Autor Thema: Warum soll man als Leiharbeiter in einer DGB Gewerkschaft sein?  (Gelesen 11510 mal)

counselor

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Re: Warum soll man als Leiharbeiter in einer DGB Gewerkschaft sein?
« Antwort #45 am: 10:57:17 Fr. 30.April 2021 »
Zitat
Deren Programm wird gar nicht publik gemacht.

Die Linke hat eine Webseite, wo sie ihr Programm veröffentlicht hat:
https://www.die-linke.de/wahlen/wahlprogrammdebatte-2021/wahlprogrammentwurf-2021/

Zitat
Wieso sieht er die nicht als Alternative?

Das liegt hauptsächlich daran, dass die Leute sich heute über soziale Medien bzw alternative Medien informieren und die Linke dort nicht präsent ist bzw keine Influencer hat.

Zitat
Die müssten viel offensiver ihren Kurs vertreten, und auch mal auf die Straße und, ja, vor die Betriebe, um ihre Vorhaben kund zu tun.

Sagt einer, der daheim hockt und seinen Arsch nicht hoch kriegt. Wenn Du nur ein bisschen Ahnung hättest von der Linken, dann wüßtest Du, dass die Linke auf zahlreichen Demos präsent ist. Zur Mietenfrage haben sie hier in Nürnberg sogar eine eigene Demo veranstaltet.

Zitat
Selbst bei Corona sind sie mehr oder weniger auf Regierungslinie.

Hauptsache gegen die Regierung“ ist kein fortschrittlicher Standpunkt, wenn er zugleich mit reaktionären Querdenker-Forderungen einhergeht. Die Linke tut gut daran, nicht die Querdenker-Forderungen zu vertreten, weil diese sich weitgehend mit den reaktionären Positionen der Unternehmerverbände BDI und BDA decken.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

bernie von zoom

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Re: Warum soll man als Leiharbeiter in einer DGB Gewerkschaft sein?
« Antwort #46 am: 11:37:31 Fr. 30.April 2021 »
Die Positionen der Parteien sind hier an anderer Stelle gepostet

Zitat
Linke und SPD haben ihre Entwürfe für das Wahlprogramm zur Bundestagswahl bereits veröffentlicht.
Bei Die Linke steht dieses
Zitat


        Lohndumping durch Werkverträge und Leiharbeit beenden. Wir wollen Leiharbeit verbieten. Bis zum Verbot der Leiharbeit müssen Leiharbeiter*innen ab dem ersten Tag die gleichen Löhne wie für Festangestellte plus eine Flexibilitätszulage von 10 Prozent erhalten.  Die Vergabe von Werkverträgen und der Einsatz von Leiharbeit müssen an die Zustimmung des Betriebsrates und die Einhaltung der im Kernbetrieb gültigen Tarifverträge gebunden werden. Um den Missbrauch von Werkverträgen zu unterbinden, muss die Beweislast künftig beim Arbeitgeber liegen. Das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz muss an den Arbeitsplatz statt an die Person der Beschäftigten gebunden werden. Die Vermittlung Erwerbsloser in Leiharbeit durch die Arbeitsagenturen und Jobcenter muss beendet werden.

https://www.die-linke.de/wahlen/wahlprogrammdebatte-2021/wahlprogrammentwurf-2021/gute-arbeit-gute-loehne-demokratie-gilt-auch-im-betrieb/


Dieses bei der SPD

Zitat

    Die Befristung von Arbeitsverhältnissen ohne einen Sachgrund werden wir abschaffen und die
    vom Gesetz akzeptierten Gründe für eine Befristung kritisch überprüfen. Leiharbeiter*innen
    werden ab dem ersten Tag den gleichen Lohn erhalten wie Festangestellte.

Quelle:

Das Zukunfts­programm der SPD für dich zum Download

gibt es hier

https://www.zukunftfuerdich.de/
https://forum.chefduzen.de/index.php/topic,330670.0.html


Von den Grünen gibt es dieses:

Wir sorgen für gute Arbeit und faire
Löhne
Mindestlohn anheben
Arbeit muss gerecht bezahlt werden. Und die Menschen brauchen gute Arbeitsbedingungen.
...

Leiharbeiter*innen sollen vom ersten Tag an den gleichen
Lohn für gleiche Arbeit bekommen wie Stammbeschäftigte – plus Flexibilitätsprämie.

https://www.gruene.de/artikel/wahlprogramm-zur-bundestagswahl-2021  > Hier findest Du den Programmentwurf in voller Länge als PDF

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Re: Warum soll man als Leiharbeiter in einer DGB Gewerkschaft sein?
« Antwort #47 am: 14:39:21 Sa. 22.Mai 2021 »
Die Gewerkschaft konnte mich nie großartig überzeugen, daß es besser ist da rein zu gehen. Die Rechtsberatung ist nicht immer lobenswert. Arbeitslose werden nicht beraten. Wofür haben die dann jahrzehntelang ihre Beiträge bezahlt, wenn sie in den Arsch getreten werden, wenn sie sie am meisten brauchen. Sind sie denn keine Arbeiter mehr, sobald sie ihren Job verlieren?
Die Streikergebnisse sind nicht die Wucht, die sie einmal war. Für mich kommt das nicht in Frage, da Mitglied zu werden. Die sind zu satt und zufrieden geworden. Der Biß ist raus und nun sind sie handzahme Schoßhündchen für AG's geworden.
Als die Arbeiter zu hunderttausenden auf der Straße landeten, zeigte sie, wie wenig ihnen am Arbeiter liegt.

counselor

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Re: Warum soll man als Leiharbeiter in einer DGB Gewerkschaft sein?
« Antwort #48 am: 15:15:01 Sa. 22.Mai 2021 »
Es ist aber auch ein Teil der Wahrheit, dass die Gewerkschaften durch die jahrzehntelange Massenarbeitslosigkeit an gravieren Macht verloren hat. Ich bin übrigens auch während meiner sechsjährigen Arbeitslosigkeit Mitglied bei Verdi geblieben.
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Onkel Tom

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Re: Warum soll man als Leiharbeiter in einer DGB Gewerkschaft sein?
« Antwort #49 am: 16:22:58 Sa. 22.Mai 2021 »
Die Gewerkschaft konnte mich nie großartig überzeugen, daß es besser ist da rein zu gehen. Die Rechtsberatung ist nicht immer lobenswert. Arbeitslose werden nicht beraten.

Wofür haben die dann jahrzehntelang ihre Beiträge bezahlt, wenn sie in den Arsch getreten werden, wenn sie sie am meisten brauchen. Sind sie denn keine Arbeiter mehr, sobald sie ihren Job verlieren ?
...

Jo, das in rot eingefärbte kann ich für Hamburg leider nur bestätigen und die Antwort auf deine Frage
würde ich vom DGB auch gern mal hören.. Das werden sie jedoch nicht tun und so verbleibt man auf
"scheinbare Elo-Beratung" die keine echte Elo-Beratung ist.. Leider arbeiten schon zu viele Instutitionen
so, das es kein Wunder ist, von gegenseitiger Unterstützung unter Erwerblosen abhängig wird / ist.

Elos.. Bildet Banden.. Ne Hand voll Mitstreiter_innen reicht, um sich der Einflussnahme zu widmen..  :)

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bernie von zoom

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Re: Warum soll man als Leiharbeiter in einer DGB Gewerkschaft sein?
« Antwort #50 am: 18:05:19 Sa. 22.Mai 2021 »
Egal ob LAN oder ELO, immer wieder das selbe Problem.
Um innerhalb der Gewerkschaften gehört zu werden braucht es Mitglieder, einer wird überhört und gilt schnell als Querulant. Zu zweit kannst du anfangen eine Gruppe oder "Bande" zu bilden. Die kann sich Gehör verschaffen.
Innerhalb verdi gehören die LAN zur Branche Leiharbeit, die gehört zum Fachbereich Besondere Dienste. https://besondere-dienste.verdi.de/branchen/zeitarbeit-leiharbeit
Viele LAN die schon Mitglied waren bevor sie in der Leihmühle gelandet sind wissen es nicht und sind in ihrem alten Bereich geblieben. Auch deshalb haben die LAN innerhalb verdi keine Stimme.
Viel besser verstanden haben es die internen der Leihbuden, Dispos und Co. Die gehören auch zur Branche Leiharbeit, dominieren das Thema innerhalb des FB. Die Jobs der internen werden mit besserer Bezahlung der LAN und weniger Leiharbeit als Folge unsicher. Da gibt es kein wirkliches Interesse an EP

Fritz Linow

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Re: Warum soll man als Leiharbeiter in einer DGB Gewerkschaft sein?
« Antwort #51 am: 18:16:19 Sa. 22.Mai 2021 »
(...)
Viele LAN die schon Mitglied waren bevor sie in der Leihmühle gelandet sind wissen es nicht und sind in ihrem alten Bereich geblieben. Auch deshalb haben die LAN innerhalb verdi keine Stimme.
(...)

Hat verdi schonmal die LAN darauf aufmerksam gemacht, dass sie in einen anderen Fachbereich gehören, in Rundmails oder in der verdi.publik? Das wäre ja mal ein Ansatz.

bernie von zoom

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Re: Warum soll man als Leiharbeiter in einer DGB Gewerkschaft sein?
« Antwort #52 am: 18:41:26 Sa. 22.Mai 2021 »
Stimmt, ein Artikel in der verdi.prawda, eine Rundmail, ein Flyer, das wären Ansätze.
Habe noch nie etwas davon gehört. Von dem höheren Weihnachtsgeld für Mitglieder ist auch nichts zu hören, die Info findet nur wer sie bereits kennt. Die internen der Leihbuden könnten hier im FB etwas bewegen wenn sie wollen.

verdi setzt bei der Mitgliedergewinnung auf Mitglieder werben Mitglieder. Hier vor allem auf Betriebsräte und Umfeld. In Bereiche ohne BR ist verdi blind. Auch das lässt sich nur mit Mitgliedern aus diesem Bereich drehen.

Fritz Linow

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Re: Warum soll man als Leiharbeiter in einer DGB Gewerkschaft sein?
« Antwort #53 am: 14:04:57 Mo. 31.Mai 2021 »
(...) Von dem höheren Weihnachtsgeld für Mitglieder ist auch nichts zu hören, die Info findet nur wer sie bereits kennt. Die internen der Leihbuden könnten hier im FB etwas bewegen wenn sie wollen.
(...)

Hab's gefunden:

Wer hat Anspruch auf den Mitgliedervorteil?

Leihbeschäftigte, die mindestens 12 Monate Mitglied in der IG Metall (und/oder einer anderen DGB-Gewerkschaft) sind, zum Stichtag 30. Juni beziehungsweise 30. November.

Mindestens 6 Monate Beschäftigungsdauer beim Verleiher, zum Stichtag 30. Juni beziehungsweise 30. November.

Der Verleihbetrieb muss tarifgebunden sein.

https://www.igmetall.de/tarif/tarifrunden/leiharbeit/leiharbeiter-bis-zum-31-mai-mitgliederbonus-sichern

oder hier: https://besondere-dienste.verdi.de/branchen/zeitarbeit-leiharbeit/++co++7f57577a-9134-11ea-a72b-001a4a160117

Alle paar Jahre Tarifverträge unterschreiben, die Equal Pay untergraben, dann für eine Mitgliedschaft eine kleine Sonderzahlung ausloben. Dann soll man noch seine Mitgliedschaft dem Verleiher mitteilen. Ich käme mir verarscht vor. Das mag in großen Betrieben relativ funktionieren, aber bei all den kleinen Klitschen, wo man schneller abgemeldet ist als man den Job angefangen hat, werden diese Extraprämien wohl keine Rolle spielen.
Außer Mitgliedergewinnung und Bejahung des Leihsklavensystems sehe ich da keine Strategie seitens des DGB, der Ausbeutung einen Riegel vorzuschieben, kann mich aber auch irren.

Fritz Linow

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Re: Warum soll man als Leiharbeiter in einer DGB Gewerkschaft sein?
« Antwort #54 am: 18:01:54 Di. 20.Juli 2021 »
Zitat
15.7.21
IG Metall: Lohnplus und Coronaprämie für Zeitarbeit bei VW

Nach dem Tarifabschluss für die Stammbelegschaft im April gibt es nun auch für die Zeitarbeiter des von VW genutzten Personaldienstleisters Autovision mehr Geld. Wie die IG Metall am Donnerstag mitteilte, ist für die Beschäftigten ab dem kommenden Januar ebenfalls eine Lohnerhöhung um 2,3 Prozent vorgesehen. (blablablupp)
https://www.jungewelt.de/artikel/406639.ig-metall-lohnplus-und-coronapr%C3%A4mie-f%C3%BCr-zeitarbeit-bei-vw.html

Es war nebenbei Volkswagen, das in den 90ern mit dem Konzept 5000x5000 zusammen mit IGM und Schröder die Weichen für die Agenda 2010 stellte. Wenn die jw nun selber von "Zeitarbeit" spricht und das nicht kritisch hinterfragt, dann...ach, egal.