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Hat jemand Erfahrung mit Unterstützter Beschäftigung?

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Die_Entfremdete:
Ich soll die Maßnahme „Unterstützte Beschäftigung“ nach § 55 SGB IX absolvieren und ich bin schon ganz nervös, weil es die Aufgabe der Pädagogen dort ist, meine Einschränkungen und Behinderungen im Berufsleben zu verringern bzw. abzustellen. Es geht mir darum, dass ich gewisse Einschränkungen/Grenzen der Belastbarkeit habe, die nicht zu ändern sind. Eine Wesentliche davon ist, dass wenn man mich unter Druck setzt, z. B. indem man mir sagt, dass ich zu langsam arbeite, dann fange ich an, mich zu beeilen, aber wenn ich gezwungen werde, schneller arbeiten zu müssen, als es meinem eigenen Tempo entspricht, dann entwickele ich sehr starke Rücken- und Kopfschmerzen und muss jeden Tag ständig unter diesen Schmerzen leiden und die Pädagogen glauben mir das nicht, sondern halten mich für eine Querulantin, die man treten muss.

Ich habe richtig Angst vor dem ganzen Ärger, der mich wieder erwartet. Ich kann nicht mehr. Ich bin 41 Jahre alt und leide unter chronischen leichten körperlichen Rückenbeschwerden, aber bei körperlichen und psychischen Belastungen und der Aufforderung, schneller zu arbeiten werden diese Beschwerden sehr viel schlimmer.

Bestimmte gesundheitliche Einschränkungen kann ich nicht verändern, nicht weil ich rebellisch und unmotiviert bin, sondern weil mir mein Körper klare Grenzen setzt und wenn ich diese Grenzen ignoriere, rebelliert der Körper nur noch mehr bis zur Arbeitsunfähigkeit.

Ich habe Angst, dass die Pädagogen es nicht respektieren, wenn ich Grenzen setzen will. Dass sie mich nicht ernst nehmen und denken, man müsse mich nur mehr zur Härte gegen mich selbst erziehen.

Das ist glaube ich deren Hauptauftrag: Ich soll hart wie Kruppstahl und zäh wie Leder werden, um die Anforderungen der Arbeitswelt auszuhalten. Das ertrage ich einfach nicht mehr länger.

Die einzige Alternative zu dieser Maßnahme ist laut Arbeitsagentur die Behindertenwerkstatt, wo ich erst recht auf keinen Fall hingehen will. Die Pädagogen dort werden mich auch fertig machen.

Hat jemand hier Erfahrungen mit dieser Maßnahme?

counselor:
Ich habe zwar keine Erfahrungen mit der Maßnahme, aber Pädagogen können grundsätzlich keine Krankheiten heilen. Wenn die Dich in der Maßnahme tatsächlich reintreiben sollten, dann läßt Du Dich vom Arzt krankschreiben.

tleary:
Erste Frage: Ist die Maßnahme freiwillig? - Glaube nicht, nachdem ich den Gesetzestext gelesen habe. Allerdings steht da auch nichts von "Sanktion", wenn sie der Betroffene verweigert.
Zweite Frage: Mußt/mußtest du dafür etwas unterschreiben?
Dritte Frage: Wurde dafür eine neue EGV verfasst? - Falls ja, würde ich die NICHT unterschreiben, da du dir damit jegliche Möglichkeiten des Einspruchs nimmst. Erstmal zum "prüfen lassen" mit nach hause nehmen, und Zeit gewinnen.

Schaut insgesamt nach "Verfolgungsbetreuung" aus. Da wirst du vermutlich wie ein kleines Kind (oder Geisteskranker) behandelt werden. Ich würde versuchen, die Maßnahme auf jeden Fall zu vermeiden.

Als erstes: KEINE Unterschriften leisten, und warten, wie der SB/das Jobcenter darauf reagiert.
Insgesamt müsstest du jemanden fragen, der sich besser mit der Materie auskennt als "wir". Im ELO-Forum wirst du da eher fündig. Da sitzen eher die "Gesetzbuchhengste". Wir sind ja mehr so der politisch-agitatorische Arm der ELO's. :)

Edit:
O Mann, da hat sich ja schon eine richtige Industrie um dieses "Unterstützte Beschäftigung" gebildet. Sogar ein Bundesverband (als eingetragener Verein - womöglich noch "gemeinnützig" ...haha) als Lobbyvertreter ist gegründet: https://www.bag-ub.de/ub
Die wieder von der Backe zu bekommen, wird sicher keine leichte Aufgabe werden.
Was immer wieder betont wird, ist daß sie dem Behinderten nur "helfen wollen" und ihm "die Wahlmöglichkeiten lassen":

--- Zitat ---Unterstützte Beschäftigung hat zum Ziel, Wahlmöglichkeiten und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen zu sichern und ihnen damit eine inklusive Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen.

--- Ende Zitat ---
Na, dann müsste man die Maßnahme doch auch ablehnen können dürfen als mündiger Bürger....

rebelflori:
Pauschal kann man sagen das 95 Prozent der Maßnahmen scheiße sind, 5 Prozent sind echt gute Maßnahmen.
Überlegen wir doch mal was dir helfen würde. Mir würden Massagen, Sport und kostenloses Mittag essen einfallen.
Liefert der Maßnahmen träger das nicht unterschreibst du nicht.
Unterschätze bitte das Mittag essen nicht. Daran kann man eigentlich ziemlich gut sehen, ob sie dir wirklich helfen wollen.

tleary:

--- Zitat von: rebelflori am 13:02:52 Do. 19.Juli 2018 ---Unterschätze bitte das Mittag essen nicht. Daran kann man eigentlich ziemlich gut sehen, ob sie dir wirklich helfen wollen.

--- Ende Zitat ---
Jo.  :) - Kostenlose Sachen sind für Hartz-IV-Empfänger quasi essenziell, und helfen dem Betroffenen tatsächlich.
Und gegen eine gute Ganzkörpermassage hat bestimmt niemand etwas einzuwenden.
Beides wären wirklich sinnvolle Dinge, um die Grundstimmung eines Kranken nachhaltig zu verbessern. Zumindest letzteres wird aber wohl kaum angeboten werden.
Aber du sagst es ja schon: 95 % der Maßnahmen sind scheiße, und dienen nur zum Erhalt der Stellen in der "Betreuungsverfolgungsindustrie" selbst.

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