Autor Thema: Hausbesetzungen  (Gelesen 753 mal)

ManOfConstantSorrow

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Hausbesetzungen
« am: 09:24:13 Do. 24.Mai 2018 »
Hausbesetzungen sind wieder ein Thema

Die Hausbesetzungen hatten ihre Hochzeiten in dern frühen 80er Jahren. Es gab ein gewisses Revival in den 90ern.
Das galt jedenfalls für die BRD. In der DDR wurden auch Wohnungen besetzt. Bei Leerstand zog man einfach ein, verzichtete aber auf Flugblätter und Transparente. In Großbritannien gab es beide Formen der Besetzungen, die "stillen" Besetzungen überwogen bei weitem. Die westdeutschen Hausbesetzer hielten die "stillen" Besetzungen für unpolitisch und irrten gewaltig.

Nicht nur durch die akute Wohnraumverknappung durch Spekulation, sondern auch durch die explosionsartige Ausbreitung der Armut, ist die illegale Aneignung von (Wohn-)Raum wieder ein Thema. Gerade die in absoluter Armut lebendenden osteuropäischen Migranten spielen da eine Rolle. Die übernehmen Brachen im städtischen Raum und bauen da Hütten oder beziehen jegliches Gebäude, egal ob leerstehende Produktionshallen, Lagerräume oder Wohngebäude.

Sollten die beiden Ströumgen, die explizit "politischen" Besetzungen und die aus sozialer Not geborenen Übernahmen von Wohnraum zusammenkommen, wäre es eine neue Bewegung von ungeahnter politischer Sprengkraft.

Es gab so etwas bisher auch innerhalb der Füchtlingsbewegung, daß Unstützer und Geflüchtete sich gemeinsam neue Unterkünfte angeeignet haben. In Kiel wurde ein leerstehendes Kaufhaus zu einer Bleibe, die einer Unterbingung in Zelten vorzuziehen war.

In der Politik wurde das Zusammenkommen dieser Strömungen als Bedrohung erkannt und man dreht am Rad:

Zitat
Müller (SPD): "Hausbesetzungen sind kein geeignetes Instrument"

Berlins Regierender Bürgermeister Müller hat die Hausbesetzungen vom Wochenende kritisiert.
http://www.deutschlandfunk.de/berlin-mueller-spd-hausbesetzungen-sind-kein-geeignetes.1939.de.html?drn:news_id=885270

Zitat
Grünen-Chef Habeck nennt Hausbesetzungen "Rechtsbruch"

Die Hausbesetzungen in Berlin seien ein legitimes Mittel der Kritik - sagten sowohl die Aktivisten als auch Politiker der Grünen. Parteichef Robert Habeck hat eine ganz andere Meinung.


An den Hausbesetzungen in Berlin ist in den vergangenen Tagen eine politische Debatte entbrannt. Die Aktivisten des Bündnisses #besetzen verstanden die Aktion als legitimes Mittel, um gegen die prekäre Lage am Wohnungsmarkt in der Hauptstadt zu protestieren. Auch mehrere Vertreter der Grünen schlossen sich dieser Haltung an. Parteichef Robert Habeck äußerte jetzt das Gegenteil: "Dass das Rechtsbruch ist, ist klar wie Kloßbrühe", sagte er der "Welt": "Wer als Hausbesetzer in Häuser eindringt, weiß, dass das Unrecht ist und entsprechende Konsequenzen hat."
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/robert-habeck-gruenen-chef-nennt-hausbesetzungen-in-berlin-rechtsbruch-a-1209134.html

Zitat
Reizthema Hausbesetzung feiert Comeback in Berlin

Berlin streitet wieder über Hausbesetzer. Die Jungen Liberalen haben angekündigt, als Protest gegen die jüngsten Besetzungen am Donnerstag selbst die Landesgeschäftsstelle der Grünen zu besetzen. Die Linke fordert derweil, Hausbesetzungen zu entkriminalisieren.
https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2018/05/hausbesetzung-junge-liberale-gruene-berlin.html

Zitat
Innensenator Geisel verteidigt Polizeieinsatz gegen Besetzer

Andreas Geisel hat Kritik an der Räumung eines besetzten Hauses zurückgewiesen. Ein SPD-Politiker greift Linke und Grüne scharf an.

Nach den Protestaktionen von Hausbesetzern gegen die Wohnungsnot in Berlin hat Innensenator Andreas Geisel (SPD) Kritik am Einsatz der Polizei zurückgewiesen. Die Berliner Linie besage, Hausbesetzungen innerhalb von 24 Stunden zu beenden, sagte Geisel dem RBB. Gespräche seien ergebnislos geblieben, er stehe voll hinter dem Einsatz.
https://www.morgenpost.de/berlin/article214354091/Innensenator-Geisel-verteidigt-Polizeieinsatz-gegen-Besetzer.html
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

counselor

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Re:Hausbesetzungen
« Antwort #1 am: 12:43:40 Do. 24.Mai 2018 »
Die Hausbesetzungen sind genau die richtige Antwort auf das Spekulantentum.
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Onkel Tom

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Re:Hausbesetzungen
« Antwort #2 am: 06:30:59 Fr. 25.Mai 2018 »
Hausbesetzungen sind nicht nur die richtige Antwort gegen Spekulanten.

Es entstehen anbei auch Orte, wo solidarischer Zusammenhalt geübt und
stabilisiert wird, da sonst ein "Besetzungskollektiv" nicht funktionieren kann..

Ich nehme an, das Bonzen und Politik vor letzterem viel mehr Muffe
schieben, da ja im "Zusammenhalt" viel mehr Kraft und Kapazitäten zur
Geltung kommen können..

 ;)
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Kuddel

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Re:Hausbesetzungen
« Antwort #3 am: 13:15:52 Fr. 25.Mai 2018 »


Hausbesetzungen in Berlin und anderswo deuten darauf hin, dass der Bogen bei den Mietpreisen endgültig überspannt ist

https://www.heise.de/tp/features/Wessen-Haus-ist-das-4056097.html

tleary

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Re:Hausbesetzungen
« Antwort #4 am: 13:41:22 Fr. 25.Mai 2018 »
Die Hausbesetzungen sind genau die richtige Antwort auf das Spekulantentum den Eigentumsanspruch an Häusern.
»Wir wissen, so wie es ist, kann es nicht weiter gehen. Aber es geht weiter.«
(Autor unbekannt)

counselor

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Re:Hausbesetzungen
« Antwort #5 am: 10:58:13 So. 15.Juli 2018 »
Zitat
Hausbesetzung in Nürnberg: Polizei ermittelt nach Demo

NÜRNBERG - Bei einem Protestzug haben Demonstrierende am Samstag in der Innenstadt zu Hausbesetzungen aufgerufen. Eine der Rednerinnen sagte, dass man mit drei Gebäuden bereits den Anfang gemacht habe. Kurze Zeit später stand die Polizei vor der Tür.

Quelle: http://www.nordbayern.de/region/nuernberg/hausbesetzung-in-nurnberg-polizei-ermittelt-nach-demo-1.7826626
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Fritz Linow

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Re:Hausbesetzungen
« Antwort #6 am: 21:56:52 So. 15.Juli 2018 »
Zitat
Hausbesetzung in Nürnberg: Polizei ermittelt nach Demo
(...)
Quelle: http://www.nordbayern.de/region/nuernberg/hausbesetzung-in-nurnberg-polizei-ermittelt-nach-demo-1.7826626

Zu Nürnberg, Hausbesetzungen, Verdrängung, Erfahrungen und Aussichten gibt es aktuell hier etwas:

http://lowerclassmag.com/2018/07/revolutionaere-politik-in-reaktionaeren-zeiten/#more-5728

Daraus:
Zitat
Angst, Spaltung und Konkurrenz sind allgegenwärtig. Viele Menschen lassen sich vom Chef lieber alles bieten, als in Niedriglohn, Ämterschikanen und Hartz IV abzurutschen. Stagnierende Einkommen sind die Folge. Auf der anderen Seite explodieren die Mietpreise. Wohnen ist Ware und spätestens seit der Krise, in der Kredite billig und unser Wohnraum zur sicheren Anlage wurde, scheint es keine Grenze für den Profit mit Wohnraum zu geben.

counselor

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Re:Hausbesetzungen
« Antwort #7 am: 06:53:18 Mo. 16.Juli 2018 »
In Nürnberg sind die Mieten in den letzten 10 Jahren um 45% gestiegen.
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Onkel Tom

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Re:Hausbesetzungen
« Antwort #8 am: 08:50:53 Mo. 16.Juli 2018 »
Neben Berlin ist in Hamburg die Sehne des Bogen kurz vor dem Reißen. Bis vor kurzem ?
Die Stadtpolitik im Bezug "Bezahlbaren Wohnraum" zu schaffen fleißig und man sieht viele
Baukräne in der Stradt.
Doch es gibt dem Mieter keine Beruhigung. Einige Baustellen entpuppen sich nach deren
Fertigstellung als Bauprojekte, die nicht gefördert wurden und dementsprechend teuer
vermietet werden.
Die Stadt ist momentan auf Bauprojekte gut "ansprechbar" und so nutzen private Bauherren
ihre Chance.. Anbei immer mehr Grünflächen in Gefahr und nach der teuren Elfi, wird nun an
den Hanseturm geplant, der Baukosten um die Milliardengrenze haben soll..

Das Misstrauen des Mieters sitzt anbei tief, da sich viele "gut gemeinten Verbesserungen"
der Stadtpolitik als wirkungslos oder zu schleppend erweisen. Ein Mietenspiegel mit
Hintertürchien "Teuerungsrate auf Zeit vorprogrammiert" und anderen Möglichkeiten vom
Mieterhöhungen zu begründen, steht dem viele Gruppen entgegen, die man unter dem
Suchbegriff "RSA Hamburg" finden kann.. RSA-Demos etc.. sind m.E. sehr lebendig.

Anbei ist der Begriff "Hausbesetzung" auch in vieler Munde, doch es gelten die gleichen
Regeln, wie in Berlin (in 24h muss geräumt sein etc..). Von daher kommt es hin und
wieder zu kurzen symbolischen Besetzungen. Schön zu sehen, aber schade, das es
nur kurzweilig ist.. Die Hoffnung von kurzweilig zu längerfristig stirbt anbei zuletzt..

Die lebt noch und Hausbesetzung ist wieder "populär"..
Wohnungssuchende und Obdachlose gibt es reichlich. Wenn sie zusammen kommen
und sich zum "Gruppenleben" probieren ? Ich würde mir genüßlich die Hände reiben
und Daumen drücken etc..

Ach ja, zum "Bis vor kurzem ?" zurück.
Die schon länger gültigen Regelungen bezüglich Mietpreisbremse erlangte erst letzte
Woche durch Änderungen Wirksamkeit. Mal sehen, ob das nicht auch wieder eine
Finte ist..

Willkommen in Betongold  ::)

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Kuddel

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Re:Hausbesetzungen
« Antwort #9 am: 09:56:23 Mo. 16.Juli 2018 »
Die Wohnungssituation und explodierende Mieten sind ein so gravierendes Problem, daß sich daran Kämpfe entzünden werden.
Es gibt da aber verschiedene Interessen und Strömungen, die wenig Berührung zueinander haben.
1. Es gibt einmal die Autonome Szene, die ihre Wurzeln zu einem großen Teil in der Hausbesetzerbewegung der frühen 80er Jahre hat.
2. Es gibt "normale" Mieter ohne Verbindungen zur linken Szene oder politischen Organisationen, die mit der Übernahme ihrer Wohnungen durch Heuschrecken der Wohnungswirtschaft und explodierenden Mieten konfrontiert sind.
3. Es gibt extreme Armut unter Migranten (insbesondere aus Osteuropa). Sie wählen oftmals die heimliche Übernahme leerstehender Häuser und Wohnungen oder bauen Hütten auf brachliegenden Grundstücken als Ausweg aus der Obdachlosigkeit.

Die erste Gruppe interessiert sich sehr für "Freiräume" in denen sie ihrem subkulturellen Lebensstil nachgehen wollen. Das ist auch ok und berechtigt, doch halten sie sich oftmals für die einzig politisch motivierten Kämpfer, die Normalomieter sind ihnen zu spießig und die Osteuropäer zu unpolitisch.

Jeder sieht da die eigenen Interessen und will mit der jeweils anderen Gruppe nichts zu tun haben. Gerade die Osteuropäer sind am meisten ausgegrenzt. Es gibt das Sprachproblem, Vorurteile und von großem sozialen Elend wenden sich alle schnell ab, auch politische Aktivisten, die bestenfalls eine sozialarbeiterische Annährung für vorstellbar halten. Die Osteuropäer haben wiederum Angst vor zu viel Öffenlichkeit, denn sie halten ihre relative Unsichtbarkeit für einen gewissen Schutz.

Die zweite und dritte Gruppe sind ja Ausdruck sozialer Konflikte und die halte ich für wesentlich politischer, als die klassischen besetzten Häuser mit ihrem politischen Parolen, Transparenten und Flugblättern.

Fritz Linow

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Re:Hausbesetzungen
« Antwort #10 am: 13:25:35 Mo. 16.Juli 2018 »
Diese Einteilung ist mir zu grob. Im oben verlinkten Artikel auf lowerclassmagazin wird ja gerade beschrieben, wie versucht wird, die Leute unter einen Hut zu bringen. Ob das ankommt und erfolgreich ist, kann ich nicht beurteilen. Diese Versuche gibt es bekanntlich auch anderswo und gehen schon ein wenig darüber hinaus, was sich szenige verstrahlte Wagenbewohner unter linker Politik so vorstellen.

Zitat
Jeder sieht da die eigenen Interessen und will mit der jeweils anderen Gruppe nichts zu tun haben.
Ist mir auch zu pauschal. Das ist halt Kärrnerarbeit.

Zitat
Die zweite und dritte Gruppe sind ja Ausdruck sozialer Konflikte und die halte ich für wesentlich politischer, als die klassischen besetzten Häuser mit ihrem politischen Parolen, Transparenten und Flugblättern.
Es gibt viele Ausdrücke sozialer Konflikte, aber dadurch sind sie nicht gleich politischer. Allerdings wichtiger als Freiraumgedöns. Wenn mit Parolen, Transparenten und Flugblättern die richtigen Fragen gestellt werden, mein Gott, warum nicht.

Kuddel

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Re:Hausbesetzungen
« Antwort #11 am: 13:52:58 Mo. 16.Juli 2018 »
Ich habe natürlich nichts gegen Parolen, Transparente und Flugblätter, sondern gegen die Vorstellung, das allein sei "politisch", das andere aber nicht. Vieles war von mir vereinfachend formuliert und ich weiß, daß es Versuche gibt, die verschiedenen Kämpfe, Strömungen und Bewegungen zusammenzuführen. Die Gräben sind jedoch tief, die Vorstellungen liegen weit auseinander und es gibt real unterschiedliche Interessen, die schwer unter einen Hut passen.

Kuddel

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Re:Hausbesetzungen
« Antwort #12 am: 12:57:38 So. 30.September 2018 »
Zitat
Protest gegen US-Konzern
Aktivisten besetzen den Google-Campus in Kreuzberg



Etwa 60 Aktivisten haben am frühen Freitagnachmittag den zukünftigen Google-Campus in Berlin-Kreuzberg besetzt. Nach Informationen des Berliner Kurier gehören die Aktivisten zu unterschiedlichen Gruppierungen.
https://www.berliner-kurier.de/berlin/kiez---stadt/protest-gegen-us-konzern-aktivisten-besetzen-den-google-campus-in-kreuzberg-31232850

Zitat
Protest gegen fehlenden Wohnraum
Polizei räumt besetztes Haus in Potsdam

Aktivisten haben Freitagnacht ein Haus in Potsdam besetzt. Sie demonstrierten gegen aus ihrer Sicht unnötigen Leerstand bei gleichzeitiger Wohnungsnot. Die Stadt ließ das Gebäude nach wenigen Stunden von der Polizei räumen.
https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2018/09/potsdam-schulgebaeude-besetzt-und-von-polizei-geraeumt.html

Zitat
Protest gegen Wohnungspolitik
Haus nach linker Demo in Berlin besetzt – 87 Festnahmen!
https://www.bild.de/regional/berlin/berlin-aktuell/protest-gegen-wohnungspolitik-haus-in-berlin-besetzt-87-festnahmen-57559396.bild.html