Autor Thema: Drogen statt Bullen: Chemische Repression  (Gelesen 168 mal)

Kuddel

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Drogen statt Bullen: Chemische Repression
« am: 09:05:27 Sa. 29.September 2018 »
Schon oft wurden Drogen als Waffe gegen politische und soziale Unruhen eingesetzt.
Es wurden Drogen in Stadtteile gepumpt, in denen Aufstände drohten. Drogen in die Ghettos. Drogen gegen den Einfluß politischer Aktivisten.

In den USA nutzten Bauspekulanten diese Strategie und ließen Crack in Häuser bringen, die sich schwer entmieten ließen.

Nun wird die Chemische Keule und die Chemische Zwangsjacke gegen Migranten eingesetzt:
Zitat
Medikamente statt Therapie
Psychopharmaka im Flüchtlingslager

Traumatisierte Flüchtlinge aus Kriegsgebieten werden in Flüchtlingslagern oft mit süchtig machenden Psychopharmaka behandelt. Eigentlich müssten sie psychosozial betreut werden. Dafür fehlt jedoch das Geld und das Personal - ein Beispiel aus Griechenland.




Wer es im Schlauchboot über die Ägäis geschafft hat, landet hier: Auf der griechischen Insel Chios in einem der großen Flüchtlingslager, wie beispielsweise dem Lager Vial: Ein paar Container, dazwischen große weiße Zelte, Matsch und Müll. Für 1.000 Menschen wäre hier Platz, über 2.000 sitzen hier fest. Wer hier ankommt, steht vor der nächsten physischen und psychischen Belastungsprobe.

Gefährliches Medikament

Der UNHCR fasst die Problemlage in Vial so zusammen: Keine winterfesten Unterkünfte und nur begrenzter Zugang zu medizinischer Versorgung. Viele Bewohner leiden unter psychischen Störungen. Vor Ort werden sie meist mit einem Medikament namens Lyrica behandelt. Doch das ist umstritten. Natalia Argyrou ist die einzige Psychologin in einem zwölfköpfigen Team der Hilfsorganisation „Ärzte der Welt“, das in Vial im Einsatz ist. Viel kann die Psychologin an einem Ort wie diesem nicht tun, um Panikattacken, Angststörungen und andere psychische Erkrankungen zu behandeln.

Selbstmordversuche im Flüchtlingslager

Eine Psychotherapie -so sagt sie- sei unter diesen Umständen nicht möglich. Die Verzweiflung der Menschen ist so groß, dass es immer wieder Selbstmordversuche gäbe, sagt Argyrou. Einer von drei Flüchtlingen werde Zeuge eines Suizid-Versuchs, so ein Bericht aus dem Jahr 2017, der sich auf Umfragen unter Geflüchteten stützt.

Offizielle Zahlen zu Suiziden gibt es nicht. Natalie Argyrou versucht mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen zu helfen, mit Atemübungen zum Beispiel. Bei akuten Fällen würde das aber nicht ausreichen. „Fälle, die weitere Unterstützung brauchen, überstelle ich an den Psychiater, der dann Medikamente verordnet. Hauptsächlich psychotrope Substanzen und Antidepressiva“, erzählt die Psychologin.


Lyrica ist in Deutschland rezeptflichtig, im Lager Vial hat sich ein regelrechter Schwarzmarkt dafür entwickelt.

Psychopharmaka mit Suchtpotential

Lyrica zum Beispiel. Ein verschreibungspflichtiges Medikament, das bei Angststörungen, Schmerzen und Epilepsie angewendet werden kann. Der Einsatz als Beruhigungsmittel in Flüchtlingslagern ist unter Hilfsorganisationen umstritten. Die „Women and Health Alliance International“ hat von September 2016 bis Mitte 2017 medizinische Unterstützung im Lager Vial geleistet und macht per Mail auf das Suchtpotenzial von Lyrica aufmerksam. „Manche nehmen es nicht wie Medizin vom Arzt, sie nehmen es wie Drogen“, kommentiert ein Geflüchteter.

Gefahr von Missbrauch und Abhängigkeit

Die Verführung ist offenbar groß. Man würde sich entspannt fühlen, wenn man Lyrica einnimmt, sagt ein Betroffener. Auf einen Arzttermin müssten die Geflüchteten aber oft lange warten und deshalb würden sie sich die Pillen auf anderen Wegen besorgen, konkret: Auf dem Schwarzmarkt, der sich im Lager gebildet hat. „So ein Medikament wird ja ganz schnell auch zur Währung", erklärt Göran Michaelsen, Chefarzt der Suchtklinik Satoria in Leipzig. Alle psychoaktiven Substanzen können in seinen Augen abhängig machen, gerade deshalb sollten sie grundsätzlich nur unter ärztlicher Kontrolle und Beobachtung abgegeben werden. Lyrica sei für ihn nur sinnvoll begleitend zu einer Psychotherapie. Man sollte es nicht in einem Flüchtlingslager einsetzen, weil die Gefahr von Missbrauch und Abhängigkeit zu groß sei.


Das Logo des UNHCR ist überall auf der Insel Chios in den Lagern präsent.

Ratlose Hilfsorganisationen

„Ärzte der Welt“ ist der Missbrauch bekannt. Die Reaktion der Organisation wirkt hilflos: Die Psychologin habe vom Schwarzmarkt gehört und man habe deshalb versucht, die Vergabe zu reduzieren. Anfangs habe man die Pillen in Wochenrationen ausgegeben, jetzt nur noch tageweise, sagt Natalie Argyrou. Das reicht allerdings nicht aus, um dem Problem zu begegnen. Wenn Geflüchtete plötzlich keine Zugang mehr zu Lyrica haben, kommt es zu Entzugserscheinungen. Die Betroffenen müssten dann wieder ärztlich versorgt werden, sagt Göran Michaelsen.

Die Vereinten Nationen sind mit ihrem Flüchtlingshilfswerk vor Ort. Der „Missbrauch von verschreibungspflichtigen Medikamenten sei nicht bekannt“, antwortet ein Sprecher des Hilfswerks auf Anfrage per E-Mail und verweist an das griechische Gesundheitsministerium. Aber auch dort, gab es trotz mehrfacher Nachfrage, keine Antwort oder Lösung für das Medikamentenproblem im Lager Vial.
https://www.swr.de/wissen/psychopharmaka-im-fluechtlingslager/-/id=253126/did=20793530/nid=253126/vxxly7/index.html