Autor Thema: In China ist's auch nicht besser  (Gelesen 288 mal)

Nao

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In China ist's auch nicht besser
« am: 16:53:00 Mo. 30.Juli 2018 »
Zitat
Erst kommt die Wohnung, dann der Sozialscore

Fei schläft schlecht und sucht das Glück. China-Korrespondent Finn Mayer-Kuckuk über den Mietenwahnsinn in Peking


Fei starrt in sein Handy und verzieht das Gesicht. „Also, die da oben haben doch einen an der Waffel!“ Offenbar liest er gerade Nachrichten. „Geht es um die Einführung des Sozialpunktesystems für alle Chinesen?“, frage ich über den Café-Tisch hinweg. Als deutscher Journalist in Peking bin ich gerade ziemlich auf dieses Thema getrimmt. Vor Kurzem hat der Premier die Einführung eines ‚„Sozialkreditsystems“, das das Wohlverhalten aller Bürger bewerten soll, nach Jahren der Gerüchte offiziell angekündigt.

Doch Fei blickt mich nur irritiert an. „Quatsch. Der Kauf von Wohnungen in Peking wird erneut teurer!“ Fei ist in seinen Lebensträumen nicht gerade originell: Er will ein Apartment in guter Lage kaufen. Zwar hat er dafür schon mehr als 140.000 Euro gespart, aber das reicht in der Innenstadt von Peking nicht einmal mehr für die Anzahlung. Da bleibt ihm nur, weiterhin zur Miete zu wohnen. Doch auch die steigt jedes Jahr um mehr als zehn Prozent.

Der Wohnungsmarkt bereitet vielen in China schlaflose Nächte. Das Sozialpunktesystem – der große China-Aufreger in westlichen Medien – interessiert hier dagegen kein Schwein.
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Die allermeisten Leute bekommen überhaupt nichts von der Einführung des Sozialkreditsystems mit, weil sie kaum Nachrichten verfolgen. Doch auch die meisten, die davon hören, lässt die Sache kalt. Der Staat weiß doch ohnehin alles über seine Bürger. Seit der Revolution 1911 sind die Bewohner Chinas Spielball von immer neuen Politikexperimenten: bürgerliche Republik, japanische Besatzung, Betonkommunismus, Turbokapitalis-mus, jetzt der digitale Überwachungsstaat – seit drei Generationen geht das Schlag auf Schlag.

Man konzentriert sich auf seine persönlichen Angelegenheiten und ist froh, wenn man in Ruhe gelassen wird.
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Wohnen dagegen wird in den Metropolen zunehmend zum Problem, vor allem weil privates Wohneigentum als einzig sichere Geldanlage gilt. Nachdem die erste Generation von Wohnungsbesitzern damit reich geworden ist, wollen heute alle dabei sein.
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