Autor Thema: Soziale Kämpfe und Klassenkampf mit Hand und Fuß  (Gelesen 176 mal)

tleary

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Soziale Kämpfe und Klassenkampf mit Hand und Fuß
« am: 05:34:26 So. 10.Juli 2022 »
Man sollte auch mal darüber nachdenken, dass es Menschen gibt, die solche Maßnahmen freiwillig machen. Arbeit gibt nämlich Gelegenheit, aus der Isolation herauszukommen und andere Menschen kennenzulernen.
Wenn man für Hartz-IV-Empfänger endlich den Grundsicherungssatz auf das sogenannte "soziokulturelle Minimum" aufstocken würde, könnten die HIV-Empf. auch endlich wieder am gesellschaftlichen Leben ausreichend teilnehmen. Kneipenbesuche, Kinobesuche, Musikfestivals besuchen... All das ist ja aufgrund der Geldknappheit eben nicht mehr möglich.

Dann würde sich das doch eher reaktionäre Mantra "Arbeit ist gut, weil man dann wieder unter Leute kommt" automatisch erledigen. Sind wir doch ehrlich: Durch die Lohnarbeit kommt man mit vielen Menschen zwangsweise als Arbeitskollegen in Kontakt, mit denen man seine Freizeit freiwillig nicht gerne verbringen würde. Der "soziale Umgang" ist an der Arbeitsstelle keine selbstbestimmte Wahl der Freunde und des sozialen Umfelds, sondern wird ja vom Arbeitgeber durch dessen Einstellungsentscheidungen diktiert. Der Arbeitgeber fordert: "Du MUSST mit deinen "Kollegen" dich verstehen. Streit, der ja im persönlichen Bereich folgenlos bleibt, wird dort unterdrückt, weil es die Arbeitsproduktivität (also Profitmaximierung) hemmt und vermindert. Ja, man wird sogar als "teamunfähig" gebrandmarkt, wenn man zum Ausdruck birngt, dass man z.B. einen Arbeitskollegen nicht leiden kann. => Existenzentzug in Form von Kündigung steht dann ausgesprochen oder unausgesprochen im Raum.
»Wir wissen, so wie es ist, kann es nicht weiter gehen. Aber es geht weiter.«
(Autor unbekannt)

counselor

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Soziale Kämpfe und Klassenkampf mit Hand und Fuß
« Antwort #1 am: 06:31:47 So. 10.Juli 2022 »
Zitat
Der "soziale Umgang" ist an der Arbeitsstelle keine selbstbestimmte Wahl der Freunde und des sozialen Umfelds, sondern wird ja vom Arbeitgeber durch dessen Einstellungsentscheidungen diktiert.

Deswegen brauchen wir demokratische Betriebe, in denen die Arbeiter das Sagen haben. Dann erfolgt die Personalauswahl durch eine demokratische Entscheidung.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Kuddel

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Soziale Kämpfe und Klassenkampf mit Hand und Fuß
« Antwort #2 am: 09:51:20 So. 10.Juli 2022 »
...das doch eher reaktionäre Mantra "Arbeit ist gut, weil man dann wieder unter Leute kommt" ...

1. Das Thema Sinn und Unsinn der Arbeit muß definitiv weiterdiskutiert werden. Es ist sehr zwiespältig, voller Sprengstoff und wichtig.

2. Ja, ich finde das wirklich gut, daß man gelegentlich zwangsweise mit Menschen zusammenkommt, die man sonst nie kennengelernt hätte und auf die man vielleicht auch keinen Bock hat. Es hat mich geprägt, ich habe viel dadurch gelernt und ich habe einiges besser verstanden, weil ich mit den unterschiedlichlen Leuten zusammengekommen bin durch Schule, Jobs und auch Jobcentermaßnahmen. Das waren trübe Tassen, Verrrückte, Nazis, Spießer, Revoluzzer und auch sehr witzige Leute. Ich hatte Leiharbeiterkollegen, die waren kreativer und schlauer als viele Akademiker. Ja, es ist nervig mit Menschen zu tun zu haben. Es gehört aber zum Leben dazu und bringt einem auch was.

Diejenigen, die sich nur mit einer Blase von selbstausgesuchten Gleichgesinnten umgeben, verblöden zumeist. Ich mache auch einen Bogen um Hippiekommunen.

Onkel Tom

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Soziale Kämpfe und Klassenkampf mit Hand und Fuß
« Antwort #3 am: 10:42:23 So. 10.Juli 2022 »
Okay, schöne Worte, in einem Betrieb zu arbeiten, wo keine Bonzen mehr bedrohlich
durch die Produktionshalle schweben oder Arbeitnehmer keine Muffe mehr darüber schieben
müssten, z.B. zum Opfer von Rationalisierung zu werden..

Doch zwischen ausgesprochender Theorien und ausgeübter Praxis liegen Welten.. Wer will
denn dafür Verantwortung tragen ? Unverschämt daran, das sich die entsolidarisierte
Arbeiterklasse untereinander den schwarzen Peter weiter reichen a la : Macht IHR doch mal
den Anfang... Dann mook mal die Speerspitze oder den Schneidezahn des Fischschwarm..  ;)

Da komme ich auf das sogenannte Innen- und Außenkonzept zurück, was ich 2004 im ehemaligen
Wendebecken (Wagenplatz) kennen lernte.. Feine Sache, Verantwortung so zu verteilen,
Repressionsgefahren möglichst gering zu halten.. Elo kann ja nicht aus Betrieb gekündigt werden  ;D


Zum Thema zurück..

Lindner will Einsparungen im 16i-Bereich durchsetzen. Meines Erachten finde ich es soweit gut, das
dadurch weniger Menschen, die einfach nur ein Job haben wollen um ein auskömmliches Leben
führen zu können, sich nicht noch den ganzen pädagogischen Manipullationsdreck, der nur auf
Reduzierung von Selbstbestimmung aus ist, ertragen müssen.

Jo, ganz schön "Gesundheitsbewusst" dieser Lindner aber darum geht es ihm ja nicht sondern nur
um Euros..

Schön fand ich die Recherchearbeiten zu 16i via elo-forum.org. Die Versprechungen vom A-Minister
Heil mussten erst mal analysiert und ausgewertet werden..
Aufklärung, wofür eigendlich der SB vom Mobcenter zuständig ist, arteten in "Das ist toll, wenn sie einen
16i-Job, bezahlt nach Tarif annehmen können." aus. Gab viel Honig für den Bart..

Die Safari rund um Gummiparagraphen oder Auslegungen gingen weiter bis zu kleinen Anfragen der
Linkspartei im Bundestag mit der goldenen Frage "kann anbei sanktioniert werden ?" und
wozu "Profiltiefenanalyse" und Datenhamsterei von Nöten ?

Nun gut.. Linkspartei macht auch sinnvolles und hat mich dabei unterstützt, Hintergründe des 16i mit ins
Licht zu rücken. Heil hatte niemals davon gesprochen, das sich 16i-ler_innen im Versuchslabor moderner
Arbeitspädagogik und dessen Verlaufskontrolle wieder finden..

Nachdem das ja nun geklärt ist, kann sich Elo besser entscheiden, ein Zuckerbonbon mit Limettenmusfüllung
in den Mund zu werfen. Ausspucken gilt nicht und kann wegen mangelnder Mitwirkungspflichen sanktioniert
werden.
Wohl nur aus politischen Gründen zwecks wohlwollender Gewöhnungsprozesse nicht umgesetzt, kann es ja
noch werden.. Diesen Tamtam oder "Viel Rauch um nichts" kann sich Elo ja (noch) spraren, in dem gesagt
wird "Nein, will ich nicht !" und Autogrammhändchien auf Tasche bleibt.

Jo, fast wie in den 80zigern könnte man meinen jedoch kommt die Komponennte "Die BA wissen so gut Bescheid
über mich, wie die ehemalige Stasi über ihre DDR-Bürger_innen und was könnte jetzt passieren, wenn ich korrekt
von meinem Selbstbestimmungsrecht Gebrauch mache ?" hinzu.. (löst Stress um noch ungelegter Eier aus..)

Elo = selbstbestimmt ?.. Denkste, daran muss gearbeitet werden und wenn der Schaden behoben ist, könne ma
gern am "Wie streike ich als Erwerbslose_r ?" köcheln. Damit meine ich nicht ein SGB-Studium.
Über den Tellerrand gibbet bestimmt mehr..

Ein Hindernisgrund, als Elo vor Eingangstoren von Betrieben Flugis zu verteilen, sehe ich anbei nicht.
Es kommt schon wie eine angenehme Droge rüber, wenn das Innenkonzept (Betriebsangehörige) sich beim Außenkonzept
(Erwerbslosen) bedanken. Ja, so was gibt Mut, Kraft und Endophine, sich vom Mobcenter nicht klein kriegen zu lassen.

Wer jetzt an "plüschologischer Selbstverarschung" glaubt, hat sich getäuscht und sollte es unbedingt mal ausprobieren.

Der gemeinsame Kaffee oder Tee danach bringt innerliche Wertgefühle..

Die kontrahierenden "Aktivierungsmaßnahmen" nach § 45 SGB 3 sollten zu aller erst eingestampft werden, da sie für
Elos "besonders belastend" sind, sich aberwitzigen Intregrationsgeblubber reinziehen zu sollen.

Hüstel, hat wohl kaum jemand erkannt, das mittlerweile MT ein besseres Schlachtfeld bietet als die BA oder JC.

Schönen Sonntag  :)
Lass Dich nicht verhartzen !

counselor

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Soziale Kämpfe und Klassenkampf mit Hand und Fuß
« Antwort #4 am: 10:49:56 So. 10.Juli 2022 »
Demokratische Betriebe sind keine Theorie. Solche Betriebe gibt es schon (siehe Mondragon Corporation in Spanien). Aber auch in Deutschland gibt es Produktionsgenossenschaften.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Mondrag%C3%B3n_Corporaci%C3%B3n_Cooperativa
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Mitarbeiterunternehmen

Man sollte darüber diskutieren, wie man der Entfremdung bei der Arbeit begegnet.
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Onkel Tom

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Soziale Kämpfe und Klassenkampf mit Hand und Fuß
« Antwort #5 am: 11:11:59 So. 10.Juli 2022 »
...
Man sollte darüber diskutieren, wie man der Entfremdung bei der Arbeit begegnet.

Das stufe ich ins Innenkonzept ein und sollte im Innenkozept (Betrieb) besprochen werden.

Als "Außenkonzeptler" bekomme ich Order und füge den Pfeffer hinzu (Eigenverantwortlich).
Als Elo habe ich kaum was davon, über "Entfremdung im Betrieb" zu diskutieren, zumal ich
darauf kein Einfluss ausüben könnte..

Ich hätte mehr davon, Stein mittels Flugi vor Ort mit an zu schubsen, Verhältnisse zu ändern
und zu erfahren, wie der Stein genauer rollt.
Ferner die Hoffnung, irgendwann mal bei einer "Arbeiterklasse-reformierten" Firma eingestellt
zu werden.

Hier ging es doch darum, was Elo (Außenkonzept) machen kann..
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Kuddel

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Re: Soziale Kämpfe und Klassenkampf mit Hand und Fuß
« Antwort #6 am: 11:05:34 Mo. 11.Juli 2022 »
Es gibt nicht nur den Streik als Kampfform.

In der Praxis ist Klassenkampf auch, wenn Mieter sich gegen Mieterhöhungen wehren. Auch wenn Leute anfangen, im Supermarkt zu klauen, ist es Klassenkampf. Zwar unorganisiert individuell, doch es ist ein Nicht-Anerkennen der Eigentumsverhältnisse und der Verteilung.

Eine politische Diskussion wäre es, zu überlegen, wie man diese individuellen- oder Kleingruppen-Auseinandersetzungen auf eine breitere Basis stellt, wie man Kämpfe miteinander verbindet...

Onkel Tom

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Re: Soziale Kämpfe und Klassenkampf mit Hand und Fuß
« Antwort #7 am: 15:25:29 Di. 12.Juli 2022 »
Es gibt nicht nur den Streik als Kampfform.

In der Praxis ist Klassenkampf auch, wenn Mieter sich gegen Mieterhöhungen wehren. Auch wenn Leute anfangen, im Supermarkt zu klauen, ist es Klassenkampf. Zwar unorganisiert individuell, doch es ist ein Nicht-Anerkennen der Eigentumsverhältnisse und der Verteilung.


Nun ja, das rot gefärbte stellt ja auch eine unmittelbare Beute dar. Anbei ist Einigung und Herangehensweise
einfacher, da es ja was zu holen oder zu verhindern gibt. (Motivierend)

Abgesehen davon, auf Klautour zu gehen hat ein Erwerbloser zunächst nichts an "Klassenkampf-Beute", die das
Belohnungsbedürfnis des Elos befriedigt.. Das macht die Angelegenheit H4-Widerstand ja so schwierig, da die
berechtigte Frage vom Elo "Und was habe ich nun davon ?" im Raum steht.

Meiner Erfahrungen nach lässt sich Erwerbsloser zur Gruppe locken, wenn z.B. durch Gruppenarbeit das
gegenseitige Begleitertum gesichert wird und Austausch darüber stattfindet, wie man sich gegenüber dem
JC durchsetzen kann.. Das wäre erst mal das wichtigste aber was tun, das es nicht nur dabei bleibt ?

Leider nicht begeisternd, wenn sich eine Elo-Gruppe nur damit befasst oder kein Bock auf politisches hat, wie
es bei einer Gruppe war, die ich zuletzt unterstützte. Diese Eigennützlichkeit lässt das H4-Regime quasi in Ruhe
und Elo versucht eher nur das Beste für sich daraus zu machen.

Bei der ehemaligen ELSE war das etwas anders und so konnten auch Aktionen umgesetzt werden und in
unmittelbarer Nachbarschaft des Elos, die Leiharbeitsindustrie "bedient" werden. Da war den Elos klar, wenn
das mit der ZAF-Propaganda so weiter geht, verringert sich um so mehr die Chance in einem Normal-Job
zu kommen. Ein Hoffnungsschimmer war somit vorhanden..

Der "aufmüpfige" (Leih)Arbeiter hat was davon, wenn Elos vor dem Werkstor stehen und Forderungen der
Belegschaft verbreiten aber was kann der in Arbeit stehende dafür dem Elo anbieten ?
Etwa Equal Pay erkämpfen und damit sich die Job-Einstiegs-Chancen für den Elo verbessert ? (Wäre schön)

Zitat
...
Eine politische Diskussion wäre es, zu überlegen, wie man diese individuellen- oder Kleingruppen-Auseinandersetzungen auf eine breitere Basis stellt, wie man Kämpfe miteinander verbindet...

Jo, Austausch zwischen Gruppen sowie deren Vernetzung wünschenswert  ;)
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