Autor Thema: Arbeitskampf bei Automobilzulieferer Neue Halberg Guss  (Gelesen 5359 mal)

counselor

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Re:Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #15 am: 18:17:52 Do. 28.Juni 2018 »
Durch solche Kämpfe lernen die Arbeiter ihren Feind kennen. Dazu zählt auch die Polizei.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Fritz Linow

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Re:Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #16 am: 23:01:05 Do. 28.Juni 2018 »
Dieser Streik bei Halberg Guss ist erfrischend und inspirierend. Eine Streiktonne zur rechten Zeit gelöscht liefert schöne Bilder:

(aus der täglich erscheinenden Streikzeitung)

Und auch sonst klingt das alles ganz gut:
Zitat
(…)
Das Angebot von Anwältin Birnbaum, 3000 Euro an denjenigen zu zahlen, der den Strom im Werk wieder zum Laufen bringt, sorgt für Gelächter.
(…)
https://kreuzer-leipzig.de/2018/06/28/streik-halberg-guss-bernd-kruppa/

Anwältin Birnbaum arbeitet übrigens hier: https://fps-law.de/de/anwaelte-notare/monika-birnbaum.html

Im azur-100-Ranking 2018 gehört diese Klitsche zu den Top-Arbeitgebern, weil wohl immer wieder Gelegenheiten geboten werden sich zu beweisen, wie man andere ausbeutet.

Rappelkistenrebell

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Re:Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #17 am: 17:42:41 Sa. 30.Juni 2018 »
EISENACH / LEIPZIG
Vertrauensleute von Opel Eisenach besuchen Halberg-Gus-Belegschaft
Am Freitag, den 29. Juni, machten sich 15 Vertrauensleute von Opel Eisenach auf, um den streikenden Kolleginnen und Kollegen bei Halberg Guss in Leipzig einen Solidaritätsbesuch abzustatten.


Korrespondenz aus Eisenach
Samstag,  30.06.2018,  11:47 Uhr


Die Delegation der Eisenacher Opelaner bei den Streikenden von Halberg Guss in Leipzig (rf-foto)

Streik legt Produktion bei Opel lahm
Die aufgrund des Streiks fehlenden Motorblöcke hatten die Produktion bei Opel Eisenach im Laufe der Woche zum Erliegen gebracht, sodass die Zeit gut genutzt werden konnte. Die Delegation wurde sehr freundlich von einer Versammlung der Streikenden empfangen.

Solidarität wächst
Die Anwesenheit beim Streik läuft entsprechend den jeweiligen Schichten. Vor Ort werden die Verpflegung und die Öffentlichkeitsarbeit organisiert. Die Kolleginnen und Kollegen haben inzwischen schon viel Erfahrung im Streiken. Sie berichten: Immer wieder kommen Menschen vorbei, die Geld- und Sachspenden abgeben wollen. Vorbeifahrende Autos hupen, wenn auch nicht mehr so häufig wie in den ersten Tagen als der Streik neu war. Die Streikenden sind zuversichtlich, bis zu den Werksferien durchzuhalten. Sie sind stolz auf ihre hochqualifizierte Arbeit in der Gießerei und gehen davon aus, dass diese Arbeit auch in Zukunft gebraucht wird. Sie kämpfen um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.

 Nach fast drei Stunden wurde die Delegation aus Eisenach herzlich verabschiedet, nicht ohne ebenfalls eine Spende für die Streikkasse abzugeben.

Quelle

https://www.rf-news.de/2018/kw26/vertrauensleute-von-opel-eisenach-besuchen-halberg-gus-belegschaft
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Rappelkistenrebell

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Re:Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #18 am: 20:02:21 Sa. 30.Juni 2018 »
Wer nicht hin kann, um die Kollegen zu unterstützen, kann hier unterschreiben....

APPELL: SOLIDARITÄT MIT DEN STREIKENDEN KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN BEI DER NEUEN HALBERG GUSS GMBH

https://www.openpetition.de/petition/online/solidaritaet-mit-den-streikenden-kolleginnen-und-kollegen-bei-der-neuen-halberg-guss-gmbh

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Fritz Linow

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Re:Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #19 am: 00:38:27 So. 01.Juli 2018 »
Nochmal zu der Blockade etwas aus Fratzenbuch:
Zitat
Mir wurde berichtet, dass alle Kollegen einen Brief per Post erhalten haben, in dem man ihnen mitteilte, dass dieser Streik und vor allem die Blockade eine strafrechtliche Seite habe und man die Rätelsführer dieser Aktion zu nennen habe. Anzeigen sind wohl schon von der Geschäftsleitung getätigt worden und am Montag gibt es auf dem Arbeitsgericht in Leipzig schon eine erste Verhandlung.
"Ja sie wollen uns nun kriminalisieren, nur weil wir um unser Recht kämpfen wollen" .

https://www.facebook.com/maritta.bruckner/posts/806866752853260

Hier wird nochmal das ganze Dilemma der teutonischen Arbeitskampfpraxis deutlich. Angst, Einschüchterung, Zuckerbrot und Peitsche. Das funktioniert alles seit Jahrzehnten unter anderem wegen Hans Carl Nipperdey, der als Jurist in den 30ern die Grundlagen des nationalsozialistischen Arbeitsrechts und später in den 50ern das Recht auf Schadenersatz etablierte. In eben dieser Tradition befindet sich anscheinend (nicht nur) die Anwaltsbude FPS Fritze Wicke Seelig Partnerschaftsgesellschaft von Rechtsanwälten mbB.

Rappelkistenrebell

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Fritz Linow

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Re:Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #21 am: 19:49:13 Mo. 02.Juli 2018 »
Zitat
2.7.18
„Jetzt geht‘s ums nackte Überleben“

Seit beinahe drei Wochen wird der Automobilzulieferer „Neue Halberg Guss GmbH“ in Leipzig bestreikt. Zwischenzeitlich drohte die Situation zu eskalieren. Nach wie vor ist die Lage sehr angespannt und die Belegschaft äußerst kämpferisch. (...)
http://lowerclassmag.com/2018/07/jetzt-gehts-ums-nackte-ueberleben/

Rappelkistenrebell

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Re:Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #22 am: 19:45:56 Mi. 04.Juli 2018 »
Aus: Ausgabe vom 05.07.2018, Seite 5   / Inland

Prämien für Denunzianten
Autozulieferer Halberg-Guss wirft Streikenden Sabotage vor und droht mit Anzeige
Von Susan Bonath


Der Arbeitskampf bei der Gießerei Halberg-Guss wird mit harten Bandagen geführt: »Streitgespräch« am 26. Juni vor dem Werkstor in Leipzig
Foto: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

Der seit drei Wochen andauernde unbefristete Streik beim Automobilzulieferer Neue Halberg-Guss GmbH (jW berichtete) setzt dem Unternehmen und dessen Abnehmern immer mehr zu. Geschäftsführer Alexander Gerstung versucht dies auf seine Weise zu lösen. In einem Brief erhob er den Vorwurf, Streikende hätten in den Werken Leipzig und Saarbrücken Produktionsmittel sabotiert. Beschäftigten bot er bis zu 2.500 Euro an, wenn sie Sabotageakte meldeten und Kollegen denunzierten. Zudem kündigte er an, deshalb Strafanzeige zu stellen.

Angeblich habe das Unternehmen eine sechsstellige Summe ausgeben müssen, um während des Streiks verursachte Schäden zu beheben, sagte Gerstung am Mittwoch in einem Interview mit Bild. Gegenüber dem MDR hatte er zuvor erklärt, Arbeiter hätten die Elektrik manipuliert und mit Gabelstaplern die Feuerwehreinfahrten des Betriebes in Leipzig blockiert. Auch diese Fahrzeuge seien beschädigt. »Das ist kein Kavaliersdelikt mehr oder Streikfolklore, sondern ein Straftatbestand«, wetterte Gerstung.

In Bild klagte der Geschäftsführer zudem über den »Forderungskatalog« der IG Metall. Dieser sei angesichts der für Ende 2019 geplanten Schließung des Leipziger Werkes »utopisch, wie aus dem Schlaraffenland«. Auch von der Politik zeigte sich Gerstung enttäuscht. Er habe Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung und Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (beide SPD) »persönliche E-Mails geschickt und keine Antwort bekommen«. Für den Manager ist es »eine Frechheit, wenn man nur mit Arbeitnehmervertretern spricht und das für populistische Meinungsäußerungen nutzt«. Gehe der Streik weiter, werde man das Unternehmen wohl vorher abwickeln müssen, drohte er.

Die Vorwürfe der Geschäftsleitung seien »komplett an den Haaren herbeigezogen«, hielt Bernd Kruppa von der IG Metall Leipzig am Mittwoch im Gespräch mit jW dagegen. Die Gabelstapler seien einsatzfähig, und bei der angeblichen Blockade habe es sich um eine angemeldete Demonstration gehandelt, erklärte er. Deren Ende habe das Unternehmen per einstweiliger Verfügung erzwingen wollen. Fraglich sei, »ob das überhaupt rechtmäßig war«, führte Kruppa aus. Darüber verhandelte das Arbeitsgericht Leipzig am Montag, fällte aber keine Entscheidung. Fakt sei, so der Gewerkschafter: »Statt ernsthaft mit den Streikenden zu verhandeln, setzt Halberg-Guss auf juristische Scharmützel. Es geht der Firmenleitung nur darum, uns einzuschüchtern und zu kriminalisieren.«

Insgesamt sind 2.000 Arbeitsplätze bedroht. Von den 700 Beschäftigten in Leipzig gehören laut Gewerkschaft 620 zur Stammbelegschaft, die anderen seien Leiharbeiter. Halberg-Guss will das Leipziger Werk komplett schließen, in Saarbrücken ist vorerst die Rede vom Wegfall von 300 Jobs. Allerdings will die Firmenleitung in den kommenden Wochen mit dem Eigentümer, der Prevent-Gruppe, entscheiden, ob doch das ganze Unternehmen abgewickelt wird. Die IG Metall fordert einen Sozialplan und einen Treuhandfonds, aus dem Abfindungen gezahlt werden sollen. Die Angebote des Unternehmens sind für die Gewerkschaft schlicht »ein Witz«. Die Einladung der Kapitalseite zu einem »runden Tisch« am gestrigen Mittwoch schlugen die Streikenden aus.

Kruppa betonte: »Zur Zeit stehen beide Standorte still, und es gibt keine Streikbrecher.« Das wirkt sich bereits auf die Abnehmer der dort produzierten Motorenteile aus. Aufgrund der Lieferengpässe ruht seit letzter Woche die Produktion bei Opel in Eisenach. Man habe wegen des Arbeitskampfes bei Halberg-Guss die Sommerschließtage vorgezogen, bestätigte ein Firmensprecher am Dienstag gegenüber dem MDR. Beeinträchtigt ist demzufolge auch die Produktion bei VW in Hannover und beim zur Volkswagen-Gruppe gehörenden schwedischen Lkw-Hersteller Scania.

Quelle

https://www.jungewelt.de/artikel/335384.prämien-für-denunzianten.html
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Kuddel

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Re:Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #23 am: 20:26:11 Mi. 04.Juli 2018 »
Es ist viel zu wenig bekannt, daß auch in Deutschland Sabotage zu einem genutzten Mittel der Arbeiter gehört.
In den DGB Gewerkschaften will man davon nichts wissen und unter Linken weiß man nichts davon, weil man sich nicht darum schert, was in Betrieben abgeht.

Zitat
Kruppa betonte: »Zur Zeit stehen beide Standorte still, und es gibt keine Streikbrecher
Das ist wirklich beeindruckend!

Fritz Linow

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Re:Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #24 am: 13:53:40 Fr. 13.Juli 2018 »
Bizarres Bettelfilmchen des Deutz-Vorstandsvorsitzenden, man möge den Streik doch bitte beenden:
https://www.youtube.com/watch?v=B7nUO_2nWEc
Setzen Sie diesem Wahnsinn ein Ende!' (DEUTZ AG, Dr.-Ing. Frank Hiller) zum Streik bei NHG

Gericht hat entschieden, dass weitergestreikt werden kann:
https://www.igmetall-bbs.de/aktuelles/meldung/ig-metall-kuendigt-fortsetzung-des-streiks-bei-neue-halberg-guss-an/

Kuddel

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Re:Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #25 am: 16:36:51 Fr. 13.Juli 2018 »
Eine beeindruckende Entwicklung.

14.6.
Zitat
Arbeitskampf bei Halberg Guss eskaliert
25.6.
Zitat
VW und Opel warnen vor Eskalation bei Halberg-Guss
30.6.
Zitat
Ungebrochene Solidarität mit Halberg Guss Leipzig
5.7.
Zitat
An den Tisch gestreikt
10.7.
Zitat
Lage bei Neue Halberg Guss wird immer brenzliger
13.7.
Zitat
Deutz-Chef nennt Streik bei Halberg Guss "Wahnsinn"
13.7.
Zitat
Lafontaine fordert Verstaatlichung der Neuen Halberg Guss








Möge es Schule machen!


Fritz Linow

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Re:Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #26 am: 22:13:08 Fr. 13.Juli 2018 »
Am besten an diesem weinerlichen Bettelfilmchen des Deutz-Schwachmaten ist ja, dass er am Ende nochmal betont, dass heutzutage alles globalisiert ist, alles voneinander abhängt (und dass ein Streik deswegen nur kontraproduktiv und nicht mehr zeitgemäß sei.) Umgekehrt wird anscheinend ein Schuh draus.

Fritz Linow

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Re:Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #27 am: 20:51:37 So. 15.Juli 2018 »
Auch die (nicht nur) trotzkistische Sicht der Dinge will und sollte gehört werden, denn die Frage, welche Rolle die IGM spielen will und muss, wird nun immer wichtiger. Im Zweifelsfall wird alles beim alten bleiben.

Zitat
14.7.18
IG Metall akzeptiert Massenentlassungen und Werksschließungen
(...)
Viele Arbeiter nahmen am Donnerstag die Erklärung der World Socialist Web Site zur „Verteidigung aller Arbeitsplätze bei Halberg-Guss“ mit. Darin ruft die Sozialistische Gleichheitspartei (SGP) die Arbeiter auf, mit den Gewerkschaften zu brechen und unabhängige Fabrikkomitees aufzubauen. „Kein einziger Arbeitsplatz darf dem Profitstreben geopfert werden. Dem Preiskampf und Handelskrieg von Unternehmen und Gewerkschaften müssen die Beschäftigten die internationale Einheit der Arbeiter entgegensetzen. Die Fabrikkomitees müssen sofort Kontakt zu den Kollegen bei VW, Opel, Daimler und Zulieferern auf der ganzen Welt aufnehmen und einen gemeinsamen Kampf organisieren.“
(...)
http://www.wsws.org/de/articles/2018/07/14/nhg1-j14.html

Nichts leichter als das.

Kuddel

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Re:Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #28 am: 09:07:04 Mo. 16.Juli 2018 »
Tja, die Trotzkisten bringen gerne gute und treffende Analysen. Aber sie spielen praktisch keinerlei Rolle an der Basis, haben kaum Verankerung in den Kämpfen und praktisch keine in den Betrieben. Sie sind zu beschäftigt damit, in linke Organisationen einzutreten, um da Posten zu übernehmen und von Führungspositionen zu träumen. Schade.

Fritz Linow

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Re:Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #29 am: 12:49:21 Fr. 20.Juli 2018 »
In der FAZ gibt es mittlerweile auch eine Bettelanzeige der Kunden von Halberg Guss mit ähnlichen Worten, die der Deutzlappen neulich benutzte: