Autor Thema: Warum soll man als Leiharbeiter in einer DGB Gewerkschaft sein?  (Gelesen 12977 mal)

Fritz Linow

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Re: Warum soll man als Leiharbeiter in einer DGB Gewerkschaft sein?
« Antwort #30 am: 21:58:58 Mi. 20.November 2019 »
Auch in der dritten Verhandlungsrunde zwischen Sklavenhändlern und DGB gab es keine Einigung. Es bleibt also weiter spannend...gähn.
https://twitter.com/IQZeitarbeit/status/1197161264935555072

Onkel Tom

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Re: Warum soll man als Leiharbeiter in einer DGB Gewerkschaft sein?
« Antwort #31 am: 01:15:11 Do. 21.November 2019 »
Na hoffentlich gibt es soviel Zoff, das keine Einigung folgt und somit der Branchentarifvertrag
zur Anwendung kommt.. Nebenbei gelesen, das Leiharbeit in Kliniken von den Krankenkassen
ab 2020 nicht mehr übernommen werden ? Das dürfte Kliniken dazu zwingen, sich von Leiharbeit
zu trennen..

Leiharbeit verbieten !. Aber ja doch  ;D

Was macht eigendlich der Leiharbeitskuschelganove Wolfgang Clement, der das ganze einläutete ?
Lass Dich nicht verhartzen !

counselor

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Fritz Linow

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Re: Warum soll man als Leiharbeiter in einer DGB Gewerkschaft sein?
« Antwort #33 am: 22:11:11 Do. 19.Dezember 2019 »
Zitat
Tarifabschluss für Beschäftigte der Leiharbeit erzielt
https://www.dgb.de/presse/++co++93af0152-218e-11ea-bd05-52540088cada

Mal mehr, mal weniger stillschweigendes Achselzucken. Es ist einfach nur noch deprimierend.

Fritz Linow

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Re: Warum soll man als Leiharbeiter in einer DGB Gewerkschaft sein?
« Antwort #34 am: 01:47:49 Do. 14.Mai 2020 »
Zitat
12.5.20
Tariferhöhungen in der Leiharbeit

Seit dem 1. April gelten die Entgelterhöhungen für die Leiharbeitnehmer*innen, deren Verleiher im Arbeitgeberverband BAP bzw. IGZ organisiert sind. Zusätzlich wurden im Tarifabschluss neue Jahressonderzahlungen sowie ein Mitgliedervorteil von bis zu 700 Euro im Jahr vereinbart. Von diesem profitieren Mitglieder der IG Metall erstmals mit der Sonderzahlung im Mai 2021, sofern sie zu diesem Zeitpunkt seit mindestens einem Jahr Mitglied sind.

Diese Entgelterhöhung betrifft im Bereich der Geschäftsstelle Neustadt unter anderem Beschäftigte der Leiharbeitsunternehmen DEKRA sowie ZAB aus Frankenthal. Achtung: Beschäftigte der Firma GABIS aus Speyer sind nicht von dieser Tariferhöhung betroffen.

Wer noch nicht Mitglied ist, muss also bis spätestens Ende Mai diesen Jahres Mitglied werden, um vom Bonus für Gewerkschafter*innen im Jahr 2021 profitieren zu können.

Die Details des Tarifabschlusses findet Ihr im beiligenden Dokument.

Bei Fragen steht der Kollege Philipp Nerger per E-Mail oder Telefon unter 06321 924725 zur Verfügung.
https://www.igmetall-neustadt.de/aktuelles/meldung/tariferhoehungen-in-der-leiharbeit/

Auch so ein Geschäftsmodell.

Ziggy

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Re: Warum soll man als Leiharbeiter in einer DGB Gewerkschaft sein?
« Antwort #35 am: 06:30:40 Do. 14.Mai 2020 »
Erfahrungsbericht:

Ich bin 2007 in die hiesige IG Metall eingetreten, weil ich von Randstad gedisst wurde und jede Unterstützung brauchte, die ich kriegen konnte. (Die Geschichte hab ich seinerzeit hier groß und breit geteilt, ältere Chefduzler erinnern sich vielleicht, deswegen hier kein großes Aufwärmen mehr). Ich erhielt sofort Rechtsberatung und Rechtsschutz, im Gegenzug machte ich ein bißchen Öffentlichkeitsarbeit, es war ein Win-Win, wenn man so will. Die Sache ging relativ gut aus für mich, ich wurde zwar gekündigt, aber nicht fristlos (wie Randstad das wollte), und bekam dann noch 2 Monate Lohn und eine Abfindung.

Kurze Zeit später fand ich eine neue Anstellung, wieder Zeitarbeit, aber erstmal nebensächlich. Ich arbeitete mit 3 weiteren Kollegen in einem Langzeiteinsatz über mehrere Jahre in einem Kundenbetrieb. Irgendwann ging unsere ZAF pleite und kündigte uns. Ich sagte aber zu den Kollegen, wir sollten eine Kündigungsschutzklage machen, um zumindest ggf. noch eine Abfindung zu bekommen, wir hatten ja z.T. mehrere Jahre Betriebszugehörigkeit aufzuweisen. Meine Kollegen wurden hellhörig, wie das denn ginge, und ich sagte ihnen, am einfachsten wäre es mit dem Rechtsschutz in der Gewerkschaft. Die waren aber in keiner Gewerkschaft, wären aber bereit, einzutreten. Daraufhin telefonierte ich mit meiner örtlichen IG Metall Rechtsabteilung, ob man da was machen könnte. Die erklärten sich bereit, die Kollegen aufzunehmen und kulanterweise sofort (!!!) Rechtsberatung und Rechtsschutz zu gewähren, also ohne die üblichen Wartefristen! So geschah es, die Kollegen wurden Mitglied, der Anwalt der IGM machte für uns eine KSG, und am Ende bekamen wir jeder eine Abfindung zwischen 2000 und 5000 EUR.

Feine Sache, angesichts eines "Einsatzes" von grade mal ca. 15 EUR Monatsbeitrag, oder?

Nachdem wir alle unsere Abfindung auf dem Konto hatten, kündigten die Kollegen ihre IGM-Mitgliedschaft sofort wieder. Jeder von denen hatte max. 2 Monatsbeiträge gezahlt. Ich habe mich in Grund und Boden geschämt. Seither rühre ich für Leiharbeitskollegen keinen Finger mehr, ich kämpfe nur noch für mich alleine. Ist jetzt 10 Jahre her, aber ich könnte heute noch kotzen.

Ich habe über die Jahre leider immer wieder die Erfahrung machen müssen, daß es mit dem Solidaritätsgedanken bei Leihkeulen nicht so weit her ist, der Egoismus ist sehr ausgeprägt. Einerseits verstehe ich das, weil Menschen in Not (und das sind LAN ja oft) sich instinktiv erst mal um sich selbst sorgen, andererseits frage ich mich halt auch, wie man dauerhaft so blöde sein kann, um nicht zu verstehen, daß man nur gemeinsam in möglichst großer Mannstärke etwas erreichen und durchsetzen kann. Stattdessen höre ich immer mehr so Scheißsprüche wie "Ich wähl jetzt AFD!" - Ja, genau.

Gegenbeispiel: Meine Frau arbeitet seit gut 20 Jahren als Hauswirtschaftskraft in einer Behinderteneinrichtung, das ist so im halböffentlichen Dienst. Als sie da anfing, wurde sie relativ beschissen bezahlt, aber die Arbeit war okay und unbefristet, meine Frau hat beruflich nix gelernt, da muß man nehmen, was kommt. Schon am ersten Arbeitstag kam der Betriebsrat auf sie zu und sprach sie auf eine Gewerkschaftsmitgliedschaft an (in diesem Fall ver.di), die wurde beinahe "genötigt", zu unterschreiben. Das tat sie auch. Ein Jahr später war sie selber im BR dabei. Alle Mitarbeiter im Betrieb sind ausnahmslos bei ver.di. Da kommt auch regelmäßig jemand vorbei und kümmert sich vor Ort. Meine Frau bekommt im Schnitt alle 6 Monate Gehaltserhöhung, Weihnachts- und Urlaubsgeld, 30 Tage Jahresurlaub. Inzwischen verdient sie in einer 30-Stunden-Woche mehr als ich als LAN mit 35 Stunden und Lohngruppe 5! Noch Fragen? - So läuft das in einem Betrieb mit Gewerkschaft und Betriebsrat.

Ich weiß, es gibt viele Vorurteile gegen Gewerkschaften, es gibt Fälle von Mauschelei, persönlicher Bereicherung, die Duldung von Schröders Agenda und was weiß ich noch alles. Dennoch: Es ist für Arbeitnehmer die einzige nennenswerte Möglichkeit, sich zu organisieren und ihre Rechte notfalls durchzusetzen. Um so trauriger finde ich es, wie seit Jahren die Mitgliedszahlen erodieren, die Gewerkschaftsbewegung permanent geschwächt wird. Im Grunde geben wir alles auf, was unsere Väter und Großväter, viele unter Einsatz ihres Lebens, erkämpft und erstritten haben. Wir verlieren sukzessive kollektiv an Schlagkraft, und am Ende steht der Arbeiter wieder alleine, jeder für sich und verliert alles. Bitter ist das.

Wenn ein Arbeiter zu mir sagt: "Scheiß auf Gewerkschaft und Politik, ich wähl jetzt AFD!", dann kann ich das mit großer Mühe ein Stück weit nachvollziehen, da gibt es viel Wut, Enttäuschung, Frust, das Gefühl, im Stich gelassen zu werden. Aber der muß sich irgendwann von mir auch fragen lassen: "Junge, was stimmt nicht mit dir?"
Um seine Liebe zu beweisen, erklomm er die höchsten Berge, durchschwamm die tiefsten Meere und zog durch die weitesten Wüsten. Doch sie verließ ihn – weil er nie zu Hause war.

Fritz Linow

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Re: Warum soll man als Leiharbeiter in einer DGB Gewerkschaft sein?
« Antwort #36 am: 00:07:43 Fr. 10.Juli 2020 »
Zitat
9.7.20
Autoindustrie: Werkverträge sind funktionierendes System
(...)
Bernd Kruppa von der IG Metall Leipzig befasst sich damit seit Jahren. "Also erst einmal muss man vorausschicken, dass die Position der IG Metall ist, dass wir nichts gegen Werkverträge an sich haben, auch nichts gegen Leiharbeit". Wenn im Sinne einer modernen Arbeitsteilung für bestimmte spezifische Aufträge und Dienstleistungen auch auf andere Unternehmen zurückgegriffen werde, dann sei das dem heutigen Produktionssystem angemessen.

Werkverträge halten die Konzerne flexibel, denn man kann die beauftragte Firma wieder abbestellen. Sie sparen aber auch Geld. Denn die Beschäftigten, die für eine Werkvertragsfirma in einer Industriehalle stehen, erhalten oft weniger Lohn als die Stammbeschäftigten. Hier, sagt Kruppa, mache die IG Metall seit Jahren Druck. Und sie habe Erfolg: In vielen Werkvertragsfirmen gebe es inzwischen Betriebsräte oder Tarifverträge.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit gelte aber noch nicht überall, schränkt Kruppa ein. Bei der Arbeitszeit sei man schon sehr erfolgreich gewesen. "Wir wissen, dass wir noch einen langen Weg haben, um gleichwertige Löhne durchzusetzen." Man wolle das mit den Menschen von unten nach oben durchsetzen, sagt der Gewerkschafter. "Im Zweifel auch gegen die Interessen der Großkonzerne."
(...)
https://www.mdr.de/nachrichten/politik/inland/werkvertraege-in-der-autoindustrie-100.html

Dieser Kruppa von der IGM hat auch vor zwei Jahren den Macker bei Hallberg Guss gemacht.
"Im Zweifel auch gegen die Interessen der Großkonzerne."
Alles klar...

Ziggy

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Re: Warum soll man als Leiharbeiter in einer DGB Gewerkschaft sein?
« Antwort #37 am: 07:37:27 Do. 20.August 2020 »
Was macht eigendlich der Leiharbeitskuschelganove Wolfgang Clement, der das ganze einläutete ?
Hat neuerdings angeblich Lungenkrebs. Keine Ahnung, warum ich plötzlich grinsen muß.
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Ziggy

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Re: Warum soll man als Leiharbeiter in einer DGB Gewerkschaft sein?
« Antwort #38 am: 14:53:56 So. 27.September 2020 »
Was macht eigendlich der Leiharbeitskuschelganove Wolfgang Clement, der das ganze einläutete ?
Hat den Löffel abgegeben. Dafür gibt's ein Upvote von mir. Und ein Herzchen.
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prica

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Re: Warum soll man als Leiharbeiter in einer DGB Gewerkschaft sein?
« Antwort #39 am: 18:37:37 Mo. 14.Dezember 2020 »
......sollte doch "eigentlich" spätestens mit der schließung des Ig Metall Zoom Forums für sich sprechen.

Warum soll man als Leiharbeiter in einer DGB Gewerkschaft sein?
- Warum soll ich 1% vom Brutto Beitrag zahlen, wenn ich nur Netto auf dem Konto bekomme?
- Ich möchte eine unabhängige Gewerkschaft, die sich für "jeden" Arbeiter einsetzt welcher sich für Arbeitnehmerrechte Stark macht und niemanden der in einen Propaganda Magazinen mir durch die Blume erzählt man müsse gefälligst Spd wählen ( scheinbar traut man seinen Mitgliedern ja nicht zu, sich selber eine Meinung zu bilden )


Aber der muß sich irgendwann von mir auch fragen lassen: "Junge, was stimmt nicht mit dir?"

.....was stimmt nicht mit dir? Das du von einem Zeitarbeit auf Politik wechselst, als wenn das "Neu" wäre das sich die Politik nicht für Leihkeulen Intressiert.

.....was stimmt nicht mit dir? Das du Offensichtlich ein Problem mit einer Partei Probleme hast, die in ihrem Namen "für Deutschland" stehen hat? ( auf dem Bundestag stehen doch ähnliche Worte ! )


counselor

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Re: Warum soll man als Leiharbeiter in einer DGB Gewerkschaft sein?
« Antwort #40 am: 19:52:33 Mo. 14.Dezember 2020 »
Zitat
.....was stimmt nicht mit dir? Das du Offensichtlich ein Problem mit einer Partei Probleme hast, die in ihrem Namen "für Deutschland" stehen hat? ( auf dem Bundestag stehen doch ähnliche Worte ! )

Ich halte die AfD für eine Steigbügelhalterin des Faschismus, die nur so tut, als ob sie sich für den kleinen Mann interessiert. In Wirklichkeit macht sie Politik für die Reichen. Das kann man an den Bundestagsreden sogar fest machen:

Zitat
Nürnberg / Berlin: Martin Sichert (AfD) mal wieder im Bundestag: Für die Automobilindustrie und konventionellen Kraftwerksbau, gegen "Umverteilung" usw. (Dezember 2020)
Am 25. November 2020 sprach der Nürnberger AfD-MdB Martin Sichert im Bundestagsplenum im Rahmen einer aktuellen Stunde, die auf Verlangen der Linkspartei durchgeführt wurde. Thema: "Für gute Löhne und Verteilungsgerechtigkeit sorgen - Zunehmende Ungleichheit in der Coronapandemie stoppen". Wir wollen nicht analysieren, ob Sichert überhaupt auf das Papier der Linken geantwortet hat, das würde hier zu weit führen. Immerhin benutzte er jeweils siebenmal das Wort "Lohn" in irgendeiner Form oder Zusammensetzung und ebenso häufig "Verteilung" oder eine Abwandlung davon.

Weitere begriffliche Spitzenreiter waren "Steuern" sowie "EU", jeweils siebenmal. Nur viermal fand sich irgendeine Form von "vernichtet". Beginnen wir mit Letzterem. Was wird vernichtet? Dreimal Arbeitsplätze und einmal Wohlstand. Und wodurch? Durch die EU, durch Bürokratie, Umverteilung (= Steuern), staatliche Lenkung.

Umverteilung (= Steuern) ist nach Sichert generell eher schlecht, denn, Zitat: "Ein Lohn ist umso besser, je mehr der Erwerbstätige von seinem erwirtschafteten Geld behalten darf. Gute Löhne sind also das Gegenteil von Umverteilung". Das einzige Problem bei den Löhnen scheint also die Besteuerung und nicht die vom Unternehmer gezahlte Lohnhöhe zu sein (die ist ja anscheinend naturgegeben, "erwirtschaftet"). Was hilft laut Sichert / AfD? Kurz zusammengefasst: Wenig bis kein Geld an die EU, Steuern runter, radikale Sparpolitik. Unterstützung benötigen dagegen nicht zuletzt der "konventionelle Kraftwerksbau" sowie die "Automobilindustrie". Alles klar?

Quelle: https://www.nazistopp-nuernberg.de/

Zitat
Nürnberg / Berlin: AfD-Bundestagsabgeordneter Martin Sichert agitierte gegen Lohnerhöhungen im öffentlichen Dienst und verglich Corona-Maßnahmen mit "Hitlers Ermächtigungsgesetz von 1933" (Oktober 2020)
Am 8. Oktober ging es im Bundestag mal wieder zur Sache: Der AfD-Bundestagsabgeordnete Martin Sichert setzte sich erneut nicht für die Benachteiligten ein und agitierte ziemlich wirr gegen Lohnerhöhungen im öffentlichen Dienst. Seine Schützlinge wie immer: Die "Nettosteuerzahler" und die so genannte "freie[n] Wirtschaft". Panik hat der Mann vor dem "Traum des absoluten Sozialismus", was auch immer das sein soll.

Dann, mitten in seiner Rede, schwenkte er jäh auf das Thema Corona-Pandemie um und agitierte als "Corona-Rebell". Die derzeitigen Grundrechtseinschränkungen auf dem Hintergrund der Pandemie sollen angeblich "auf ewig" verlängert werden (Achtung: Verschwörungserzählung), und "spätestens" dann gäbe es "keinerlei Unterschied mehr zwischen einer epidemischen Notlage nationaler Tragweite und Hitlers Ermächtigungsgesetz von 1933" (Achtung: Falscher und gefährlicher Vergleich zwischen der Nazizeit und heute).

Pikant: Sichert hat keine Ahnung von Geschichte, sonst würde er nicht von "Hitlers Ermächtigungsgesetz von 1933" sprechen. Das Parlament war damals noch nicht völlig zerschlagen, das so genannte "Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich" wurde formell nicht nur von der NSDAP beschlossen, sondern auch von weiteren bürgerlichen Parteien: Von der DNVP, dem Zentrum, der Bayerischer Volkspartei (BVP) und der Deutschen Staatspartei. Und ohne Zustimmung der maßgeblichen deutschen Wirtschaftskapitäne hätte es eine "Ermächtigung" vermutlich überhaupt nicht gegeben. Soweit zur "freien Wirtschaft".

(Quelle: Bundestagsprotokoll 183. Sitzung, 8.10.20)

Quelle: https://www.nazistopp-nuernberg.de/oktober-2020_index190.htm
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Fritz Linow

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Re: Warum soll man als Leiharbeiter in einer DGB Gewerkschaft sein?
« Antwort #41 am: 22:35:40 Mo. 14.Dezember 2020 »
Um mal ganz vorsichtig auf das Thema Leiharbeit zurückzukommen:

Die DGB-Gewerkschaften wirken etwas unglaubwürdig, wenn es um die Interessen der Leiharbeiter geht.
Die DGB-Gewerkschaften sind ja so was von verfilzt mit den handelsüblichen Parteien.
Die AFD ist nicht wirklich eine Alternative. Mit ihrer Forderung "Nicht mehr als 15% Leiharbeit im Betrieb" kann man scheinbar Opposition betreiben.
Weder Parteien noch Gewerkschaften interessieren sich wirklich für die Menschen, die Leiharbeit machen müssen. Auch die dumme LINKE will Leiharbeit langfristig abschaffen.
Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter sind keine Verfügungsmasse, die in irgendwelchen Planspielen eine Rolle spielen sollte.
Die ganze Scheiße mit der Leiharbeit wird demnächst einen riesigen Aufschwung erfahren.
Parteipolitische und gewerkschaftliche Antworten gibt es darauf nicht und kann es auch nicht geben.
Und nu?

Fritz Linow

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Re: Warum soll man als Leiharbeiter in einer DGB Gewerkschaft sein?
« Antwort #42 am: 19:27:19 Fr. 19.März 2021 »
Kurz bevor Hartz durchgeprügelt wurde, gab es im November 2002 eine Anhörung von sogenannten Sachverständigen, also auch den Gewerkschaften, zu der geplanten Entfesselung der Leiharbeit:
Bericht des Ausschusses für Wirtschaft und Arbeit
https://dserver.bundestag.de/btd/15/000/1500091.pdf

Eigentlich war der DGB wohl recht froh darüber, dass andere Scheingewerkschaften die Drecksarbeit gemacht haben:

"...Der Deutsche Gewerkschaftsbund betonte, er und seine Gewerkschaften stellten sich nach wie vor den Herausforderungen der Hartz-Kommission. Er wolle an einer konstruktiven Umsetzung im Interesse der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, der Arbeitslosen und der Gesellschaftinsgesamt mitwirken. Die zentralen Ziele der beiden Gesetzentwürfe der Koalitionsfraktionen würden ungeachtet konkreter Kritikpunkte und der gemachten Veränderungs-und Ergänzungsvorschläge mitgetragen. So werde der für gewerbsmäßigen Verleih und PersonalServiceAgenturen(PSA) vorgesehene Grundsatz der Gleichbehandlung begrüßt. Im Hinblick auf die PSA werde die Gefahr gesehen,dass die bisher vorgesehenen Ausnahmeregelungen das Prinzip der Gleichbehandlung nicht sichern und Mitnahme-und Drehtüreffekte sowie Lohndumping nicht generell verhindern können. Es sei zu bezweifeln, ob eine Minderung des Kündigungsschutzes durch Zulassung befristeter Beschäftigung bereits ab dem 50. Lebensjahr eine messbare Beschäftigungswirkung zur Folge habe. In der Begründung zum Gesetzentwurf werde zu Recht darauf hingewiesen,dass es sich überwiegend um ein „psychologisches Problem“ handele. Dies rechtfertige keinesfalls die geplante Einschränkung des Kündigungsschutzes.

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft verdi begrüßte grundsätzlich die Ergebnisse der Hartz-Kommission wie auch die Gesetzentwürfe der Koalitionsfraktionen.  Insgesamt trügen die vorgeschlagenen Regelungen zu einer weiteren Flexibilisierung des Arbeitsmarktes bei. Flexibilisierung dürfe jedoch nicht mit Deregulierung gleichgesetzt werden, sondern müsse mit neuen, sozialverträglichen Regeln verbunden werden. Die geplanten Neuregelungen der Leiharbeit seien ein richtiger Schritt in diese Richtung. Dem Beispiel einer Vielzahl unserer europäischen Nachbarländer folgend werde die Gleichbehandlung von Leiharbeitskräften zum Grundsatz gemacht. Es sei jedoch zu befürchten,dass die vorgesehenen Ausnahmeregelungen zur Abweichung vom Gleichbehandlungsgrundsatz doch noch ein Einfallstor bieten, das Lohndumping weiterhin ermögliche und Mitnahme- und Drehtüreffekte nicht verhindere. Danach solle die Gründung einer PSA zunächst auch dann möglich sein, wenn dabei lediglich die Anlehnung an irgendeinen der wenigen derzeit bestehenden Tarifverträge der Verleihbranche zum Tragen komme. Auch die Ausnahmeregelungen für die ersten sechs Wochen des Verleihs förderten die Gefahr von Mitnahme- und Verdrängungseffekten.

Die IG Metall beklagte, dass der gewerkschaftlichen Forderung, die zu bildenden PSA’en in einer bundesweiten Holding zusammenzufassen, um flächendeckend wirksame Tarifverträge schließen zu können, nicht entsprochen worden sei. Vielmehr setze der Gesetzentwurf vorrangig auf private PSA’en und biete kaum Anknüpfungspunkte für kollektiv verbindliche tarifvertragliche Regelungen. Es sollte sichergestellt werden, dass weder gewerbsmäßige klassische Leiharbeit noch vermittlungsorientierte Leiharbeit Lohndumpingprozesse einleiten oder den Unternehmendas Beschäftigungsrisiko abnehmen. Die wesentlichenSchutzvorschriften des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (u. a. Höchstüberlassungsdauer von zwei Jahren sowie Synchronisationsverbot) sollte daher grundsätzlich beibehalten werden. Die positiven Elemente des Kommissionsberichtessollten gestärkt, hingegen auf Leistungskürzungen, verschärfte geografische Zumutbarkeitsregelungen, eine Deregulierung der Leiharbeit und des Kündigungsschutzes sowie Einschränkungen der Tarifautonomie verzichtet werden. Die von den Koalitionsfraktionen vorgelegten Gesetzentwürfe würden diesen Anforderungen nicht gerecht. Es bestehe daher in wichtigen Punkten unverzichtbarer Änderungsbedarf.

Nach Ansicht der IG Bauen-Agrar-Umwelt könnten die in den Gesetzentwürfen enthaltenen Gesetzesänderungen einen deutlichen Schub für die Arbeitsmarktpolitik und eine erhebliche Verbesserung der Dienstleistungsqualität der Arbeitsämter bewirken. Die Nutzung einer vermittlungsorientierten Arbeitnehmerüberlassung über die Einrichtung von PSA’en könne zum Abbau der Arbeitslosigkeit insbesondere bei Arbeitslosen mit sog. Vermittlungshemmnissen beitragen. Inakzeptabel sei jedoch, in welcher Weise durch das Gesetz die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in der PSA gestaltet werden sollen. Es sei zu befürchten, dass sich die beauftragten Verleiher im Einvernehmen mit den Arbeitsämtern vor Ort den für sie günstigsten der zurzeit bestehenden Tarifverträge mit Zeitarbeitsfirmen heraussuchen würden und damit die in der PSA Beschäftigten ob ihrer geringen Entgeltansprüche in massive Konkurrenz zu regulären Beschäftigten der Entleiherbetriebe treten würden.Durch die PSA würden im Ergebnis damit allenfalls regulär Beschäftigte durch niedrig entlohnte Beschäftigte der PSA ersetzt werden – ein Ergebnis, das volkswirtschaftlich völlig kontraproduktiv sei..."

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Re: Warum soll man als Leiharbeiter in einer DGB Gewerkschaft sein?
« Antwort #43 am: 03:26:25 So. 25.April 2021 »
Nach 3 Monaten Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft, erhält man Rechtsschutz. Wenn aber die Streitigkeit vor der Mitgliedschaft entstanden ist, wird hier kein Rechtsschutz gewährt.

tleary

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Re: Warum soll man als Leiharbeiter in einer DGB Gewerkschaft sein?
« Antwort #44 am: 06:13:00 Fr. 30.April 2021 »
Wenn ein Arbeiter zu mir sagt: "Scheiß auf Gewerkschaft und Politik, ich wähl jetzt AFD!", dann kann ich das mit großer Mühe ein Stück weit nachvollziehen, da gibt es viel Wut, Enttäuschung, Frust, das Gefühl, im Stich gelassen zu werden. Aber der muß sich irgendwann von mir auch fragen lassen: "Junge, was stimmt nicht mit dir?"
Man muß sich eher fragen "Junge, was stimmt nicht mit der Linken?" - Wieso sieht er die nicht als Alternative? Ganz einfach: Weil die es gar nicht ernst meint, mit ihrem "Kampf gegen das Kapital". Die müssten viel offensiver ihren Kurs vertreten, und auch mal auf die Straße und, ja, vor die Betriebe, um ihre Vorhaben kund zu tun. Wenn du mich jetzt fragen würdest, um am konkreten Beispiel zu bleiben, welchen radikalen Oppostionskurs die Partei "Die Linke" gegenüber der Regierung bei der Leiharbeit überhaupt hat, müsste ich passen. Deren Programm wird gar nicht publik gemacht. Selbst bei Corona sind sie mehr oder weniger auf Regierungslinie.
»Wir wissen, so wie es ist, kann es nicht weiter gehen. Aber es geht weiter.«
(Autor unbekannt)