Autor Thema: Onlinejournalismus  (Gelesen 1133 mal)

Kuddel

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Re: Onlinejournalismus
« Antwort #15 am: 09:46:49 So. 18.April 2021 »
Ich rege mich jeden Tag auf.
Ich halte Journalismus für wichtig und ich schätze guten Journalismus.
Sicherlich waren die herrschenden Medien noch nie Gold, sie waren immer von den Machtverhältnissen bestimmt. Es gab aber noch Journalismus.

Die Medien unterliegen jetzt voll den Marktmechanismen. Journalismus ist zu teuer und wird weggespart. Man nutzt lieber unbezahlte (oder gegen ein Trinkgeld arbeitende) "Bürgerjournalisten" oder stellt einfach Twittermeldungen zusammen. Fotojournalisten kann man sich auch sparen, man nimmt "Symbolbilder"-Ramschware von den Bildagenturen.

Das ist jetzt nicht die Schuld des Onlinejournalismus. Internet und Soziale Medien wirken nur als Brandbeschleunger in der Branche.

Neben "billig, billig" wird aber auch bewußt versucht, einen anderen Blick auf die Welt zu vermitteln. Es geht nicht mehr um die Gesellschaft, um Interessengruppen, Klassen, Spannungen und Konflikte, es geht nur noch um den Einzlnen und die Befriedigung indiviueller Bedürfnisse. Mode, Essen, Reisen und der ständige Blick nach innen, Befindlichkeiten, Partnerschaft, Sex, Krankheiten, psychische Probleme. Die Probleme liegen anscheinend nur in uns und wir bauchen uns um die Gesellschaft nicht mehr kümmern.

Das gilt nicht nur für die "Onlinemedien". Die Tendenz ist identisch in Radio, Fernsehen und Printmedien. Es gibt eine weitere Tendenz neben der Fokussierung auf das Individuum: Man verabschiedet sich von einer möglichst neutralen Vermittlung von Inhalten. Es muß zunehmend emotional sein, einfühlsam, sympathisch, manchmal auch marktschreierisch und schrill. Immer kurzweiliger, mundfertiger, konsumierbarer. Hintergrundmusik und Geräuscheffekte, Witzchen und Gimmicks und emotionale Sprech:innen, die mal einschmeichelnd einfühlsam und dann wieder empört, Inhalte vortragen.

Es wird der Bauch angesprochen, der Kopf kann und soll ausgeschaltet bleiben.

Letztendlich arbeiten auch die zeitgemäßen und wohlmeinenden Medienmacher wie das Y-Kollektiv (im Youtube Kanal der ÖR) oder Rezo so. U.a. deshalb mag ich sie nicht.

Kuddel

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Re: Onlinejournalismus
« Antwort #16 am: 09:25:47 Fr. 23.April 2021 »
Mir kommt der kalte Kaffee hoch.

Zitat
Interview zum Armutsbericht:
"Die Armut frisst sich in die Mitte der Gesellschaft hinein"

Wir müssen endlich ehrlich über Ungleichheit sprechen, fordert der Armutsforscher Christoph Butterwegge.
https://www.sueddeutsche.de/kultur/armutsbericht-soziale-ungleichheit-reichtum-christoph-butterwegge-bundesregierung-1.5273323?ieditorial=3&reduced=true *Bezahlschranke*

Da gibt es einen Bericht über Armut und die Armen sollen ihn nicht lesen.
Das Internet erschien mal als egalitäres Medium, in dem alle Informationen für alle frei sind. Es ist inzwischen ein Medium, in dem sich die Klassenverhältnisse widerspiegeln. Informationen gegen Kohle. Wer nichts hat, braucht nichts zu wissen.