Autor Thema: [DEKRA Arbeit GmbH] Skandal um Leiharbeit bei Mercedes in Rastatt – und die fals  (Gelesen 5489 mal)

Rappelkistenrebell

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[DEKRA Arbeit GmbH] Skandal um Leiharbeit bei Mercedes in Rastatt – und die falschen Konsequenzen der IG Metall



“Wer krank ist, der fliegt. Wer sich beklagt, fliegt. Sie werden um Arbeitsstunden und Urlaub betrogen. Doch wer zu oft nachfragt, fliegt. Unter den 1200 Leiharbeitern der Leihfirma DEKRA im Mercedes-Werk Rastatt herrscht ein Klima der Angst. Die IG Metall geht nun gemeinsam mit den DEKRA-Leiharbeitern die Missstände an. (…) Viele nehmen daher Urlaub, wenn sie krank sind, um ihren ohnehin befristeten Job nicht zu verlieren. Das weiß die IG Metall aus über 200 persönlichen Gesprächen. In einer “Blitz”-Aktion kamen letzte Woche rund 50 Sekretäre der IG Metall Baden-Württemberg drei Tage lang zu den Schichtwechseln vor die Werkstore, boten Sprechstunden in Werksnähe  für Leiharbeiter in an und besuchten sie zu Hause. (…) Und sie werden oft betrogen: Urlaubstage und Arbeitszeit verschwinden einfach von einem Monat zum nächsten Monat. Die Prüfung der oft völlig undurchsichtigen und wirren Abrechnungen und Stundenzettel deckte systematisch Unregelmäßigkeiten auf. Der Spitzenwert waren 14 Tage Urlaub, die ohne erkennbaren Grund auf einmal gestrichen waren. (…) Wer zu viel fragt, riskiert eine Abmahnung oder sofort die Kündigung. Zumindest gibt es dann keine Verlängerung der stets befristeten Arbeitsverträge bei DEKRA. Auch hier stellten die IG Metall-Sekretäre Unregelmäßigkeiten fest. Vertragsverlängerungen etwa wurden verfälscht oder vertuscht, etwa indem sie nach hinten datiert wurden, wodurch Leiharbeiter um ihre unbefristete Übernahme gebracht wurden. (…) Im September ist für alle erst mal Schluss. Mercedes baut einen Teil der Produktion um. Nach vier bis sechs Monaten Arbeitslosigkeit soll es dann weitergehen – für die meisten, erklärte DEKRA den Leihbeschäftigten auf Versammlungen Anfang Juni…” IG Metall-Beitrag vom 18.06.2018

https://www.igmetall.de/skandal-bei-mercedes-in-rastatt-leiharbeiter-ausgebeutet-27505.htm


– so weit, so schlecht, doch die IG Metall zieht ihre üblichen, falschen Konsequenzen:

Darin nämlich allerdings auch ein Loblied auf die “geregelte” Leiharbeit: “… Das Fazit der Gespräche mit den Leiharbeitern: Die Arbeit selbst bei Mercedes ist top. Leiharbeiter werden hier gut bezahlt – dank eines Tarifvertrags der IG Metall und einer Betriebsvereinbarung gibt es über 20 Euro in der Stunde – und sie werden von den Mercedes-Vorgesetzten gut behandelt. Anders als von ihren Personalverantwortlichen bei ihrer eigenen Firma DEKRA. Hier herrscht ein Klima der Angst…”
Doch die Ziele der IG Metall lauten weder Verbot der Leiharbeit noch Übernahme aller, sondern: “Wir wollen die DEKRA dazu bringen, dass sie mehr Transparenz gegenüber ihren Beschäftigten schafft und die Menschen respektvoll behandelt”, erklärt Heiko Maßfeller, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall-Geschäftsstelle Gaggenau. (…) Ziel des zweiten Blitzes war es auch, DEKRA-Beschäftigte als IG Metall-Mitglieder und Aktive zu gewinnen, um gemeinsam Verbesserungen bei DEKRA durchzusetzen“

Quelle

http://www.labournet.de/politik/alltag/leiharbeit/leiharbeit-gw/dekra-arbeit-gmbh-skandal-um-leiharbeit-bei-mercedes-rastatt-und-die-falschen-konsequenzen-der-ig-metall/
Gegen System und Kapital!


www.jungewelt.de

tleary

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  • Yellow Submarine
Wieder 'mal typische Klientelpolitik der Gewerkschaft. Und zynischerweise fordert sie die von der Gewerkschaft selbst durch Abschluß von Tarifverträgen mit den Leiharbeitgebern geschaffenen "Arbeiter 2. Klasse" auch noch auf, diesen Verhältnissen durch aktiven Beitritt und Beitragzahlung zuzustimmen.
»Wir wissen, so wie es ist, kann es nicht weiter gehen. Aber es geht weiter.«
(Autor unbekannt)


karl.

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Hallo,

hier noch zwei Meldungen der IGM und des BR von Mercedes Rastatt zu dem Thema Übernahme:
zuerst am 23.09.

https://www.gaggenau.igm.de/news/meldung.html?id=100792

und dann am 29.09.2021

https://www.gaggenau.igm.de/news/meldung.html?id=100840

Es gab anscheinend eine Vereinbarung des BR mit Mercedes zur Übernahme der Leiharbeiter (wieviele geht aus den link nicht hervor).

Interessant wäre es mal zu wissen welche Rolle die Leiharbeiter dabei selbst gespielt haben? Sind die aktiv geworden und haben sie sich beim BR gemeldet oder waren sie nur passiv und abwartend geblieben?

Versuchen sie jetzt nicht nur zahlendes Mitglied der IGM zu werden oder zu bleiben sondern auch z.B sich in der IGM aktiv zum Thema Leiharbeit einzubringen?

Das eingestellte ZOOM-Netzwerk hatte ja nicht nur eine Internetfunktion sondern die Bildung von bundesweiten Arbeitskreisen auf Geschäftsstellenebene. Es gab davon meines Wissens die ersten Jahre ca. 15 solcher AK MiZ (Arbeitskreis Menschen in Zeitarbeit). Z.Zt. sind mir noch max. 5 bekannt. Drei davon in Bayern. Allerdings durch Corona arg dezimiert.

Auch bei Chefduzen hat das Thema ziemlich nachgelassen.






Onkel Tom

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Und 202 Mitarbeiter bleiben auf der Strecke.. Dem "Gewerkschaftswimpel" entsprechend
müssen die anderen Leiharbeitnehmer_innen mit "Mehraufwannd" darauf hoffen, das sie
nicht vom Leihai gewechselt werden.. Tolle Aussichten.  :(
Lass Dich nicht verhartzen !

Kuddel

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  • Fischkopp
Auch bei Chefduzen hat das Thema ziemlich nachgelassen.

Stimmt.

In den Bereichen, in denen sich etwas tut, wird auch berichtet und diskutiert, wie bei den Radkurieren oder den Krankenhausbeschäftigten. Diese Bewegungen sind auch nicht "von selbst" entstanden, sondern es hat eine kleine Minderheit viel Wühlarbeit im Vorfeld gemacht.

Bei der Leiharbeit ist alles sehr abgeflaut. Diejenigen, die ich kenne, die sich in dem Bereich besonders engagiert haben, haben den Kopf in den Sand gesteckt. Das wirkt sich wohl auch auf die Stimmung der Kollegen in der Branche aus. Man sollte überlegen, ob man das Thema nicht wieder anstoßen sollte, auch wenn es zur Zeit so wenig angesagt ist.

karl.

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Zitat
Bei der Leiharbeit ist alles sehr abgeflaut. Diejenigen, die ich kenne, die sich in dem Bereich besonders engagiert haben, haben den Kopf in den Sand gesteckt. Das wirkt sich wohl auch auf die Stimmung der Kollegen in der Branche aus. Man sollte überlegen, ob man das Thema nicht wieder anstoßen sollte, auch wenn es zur Zeit so wenig angesagt ist.

Ich denke es ist nicht "der Kopf im Sand". Es gibt objektive Gründe.

Um es mal an ein paar Beispielen aus dem Bereich der IG Metall zu veranschaulichen:

a) Corona hat bestehende Strukturen (Arbeitskreise zum Thema) erheblich eingeschränkt. Bisher stattfindende AK`s  (pro Jahr 6x) wurden auf 2x reduziert. Hat einer der wenigen interessierten LAN Wechselschicht kann es sein, dass er im ganzen jahr keine Möglichkeit hat teilzunehmen. Manche AK`s wurden dann einfach eingestellt. Also überhaupt kein Angebot gemacht.

b) Die Kontakte zu LAN haben in unserem Bereich vor allem über die Großbetriebe stattgefunden. Z.B. ein Airbus - Betrieb bei uns hatte bis zu 1000 LAN. Davon hatten sich in den letzten Jahren ca. 10 LAN bei uns eingebracht (und das über mehrere Jahre). Manche wurde in der Zwischenzeit übernommen und blieben trotzdem aktiv im AK. Inzwischen wurden alle  abgemeldet (ca. 200 davon konnten unmittelbar an andere Entleihbetrieb weitervermittelt werden). Die übernommenen und noch aktiven LAN bei uns im AK haben die Abfindungsangebote angenommen und sind wieder in ihre Heimatgegenden zurückgegangen (fast alle im Norden). Die Kontakte konnten nicht aufrecht erhalten werden (spezifisches Leiharbeitsproblem).
Nebenbei bemerkt: Parallel zur Abmeldung der 1000 LAN (im Zeitraum von zwei Jahren) haben auch 1000 Stammarbeiter die Abfindungdangebote plus Frühverrentung angenommen.

c) Aus Kleinbetrieben gab es in meinen ganzen zwanzig Jahren seit ich mich mit dem Thema beschäftige nur ganz vereinzelt Kontakte zu LAN. Man kann vielleicht bei solchen Einzelfällen konkrete Hilfe leisten, aber organisatorisch (damit meine ich nicht Mitgliederwerbung) hat das keine Machhaltigkeit.

d) Die letzten TV-Abschlüsse in der Leiharbeit wurden Ende 2019 getätigt mit einer Laufzeit bis Ende 2022. Also 3 Jahre Laufzeit (mit jährlichen automatischen Erhöhungen). Damit verschwindet die Wahrnehmung der Tarifverträge bei den LAN und auch in der Öffentlichkeit.

Im nächsten Jahr wird es zwei aktuelle Themen geben die das Thema Leiharbeit wieder öffentlich bemerkbar machen werden:

1. Die Entscheidung der EGH zu equal-pay (Interpretation der EU-Richtlinie zu equal-pay). Wird keine abschließende Entscheidung sein sondern ein Auftrag das deutsche AÜG darauf hin zu ändern oder auch nicht.

2. Die Evaluierung (Überprüfung) des 2017 geänderten AÜG (vor allem die Höchstüberlassungsdauer).

Es gibt keinen Grund den Kopf in den Sand zu stecken.