Autor Thema: Outsourcing in Richtung Niedriglohn  (Gelesen 1068 mal)

Kuddel

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Outsourcing in Richtung Niedriglohn
« am: 12:04:28 Di. 25.September 2018 »
Zitat
Frankfurter Callcenter macht Außenstelle in Guben auf
https://www.lr-online.de/lausitz/guben/callcenter-sucht-mitarbeiter-in-guben_aid-32787357

Zitat
Callcenter adé
Swissport verlagert Gepäcksuche ins Ausland
Der Flugzeugabfertiger Swissport verlagert die Telefonauskunft zu verlorenem Gepäck und Check-in nach Bukarest.
https://www.20min.ch/finance/news/story/Swissport-verlagert-Callcenter-nach-Rumaenien-29474154

Hier geht es um Gerorgien, nicht um Georgia, USA:
Zitat
Running a Call Center in Georgia

Do you think the call center business is popular here?

Yes. There are big American companies here that opened call centers years ago, and they will continue to open here- it’s just easier.
http://georgiatoday.ge/news/12368/Running-a-Call-Center-in-Georgia

Kuddel

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Re: Outsourcing in Richtung Niedriglohn
« Antwort #1 am: 23:07:42 Mi. 27.März 2019 »
Zitat
Nach dem Zusammenschluss der Callcenter-Sparte von Bertelsmann und der marokkanischen Saham Group tritt die gemeinsame Tochter unter dem Namen Majorel auf. Das teilte Bertelsmann am Dienstag mit. Das neue Gemeinschaftsunternehmen mit weltweit 48 000 Mitarbeitern ist in 28 Ländern vertreten und wird von Luxemburg aus geleitet. Bertelsmann-Chef Thomas Rabe hatte den Zusammenschluss Anfang des Jahres mit den hohen Investitionskosten in der Branche begründet. Laut Mitteilung sollen in den kommenden Jahren mehrere 100 Millionen Euro in die Expansion, Analysetechnik, künstliche Intelligenz und Automatisierung fließen. Bislang firmierte das Call-Centergeschäft unter dem Namen Arvato CRM (Customer Relationship Management).
https://www.finanzen.net/nachricht/aktien/bertelsmann-bringt-callcenter-sparte-majorel-an-den-start-7157588

Zitat
Die vielen Deutschsprachigen machen Kosovo zu einem attraktiven Standort für die Call-Center-Branche
In Kosovo leben mindestens 10 000 Personen, die fliessend deutsch sprechen. Dass dies ein erhebliches Potenzial birgt, zeigt die Erfolgsgeschichte eines Call-Centers, das drei Schweizer mit kosovarischen Wurzeln gegründet haben.


Dresden. Frankfurt. St. Gallen.
...
«In der Unternehmenswelt gilt Kosovo als Drittweltland. Das bedingt gewisse Anpassungen.» – Drenusha Shala
...
https://www.nzz.ch/wirtschaft/die-vielen-deutschsprachigen-machen-kosovo-zu-einem-attraktiven-standort-fuer-die-call-center-branche-ld.1450059

Zitat
Philippinen unter den Top-Billiglohnländern für Call-Center-Dienstleistungen

Mehr als 1 Million Filipinos arbeiten in Call-Centern, meist für amerikanische und europäische Firmen.


Manila, Philippinen – Die Philippinen sind in diesem Jahr der weltweit zweitgrößte Anbieter für Business Process Outsourcing (Call-Center), so die globale strategische Beratungsfirma Tholons.

Mit dem Dienstleistungs-Globalisierungs-Index für das Jahr 2018 stiegen die Philippinen nach dem dritten Platz im letzten Jahr auf den zweiten Platz der „Top 50 Digital Nations“.

Indien dominiert weiterhin die Liste, während Brasilien den Philippinen auf dem dritten Platz folgt. Weitere Länder in den Top 10 sind die USA, Mexiko, Kanada, Russland, Vietnam, Kolumbien und Südafrika.

„Die meisten Dienstleistungen werden für die größten Marktführer in der Dienstleistungsglobalisierung wie USA, Großbritannien, Kanada, Europa, Indien, standardisiert“, heißt es in dem Indexbericht.

Business Process Outsourcing ist eine wirtschaftliche Lebensader auf den Philippinen mit über 1,15 Millionen Filipinos, die in der Industrie arbeiten. Die Industrie, zusammen mit Überweisungen von philippinischen Gastarbeitern im Ausland, bleibt einer der Top 2 Devisenbringer für die Philippinen.

Während ein philippinischer Call-Center Mitarbeiter einen monatlichen Verdienst von durchschnittlich zwischen PHP 18.000 – 30.000 (330 – 550 US-Dollar), bei 6 Arbeitstagen erhält, verdient sein Kollege in den USA, bei 5 Arbeitstagen zwischen 3.000 – 5.000 Dollar.
https://philippinenmagazin.de/2018/10/21/philippinen-unter-den-top-billiglohnlaendern-fuer-call-center-dienstleistungen/

BGS

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Re: Outsourcing in Richtung Niedriglohn
« Antwort #2 am: 06:36:32 Do. 28.März 2019 »
Von 330 bis 550 US-Dollar kann angesichts der dortigen Lebenshaltungskosten auch auf den Philippinen keine Familie mehr menschenwürdig leben.

MfG

BGS
"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

http://www.chefduzen.de/index.php?topic=21713.msg298043#new
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)

Kuddel

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Re: Outsourcing in Richtung Niedriglohn
« Antwort #3 am: 13:52:56 Di. 14.Mai 2019 »
Mecklenburg-Vorpommern ist auch eine Niedriglohnzone.

Zitat
Arbeiten mit Headset
3439 Beschäftigte: Callcenter-Branche in Vorpommern boomt

In Stralsund eröffnet dieser Tage ein neues Callcenter. 50 neue Jobs entstehen dort. Damit gibt es in den beiden Vorpommern-Kreisen knapp 3500 Beschäftigte. Dennoch sinkt die Zahl der Unternehmen.
https://www.ostsee-zeitung.de/Vorpommern/Ruegen/Callcenter-Branche-boomt-in-Vorpommern

Kuddel

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Re: Outsourcing in Richtung Niedriglohn
« Antwort #4 am: 19:49:36 Sa. 06.Juli 2019 »
Auch interessant:

Arbeitsvertrag über den Sklavenhändler JobAG (Leiharbeit)
Arbeit in Home Office, schön zuhaus und völlig isoliert von den Kollegen.


Kuddel

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Re: Outsourcing in Richtung Niedriglohn
« Antwort #5 am: 19:45:05 Mi. 10.Juli 2019 »
Wenn das Kapital grenzüberschreitend aktiv ist, muß unser Blick auch über Grenzen gehen.

Wer hätte gedacht, daß Callcenter in Albanien ein Boomsektor sind?

Zitat
Over the last 15 years, call centres have become one of Albania’s main sources of employment. The sector officially employs 30,000 Albanians, though according to specialists, there may be just as many working without contracts. An estimated 800 companies, which vary significantly in size and type, operate within the sector. It’s a particularly profitable business and Albanian telephone operators solicit prospective customers and take customer service calls for large international brands such as Amazon and Apple.
https://www.equaltimes.org/in-albania-call-centre-workers-are?lang=en#.XSYhzf5pypq

Zitat
Call Center – in Albaniens wachsender Branche wachsen auch gewerkschaftliche Bestrebungen

Please hold the line - Call Center FantasienAlbanien ist eines der Länder, die zu Sammelpunkten von Call Center gemacht wurden: In den letzten 15 Jahren sind rund 30.000 Menschen für diese offiziell angestellt worden, inoffiziell wird gesagt, es seien sogar noch wesentlich mehr, weil geschätzt noch einmal genau so viele ohne Verträge arbeiten müssen – die Branche ist der Sektor, der die meisten jüngeren Menschen in Albanien beschäftigt. Gegenüber italienischen Unternehmern pries Ministerpräsident Rama (ähem: Sozialistische Partei) sein Land an als eines an, in dem niedrige Steuern, niedrige Löhne und so weit wie möglich fehlende gewerkschaftliche Strukturen ein besonders gutes Geschäftsklima anbiete, vor allem zum benachbarten Italien. Anders lautende Gesetze gibt es durchaus, nur kümmert niemand sich besonders darum, was bis hin zu kriminellen Aktivitäten allen möglichen Übeln Tür und Tor öffnet. In dem Beitrag „In Albania, call centre workers are organising for better working conditions“ von Louis Seiller am 09. Juli 2019 in Equal Times  wird davon berichtet, wie Beschäftigte in albanischen Call Center eine eigene, unabhängige Gewerkschaft gründeten – und wie diese sich seitdem entwickelt hat – in einem Land, in dem bestehende Gewerkschaften nicht nur bestimmte politische Parteien vertreten, sondern in dessen Privatsektor es auch so gut wie keine gibt. Solidariteti’s fordert – unter anderem – die Bezahlung von Sozialabgaben durch die Unternehmen und ähnliche ganz grundlegende (und eigentlich: Selbstverständliche) Forderungen. Wobei die GewerkschafterInnen sich bewusst sind, dass große Unternehmen der Branche bis zu 300 Euro im Monat bezahlen (der Mindestlohn in Albanien wurde 2019 auf 208 Euro erhöht) was „beinahe schon an den Durchschnittsverdienst heran reicht“…
http://www.labournet.de/?p=151372


Kuddel

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Re: Outsourcing in Richtung Niedriglohn
« Antwort #6 am: 12:56:32 Di. 16.Juli 2019 »
Zitat
Amazon bases its French-language customer service centers in Africa and the Maghreb in order to exploit cheap labor conditions and local tax concessions. It maintains call centers in Rabat, as well as Tunis, the Tunisian capital, and Dakar, the capital of Senegal, and in Madagascar. The wage for a starting customer service employee at RBA1, which employs around 600 people, is approximately €500 a month, or roughly 40 percent of France’s minimum wage.
https://www.wsws.org/en/articles/2019/07/13/amaz-j13.html

Kuddel

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Re: Outsourcing in Richtung Niedriglohn
« Antwort #7 am: 12:41:03 Mi. 17.Juli 2019 »
Nochmal Albanien:

Zitat
Wer hat Angst wenn sich Arbeiter organisieren?

Übersetzung leicht gekürzt : Die gewaltige Expansion, die in den letzten zehn Jahren im Call-Center-Bereich in Albanien stattgefunden hat, etwa die Erhöhung der Beschäftigtenzahl oder die zunehmende Konzentration von Arbeitern an diesen modernen Arbeitsplätzen, würde früher oder später unvermeidliche zur Organisation der Arbeiter am Arbeitsplatz führen. Die verschiedenen Unzulänglichkeiten, die in Callcentern in Albanien auftreten, wie beispielsweise das Stehlen von Arbeitsstunden, Stress, verschiedene Gesundheitsprobleme, ein hoher Arbeitsdruck und das Bewusstsein der Arbeiter für diese Probleme, haben es einer solchen Organisation ermöglicht, zu handeln. Und das ist der Fall bei der Gewerkschaft "Solidariteti", der ersten Gewerkschaft der Arbeiter und Arbeiterinnen im Sektor Call Center.

Die Gewerkschaft ist per Definition die Organisation von Arbeitern am Arbeitsplatz, die darauf abzielt, deren Interessen gegen die Interessen des Arbeitgebers oder des Eigentümers zu schützen. Die Verschärfung der Widersprüche zwischen dem Eigentümer, der wachsende Gewinne auf Kosten der Arbeiter erzielen will, und Arbeitern, die ein angemessenes Entgelt und bessere Arbeitsbedingungen wollen, machen die Gründung von Gewerkschaften notwendig. Aber die gewerkschaftliche Organisierung ist gar nicht so einfach in rechtlicher Hinsicht möglich. Die Organisation, gerade weil sie die Interessen der ökonomisch herrschenden Klasse und die Interessen der Gruppen, die auf Kosten der Arbeiter leben bedrohen, führt zu Spannungen. Auch bei korrupten Gewerkschaften, die eng verbunden sind mit parasitierenden politischen Parteien und den Eigentümern.

Die ersten, die Angst vor der Arbeiterorganisation haben, sind die Eigentümer, sie werden heute als Unternehmer bezeichnet. Der Bereich, in dem der Arbeiter ausgebeutet wird, ist der Arbeitsplatz, es geht um die Beziehung in der Produktion. Dort prallen die gegensätzlichen Interessen zwischen demjenigen, dem das Kapital (Geld und Technologie) gehört, und demjenigen, der nur die seine Arbeitskraft hat, unmittelbar aufeinander. Da es der Hauptzweck des Syndikalismus ist, die Arbeitsbedingungen zu verbessern, nämlich die kontinuierliche Anstrengung, die Ausbeutung der Arbeitskraft zu reduzieren durch Verkürzung der Arbeitszeit, höhere Löhne, Arbeitsplatzsicherheit und die Sicherheit zu erhöhen, ist das der grundlegende ökonomische Interessenkonflikt. Im Laufe der Zeit kommt es zu einem offenen Krieg zwischen dem Eigentümer oder den Eigentümern und den Arbeitern.

Jeder Klassenkrieg ist aber letztendlich ein politischer Kampf und umgekehrt. Die Bemühungen der Arbeiter am Arbeitsplatz, ihre Grundrechte zur Verringerung der Ausbeutung und zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu erlangen, sind auch politische Anstrengungen sind Versuche, den politischen Bereich zu verändern.

Nehmen wir den Fall einer staatlichen Einrichtung wie der staatlichen Arbeitsaufsicht, deren rechtlicher Zweck darin besteht, die Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmer zu überprüfen, dh zu untersuchen, ob die Unternehmen die Arbeitsgesetze einhalten oder nicht. Diese Institution trat vor einigen Tagen bei den Mitarbeitern des Call-Center- gegen diese bei, „Albacall“auf. Die Manager des Unternehmens wegen der unfairen Abbau von rund 900 Gehältern angeklagt, waren mit der Einmischung der Aufsichtsbehörde, mit ihren rechtlichen Funktionen zufrieden. Die staatliche Aufsichtsbehörde hat nach den Aussagen der Arbeiter nicht seine rechtliche Funktion wahrgenommen, sondern sie direkt bedroht und sich direkt auf die Seite des Unternehmens gestellt.. Wie in diesem Fall so auch in anderen Fällen, verhält sich diese Institution offen als eine Struktur, die darauf abzielt, die Ordnung und Macht des Eigentümers am Arbeitsplatz zu reproduzieren und aufrechtzuerhalten. Obwohl es Fälle gegeben hat, in denen diese Institution kleinen Klagen gegen Eigentümer mit leichten Geldbußen ahndete. Dies ändert aber nichts an ihrer grundlegenden Funktion. ---------------- Sobald sich der Kampf zwischen Arbeitern und Eigentümern verschärft, sind die staatlichen Stellen sofort an vorderster Front gegen die Arbeiter positioniert. Im Laufe der Geschichte gab es immer wieder Streiks, Kundgebungen und Proteste von Arbeitern in Albanien, die es der heutigen Werktätigen einige grundlegende Rechte am Arbeitsplatz brachten.

Schreibt Alfred Bushi, ein Aktivist aus Tirana für die Rechte der Arbeiter.
http://www.scharf-links.de/44.0.html?&tx_ttnews%5btt_news%5d=70236&tx_ttnews%5bbackPid%5d=56&cHash=956796fc15

Zitat
Kosova Kolonie und neoliberales El Dorado


Solidariteti- Kämpferische Gewerkschaft in Albanien gegründet




In Albanien macht die unabhängige gewerkschaftliche Organisation der Arbeiter beträchtliche Fortschritte. In der Hauptstadt Tirana werden die Arbeiter und Arbeiterinnen hauptsächlich von Call-Center- Kapitalisten ausgebeutet. In Prishtina in Kosova sind die Callcenter ebenfalls diejenigen Unternehmen welche hauptsächlich jugendliche deutsch

sprechende Menschen rücksichtslos ausbeuten. Auch in Prishtina gibt es die meisten Beschäftigungsverhältnisse in diesem Bereich. Meinungsumfragen des Instituts Forsa werden oftmals von Prishtina aus erstellt. Der angerufene Deutsche sieht aber nur eine Nummer aus Berlin. In Albanien wehren sich die Arbeiter seit geraumer Zeit gegen die Ausbeutung in den Callcentern. Es gibt Streiks und seit dem 18 Mai die unabhängige Gewerkschaft „ Solidaritäti“ in Tirana. Dies versetzt die politische Kaste in Albanien in helle Aufregung. Unabhängige Gewerkschaften welche sich nicht der PS oder der DP unterordnen werden als enorme Gefahr begriffen. Die Gewerkschaft wird in der Presse als „ enveristisch“ „ anarchistisch“ oder „ trotzkistisch“ angegriffen. Diese Angriffe bewirken jedoch nichts. Die Arbeiter begreifen zunehmend, dass sie kämpferische Gewerkschaften benötigen. Die in Gang gekommene Entwicklung erreicht auch die kampferprobten Arbeitersektoren im Bergbau und in der Erdölindustrie. In den dortigen Gewerkschaften mehren sich Stimmen sich vom Einfluss der Parteien DP ( Demokratische Partei) oder der sogenannten „Sozialistischen Partei“ ( SP) zu lösen. Im vergangenen Herbst kämpften hauptsächlich die Studenten gegen die Privatisierung der Bildung. Jetzt beginnt die Arbeiterklasse ihre Stimme zu erheben. In Albanien entwickelt sich zunehmend der Klassenkampf. Die politische Stimme dieser Entwicklung ist die Organisation „ Organizata Politike“. Diese Organisation unterstützt jeden Arbeiter und Studentenkampf und führt interessante Veranstaltungen zum Marxismus, sowie zu einzelnen Personen aus der Geschichte der Arbeiterbewegung durch. Darunter spezielle Veranstaltungen zu Gramsci, Rosa Luxemburg aber auch zu Leo Trotzki. Jetzt aber zurück zu den konkreten Problemen im Call Center Bereich. Die Zeitung https://www.equaltimes.org/ schreibt :

 

Dokumentation
 
Zitat
In Albanien organisieren sich Callcenter-Mitarbeiter für bessere Arbeitsbedingungen

---Heute ist er ein gewerkschaftlich organisierter Mitarbeiter von Teleperformance, dem weltweit führenden Telemarketing-Unternehmen. Das französische multinationale Unternehmen hat vor elf Jahren ein Callcenter in Albanien eingerichtet. Im vergangenen Februar erfuhr das Unternehmen, dass einige seiner Mitarbeiter eine Gewerkschaft gegründet hatten, eine neue Entwicklung in der Branche.------

"Call-Center-Mitarbeiter haben derzeit keine wirkliche Vertretung", sagt Fatjon. „Aber sie müssen sich verteidigen und bessere Arbeitsbedingungen wie Lohngerechtigkeit sicherstellen. Die Lohnunterschiede in der Branche sind zu groß. Einige Arbeitgeber zahlen willkürlich und wir finden es unfair. “

In den letzten 15 Jahren haben sich Call Center zu einer der wichtigsten Beschäftigungsquellen Albaniens entwickelt. Der Sektor beschäftigt offiziell 30.000 Albaner, obwohl es nach Angaben von Fachleuten genauso viele geben kann, die ohne Verträge arbeiten. Schätzungsweise 800 Unternehmen, die sich in Größe und Art erheblich unterscheiden, sind in diesem Sektor tätig. Es ist ein besonders profitables Geschäft, und albanische Telefonanbieter werben um potenzielle Kunden und nehmen Kundendienstanrufe für große internationale Marken wie Amazon und Apple entgegen.

Albanien ist selbst nach den Einlassungen seines eigenen Premierministers ein Traum für jedes Unternehmen, das die regulatorischen Zwänge selbst der grundlegendsten Arbeitsgesetze vermeiden will. Obwohl er Chef einer angeblich sozialistischen Partei, der Sozialistischen Partei Albaniens (PS), ist, hat Ministerpräsident Edi Rama vor vier Jahren eine Gruppe italienischer Unternehmer umworben, die sich in Tirana versammelt hatten: „Wir möchten eine starke Botschaft an diejenigen von Albanien senden Sie, die von niedrigen Steuern, niedrigen Arbeitskosten und einer möglichst geringen Präsenz von Gewerkschaften träumen. Wir möchten, dass Sie wissen, dass dieses Land existiert und es direkt nebenan [ Italien] liegt. Das Geschäftsklima in Albanien hat sich in jeder Hinsicht verbessert, so Rama.
http://www.kosova-aktuell.de/22-serbien-a-balkan/albanien/3714-m

Kuddel

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Re: Outsourcing in Richtung Niedriglohn
« Antwort #8 am: 12:24:50 Do. 25.Juli 2019 »
In folgendem Fall geht es nicht unbedingt um Callcenterjobs, doch es ist ein weiteres Beispiel, wie Unternehmen arbeiten: Ihnen geht es um Profitmaximierung durch Senkung der Lohnkosten. Man verlegt einfach Arbeitsplätze in Niedriglohnregionen.
Zitat
In Hannover baut der Versicherungskonzern Talanx Stellen ab, in Rostock sollen neue entstehen. Die Gewerkschaft Verdi erhebt nun Vorwürfe gegen das Unternehmen: Talanx würde nur an die Warnow ziehen, weil die Löhne dort niedriger sind.

In der Hansestadt baut das Unternehmen sein „Servicecenter der Zukunft“ auf, schafft 200 neue Jobs. Doch was für Rostock gute Nachrichten sind, sorgt nun in Hannover für Wirbel. Denn dort baut Talanx – bekannt für seine Marke HDI – zeitgleich mehr als 350 Stellen ab. Der Vorwurf der Gewerkschaft Verdi: Talanx gehe nur nach Rostock, weil dort die Löhne viel niedriger sind als in Hannover.
https://www.ostsee-zeitung.de/Mecklenburg/Rostock/Wirbel-um-neue-Versicherung-Ist-Rostock-eine-Billiglohn-Stadt

Wir sollten uns vor Augen halten: Kaum eine Branche ist so flexibel und mobil, wie die Callcenterbranche.

Wir sollten uns Gedanken machen, wie damit umzugehen ist.
Eine Vernetzung in andere Regionen mit Niederlassungen des gleichen Unternehmens, wäre jedenfalls ein erster Schritt.

Schildhorster

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Re: Outsourcing in Richtung Niedriglohn
« Antwort #9 am: 07:08:33 Fr. 26.Juli 2019 »
Ist doch erstaunlich, dass es überhaupt noch Firmen gibt, die Callcenter in Deutschland betreiben. Aus meinem Konzern kenne ich Callcenter nur in Polen, Ungarn u.a. - da gibt es erstaunlich viele Leute die auch deutsch sprechen. Da reden wir selbstverständlich über noch viel niedrigere Löhne.