Autor Thema: Termine der Montagsdemo Nürnberg  (Gelesen 4288 mal)

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Re: Termine der Montagsdemo Nürnberg
« Antwort #30 am: 17:04:44 Fr. 30.Oktober 2020 »
Termine und Themen der Nürnberger Montagsdemo:

2. November 2020: Bericht aus Stuttgart
30. November 2020: Erhöhung des Hartz4-Regelsatzes und Weihnachtsgeld für Hartz4-Empfänger
28. Dezember 2020: Was bringt das neue Jahr 2021?
25. Januar 2021: Was ist los in dieser Welt?

Wir treffen uns jeweils um 17:30 Uhr am Hallplatz in Nürnberg.

https://montagsdemo-nuernberg.jimdo.com/themen-zuk%C3%BCnftiger-montagsdemos/
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

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Re: Termine der Montagsdemo Nürnberg
« Antwort #31 am: 13:48:37 Sa. 31.Oktober 2020 »
Zitat
Bundesweit am 2. November auf die Straße: Protest gegen die Politik von Bundes- und Landesregierung, die zum Schutz der Profite der Konzerne unser Leben massiv einschränkt und unsere Gesundheit gefährdet! Keine schleichende Aushebelung der demokratischen Rechte!

Bundeskanzlerin Frau Merkel und die Ministerpräsidenten der Bundesländer haben gestern angesichts der gefährlichen Verschärfung der Corona-Infektionen einschneidende Maßnahmen beschlossen. Zweifelsohne ist die Verstärkung der Gesundheitsschutzmaßnahmen dringend erforderlich. Die unkontrollierte Verbreitung des Corona-Virus muss unbedingt gestoppt werden. Wir sehen in vielen Ländern, zu was das führt. wo selbst die Intensivbetten knapp werden. Die Bundesweite Montagsdemo fordert seit langem u.a. die Erhöhung von Tests, kostenlose Ausgabe von Masken an die Bevölkerung, Ausbau des Nahverkehrs, kleinere Schulklassen. Doch danach sucht man vergeblich in den elf beschlossenen Maßnahmen. Kurz lassen sich diese so auf den Punkt bringen: Schutz des Profits der Großkonzerne vor wirksamen Gesundheitsschutz und sozialem Leben der Bevölkerung!

Theater, Schwimmbäder u.a. müssen ab 2.11.20 bis Ende November per sé schließen. Restaurants dürfen nur noch außer Haus verkaufen. Faktisch wurde ein Urlaubsverbot eingeführt. Durch den Lockdown droht die Pleite vieler Gastronomie- und Hotelbetriebe und damit der Verlust von zahlreichen Arbeitsplätzen! Daran wird auch die versprochene Hilfe der Bundesregierung für diese Branchen von 75% des Umsatzes wenig ändern, da sie seit der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 schon erhebliche Umsatzeinbußen hatten und versprochene Hilfen bei etlichen Soloselbständigen bis heute nicht angekommen sind. Private Kontakte selbst im Freien werden massiv eingeschränkt. Im krassen Gegensatz zur massiven Einschränkung des sozialen Lebens der Bevölkerung soll die Produktion in Fabriken und der Betrieb in Kitas und Schulen in vollem Umfang aufrechterhalten werden. Während sich max. nur höchstens 10 Personen aus zwei verschiedenen Haushalten in der Öffentlichkeit treffen dürfen, wird großes Gedränge im ÖPNV, Arbeit Hand in Hand an Produktionsbändern in Kauf genommen – Hauptsache, die Wirtschaft läuft! Kaum zu übersehen, wer hier der Bundes- und den Landesregierungen in die Feder diktiert hat. Zur Verbesserung des Schutzes der Kinder in Schulen und Kitas vor Corona-Infektion gibt es keine einzige verpflichtende Maßnahme. Von kleineren Klassen bzw. Kindergartengruppen, mehr Lehrpersonal bzw. Erzieher-innen ist keine Rede. Obwohl mobile Luftreinigungsgeräte erwiesenermaßen die Luft effektiv und schnell reinigen, sind keinerlei Anstrengungen zu erkennen, flächendeckend Klassenräume damit auszustatten. Die Regierung will stattdessen Decken für die Schüler anbieten – kein Witz!

Eine Einschränkung des Demonstrationsrechts nach dem Versammlungsgesetz wurde zwar nicht beschlossen. Unter dem Missbrauch der Corona-Schutzbestimmungen kann es auch hier zu willkürlichen Verboten kommen wie z.B. aktuell bei einer Demonstration in Heidelberg am 30.10. im Rahmen der bündnisweiten Aktion „AufRecht bestehen“. Versammlungen und Veranstaltungen müssen – natürlich unter strengen Hygienemaßnahmen – weiter möglich sein. Hände weg von unseren demokratischen Rechten und Freiheiten! Zuletzt zeigten die Kolleginnen und Kollegen bei Verdi in ihren Tarifstreiks eindrucksvoll und diszipliniert, dass Gesundheitsschutz und kämpferische Versammlungen kein Widerspruch sind. Gerade in dieser Zeit brauchen wir kampfstarke Gewerkschaften.

Die Bundesweite Montagsdemo ruft alle örtlichen Montagsdemos auf, den Montag 2. November 2020 zum Tag des Widerstands gegen das Austragen der Corona-Pandemie auf dem Rücken der Bevölkerung und zugunsten der Profite der Großkonzerne zu machen. Wir laden alle ArbeiterInnen, SchülerInnen, LehrerInnen, ÄrztInnen, Pflegekräfte, Flüchtlinge, Solo-Selbständige, KünstlerInnen herzlich ein. Kommt zu den Kundgebungen und Demonstrationen, bringt Schilder mit! Das Offene Mikrofon steht auf antifaschistischer Grundlage allen zur Verfügung. Diskutiert weitere Forderungen und berichtet darüber.

Auf den Kundgebungen und Demonstrationen gilt Maskenpflicht und die Einhaltung des Mindestabstands. Mikrofone werden nach dem Redner desinfiziert.

Ulrich Achenbach, Fred Schirrmacher, Ulja Serway, Matz Müllerschön und Siggi Renz für die Koordinierungsgruppe der Bundesweiten Montagsdemo

 

Hier werden Uhrzeiten und Orte der Montagsdemos am 2. November laufend aktualisiert:

Balingen: 18 Uhr vor der Stadtkirche

Berlin: 18 Uhr an der Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz

Bremen: 17.30 Uhr Marktplatz

Dortmund: 18 Uhr Katharinentreppe

Duisburg: 17.30 Uhr am Lifesaver-Brunnen auf der Königsstraße

Düsseldorf: 18 Uhr Düsseldorf Arcaden, am Ausgang S-Bahnhof Bilk

Essen: 18 Uhr Porschekanzel

Esslingen: 17.30 Uhr Bahnhofsvorplatz

Frankfurt: 18 Uhr Hauptwache

Gelsenkirchen: 17.30 Uhr Neumarktplatz

Hagen: 18 Uhr Elberfelderstraße Höhe Kaufhof

Halle: 17 Uhr Leipziger Straße zwischen Ulrichskirche und C&A

Hamburg: 18.30 Uhr Mönckebergbrunnen

Hannover: 18 Uhr am Schiller-Denkmal

Heidelberg: 18 Uhr Bismarckplatz

Karlsruhe: 18 Uhr Marktplatz

Köln: 18 Uhr am Dom

Lübeck: 18 Uhr Rathaus in der Breiten Straße

Mannheim: 18 Uhr Paradeplatz

München: 18 Uhr Marienplatz

Saarbrücken: 18 Uhr Europagalerie

Sonneberg: 16 Uhr Pikoplatz

Stuttgart: 17 Uhr Schlossplatz

Tübingen: 18 Uhr Holzmarkt

Quelle: http://bundesweite-montagsdemo.de/?p=5252
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Re: Termine der Montagsdemo Nürnberg
« Antwort #32 am: 20:08:29 Di. 26.Januar 2021 »
Termine und Themen der Nürnberger Montagsdemo:

22. Februar 2021: Was folgt als nächstes: Lohnabbau, Entlassungen, Insolvenzen!
22. März 2021: Umwelt: AKW's der Genertion IV - weiterhin nicht beherrschbare Technologie!
19. April 2021: Steigende Preise: CO 2 -Abgabe, steigende Kosten für Mieten und Strom
17. Mai 2021: Jugend: Ausbildungsplätze brauchen wir!

Wir treffen uns jeweils um 17:30 Uhr am Hallplatz in Nürnberg.

https://montagsdemo-nuernberg.jimdo.com/themen-zuk%C3%BCnftiger-montagsdemos/
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Re: Termine der Montagsdemo Nürnberg
« Antwort #33 am: 04:17:03 Mi. 17.März 2021 »
Die Montagsdemo Nürnberg trifft sich ab 22. März 2021 wieder um 17:30 Uhr vor der Lorenzkirche.
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Re: Termine der Montagsdemo Nürnberg
« Antwort #34 am: 13:00:59 Fr. 26.März 2021 »
Zitat
Montagsdemos am 29. März: Gesundheit vor Profit! Verlängerte Schulferien und Werksferien für die Republik – damit die Pandemie besiegt werden kann und Öffnungen wieder möglich sind!

Gesundheit vor Profit! Verlängerte Schulferien und Werksferien für die Republik – damit die Pandemie besiegt werden kann und Öffnungen wieder möglich sind!

Die Bundesregierung hat den „Lockdown“ bis zum 18.04.2021 verlängert. Viele fragen sich, wie lange soll das noch so weiter gehen? Doch ihr Lockdown ist halbseiden und völlig unwirksam gegen die weitere Ausbreitung der Pandemie, deren 3. Welle jetzt schon rollt. Auf Druck der Industrie wurde die geplante 5-tägige Schließung der Betriebe über Ostern inkl. Gründonnerstag sofort wieder zurückgenommen. Damit Großkonzerne weiter produzieren und Profite scheffeln können, wird dort kaum getestet und oft der Gesundheitsschutz missachtet, wurden Schulen und Kitas generell und ohne Schnelltests und Geschäfte flächendeckend geöffnet.

Gerade weil wir uns sehnlichst wünschen, dass Öffnungen und Lockerungen, politische und Kulturveranstaltungen, Gewerkschafts- und Vereinstreffen, gemeinsamer Sport, Feiern, Verwandten- und Freundebesuche u.v.m. wieder möglich sind, fordern wir einen kurzen, aber konsequenten Lockdown ab sofort für die Dauer von drei bis vier Wochen:

Gesundheit vor Profit! Schluss mit dem zermürbenden, Existenzen zerstörenden und gesundheitsgefährdenden Krisenchaos, Impf- und Testdesaster der Regierung!
Werksferien für alle nicht elementar lebensnotwendigen Betriebe und Dienstleistungen! Volle Entgeltfortzahlung für die Beschäftigten auf Kosten der Profite der Konzerne! Erhöhung der finanziellen Unterstützung für Kleinbetriebe und Selbstständige.
Schließung der Schulen und Kitas (bis auf Notbetrieb) und Nutzung der Zeit der (verlängerten) Osterferien für die Organisation von u.a. kleinen Lerngruppen für die Zeit nach dem Lockdown, Schaffung von neuen Stellen für Lehrpersonal und Ausrüstung der Klassenräume mit Luftfilteranlagen!
Verpflichtende regelmäßige kostenlose Schnelltests in allen Unternehmen!
Ausweitung der Impfkapazitäten! Aufhebung des Patentrechts für die Impfstoffe!
Sofortige monatliche Aufstockung der Hartz IV-Sätze um mindestens 100 Euro!
Für uns ist Arbeitersolidarität, Solidarität zwischen Arbeitenden und Erwerbslosen, zwischen Jung und Alt und Menschen egal welcher Nationalität Trumpf! Deshalb nehmen wir den Gesundheitsschutz ernst und zeigen klare Kante gegen Corona-Leugner oder Verharmloser und gegen egoistisches Verhalten auf Kosten der Gesundheit anderer. Doch Mundschutz heißt für uns nicht mundtot! Keine Einschränkung von Versammlungen insbesondere unter freiem Himmel, die den Gesundheitsschutz gewährleisten.

Es hat sich gezeigt, dass sich die Regierenden für Petitionen und Appelle nicht interessieren und von ihrem Kurs abbringen lassen. Nicht nur die Faust in der Tasche ballen, sondern gemeinsamer öffentlicher Widerstand, das ist jetzt gefordert! Wir stellen unsere Kundgebungen und Demonstrationen der bundesweiten Montagsdemobewegung allen als Plattform zur Verfügung, die eine Rechnung mit Regierung und Großkonzernen und ihrer Abwälzung der Krisenlasten auf die Bevölkerung offen haben.

für die Koordinierungsgruppe Ulrich Achenbach, Matz Müllerschön, Ulja Serway, Siggi Renz, Uwe Hähre

Orte und Uhrzeiten:

Bochum: 18.00 Uhr, Husemannplatz

Duisburg: 18.00 Uhr Hamborn

Gelsenkirchen: 17.30 Uhr, Neumarkt

Hamburg: 17.30 Uhr, Hamburg-Ottensen, am Bahnhof Altona in der Ottenser Haupstraße 1, Richtung Mercado gegenüber der Drogerie Müller

Heidelberg: 17.00 Uhr, Bismarckplatz

Heilbronn: 17.30 Uhr, Hafenmarkt in der Sülmerstraße

Saarbrücken: 18.00 Uhr, Europagalerie

Witten: 17 Uhr, Berliner Platz

Quelle: http://bundesweite-montagsdemo.de/?p=5609
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Re: Termine der Montagsdemo Nürnberg
« Antwort #35 am: 19:10:52 Mo. 26.April 2021 »
Mal zwei Sätze zur Montagsdemo:

Im Jahr 2004 entstand mit der bundesweiten Montagsdemo-Bewegung eine selbstorganisierte Massenbewegung unter der Losung „Weg mit Hartz IV“, die das Ende der Schröder/Fischer-Regierung einläutete. Sie hat sich große Anerkennung erworben, ist Anlaufpunkt für soziale, ökologische und internationalistische Anliegen und zum „Tag des Widerstands“ geworden. Montagsdemos sind heute in 70 Städten aktiv.
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Re: Termine der Montagsdemo Nürnberg
« Antwort #36 am: 17:54:13 Mi. 12.Mai 2021 »
Mein Redebeitrag für die nächste Montagsdemo am 17.5.21 zum Thema "Massenarbeitslosigkeit"

Zitat
Vergleicht man das Arbeitsangebot mit der Nachfrage, so fehlen in Deutschland mindestens 6 Mio, in der EU ca. 35 Mio Arbeitsplätze, um von einer wirklich vollbeschäftigten Wirtschaft mit Vollzeitarbeitsplätzen auf Basis eines Normalarbeitsverhältnisses, also auf Basis tarifvertraglich und sozialversicherungspflichtig sowie unbefristeten und mitbestimmungsgeregelten Arbeitsverhältnissen reden zu können.

Vor diesem Hintergrund gibt es im Wesentlichen nur eine Lösung des Problems, die für die gesamte EU gilt: Sie besteht in einer kollektiven Arbeitszeitverkürzung in Richtung einer 30-Stunden-Woche. Bei der Arbeitszeitverkürzung muss der Anteil der in Vollzeit Beschäftigten abgesenkt und der in Teilzeit angehoben werden, und zwar mit vollem Lohn- und Personalausgleich.

Derzeit kann in Deutschland das bestehende Produktionspotenzial und das Arbeitsangebot nicht ausgelastet werden und es liegt Massenarbeitslosigkeit vor. Als Ausweg bleibt eine Verknappung der Arbeitskräfte bzw. des Arbeitsvolumens. Seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland ist dies bis auf eine kurze Vollbeschäftigungsphase nicht adäquat erfolgt. Zu lange „lebt“ Deutschland schon mit Massenarbeitslosigkeit. Daran wird sich auch, trotz demografischen Wandels ohne eine kollektive Arbeitszeitverkürzung nichts ändern. Bei jeder Produktion ist immer die Produktivität, der technologische Fortschritt und seine Marktpenetrierung, zu beachten. So kann mehr Produktion (Wachstum) bei gleichem Input oder aber gleiche Produktion (Stagnation) durch weniger Ressourceneinsatz erwirtschaftet werden. Immer steigt die Produktivität als zusätzliche Verteilungsmasse.

Dabei kommt es aber auch durch Technik zu einer ständigen Substitution von Arbeit durch Kapital. Es werden weniger Menschen bzw. deren Arbeitszeit gebraucht. Technik und ihre Wissenschaft, von der Erfindung der Dampfmaschine als erste industrielle Revolution, über die technisierte Massenproduktion, insbesondere durch das Fließband, und der computergesteuerten Massenfertigung bis schließlich zur Vernetzung der IT-gesteuerten Maschinenproduktion als vierte Revolution (Industrie 4.0) haben immer mehr wirtschaftliche Leistung ermöglicht und gleichzeitig konnte durch Technik die erforderliche Arbeitszeit gesenkt werden.

Mitte des 19. Jahrhunderts lag die durchschnittliche Wochenarbeitszeit noch bei ca. 60 Stunden. Ohne Arbeitszeitverkürzung, die nichts anderes als eine Partizipation der abhängig Beschäftigten an der Technikentwicklung impliziert, wäre es aufgrund der enormen Produktivitätsgewinne zu einer derart hohen Massenarbeitslosigkeit gekommen, die die Entwicklung und den Bestand des marktwirtschaftlich-kapitalistischen Systems gefährdet hätte. Resultiert daher das wirtschaftliche Wachstum, die Leistung, aus einem Produktivitätsanstieg, so ist es gesamtwirtschaftlich auch kein Problem, eine Arbeitszeitverkürzung mit vollem Lohn- und Personalausgleich umzusetzen.

Man kann rechnerisch zeigen, dass es in einer wachsenden Wirtschaft bei einer Arbeitszeitverkürzung mit vollem Lohn- und Personalausgleich insgesamt zu

1. einer Lohnstückkostenneutralität,
2. bei keiner Preissteigerung (keiner Inflation) und
3. einer Verteilungsneutralität kommt.

Außerdem behalten die abhängig Beschäftigten bei verkürzter Arbeitszeit ihren Reallohn und der Gewinn steigt in Höhe der Produktivitätsrate. Arbeitszeitverkürzung ist demnach ohne Probleme möglich. Aber nur in einer wachsenden Wirtschaft.

Dabei ist aufgrund der Verteilungsneutralität auch sichergestellt, dass es durch die Arbeitszeitverkürzung zu keinem Nachfrageausfall kommt. Vorausgesetzt die Unternehmer lenken den Gewinn nicht auf die Kapitalmärkte, kommt es auch zu keinen Investitionsausfällen.

Um die Massenarbeitslosigkeit schnell zu eliminieren, reicht die Senkung der Arbeitszeit entlang des verteilungsneutralen Spielraums nicht aus. Wir müssen von oben nach unten umverteilen, dh die Lohnquote muss zulasten der Gewinn- bzw Mehrwertquote steigen.

Dies erscheint deshalb erwägenswert, weil bei vorliegender Massenarbeitslosigkeit und großer Versäumnisse in der Vergangenheit, die Arbeitszeit gemäß der Produktivitätsrate nicht gekürzt zu haben, die Produktivitätsrate zu gering ausfällt, um ohne eine Umverteilung zulasten der Gewinn- bzw Mehrwertquote eine adäquate Arbeitszeitverkürzung durchführen zu können.

Um die Arbeitszeit von Vollzeit-Beschäftigten mit einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 37,7 Stunden (Stand 2019) auf eine 30-Stunden-Woche zu verkürzen, und um damit dann Arbeitslose und Unterbeschäftigte mit einer 30-Stunden-Woche zu beschäftigen, ist auf makroökonomischer Basis ein Adaptionszeitraum von fünf Jahren notwendig, also eine Arbeitszeitverkürzung um 5 Prozent pro Jahr. Damit würden kumuliert und sukzessive gut 5,2 Mio Menschen zusätzlich innerhalb der nächsten fünf Jahre Arbeit finden. Hierbei ist ein produktivitätsinduzierter Effekt von 30 Prozent berücksichtigt, der dadurch entsteht, dass die Beschäftigen bei verkürzten Arbeitszeiten produktiver arbeiten und somit der rechnerische Effekt der Arbeitszeitverkürzung von gut 6,7 Mio Beschäftigen nicht voll zur Geltung kommt.

Bei ca. 6 Mio. fehlender Arbeitsplätze (vor Ausbruch der Corona-Pandemie) in Deutschland im Jahr 2020 würde also der Beschäftigungseffekt noch zu gering ausfallen, um Vollbeschäftigung zu erreichen. Hier könnte dann aber zusätzlich die Einführung einer öffentlich geförderten Beschäftigung im Staatssektor helfen. Laut dem Konzept der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik können davon zivilgesellschaftliche Initiativen profitieren, z.B. Vereine, Stadtteilzentren sowie kulturelle und soziale Projekte. Eine private Gewinnaneignung ist hier im Rahmen einer öffentlich geförderten Beschäftigung ausgeschlossen. Dafür ist aber eine tarifliche bzw. ortsübliche Entlohnung der Beschäftigen selbstverständlich umzusetzen.

Diese Vorschläge würden die Lohnquote um 6,4 Prozentpunkte ansteigen lassen und die Gewinnquote in gleicher Höhe absenken. Die Gewinne würden aber immer noch gut 21 Prozent des Volkseinkommens beanspruchen. Genug, um damit alle notwendigen Investitionen zu finanzieren.

Ohne einen „radikalen Politikwechsel“ ist eine solche umverteilende Arbeitszeitverkürzung aber nicht zu haben. Treten dabei jedoch selbst die Gewerkschaftsspitzen nicht für eine massive Arbeitszeitverkürzung vehement ein, und auch die LINKE in den Parlamenten nicht, drohen weiter Arbeitslosigkeit und prekäre Verhältnisse auf den Arbeitsmärkten. Dies wird aber, so steht zu befürchten, die EU nicht viel länger aushalten. Die Vorboten des Niedergangs mit dem Brexit und der Verelendung in Griechenland sowie den in der gesamten EU sich vollziehenden politisch demokratiegefährdenden faschistischen Entwicklungen, die längst in den Parlamenten angekommen sind, sind bereits vorhanden. Den „point of no return“ sollte man erkennen, bevor es zu spät ist.
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