Autor Thema: Faire Mobilität  (Gelesen 197 mal)

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 13298
  • Fischkopp
Faire Mobilität
« am: 11:15:00 Fr. 01.Juni 2018 »
Bei dem ganzen Schrott, den der DGB so tut, ist dies mal eine gute Sache:

Zitat
Wenn der Job zur Ausbeutung wird:
Projekt „Faire Mobilität in Thüringen“ hilft

Die Beratungsstelle „Faire Arbeit“ kümmert sich vor allem um Thüringer Beschäftigte aus dem osteuropäischen EU-Ausland.


Erfurt. Da war der Bauarbeiter aus Polen, der krank wurde und dem man einfach kündigte.

Da waren die Arbeiterinnen aus Rumänien, die in einer Wurstfabrik unterhalb des Mindestlohns arbeiteten.

Und da war die Frau, die mit dem Versprechen von guter Arbeit nach Deutschland gelockt worden war und dann anschaffen gehen sollte.

Um die 60 solche Fälle haben Natalja Scharonin und Delia Dancia im vergangenen halben Jahr bearbeitet. Seit November sitzen sie im Erfurter Bürohaus des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und kümmern sich vor allem um Arbeitskräfte, die aus dem osteuropäischen EU-Ausland kommen.
Manchmal an der Grenze zur Sklaverei

„Faire Mobilität“ heißt das nationale Programm, das der DGB von Berlin aus mit mehr als einem Dutzend Dependancen betreut. In Thüringen wird die Beratungsstelle bis 2019 vom Landesarbeitsministerium finanziert.

Worum geht es also? Oder, um es präziser zu formulieren: Wogegen? „Ausbeutung“, antwortet Delia Dancia nüchtern. „Manchmal grenzt sie sogar an moderne Sklaverei.“

Denn viele EU-Ausländer arbeiten in Deutschland – sei es als Erntehelfer, Pflegekraft oder Lkw-Fahrer –, ohne nur im Mindesten ihre Rechte zu kennen. Bezahlter Urlaub, Krankheitsgeld, Arbeitsschutz, gesetzlich festgeschriebene Arbeitszeiten, Ruhezeiten im Transportgewerbe und natürlich der Mindestlohn: Das alles wüssten die meisten nicht, egal ob sie nun einen deutschen Arbeitsvertrag besitzen oder über das Entsendegesetz ins Land kamen.

Hier sollen die beiden jungen Frauen helfen, die sich aus vielerlei Gründen in die Lage der Betroffen hineindenken und zuweilen auch einfühlen können. Dies hat, unter anderem, auch mit ihrer Herkunft zu tun. Natalja Scharonin ist in Kasachstan geboren, kam als Kind nach Thüringen und hat bei der Ausländerbehörde in Erfurt gearbeitet. Delia Dancia ist gebürtige Rumänin – und studierte Dolmetscherin und Übersetzerin. Da die beiden keine Juristinnen sind, bedienen sie sich im Bedarfsfall des DGB-Rechtsschutzes.

Das eine Schema, wie den Menschen zu helfen ist, gibt es nicht. Jeder Fall sei anders, sagen die beiden. Manchmal reiche ein Anruf beim Unternehmer, um ihn auf die Rechte der Arbeiter hinzuweisen. Manchmal müssen sie den Betroffenen helfen, eine Anzeige zu stellen. Und manchmal scheitern Natalja Scharonin und Delia Dancia auch an dem System, an dem am Ende alle anderen verdienen – auch die deutschen Verbraucher im Supermarkt.

Was die Beraterinnen ärgert: Im Unterschied zu Flüchtlingen, sagen sie, gebe es für EU-Ausländer kaum staatliche Integrationsgebote. Dabei sei die Zahl der Betroffenen groß: Laut Schätzungen arbeiten etwa 30 000 Menschen aus anderen EU-Staaten in Thüringen, vom Facharzt bis zur Putzfrau.

Das Projekt „Faire Mobilität in Thüringen“ ist bis Frühling nächsten Jahres finanziert.
Weitere Informationen: www.faire-mobilitaet.de
https://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/wirtschaft/detail/-/specific/Wenn-der-Job-zur-Ausbeutung-wird-Projekt-Faire-Mobilitaet-in-Thueringen-hilft-1048908477

Ein paar Bemerkungen noch:

Ich habe das in die Rubrik "Brummi" gestellt, obwohl die Kampagne auch für Bereiche wie Bau, Pflege und Fleischindustrie gilt. Ich habe die meisten Einblicke bei Fahrern und für die ist die Möglichkeit der Beratung absolut wichtig. Das wird in den anderen Branchen wohl nicht anders sein.

Beratung ist eigentlich der untere Level von dem, was im Bereich der Extremausbeutung von Osteuropäern in Deutschland nötig wäre. Mehr kann man vom DGB wohl auch nicht erwarten. Der weitaus wichtigere Schritt ist, die migrantischen Arbeitskräfte nicht nur als Opfer zu sehen, denen man mildtätige Hilfe zukommen läßt. Sie sind das Potential für neue Kämpfe. In dieser Richtung sollten wir den Kontakt suchen und die Möglichkeiten von Kämpfen ausloten.

Es gibt (insbesondere in der Fahrerwelt) einen starken Rassismus gegen Osteuropäer. In der linken Szene interessiert man sich auch lieber für Kurden, als für Osteuropäer. Wir müssen Kontakte knüpfen. Berichtet von solchen Gesprächen. Wir können davon nur lernen.


Fritz Linow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1583
Re: Faire Mobilität
« Antwort #1 am: 19:27:54 Fr. 07.Juni 2019 »
Höhö:
Zitat
7.6.19
Parkhaus wird nicht rechtzeitig fertig

Hiobsbotschaft von einer zentralen Baustelle in der Kieler Innenstadt: Das neue ZOB-Parkhaus wird nicht rechtzeitig zur Kieler Woche fertig. Die Bauarbeiter sind seit zwei Wochen verschwunden.(...)
https://www.kn-online.de/Kiel/ZOB-in-Kiel-Parkhaus-wird-nicht-rechtzeitig-fertig