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Osteuropa

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Kuddel:
Es gibt bereits den Thread "Klassenkämpfe im ehemaligen Ostblock". Es ist wohl ein weitaus größeres Thema.



In osteuropäischen Ländern wird gegen Korruption gekämpft, im Polen gab es rieseige Frauendemos. Es gibt spannende Entwicklungen in der Kultur, speziell im sehr lebendigen subkulturellen Bereich. Wir haben keine Ahnung davon.

Ich habe vor kurzem mit einer polnischen Aktivistin gesprochen und sie sagte, die deutsche Linke wolle von Osteuropa partout nichts wissen.

Nach dem Zusammenbruch des "real existiereden Sozialismus" gab es erstmal schreckliche Entwicklungen. Konsumgüter wurden vergöttert, doch als man sie nicht bekommen (sich nicht leisten) konnte, wandte man sich dem nationalistischen und religösen Wahn zu. Dem kann man auch ohne Kohle nachgehen. Doch Nationalismus und beten befriedigt auf Dauer auch nicht. Jetzt gibt es spannende Entwicklungen, von denen wir herzlich wenig mitbekommen. Ein Austausch und eine Zusammenarbeit von politischen Aktivisten und Bewegungen wäre für beide Seiten hilfreich. Bei Amazon gibt es solche Ansätze bereits.

Ich hoffe, wir können mehr Interesse für diese unruhige Region wecken und Kontakte knüpfen, auch zu Arbeitern aus Osteuropa, die versuchen sich hier durchzuschlagen.


counselor:

--- Zitat von: Kuddel am 11:00:23 Mi. 15.August 2018 ---Ich hoffe, wir können mehr Interesse für diese unruhige Region wecken und Kontakte knüpfen, auch zu Arbeitern aus Osteuropa, die versuchen sich hier durchzuschlagen.
--- Ende Zitat ---
Das hoffe ich auch. Vorgestern ergab sich auf der Montagsdemo ein Kontakt zu einem rumänischen Arbeiter, der einiges berichtete zu der beschissenen Situation in Rumänien und seiner beschissenen Situation in Deutschland.

ManOfConstantSorrow:
Das westliche Kapital hat in Osteuropa investiert.
Das letzte was es braucht, ist Klassenkampf. Wenn die Waffen Nationalismus und Religion langsam stumpf werden, um die Bevölkerung ruhig zu halten, versucht man es mit rechtsradikalen Tendenzen und mit einem totalitären Staat. Der Springerkonzernen hat viele wichtige Medien Osteuropas aufgekauft. Der Rechtsruck von Oben soll vorangetrieben werden:

--- Zitat ---Der ungarische Rundfunk vermittelt ein verzerrtes Deutschlandbild: Das ganze Land habe vor Flüchtlingen und Zuwanderung kapituliert. Das bezeugen vermeintlich zufällig ausgewählte Bürger, Anwälte und Experten in den Berichten. Tatsächlich sind viele der Befragten AfD-Lokalpolitiker.
--- Ende Zitat ---
https://correctiv.org/recherchen/neue-rechte/artikel/2018/08/10/ungarn-die-geheime-afd-show/

Kuddel:
Wir sollten eine öffentliche Diskussion zu dem Thema führen und nicht darauf warten, daß die bürgerlichen Medien oder gar die AfD diese Aufgabe übernehmen.

Die ZEIT hat sich bereits an der Diskussion versucht:

--- Zitat ---EU-Bürger aus Osteuropa suchen in Österreich und Deutschland zunehmen Jobs. Oft finden sie über den "Arbeiterstrich" körperliche Tätigkeiten, die schlecht bezahlt sind. Während die Wirtschaft davon profitiert, stellen andere die Arbeitsmarktöffnung infrage.
--- Ende Zitat ---
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/leserdiskussion-arbeitskraefte-aus-dem-osten-chance-oder-ausbeutung-1.4113233

Die Formulierung der Zeit ist schon idiotisch, entweder man freut sich über die Profite der Wirtschaft oder man stellt die Arbeitsmarktöffnung in Frage!?! Meine Interessen entsprechen nicht den Interessen der Wirtschaft. Ich stelle mich jedoch nicht gegen eine Öffnung des Arbeitsmarktes, sondern sich stelle das Konzept von Grenzen grundsätzlich in Frage.
Die bisherigen Leserbriefe in der Rubrik sind relativ vernünftig.
Aber hier standen mir doch die Haare zu Berge:
--- Zitat ---Meine Putzfrau, eine Polin mit Abitur, sagte mir kürzlich, Politik interessiere sie nicht.
Ich antwortete ihr, wenn sie sich für Politik interessieren würde, und nicht zu den 50 % Nichtwählern in Polen gehörte, würde sie nicht länger mein Klo putzen müssen, hätte in Polen ein eigenes Haus, und würde dort ihre Klos von einer Ukrainerin, oder Weissrussin putzen lassen.
--- Ende Zitat ---

Ich halte Wahlen nicht für das einzige Mittel, die Verhältnisse zu ändern und schon gar nicht für das wichtigste. Ich halte es auch nicht für ein erstrebenswertes Ziel, jemanden zu haben, der unter einem steht und deshalb das Klo putzen muß. Man muß damit klarkommen, seinen eigenen Scheiß wieder wegzumachen.

Fritz Linow:
Wenn da immer von Arbeiterstrich die Rede ist, muss man sich das nicht unbedingt immer so vorstellen, als ob die Arbeiter wie die Bordsteinschwalben an der Straße stehen und die Freier dran vorbei fahren. Die Vermittlungen laufen über mafiöse, halbseidene bis hin zu „seriösen“ Firmen. Für Außenstehende ist dieses Geflecht kaum durchschaubar. Davon profitieren die üblichen Subunternehmerketten, die Auftraggeber (auch die Kommunen), soziale Treffpunkte wie Kneipen, Vermieter, Private, die sich eine Putzkraft gönnen, und nicht zuletzt die Osteuropäer auch selber, solange es einigermäßen läuft.
Wie das alles für die abstrakte Gesamtwirtschaft gut sein soll, leuchtet mir nicht ein, ist aber auch egal, weil es ja eigentlich vielmehr darum gehen müsste, eine gemeinsame Gegenwehr zu entwickeln. Es gibt ja einige gute Ansätze. Da es die Arbeitnehmerfreizügigkeit nunmal gibt, auch um eine Reserve billiger Arbeitskräfte zu haben, muss halt eine grenzübergreifende Gegenwehrfreizügigkeit her. So einfach, so schwer.

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