Autor Thema: Pflegeausbeutung in Privathaushalten - osteuropäische Frauen  (Gelesen 1781 mal)

Kunta

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Ist es interessant hier ein solches Thema anzustossen?

Als Angehöriger einer schwerst-pflegebedürfigen Mutter mit der Diagnose unheilbare, sich stetig verschlechternde Demenz und Parkinson kenne ich diiese Thematik aus eigener Erfahrung.

Außerdem habe ich mich mit einer Polin angefreundet, die meiner Mutter hilft, und mir vertraut, dass sie mir von ihren Erfahrungen in nicht-polnischen Ländern erzählt.

Hier scheint sich ein, noch verschwiegener, Skandal ungeheuren Ausmaßes anzubahnen - Frauen, die alten, pflegebedürftigen Menschen helfen wollen, aber von deren Angehörigen, oft auch für andere Arbeiten ausgebeutet werden.

Ganz legal, mit und ohne Schwarzarbeit, egal in welchem Land Westeuropas.

Das Problem dieser Frauen ist keine gewerkschaftl., oder sonstige, Organisierung, und so bleibt ihnen nur das ganz persönliche Risiko im Ausland, bei völlig fremden Leuten als Pflegekraft anzuheuern, und nicht zu wissen ist diese Familie gut zu ihr, oder "nein".

Laßt uns einmal darüber diskutieren, denn für internationale Verständigung ist das nicht gut, wenn osteuropäische Familien Frauen, machchmal herzensgute Perlen darunter, zur Altenpflege hier her schicken, und diese Frauen  behandelt werden sehr billige Arbeitskräfte.

Beim Streit um die schlechte Pflege wird diese Thematik nämlich völlig vergessen.

Apropo vergessen, fast hätte ich es vergessen, es gibt auch für Familien, die solche Pflegekräfte anheuern ein nicht ganz unerhebliches Risiko, denn die Qualität der Pflege ist oft nicht gewährleistet.

 Eine Pflegerin macht ihre Arbeit gut, die andere baut Mist, und ist Zuhause in dem jew. Heimatland aus Osteuropa, wenn die alte Frau, wegen diesem Mist, im Krankenhaus ist.....z.B......

Das ist der Nachteil, denn Familien billigend in Kauf nehmen.....meine Mutter hat Glück, dass wir alle Zuhause sind, und, insbesondere ich, und meine jüngste Schwester, noch im selben Eigenheim leben wie die schwerst-pflegebedürftige Mutter.....Kontrolle ist so garantiert.....das niemand gewaltigen Mist baut.....von diesen Pflegerinnen (oft übrigens auch mit Ausbildung in total anderen Berufen: Die derzeitige Pflegerin ist früher - eigenen Angaben nach - im Hotelfach beschäftigt gewesen....die letzte war Floristin....keine von beiden ist ausgebildete Pflegefachkraft.....die wir uns einfach nicht leisten könnten....nicht einmal wenn wir wollten....es geht finanziell nicht....

Gruß
Kunta

Kuddel

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Re:Pflegeausbeutung in Privathaushalten - osteuropäische Frauen
« Antwort #1 am: 17:41:40 Mi. 23.Mai 2018 »
Die 24-Stunden-Polin – Migrantische Carearbeiter*innen in Deutschland

Der demografische Wandel und unzureichende staatliche Leistungen sind Hauptursachen des so genannten „Pflegenotstands“. Dies resultiert in steigender Nachfrage an Arbeitskräften im Care-Bereich. Die „Unattraktivität“ der Fürsorgearbeit liegt einerseits an der unangemessenem Entlohnung, andererseits an dem niedrigen Status der Pflegeberufe (oder der Reproduktionsarbeit im allgemeinen), die meistens als „Frauendomäne“ angesehen werden, was zu ihrer mangelnden gesellschaftlichen Anerkennung beiträgt. Im Endeffekt wird Carearbeit oft an Migrant*innen delegiert. Schätzungsweise gibt es 150.000 bis 500.000 „Care-Migrantinnen“, die in Deutschland „3C-Jobs“ ausüben („cleaning, cooking, caring“). Dabei sind die meistens aus Osteuropa stammenden Frauen in Haushalten in Deutschland oft irregulär beschäftigt, um vor allem ältere pflegebedürftige Menschen zu betreuen. Sie wohnen meistens in den Haushalten mit den Klient*innen, als 24 Stunden- „Live-in“-Arbeitskraft.



https://muenster.fau.org/2018/02/21/7-maerz-die-24-stunden-polin-migrantische-carearbeiterinnen-in-deutschland/

Kuddel

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Re: Pflegeausbeutung in Privathaushalten - osteuropäische Frauen
« Antwort #2 am: 12:11:46 Fr. 24.Juli 2020 »
Zitat
24-Stunden-Pflege
Verband kritisiert Arbeitsbedingungen osteuropäischer Pflegekräfte

Bezahlung, Unterbringung, Urlaub. Osteuropäische Arbeitskräfte arbeiten häufig unter prekären Arbeitsbedingungen, kritisiert der Bundesverband der Betreuungsdienste und zieht einen Vergleich zur Fleischindustrie. 

(...)
"In der Branche der sogenannten selbstorganisierten 24-Stunden-Pflegekräfte haben wir oftmals genauso prekäre Arbeitsbedingungen und Beschäftigungsverhältnisse wie in der Fleischindustrie, in der Landwirtschaft oder auf dem Bau."

Osteuropäische Pflegekräfte bekommen laut Eisenreich zwischen 1500 und 1700 Euro im Monat. Die 24-Stunden-Betreuung sei dabei oft wörtlich zu nehmen, was einem Stundenlohn von 2,08 Euro entspreche. Auch die Unterbringung sei teilweise skandalös - etwa wenn Betreuer im ehemaligen Ehebett neben der Pflegeperson schlafen müssten.
(...)
Eisenreich sagte, ohne die mehr als 200.000 osteuropäischen Betreuungs- und Pflegekräfte würde der Pflegenotstand "noch offensichtlicher als schon bekannt". Die Politik scheue sich jedoch, wirksam gegen die Missstände vorzugehen, weil das für den Staat teuer werde. "Sie sollte sich aber sehr bewusst sein, dass das System ohne die osteuropäischen Betreuungskräfte in Deutschland zusammenbrechen würde."
(...)
https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/pflege-verband-krititisiert-arbeitsbedingungen-osteuropaeischer-pflegekraefte-a-374c6a5d-c6c3-4c33-8152-b75c8e04f579

Wir sollten uns mehr um den Zusammenhang Ausbeutung - Migration - Rassismus kümmern.
Rassimus ist notwendig, um Migranten "in ihre Schranken zu weisen", um sie einzuschüchtern, damit sie sich nicht wehren und froh sind, überhaupt Arbeit zu haben.

ManOfConstantSorrow

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Re: Pflegeausbeutung in Privathaushalten - osteuropäische Frauen
« Antwort #3 am: 16:00:27 Di. 15.Juni 2021 »
Zitat
Wieder Ausbeutung einer ukrainischen Pflegekraft

Die Bundespolizei stellt insbesondere auf der Autobahn 4 und den grenznahen Bundesstraßen immer wieder illegale Schwarzarbeiter fest. In der vergangenen Nacht war es um 02:40 Uhr eine 62-jährige Frau aus der Ukraine, die in einem Kleinbus aus Polen kommend eingereist war. Sie hat in Deutschland bereits seit März als Pflegerin gearbeitet und ist nun auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstelle. Hierbei erhält sie einen Schwarzarbeitslohn in Höhe von ca. 1.250,00 Euro und muss 24/7 für Haushalt und Pflege zur Verfügung stehen. Von diesem Lohn gehen noch Kosten für Verpflegung und Unterkunft ab. Steuer- und Sozialabgaben werden aber nicht getätigt. Über ein Visum und eine Arbeitserlaubnis verfügt sie zudem nicht.

Die Bundespolizei ermittelt nun wegen unerlaubter Einreise, unerlaubtem Aufenthalt und der Aufnahme einer unerlaubten Beschäftigung. Im Fokus der weiteren Ermittlungen stehen insbesondere die Hintermänner und Auftraggeber der 62-Jährigen. Sie wird heute nach Polen zurückgeschoben.

Rückfragen bitte an:

Bundespolizeiinspektion Ebersbach
https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/74161/4941845

Bundespolizei und Aubeuter Hand in Hand.
Nicht die Ausbeutung wird bekämpft, sondern die Opfer des Ausbeutung.

"...wegen unerlaubter Einreise, unerlaubtem Aufenthalt und der Aufnahme einer unerlaubten Beschäftigung..." "Sie wird heute nach Polen zurückgeschoben."

1. Sie wäre kaum nach Deutschland gereist, gäb es für sie vernünftig bezahlte Arbeit in der Ukraine.
2. Ihre Anfahrt zur Arbeit wird von den deutschen Gesetzen und der Polizei für illegal erklärt, obwohl der deutsche Staat/die deutsche Wirtschaft von der Arbeit der Migranten profiteren.
3. Sie hätte wohl ein Legales Arbeitsverhältnis einer Schwarzanstellung vorgezogen, hätte sie eine Wahl gehabt.

Festnahme, Ermittlungen, Kriminalisierung und Abschiebung sorgen für Angst unter Arbeitsmigranten. Diese Angst gehört zu den Werkzeugen der Lohndrücker. Die Polizei, Freund und Helfger der Ausbeuter.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Kuddel

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Re: Pflegeausbeutung in Privathaushalten - osteuropäische Frauen
« Antwort #4 am: 10:12:23 Do. 24.Juni 2021 »
Zitat
Mindestlohn für ausländische Pflegekräfte in Deutschland?

Sie hat sich bis in die höchste Arbeitsgerichtsinstanz gekämpft: Eine Frau aus Bulgarien, die nach eigenen Angaben 24 Stunden täglich an sieben Tagen in der Woche für eine pflegebedürftige Seniorin in Deutschland da war, könnte für ein Beben in der heimischen Altenpflege sorgen.

Bei der Verhandlung am Donnerstag vor dem Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt geht es um die Bezahlung der Pflege- und Haushaltshilfe: Die höchsten deutschen Arbeitsrichter sollen die Frage beantworten, ob der Frau, die von einer bulgarischen Firma vermittelt wurde, für die Betreuung einer über 90-Jährigen in deren Wohnung der deutsche Mindestlohn zusteht. Es gehe um einen Präzedenzfall - der ersten Verhandlung zu dieser Frage in der obersten Instanz, sagte eine Sprecherin des Bundesarbeitsgerichts.

Manche Fachleute gehen von etwa 100 000 ähnlicher Fälle aus - vor allem Frauen aus Osteuropa, die für eine vergleichsweise geringe Bezahlung von Firmen per Vertrag an Familien mit pflegebedürftige Angehörigen vermittelt werden. Die Auftraggeber in Deutschland zahlen an die Firmen in den Herkunftsländern der Helferinnen vor allem aus Bulgarien, Rumänien, Polen oder der Ukraine.

"Hätten wir die ausländischen Pflegekräfte nicht, wäre die häusliche Pflege schon zusammengebrochen", sagte Eugen Brysch vom Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz. 3,3 Millionen Menschen, die pflegebedürftig sind, lebten in Deutschland zu Hause, etwa eine Million von ihnen würden durch ambulante Pflegedienste unterstützt.

Nach Schätzung von Brysch gibt es neben den ausländischen Pflegekräften mit Vertrag eine mindestens doppelt so hohe Dunkelziffer ohne Vertrag. Die Gewerkschaft Verdi, deren Mitglied die Klägerin ist, spricht von teilweise ausbeuterischen Zuständen. Auch der Bundesverband der Betreuungsdienste beklagte teils unhaltbare Arbeitsbedingungen Zehntausender osteuropäischer Betreuungs- und Pflegekräfte in Privathaushalten.

"Es ist beschämend, dass in unserem Land viele pflegebedürftige Menschen und ihre Familien auf eine sogenannte 24-Stunden-Pflege zurückgreifen müssen, weil das offizielle System keine ausreichende Unterstützung bietet", erklärte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler. "Das Modell, Frauen meist aus osteuropäischen Ländern im Haushalt des hilfebedürftigen Menschen wohnen und arbeiten zu lassen, um immer auf jemanden zurückgreifen zu können, basiert auf systematischem Gesetzesbruch."

Der Klägerin, die vom DGB-Rechtsschutz vertreten wird, geht es vor allem um eine bessere Bezahlung. Sie fordert von der bulgarischen Firma Lohn-Nachzahlungen nach dem deutschen Mindestlohngesetz. (...)
https://www.sueddeutsche.de/karriere/arbeit-mindestlohn-fuer-auslaendische-pflegekraefte-in-deutschland-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-210624-99-121551

Kuddel

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Re: Pflegeausbeutung in Privathaushalten - osteuropäische Frauen
« Antwort #5 am: 11:49:41 Fr. 25.Juni 2021 »
Zitat
Mindestlohn für Pflegekräfte
"In der Branche arbeiten fast alle illegal"

Ausländischen Pflegekräften steht nun der Mindestlohn zu. Das wird nichts an den Arbeitsbedingungen ändern...
https://www.zeit.de/arbeit/2021-06/mindestlohn-pflegekraefte-verband-haeusliche-betreuung-und-pflege-frederic-seebohm

Fritz Linow

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Re: Pflegeausbeutung in Privathaushalten - osteuropäische Frauen
« Antwort #6 am: 21:02:09 Mo. 28.Juni 2021 »
Zitat
Mindestlohn für Pflegekräfte
"In der Branche arbeiten fast alle illegal"

Ausländischen Pflegekräften steht nun der Mindestlohn zu. Das wird nichts an den Arbeitsbedingungen ändern...
https://www.zeit.de/arbeit/2021-06/mindestlohn-pflegekraefte-verband-haeusliche-betreuung-und-pflege-frederic-seebohm

Da Frederic Seebohm, Geschäftsführer des Bundesverbandes für häusliche Betreuung, gerne das österreichische Modell der 24-Stunden-Betreuung zum Vorbild nimmt:
Interessengemeinschaft der 24-h-Betreuer_innen
https://ig24.at/

Kann er sich ja nochmal durchlesen...

Kuddel

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Re: Pflegeausbeutung in Privathaushalten - osteuropäische Frauen
« Antwort #7 am: 19:39:48 Mo. 13.September 2021 »