Autor Thema: Was will überhaupt die "Fridays for future"-Bewegung genau?  (Gelesen 17448 mal)

Kuddel

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Re: Was will überhaupt die "Fridays for future"-Bewegung genau?
« Antwort #390 am: 14:36:45 Do. 24.März 2022 »
Zitat
Was wäre, wenn wir uns am Freitag mit allen versammeln und besprechen wie es weitergeht und versuchen aktiv zu werden, gegen eine Welt die so unglaublich kaputt ist?

Wir rufen das erste mal seit 2019 wieder zu einer Vollversammlung auf. Nach der Demo am 25.03.
https://twitter.com/FFF_Frankfurt/status/1506706966688714764?s=20&t=Mr_uKIpzmd7Thn_-hcQlXA

Ich finde das gut.

Hartzhetzer

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Re: Was will überhaupt die "Fridays for future"-Bewegung genau?
« Antwort #391 am: 14:05:53 Fr. 08.April 2022 »
Allianz zwischen Klima- und Klassenkämpfen

Kaputt machen, was den Planeten zerstört?

Die Zeit läuft ab, nun debattiert die Klimabewegung über radikalere Aktionsformen. Setzen sie damit an der richtigen Stelle an?

Zitat
Die Beschlüsse der UN-Klimakonferenz in Glasgow sind eine Katastrophe. Sie besiegeln den Kurs auf eine drastische und nicht umkehrbare Erhitzung der Erde, die das Überleben Hunderter Millionen Menschen und unzähliger Tier- und Pflanzenarten bedroht. Gleich, ob Kipppunkte im Klimasystem in zehn, zwanzig oder erst in 50 Jahren erreicht werden: Wir rasen auf eine Situation zu, die das Leben der allermeisten Menschen und auch die Bedingungen für kommunistische Utopien grundlegend verändern wird.

Angesichts der düsteren Lage ist in der hiesigen Klimabewegung eine Debatte über die politische Ausrichtung in Gang gekommen. Zum einen wird über die taktische Frage der Aktionsformen gestritten, zusammengefasst: Muss die Klimabewegung zu radikaleren Mitteln greifen, um den Druck zu erhöhen? Zum anderen geht es um die strategische Orientierung: An wen richtet sich die Bewegung, wie glaubt sie, die Begrenzung der Erderwärmung erreichen zu können?

Die Forderung nach militanten Aktionsformen wird derzeit vor allem in der Absicht erhoben, den Staat zu wirksameren klimapolitischen Massnahmen zu drängen. Ihr bekanntester Fürsprecher ist der schwedische Humanbiologe Andreas Malm. Seine Aufrufe zur Sabotage und Zerstörung der fossilen Infrastruktur erscheinen in grossen Medien, die Begründung: Wenn jemand in deinem Haus eine Zeitbombe platziert, hast du das Recht, sie zu entschärfen. Wenn also eine Industrie unsere Lebensgrundlage zerstört, haben wir das moralische Recht, sie lahmzulegen.

In Deutschland sorgte Ende November 2021 ein Interview des Spiegel mit dem langjährigen Klimaaktivisten Tadzio Müller für Furore. Darin warnt Müller, dass sich Teile der Klimabewegung angesichts der Untätigkeit der Politik radikalisieren werden, sagt „zerdepperte Autoshowrooms, zerstörte Autos, Sabotage in Gaskraftwerken oder an Pipelines“ für nächsten Sommer voraus und prognostiziert gar die Entstehung einer „grünen RAF“. Andere Protestformen hätten nicht gereicht, nun laufe die Zeit davon.

Sicher spricht viel dafür, dass die Klimabewegung ihr Protestrepertoire erweitert, und ja: Die Zeit läuft ab. Dennoch fällt auf, dass die Forderung nach militanten Aktionen vor allem darauf abzielt, den Staat oder sogar die Energiekonzerne selbst (durch Hochtreiben der Kosten) zum Handeln zu bewegen. In einem Artikel von Andreas Malm im britischen The Guardian heisst es explizit: Wenn der Staat nicht eingreife, müssen es andere tun – „nicht, weil Aktivist*innen die Abschaffung fossiler Brennstoffe erreichen können – die Macht hierzu haben nur Staaten –, sondern weil ihre Rolle darin besteht, den Druck hierfür zu verstärken.“

Diese Aufrufe zu einem, nennen wir es: militanten Reformismus erkennen zwar an, dass der Staat den Interessen der Unternehmen Vorrang einräumt und zum Umsteuern erst gezwungen werden muss. Sie blenden aber aus, dass der Staat gar nicht anders kann, als möglichst ideale Verwertungsbedingungen für das Kapital zu schaffen. Die politische und militärische Macht eines Staates in der globalen Staatenkonkurrenz basiert vor allem auf seiner wirtschaftlichen Macht – und die hängt zum Hauptteil davon ab, dass möglichst grosse, profitable und innovative Unternehmen und Finanzakteure in diesem Staat beheimatet sind, sodass die Wirtschaft brummt, der Klassenkonflikt befriedet werden kann und die Steuereinnahmen sprudeln. Im Kapitalismus ist daher keine Politik denkbar, die wirtschaftliches Wachstum und steigenden Ressourcenverbrauch verhindert – und das wäre nötig, um den Ausstoss klimaschädigender Treibhausgase zumindest auf dem gegenwärtigen Niveau zu halten.

Die Appelle für radikalere Aktionen gehen somit wichtigen grundsätzlichen Fragen aus dem Weg: Bis zu welchem Grad kann die Klimabewegung beim Klimaschutz auf den Staat hoffen, kann sie es überhaupt? Welcher Druck wäre nötig, um wirksamen Klimaschutz zu erzwingen – und wie soll er mobilisiert werden? Und wenn das Erzwingen staatlicher Massnahmen keine aussichtsreiche Strategie ist: Was sind die Alternativen? Wir wollen im Folgenden versuchen, einige Antworten zu skizzieren, die in den antikapitalistischen Teilen der Klimabewegung diskutiert werden, und herauszuarbeiten, welche politischen Fragen sich daraus ergeben. Schliesslich machen wir einen Vorschlag, wie die Debatte weitergehen könnte. Auf Green-New-Deal-Konzepte gehen wir an dieser Stelle nicht ein, weil sie auf der Illusion eines ökologischen Umbaus bei gleichzeitigem wirtschaftlichem Wachstum aufsetzen und mit ihrem Ressourcenbedarf letztlich auf eine Art grünen Kolonialismus hinauslaufen.

Weiterlesen:
https://www.untergrund-blättle.ch/gesellschaft/oekologie/klimabewegung-aktionsformen-6960.html
Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.
- Albert Einstein -

Jedoch ist das genau das, was in einer Marktwirtschaft Alternativlos ist.

Kuddel

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Re: Was will überhaupt die "Fridays for future"-Bewegung genau?
« Antwort #392 am: 16:04:23 Fr. 08.April 2022 »
Hmmm. In UK tut sich gerade erstaunliches bei Extinction Rebellion (XR).
XR Trade Unionists
https://actionnetwork.org/groups/xr-tu-extinction-rebellion-trade-unionists
https://twitter.com/unionsXR

Wir sind solidarisch mit ALLEN Arbeitnehmern im Kampf
Heute Morgen haben wir die "Fawley100" Streikenden der Ölraffinerie der Unite-Southeast-Gewerkschaft unterstützt.













Kuddel

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Re: Was will überhaupt die "Fridays for future"-Bewegung genau?
« Antwort #393 am: 12:18:07 So. 22.Mai 2022 »
Zitat
Wenn der Augsburger Staatsschutz im Kinderzimmer steht

Janika ist 15, als plötzlich der Augsburger Staatsschutz in ihrem Zimmer steht. Weil sie bei Fridays for Future mitmacht, gerät sie in den Fokus. Es folgen weitere Durchsuchungen. Die Klimaaktivisten sehen sich verfolgt. Die Behörden widersprechen.
https://www.br.de/nachrichten/bayern/wenn-der-augsburger-staatsschutz-im-kinderzimmer-steht,T6NGbJ1