Autor Thema: Automobilsubunternehmen und - Zulieferer  (Gelesen 1861 mal)

Kuddel

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Automobilsubunternehmen und - Zulieferer
« am: 12:08:20 So. 22.Juli 2018 »
Die wohl bedeutendste Industriebranche des Landes erbeitet seit Jahren recht erfolgreich mit der Schrumpfung der Stammbelegschaft und dem Outsourcing und der Fremdvergabe. Doch in letzter Zeit wird es an den prekären Rändern dieser Branche immer unruhiger und Leiharbeiter, Zulieferer und Outgesourcte beginnen sich zu wehren. Deshalb starte ich einen neuen Thread zu diesem Thema.

Zitat
Proteste in Dingolfing



Mit Trillerpfeifen und großen Bannern versammeln sich am Donnerstag 50 Beschäftigte der ISS Automotive Services am Dingolfinger Marienplatz.
Sie kämpfen für mehr Lohn.
Seit 2011 ist die ISS als Dienstleister für die BMW-Werke in Dingolfing und Landshut tätig.
Die Beschäftigten erledigen alle technischen Reinigungsarbeiten in den Werken, meistens nachts und am Wochenende.
Der Protest richtet sich gegen die Geschäftsführung von ISS:
Die hat laufende Tarifverhandlungen am Mittwoch einfach eingestellt.
Mit weiteren Aktionen könnten die Reinigungstrupps die Produktion beim niederbayerischen Autohersteller empfindlich stören.
https://www.radio-trausnitz.de/proteste-in-dingolfing-38004/ https://www.radio-trausnitz.de/proteste-in-dingolfing-38004/

" könnten die Reinigungstrupps die Produktion beim niederbayerischen Autohersteller empfindlich stören"
Cool. Eine kleine Zahl outgesourcer Reinigungskräfte kann einen großen Konzern "empfindlich stören".  ;D

Hintergrund:
Die ISS Facility Services Holding GmbH ist ein Serviceunternehmen im Bereich Gebäudemanagement mit Sitz in Düsseldorf. Die Dienstleistungen umfassen Reinigung, technisches Gebäudemanagement, Catering, Sicherheitsdienste und Support Services.
Im Geschäftsjahr 2016 erwirtschaftete ISS in Deutschland einen Umsatz von 332 Millionen Euro und beschäftigte über 8.500 Mitarbeiter.
Der Mutterkonzern ISS A/S wurde 1901 in Kopenhagen, Dänemark, gegründet. Der Eintritt in den deutschen Markt erfolgte 1960. Mittlerweile ist ISS in mehr als 75 Ländern weltweit vertreten.

Vor einem Jahr:
Zitat
Werkverträge
Neue Klagewelle gegen Daimler

Daimler hat massive Probleme mit ehemaligen Mitarbeitern, die als externe Werkvertrags-Kräfte bei dem Autokonzern arbeiten. Nach WirtschaftsWoche-Informationen drohen Dutzende Klagen.


Mehr als 30 Mitarbeiter des Dienstleisters ISS Automotive Services, die unter anderem in Stuttgart-Möhringen für den Autokonzern tätig sind, wollen sich nach WirtschaftsWoche-Informationen bei ihrem früheren Arbeitgeber einklagen und wieder Teil der Daimler-Stammbelegschaft werden. Daimler hatte seine Gebäudedienstleistungsmannschaft 1996 in ein Tochterunternehmen ausgelagert und dieses mit rund 600 Mitarbeitern 2007 an die ISS-Group mit weltweit 500.000 Mitarbeitern verkauft.

Die Kläger wechselten dabei den Arbeitgeber, blieben aber nach ihrer Beschreibung unter kaum veränderten Umständen an ihren Arbeitsplätzen. Nach Auffassung ihrer Anwälte, der Stuttgarter Arbeitsrechtler Walter Törmer und Stefan Nägele, waren sie so eng in die internen Arbeits- und Weisungsstrukturen integriert, dass faktisch nicht ISS, sondern Daimler ihr Arbeitgeber ist.

Träfe das zu, läge ein Missbrauch des Werkvertragsprinzips vor, das eine volle Integration in die Abläufe des Auftraggebers verbietet. Ein Konzernsprecher bestreitet den Vorwurf und erklärt auf Anfrage, „dass die Arbeitsverhältnisse werkvertragskonform sind“. Daimler beziffert die Zahl der Verfahren auf 24. Vier davon hat der Konzern in erster Instanz gewonnen, sie gehen in eine zweite Runde.


Fünf neue Verfahren sollen am 25. Juli vor dem Arbeitsgericht Stuttgart verhandelt werden. Anwalt Nägele ist für Daimler kein Unbekannter: Der Arbeitsrechtsspezialist hat bereits für rund 50 Daimler-Werkverträgler und scheinselbstständige Testfahrer feste Arbeitsverträge und teilweise sechsstellige Lohnnachzahlungen erstritten.
https://www.wiwo.de/unternehmen/auto/werkvertraege-neue-klagewelle-gegen-daimler/20062316.html

Zitat
Klagen gegen Daimler und BMW
Werkvertrags-Arbeiter proben den Aufstand

Neben dem Abgasskandal und dem Kartellverdacht droht Daimler eine weitere teure Baustelle: Dutzende von Werkvertragskräften wollen sich in die Stammbelegschaften einklagen. Am Dienstag starten fünf Verfahren vor Gericht.


Der Stuttgarter Arbeitsrechtler Stefan Nägele ist ein guter Bekannter für die Juristen von der Rechtsabteilung des Daimler-Konzerns. Für rund 50 ehemalige Daimler-Werkvertragskräfte und scheinselbständige Testfahrer hat Nägele in den vergangenen Jahren Arbeitsverträge und Lohn-Nachzahlungen in teilweise sechsstelliger Höhe erstritten.

Jahrelange strafrechtliche Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft Stuttgart endeten im Februar 2016 damit, dass Daimler und sein Dienstleister MB Tech „zur Abschöpfung des geschätzten wirtschaftlichen Schadens" 9,5 Millionen Euro an die Staatskasse zahlten. Ebenso hoch waren die Nachzahlungen an die Rentenversicherung.

Pfusch bei den Arbeitsverhältnissen

Wenn Nägele und der ebenfalls in Stuttgart tätige Arbeitsrechtler Walter Törmer richtig liegen, gibt es bei Daimler nach wie vor Pfusch an den Arbeitsverhältnissen. Die beiden Anwälte vertreten mehr als 30 Mitarbeiter des Dienstleisters ISS Automotive Services, der zur ISS-Group mit weltweit 500.000 Mitarbeitern gehört. Die Kläger wollen Teil der Daimler-Stammbelegschaft werden, der sie bis 2007 regulär angehörten.
https://www.wiwo.de/unternehmen/auto/klagen-gegen-daimler-und-bmw-werkvertrags-arbeiter-proben-den-aufstand/20092430.html