hoffnungen an die heilende Wirkung dieses obskuren Pakets.

Die Entstehung eines steuersubventionierten Niedriglohn-Arbeitsmarktes ist etwas, was ich keinesfalls akzeptiere.

BGS

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Re:Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)
« Antwort #18 am: 06:40:15 Do. 22.März 2018 »

"Die Politik" will nichts und wird nichts für uns tun."

[/quote]

In der Tat. Wir muessen uns endlich gemeinsam wehren.

MfG

BGS
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http://www.chefduzen.de/index.php?topic=21713.msg298043#new
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Kuddel

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Re:Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)
« Antwort #19 am: 19:40:27 Do. 22.März 2018 »
Gestern gab es im Radio einen Fachleutediskussion zum Thema BGE, lauter Wirtschaftsprofessoren und sowas...

Die waren sich relativ einig, daß sich ein BGE stätestens nach einiger Zeit auf Höhe von Hartz IV einpegeln würde. Aber als Nebeneffekt hätte man das bisherige Sozialsystem zerlegt. Das kann man doch nicht allen Ernstes wollen!?!

Solche Leute wollen das:

Telekom-Chef Tim Höttges gehört zu den glühenden Verfechtern des bedingungslosen Grundeinkommens.

mousekiller

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Re:Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)
« Antwort #20 am: 07:21:50 Fr. 23.März 2018 »
Bezüglich zweiten Arbeitsmarkt gibt es nicht nur Behindertenwerkstätten. Und selbst die sind noch viel zu wenig, wenn ich sehe, wie viele Erwerbsunfähige ich in meinem Job habe.

Es gäbe auch noch die Möglichkeit, über alle möglichen ehrenamtlichen Arbeiten Stellen zu schaffen. Das Problem ist nur, dass den in Deutschland tätigen gemeinnützigen Vereinen derart enge Grenzen gesetzt sind, so etwas zu bieten, dass die wenigsten dies tun. Hier ist das Problem, dass das Vereinsgesetz veraltet ist und dringend angepasst werden müsste.

Die öffentliche Hand tut sich auch sehr schwer. Ich rede hier nicht über Ein-Euro-Jobber. Es wäre jedoch mit Sicherheit in Signal in die richtige Richtung, wenn man, bedingt durch das BGE, einen Haufen Stellen in der Verwaltung einspart. Die dort freigesetzten Mittel könnten dann wiederum so verwendet werden.
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Kuddel

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Re:Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)
« Antwort #21 am: 12:22:05 Fr. 23.März 2018 »
Zitat
Es gäbe auch noch die Möglichkeit, über alle möglichen ehrenamtlichen Arbeiten Stellen zu schaffen.
Das sind alles sehr zwiespältige Geschichten. Es ist natürlich gut, wenn Menschen anderen helfen. Einfach so.
Wenn man das alles institutionalisiert, z.B. im "Ehrenamt", kann das schnell zu unbezahlter Sozialarbeit werden, mit der man vernünftig bezahlte Stellen streichen kann.

Der gesamte sogannte "2. Arbeitsmarkt" ist in meinen Augen viel zu wenig hinterfragt und diskutiert. Es ist alles vernebelt mit dem Ruf, irgendwie hilfreich zu sein, den Menschen wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren oder die Arbeit selbst irgendwie sozial oder gesellschaftlich sinnvoll sein könnte. Ich halte das aber für vorgeschobene Argumente. Unterm Strich geht's immer um Ausbeutung. Auch in Behindertenwerkstätten oder im Knast.

Dieser gesamte Markt der schlecht und gar nicht bezahlten Jobs würde unter dem BGE förmlich explodieren (Wozu Bezahlung? Das BGE reicht doch!)


counselor

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Re:Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)
« Antwort #22 am: 15:52:05 Fr. 23.März 2018 »
Ich fürchte auch, dass ein BGE ein Treibsatz für Billigjobs wäre.

Ich bin für die Einbeziehung der alten, kranken und behinderten Menschen in das gesellschaftliche Leben.Staat, Konzerne und Banken müssen die anfallenden Kosten tragen.

Sympathischer als ein BGE wäre mir der 6-Stunden-Tag/30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich.
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BGS

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Re:Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)
« Antwort #23 am: 16:25:07 Fr. 23.März 2018 »
Eine 20-Stunden-Woche wäre ggfs. sicher bezahlbar, schlösse man endlich z. B. die unnötigen / ueberfluessigen Buerokratien etc.

MfG

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Bowie

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Re:Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)
« Antwort #24 am: 16:52:45 Fr. 23.März 2018 »
Die Ausgebeuteten sind immer schüchtern, haben Angst, dass berechtigte Forderungen nicht "finanzierbar" sein könnten.
Die andere Seite stellt nie solche Fragen. Für das Stopfen der Finanzlöcher der kriminellen HSH Nordbank wird ebenso in unsere Taschen gegriffen, wie für die Rüstungsindustrie.

Kuddel

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Re:Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)
« Antwort #25 am: 13:46:08 Sa. 31.März 2018 »
Ich habe es 1000x gesagt: Man muß klipp und klar sagen, was man genau will!
Man muß mit klaren Forderungen an die Öffenlichkeit gehen.
Eine Verdoppelung des Hartz IV Satzes wäre eine solche Forderung.
Die Abschaffung von Sanktionen ist eine absolut notwendige Forderung.

Der Begriff BEDINGUNGSLOSES GRUNDEINKOMMEN ist absolut wischiwaschi. Man kann ihn mit jeder Hoffnung befüllen und mit jeder Schweinerei.
Wenn man ein BGE fordert, kann man etwas völlig anderes bekommen als man will.

Und genauso scheint es zu kommen:
Zitat
Grundeinkommen:
Hartz IV passt nicht mehr in unsere Zeit

Die staatliche Mindestsicherung ist nicht mehr zeitgemäß, mit kleinen Reformen ist es nicht getan. Ein solidarisches Grundeinkommen kann für mehr Gerechtigkeit sorgen.
http://www.zeit.de/2018/14/grundeinkommen-solidaritaet-hartz-iv-ueberarbeitung

Wenn wir jetzt auf die Fresse kriegen, dann bekommen wir noch zu hören: "Ihr habt es doch so gewollt!"
Sorry, diese Kampagnen für ein BGE waren dumm und gefährlich. Jetzt kriegen wir die Quittung für das unpolitische und halbreligiöse Hoffen auf das BGE.

counselor

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Re:Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)
« Antwort #26 am: 16:15:48 Sa. 31.März 2018 »
Für mich stellt es sich so dar, dass die SPD das Schlagwort "Grundeinkommen" missbraucht, um den H4-Makel loszuwerden.
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Tiefrot

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Re:Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)
« Antwort #27 am: 00:28:06 So. 01.April 2018 »
Sehe ich genau so.

In den Papieren zum "solidarischen" Grundeinkommen steht schließlich nichts
zur Abschaffung des Sanktionssystems, nichts über eine Abkehr vom
Fördern und Fordern, nichts über die Abschaffung des Zwangs, jeden Drecksjob
annehmen zu müssen. Es würde sich nach jetzigen Stand schlicht nichts ändern.

Gänzlich im Gegenteil !  kotz
Denke dran: Arbeiten gehen ist ein Deal !
Seht in den Lohnspiegel, und geht nicht drunter !

Wie bekommt man Milllionen von Deutschen zum Protest auf die Straße ?
Verbietet die BILD und schaltet Facebook ab !

dagobert

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Re:Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)
« Antwort #28 am: 01:56:29 So. 01.April 2018 »
In den Papieren zum "solidarischen" Grundeinkommen steht schließlich nichts
zur Abschaffung des Sanktionssystems, nichts über eine Abkehr vom
Fördern und Fordern, nichts über die Abschaffung des Zwangs, jeden Drecksjob
annehmen zu müssen.
Kein Wunder.
http://www.chefduzen.de/index.php?topic=11592.msg336990#msg336990

Kuddel

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Re:Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)
« Antwort #29 am: 09:02:13 Mo. 09.April 2018 »
Ich habe wiederholt kritisiert, daß man nicht mit klaren Forderungen (u.a. "Abschaffung des Sanktionssystems") an die Öffentlichkeit gegangen ist, sondern mit dem Begriff "Grundeinkommen".

Für mich stellt es sich so dar, dass die SPD das Schlagwort "Grundeinkommen" missbraucht, um den H4-Makel loszuwerden.

Jetzt ist es nicht mehr allein die SPD, die den Wischiwaschibegriff "Grundeinkommen" mißbraucht, sondern die gesamte öffentliche Diskussion ist umgemünzt worden auf die Frage, "Solidarisches Grundeinkommen oder Hartz IV?"

Der Mehrheit fällt es nicht einmal auf, daß das Wörtchen "bedingungslos" durch "solidarisch" ersetzt worden ist.
Wir kommen vom Regen in die Traufe.
Wir bekommen dann zu hören, "das habt ihr doch selbst gefordert".
Toll.