Autor Thema: Petition : Leiharbeiter -gleicher Lohn plus 10% Flexibilitätszulage  (Gelesen 11460 mal)

tleary

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Re: Petition : Leiharbeiter -gleicher Lohn plus 10% Flexibilitätszulage
« Antwort #15 am: 02:53:25 Do. 17.Mai 2018 »
Wenn die Arbeitgeber Flexibilität wollen, dann sollen sie auch gefälligst dafür bezahlen, d.h. Leiharbeiter (mit und ohne Werkverträge) müssen grundsätzlich viel, viel besser bezahlt werden als ein interner Kollege. Mit dieser einfachen Formel würde die Leiharbeit auch nicht mehr für Lohndumping missbraucht werden.
10 % mehr sind aber nicht "viel viel besser bezahlt". Davon könnte man in meinen Augen vielleicht ab 50 % reden.
»Wir wissen, so wie es ist, kann es nicht weiter gehen. Aber es geht weiter.«
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tleary

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Re: Petition : Leiharbeiter -gleicher Lohn plus 10% Flexibilitätszulage
« Antwort #16 am: 03:02:37 Do. 17.Mai 2018 »
Wann kommt endlich mal eine richtige konsequente Korrektur von der SPD?? Nur zur Erinnerung: Die SPD war mal eine Arbeiterpartei.
Die "Wende nach links" kommt mit Scholz und Nahles und dem Seeheimer Kreis gar nicht mehr. Die SPD-Führung sinkt mit ihrer Partei lieber unter 5 %, als daß sie einen wirklich ernst gemeinten Kurswechsel durchführt. Das mit den 5 % ist sowieso Wunschdenken, weil ein bestimmter Teil der Bevölkerung "Traditionswähler" sind, die - gleich welchen Kurs die jeweilige Partei propagiert - immer diese Partei wählen werden. Aber zur nächsten Wahl werden's wohl trotzdem für die SPD noch ein paar Prozentpunkte weniger werden. Außerdem: Warum setzt du überhaupt noch auf dieses alte Schlachtroß SPD - und Petitionen überhaupt?
Es wäre mit Sicherheit wirksamer, du würdest dich (wenn möglich mit ein paar Gesinnungsgenossen) früh um 6 Uhr an das Werkstor eines Betriebes stellen, von dem du weißt, daß dort 20 oder noch mehr Prozent der Belegschaft aus Leiharbeitern besteht. Dort die Flugblätter verteilen, die auf ein wöchentliches Treffen in dieser oder jener Kneipe hinweisen, und dann abwarten, was passiert. Wenn nur 5 oder 6 Leute dorthin kommen, würde ich das als Erfolg werten. Das wäre dann schon einmal eine Basis, um zusammen mit denen weiterzumachen. So geht politische Basisarbeit.
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counselor

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Re: Petition : Leiharbeiter -gleicher Lohn plus 10% Flexibilitätszulage
« Antwort #17 am: 06:17:21 Do. 17.Mai 2018 »
Es wäre mit Sicherheit wirksamer, du würdest dich (wenn möglich mit ein paar Gesinnungsgenossen) früh um 6 Uhr an das Werkstor eines Betriebes stellen, von dem du weißt, daß dort 20 oder noch mehr Prozent der Belegschaft aus Leiharbeitern besteht. Dort die Flugblätter verteilen, die auf ein wöchentliches Treffen in dieser oder jener Kneipe hinweisen, und dann abwarten, was passiert. Wenn nur 5 oder 6 Leute dorthin kommen, würde ich das als Erfolg werten. Das wäre dann schon einmal eine Basis, um zusammen mit denen weiterzumachen. So geht politische Basisarbeit.
Sehe ich auch so. Die MLPD und der Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD (https://www.mlpd.de/ bzw. http://www.arbeiterbund-fuer-den-wiederaufbau-der-kpd.de/) arbeiten so.

Wann kommt endlich mal eine richtige konsequente Korrektur von der SPD?? Nur zur Erinnerung: Die SPD war mal eine Arbeiterpartei.
Und was soll das, dass immer auf die scheiß SPD gesetzt wird? Die SPD hat sich längst dem Kapital untergeordnet und es geht der Führungsriege nur noch ums Mitregieren und um Pöstchen in Wirtschaft und Politik.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Festusfestus

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Re: Petition : Leiharbeiter -gleicher Lohn plus 10% Flexibilitätszulage
« Antwort #18 am: 07:54:32 Do. 17.Mai 2018 »
Wenn die Arbeitgeber Flexibilität wollen, dann sollen sie auch gefälligst dafür bezahlen, d.h. Leiharbeiter (mit und ohne Werkverträge) müssen grundsätzlich viel, viel besser bezahlt werden als ein interner Kollege. Mit dieser einfachen Formel würde die Leiharbeit auch nicht mehr für Lohndumping missbraucht werden.
10 % mehr sind aber nicht "viel viel besser bezahlt". Davon könnte man in meinen Augen vielleicht ab 50 % reden.


In der Petition steht ja auch mind. 10%

Festusfestus

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Re: Petition : Leiharbeiter -gleicher Lohn plus 10% Flexibilitätszulage
« Antwort #19 am: 10:57:56 Do. 17.Mai 2018 »
Selbst mit den geforderten 50.000 Unterschriften kann der Ausschuss eine Anhörung mit einer Zweidrittelmehrheit ablehnen. Darüber hinaus ist die Umsetzung der Forderungen einer Petition nicht vorgeschrieben, egal wie viele Unterstützer sie hat.


Was sinnvoll ist Petition?

Eine Unterschriftensammlung an den Bundestag ist nicht mehr als eine Anregung oder ein Ausdruck von politischem Aufbegehren.
Die Politik wird damit nicht verpflichtet, gewisse Gesetze umzusetzen.
Sie wird aber durch den öffentlichen Druck genötigt, ein Thema zu diskutieren.
Man kann mit einer Petition zumindest einen "Hype" starten.
Wenn die Petition groß genug ist  und das Thema in den Medien verstärkt aufgegriffen wird  kann man durchaus was erreichen.
Dazu gab es ja schon genug Beispiele in der Vergangenheit.
Es müssen halt nur genug unterschreiben :)

Politische Basisarbeit in allen Ehren, aber das dauert noch länger.







tleary

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Re: Petition : Leiharbeiter -gleicher Lohn plus 10% Flexibilitätszulage
« Antwort #20 am: 09:21:21 Di. 29.Mai 2018 »
Sie wird aber durch den öffentlichen Druck genötigt, ein Thema zu diskutieren.
Die einzigen, die das diskutieren, sind momentan wir paar Hansel im Chefduzen-Forum. - Oder hast du die "Tagesschau" oder "heute" jemals über eine Leiharbieter-Petition berichten gehört?

Zitat
 
Man kann mit einer Petition zumindest einen "Hype" starten.
Na, dann starte 'mal deinen "Hype".

Zitat
Wenn die Petition groß genug ist  und das Thema in den Medien verstärkt aufgegriffen wird  kann man durchaus was erreichen.
Wenn, wenn.... Das ist nicht die erste Petition, die dieses Ziel verfolgte. Und bisher waren alle absolut erfolglos. Und das wird auch so bleiben, weil die Mainstream-Medien überhaupt kein Interesse an solch einer Debatte haben. Wenn die momentan über "Lohnungleichheit" berichten, dann meinen sie AUSSCHLIESSLICH den Unterschied, den das Kapital zwischen Männlein und Weiblein macht.

Zitat
Dazu gab es ja schon genug Beispiele in der Vergangenheit.
Und weil es (erst einige Monate vor dir übrigens) andere auch schon probierten, und dabei grandios scheiterten, wird dir das gleiche Schicksal widerfahren.

Zitat
Es müssen halt nur genug unterschreiben :)
Oben hast du noch geschrieben, daß - ganz gleich wieviele Leute unterschreiben - sie NIE gezwungen sind, sich einer Petition zu beugen. So:
Zitat
Die Politik wird damit nicht verpflichtet, gewisse Gesetze umzusetzen.

Zitat
Politische Basisarbeit in allen Ehren, aber das dauert noch länger.
Und das was du machst, darüber wird in 3 Wochen nicht einmal mehr hier geredet.

Zitat
...343 TAGE VERBLEIBEND
Also, ich würde die Petition an deiner Stelle auf 10 Jahre veranschlagen. *Vielleicht* haben dann bis dahin auch 1.000 Leute unterzeichnet, was du dann wohl als "Erfolg" werten würdest. - 1 Jahr Laufzeit für eine Petition ist unverhältnismäßig lange!

Außerdem müsste es in der Petition "Erschwerniszulage", und nicht "Aufwandsentschädigung" heißen:
Zitat
Als Aufwandsentschädigung Erschwerniszulage für die Befristung des Arbeitsverhältnisses sollen die Entleihbetriebe mind. 10 Prozent Aufschlag zahlen.

Und wenn ich eine Forderung stelle, dann fange ich nicht ganz unten an (also mit 10 %), sondern ganz oben (also bei 50 %). - Wie willst du denn verhandeln, wenn du als Minimum nur 10 % vorgibst. - Also, ich würde dich nicht meinen Lohn verhandeln lassen! :)
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Festusfestus

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Re: Petition : Leiharbeiter -gleicher Lohn plus 10% Flexibilitätszulage
« Antwort #21 am: 15:23:43 Mi. 30.Mai 2018 »
Hier herrscht ja der Pessimismus in reinster Form.
Es geht auch schon in Richtung Depression und Antriebslosigkeit.
Die Pessimisten sind eindeutig in der Mehrzahl.
Mit so einer Einstellung bleibt alles beim Alten oder wird noch schlechter.


Onkel Tom

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Re: Petition : Leiharbeiter -gleicher Lohn plus 10% Flexibilitätszulage
« Antwort #22 am: 21:20:58 Mi. 30.Mai 2018 »
Sorry, das hat mit Pessimismus weniger bis gar nichts zu tun..

Die Pedition fordert "Angleichung" der Leiharbeit in D auf französiche Verhältnisse.
Wie man den Beiträgen entnehmen kann, wäre die Erfüllung der Pedition ein Schritt,
sich der Leiharbeit als solches anzunehmen, jedoch nicht nach den Bedingungen,
wie sie in D umgesetzt werden.

Ist das alles ?.. Sich an dem "runden Tisch" setzen wollen, um mit seinem "Arbeits-
kraft-Makler" darüber zu verhandeln, weniger "Provision" zu verlangen ?..

"Runde Tische" erklären sich von selbst, das sie denjenigen immer was kostet, der
eigendlich "die Welt verbessern" wollte..

"Arbeitskraftmakler" kann man genau so gut ab, wie "Wohnungsmakler", alles Leute,
die durch "Not und Ängsten" anderer sich "ne Wampe anfuttern".

Wer "unbedingt" eine Rundreise durch verschiedene Firmen machen will, könnte
sich "selbst vermieten" wo anbei noch Verhandlungsfreiheit zum Thema "Erschwernis-
zulagen" bestehen würden.. Freelancer, Honorarkräfte könnten sich auch besser
"vermarkten", wenn es keine Leiharbeit gäbe.

Ein "Dritter" hat zwischen 2, die "handeln" nix zu suchen, also ist die Forderung

Leiharbeit verbieten !

doch konkreter und "Geschummel" überlebt anbei nicht, weil es ja dann keine
"Arbeitskraftmakler" mehr gibt..

"Runde Tische" besänftigen nur und Du siehst ja, wie weit die Unterschriftenliste
inzwischen gewachsen ist. Halte ich für überdenkenswert..

Immer schön optimistisch bleiben.. M.s.G. Tom  ;)
Lass Dich nicht verhartzen !

Festusfestus

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Re: Petition : Leiharbeiter -gleicher Lohn plus 10% Flexibilitätszulage
« Antwort #23 am: 00:35:43 Fr. 01.Juni 2018 »
Wenn der Entleiher-Betrieb mehr als für Interne bezahlen muss, dann entleiht er auch nur im Notfall.
-> Die Leiharbeit wird automatisch sehr stark zurückgehen.
-> Der flexible Leiharbeiter bekommt mehr Geld.


Leiharbeit verbieten ist ja schön und gut, aber die Forderung muss halt realistisch sein.

Ich finde grundsätzlich höhere Löhne für Leiharbeiter im Vergleich zu Interne(gleiche Ausbildungsstufe) viel realistischer.

counselor

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Re: Petition : Leiharbeiter -gleicher Lohn plus 10% Flexibilitätszulage
« Antwort #24 am: 00:51:00 Fr. 01.Juni 2018 »
Wenn der Entleiher-Betrieb mehr als für Interne bezahlen muss, dann entleiht er auch nur im Notfall.
Bereits heute zahlen Entleiher für Zeitarbeiter mehr als für Interne und trotzdem boomt die Zeitarbeit.
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tleary

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Re: Petition : Leiharbeiter -gleicher Lohn plus 10% Flexibilitätszulage
« Antwort #25 am: 07:27:44 Fr. 01.Juni 2018 »
Ich finde grundsätzlich höhere Löhne für Leiharbeiter im Vergleich zu Interne(gleiche Ausbildungsstufe) viel realistischer.
Bitte sei' nicht so "sozialdemokratisch", sonst hast du bei uns gleich verschissen!

"Seien wir realistsch: Verlangen wir das UNMÖGLICHE!" :)
(Frei nach Che Guevara)

Hier herrscht ja der Pessimismus in reinster Form.
Unser Pessimismus speist sich aus dem Realismus der realen Kräfteverhältnisse im Kapitalismus reinster Prägung.

Zitat
Es geht auch schon in Richtung Depression und Antriebslosigkeit.
Die Pessimisten sind eindeutig in der Mehrzahl.
Wie wär's mit einer Petition "gegen Depression und Antriebslosigkeit im Alltag"? - Die hätte wegen ihrer Inhaltslosigkeit bestimmt größere Chancen beim Petitionsausschuss durchzukommen.

Zitat
Mit so einer Einstellung bleibt alles beim Alten oder wird noch schlechter.
Jetzt sind wir schuld, wenn deine Petition erfolglos bleibt.

Menno, du machst es uns wirklich einfach, deine "Forderung" zu blamieren. - Das muß nächstes Mal besser werden, mit mehr Elan und noch mehr Opitimismus! Wie wär's Mai 2019, so bald die alte Petition abgelaufen ist, gleich wieder dieselbe raushau'n an den BT? Macht dann bestimmt Eindruck. - Und DIE kann dann von den Medien nicht mehr einfach so ignoriert werden. Gaaaanz bestimmt!!!
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Festusfestus

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Re: Petition : Leiharbeiter -gleicher Lohn plus 10% Flexibilitätszulage
« Antwort #26 am: 08:53:19 Fr. 01.Juni 2018 »
Offensichtlich ist es noch zu billig, wenn es so boomt.
In einer freien Marktwirtschaft steigt dann normalerweise der Preis .
Es muss halt noch viel teurer werden damit der Leiharbeiter davon auch profitiert und die Leiharbeit weniger wird.
So kann man dann indirekt auch Leiharbeit abschaffen. :))

tleary

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Re: Petition : Leiharbeiter -gleicher Lohn plus 10% Flexibilitätszulage
« Antwort #27 am: 09:30:00 Fr. 01.Juni 2018 »
Die Leiharbeit für den Ausleiher mag momentan teuerer werden. Aber der "Zwischenhändler" steckt den höheren Preis in Form von Extraprofiten ein. Außerdem wird dank staatlicher Unterstützung (Arbeitsagentur) das Angebot an Leihsklaven weiterhin hochgehalten, und damit der "Preis für die Arbeit" niedrig.
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Festusfestus

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Re: Petition : Leiharbeiter -gleicher Lohn plus 10% Flexibilitätszulage
« Antwort #28 am: 09:42:39 Fr. 01.Juni 2018 »
Mein Ansatz ist eigentlich ganz einfach und simpel, der keiner weiteren Erklärung bedarf.
Ich weiß jetzt partout nicht was man daran nicht nachvollziehen kann.  ???
Entweder man will es aus Prinzip nicht verstehen, weil man grundsätzlich gegen alles ist  oder......


Kuddel

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Re: Petition : Leiharbeiter -gleicher Lohn plus 10% Flexibilitätszulage
« Antwort #29 am: 10:30:17 Fr. 01.Juni 2018 »
Moin Festus,
ich find es ja gut, wenn man mehr über die Leiharbeit diskutiert. Eine Petition kann ein Aufhänger sein, um eine solche Diskussion zu führen. In dieser Hinsicht denke ich, eine Petition kann nicht schaden. Ich war aber bei mehr praktischen Dingen, wie einem Infotisch gegen Leiharbeit, aktiv. Die Leute haben gern die Flugblätter genommen, waren sowieso gegen Leiharbeit, fragten dann aber, wo man denn unterschreiben kann. Irgendwie sind in heutigen Zeiten Petionen wohl das einzige, was man sich als Widerstandsform vorstellen kann. Das ist absolut deprimierend!

Widerstand bedeutet, daß man sein Verhalten ändert, daß man mit anderen diskutiert und sich zusammenschließt. Leiharbeiter können vieles machen, was jenseits von Streik und anderen gewerkschaftlichen Methoden liegt. Man kann langsam arbeiten, schlecht arbeiten, Ausschuß porduzieren, Überstunden und Samstagsarbeit gemeinsam verweigern, der PKW mit dem man in Fahrgemeinschaft zum Einsatzort fährt, kann kaputtgehen, man kann sich kollektiv krank schreiben lassen und vieles mehr. Das muß diskutiert werden und man muß sehen, was in dem jeweiligen Betrieb am meisten Wirkung zeigt.

Für mich ist die ablehnde Haltung auch keinswegs ein Ausdruck von Resignation. Ich denke, viele wünschen sich einfach mehr, etwas, was mehr Biß und Wirkung hat als so eine olle Petition.

Dein Frankreichbeispiel ist für mich auch kein erstrebenswertes Ziel. Für die Wirtschaft dort ist Leiharbeit noch immer attraktiv und lukrativ. Und unter den Arbeitern ist sie noch immer verhaßt, auch mit den 10%+. Bei Demos werden noch immer Sklavenhändlerbüros zertrümert.

Dein Argument, diese Forderung sei eher "realistisch" finde ich verdammt schwach. Wahlrecht, Streikrecht, all diese Dinge galten auch mal als zu utopisch und völlig unrealistisch. Es ist immer nur die Frage, ob man etwas wirklich durchsetzen will und ob man ausreichende Druckmittel zu Durchsetzung hat.

Und jetzt möchte ich auch erklären, warum ich Leiharbeit grundsätzlich ablehne und sie nicht verbessern will:

  • Ich habe die Scheiße selbst unfreiwillig erlebt. Gut 50% aller Jobs, die ich gemacht habe, waren in der Leiharbeit. Es wurden keine anderen Jobs angeboten.
  • Leiharbeit spaltet die Belegschaften. Wenn Belegschaften nicht gespalten sind, können sie sich besser wehren. Dann gäbe es bessere Arbeitsbedingungen für alle.
  • Wenn es Arbeiter 1. und 2. Klasse gibt, bekommen es die Betroffenen auch zu spüren, nicht nur von Vorgesetzten. Es gibt gute Kollegen in den Stammbelegschaften, es gibt aber welche, die lassen den eigenen Frust an Leiharbeitern aus.
  • Leiharbeit ermöglicht den Unternehmen, die Belegschaft in absoluter Flexibilität den Produktionsanforderungen anzupassen. Das bedeutet 100% Arbeitsbelastung für alle jederzeit. In den Zeiten, in denen es nur eine Belegschaft gab, mußte sie so groß sein, daß auch Produktionsspitzen mit ihr bewältigt werden konnte. Jenseits der Produktionsspitzen wurde eine ruhige Kugel geschoben. Arbeitsdruck und Arbeitstaktung konnten nur mit der Scheißleiharbeit für alle angezogen werden. Stammbelegschaft und Leiharbeiter sind gleichermaßen Opfer dieser Personalpolitik. Die explosionsartige Ausweitung von arbeitsbedingten Erkrankungen kommen nicht von ungefähr.
  • Wenn Kollegialität und Freundschaften entstehen, werden sie durch andere Arbeitseinsatzorte wieder auseinandergerissen
  • Andere Einsatzbetreibe, andere Bedingungen und Anforderungen, andere Einsatzorte, all das bedeutet eine Dauerbelastung und man kann sein Leben nicht so planen, wie jemand, der nicht befürchten muß, an einem entfernten Einsatzort eingesetzt zu werden (manchmal ohne Vorwarnung).