Autor Thema: Mietergewerkschaft  (Gelesen 507 mal)

Fritz Linow

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Mietergewerkschaft
« am: 10:33:40 Do. 22.November 2018 »
Es ist ein großes Missverständnis, dass Gewerkschaften nur für Löhne und Tarife zuständig sind. Höhere Löhne nützen nichts, wenn sie gleich wieder vom Vermieter weggenommen werden. Ein gänzlich anderes Gewerkschaftsverständnis bietet Möglichkeiten:

Die Idee der gewerkschaftlichen Sozialorganisation. Überlegungen und Thesen zur Mieterorganisierung
https://direkteaktion.org/211-gewerkschaft-als-mieterorganisation/

Schweden: Die Mietergewerkschaft zur Kampforganisation gemacht
https://www.sozialismus.info/2018/08/schweden-die-mietergewerkschaft-zur-kampforganisation-gemacht/

Mietenkämpfe: Überlegungen zum Konzept einer Mieter*innengewerkschaft
http://www.untergrund-blättle.ch/politik/deutschland/mietenkaempfe_mietergewerkschaft_4726.html

counselor

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Re:Mietergewerkschaft
« Antwort #1 am: 11:05:05 Do. 22.November 2018 »
Eine Mietergewerkschaft ist sicher sinnvoll. Mieterinis könnten sich zu so einer Gewerkschaft zusammenschließen.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Fritz Linow

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Re:Mietergewerkschaft
« Antwort #2 am: 16:02:12 Do. 22.November 2018 »
Beispiele für Mietstreiks:
„Erst das Essen, dann die Miete!“ Protest und Selbsthilfe in Berliner Arbeitervierteln während der Großen Depression 1931 bis 1933
http://www.arbeiterbewegung-jahrbuch.de/?p=505

Mieterstreik 1932 in Zürich - Jeder Häuserblock eine Sturmzelle

http://www.schattenblick.de/infopool/medien/altern/vorw1348.html

Mieterstreik in New York
http://www.trend.infopartisan.net/trd0113/t110113.html






Fritz Linow

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Re:Mietergewerkschaft
« Antwort #3 am: 16:18:41 Sa. 15.Dezember 2018 »
Zitat
15.12.18
Wie man Mieter schützt

Vier Wege zum bezahlbaren Wohnen: Städtische Immobilien, Syndikate, Genossenschaften und Mietergewerkschaften
(...)
Wohnst du noch?

In Schweden handelt die Gewerkschaft Mieten aus

Für Menschen, die nicht nur wohnen, sondern auch leben wollen, bietet Schweden viele Lösungen. Eine davon heißt: Hyresgästföreningen (H.). Das ist kein Name für ein Möbelstück, sondern eine schwedische Mietergewerkschaft. Sie setzt sich seit mehr als hundert Jahren für die Interessen von Mietern ein – derzeit von 528 000 Haushalten. Sie betreibt Kampagnen auf nationaler Ebene, in den Regionen und Nachbarschaften. In den Straßen Göteborgs etwa baute die H. so viel Druck auf, dass der Stadtrat 2015 eine Immobilienfirma rekommunalisieren und Wohnungen sanieren musste, ohne Mieten zu erhöhen. Wie jede Gewerkschaft bietet sie Mitgliedern Serviceleistungen, etwa Rechtsberatung für kleinere Auseinandersetzungen mit Vermietern.

Der wichtigste Aspekt, der die H. zudem von Mietervereinen oder Kiezgruppen in Deutschland unterscheidet: Sie handelt mit den Immobilienbesitzern kollektiv gültige Mietpreise aus. Wie in der Arbeitswelt halten die beiden Konfliktparteien das Ergebnis in einem Tarifvertrag fest. Einigen sie sich nicht, kam es früher oft zu Mietstreiks. Bis heute gilt: »Keine staatliche oder private Firma kann einfach die Mieten einführen, die sie will. Sie müssen mit uns verhandeln. Wenn wir widersprechen, können sie vor ein Schiedsgericht gehen und dann entscheidet das Gericht«, erklärt Kristofer Lundberg, Vorsitzender der H. aus Göteborg. Das Verfahren ist rechtlich abgesichert durch das kollektive Mietrecht, das die Gewerkschaft nach langen Kämpfen 1978 errungen hat und wonach sich auch in Deutschland viele sehnen.

Ziel der H. ist, dass Mieten nicht mehr als 25 Prozent des verfügbaren Einkommens der Mieter ausmachen und nicht schneller als das allgemeine Preisniveau steigen. Ein anderer Grundsatz der H. lautet: Mieten sollen sich nach dem Gebrauchswert der Immobilie richten, welcher etwa von Zustand, Lage und Größe abhängt. Die Nachfrage soll keine Rolle spielen. So entzieht die Gewerkschaft nach eigenen Angaben über 90 Prozent aller Mietwohnungen dem Diktat der Markmechanismen. Doch auch die besondere schwedische Gesetzesnorm des kollektiven Mietrechts ist nicht in Stein gemeißelt, die christdemokratische Partei stellt sie derzeit infrage.(...)
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1108070.mietenwahnsinn-wie-man-mieter-schuetzt.html

Fritz Linow

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Re:Mietergewerkschaft
« Antwort #4 am: 18:54:17 Di. 25.Dezember 2018 »
Aus der Googleübersetzungshölle:
Zitat
19.12.18
Die Bewohner von fünf Gebäuden in Barcelona drohen mit einem Mietstreik
Die Blöcke stammen vom gleichen Unternehmen und müssen mit Mietsteigerungen von bis zu 75% rechnen.
Sie wollen die Miete zwischen 20% und 75% erhöhen, haben erfolglos versucht zu verhandeln und haben genug gesagt.
(…)
Am vergangenen Samstag haben Familien aus allen Gebäuden ein Treffen mit der Gewerkschaft in Rubí gefeiert und beschlossen, keine Mieterhöhungen zu akzeptieren, und am Ende werden sie streiken und nicht zahlen.
(…)
https://elpais.com/ccaa/2018/12/18/catalunya/1545142663_544875.html?fbclid=IwAR3kBo4R7DNSWbbPyHgmJYyWKZ7QvIWvGr9iGvH_z4JZe-EB21vhdt0ZEM8

milchbrötchen

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Re: Mietergewerkschaft
« Antwort #5 am: 09:17:24 Fr. 01.Februar 2019 »
Arbeitslosenselbsthilfe -> Mieterselbsthilfe

das wäre doch ein Anfang. nach dem Muster der Arbeitslosenselbsthilfe eine Mieterselbsthilfe aufbauen.

Fritz Linow

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Re: Mietergewerkschaft
« Antwort #6 am: 21:31:30 Mo. 04.Februar 2019 »
Arbeitslosenselbsthilfe -> Mieterselbsthilfe
das wäre doch ein Anfang. nach dem Muster der Arbeitslosenselbsthilfe eine Mieterselbsthilfe aufbauen.
Ein Anfang kann es auf jeden Fall sein. Wenn es aber nach dem Muster der Arbeitslosenselbsthilfen abläuft, besteht die Gefahr, dass es dabei stehenbleibt und nur der juristische Gnadenweg abgearbeitet wird. Wirklich empfindlich würde man die Schweine ökonomisch treffen, wenn man kollektiv, solidarisch und kreativ vorgeht...ist halt noch ein unbeschriebenes Blatt. 

Rudolf Rocker

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Re: Mietergewerkschaft
« Antwort #7 am: 22:45:14 Mo. 04.Februar 2019 »
Für den juristischen Weg bräuchte es streng genommen nicht mal eine Mietergewerkschaft. Das machen die bereits bestehenden Mietervereine schon seit Jahrzehnten.
Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!

Kuddel

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Re: Mietergewerkschaft
« Antwort #8 am: 20:27:12 Di. 05.Februar 2019 »
Der juristische Weg ist ein arg begrenzter.

Ich halte diese sozialdemokratischen Mietervereine (Deutscher Mieterbund DMB) auch nicht für der Weisheit letzter Schluß:
Zitat
... hat der DMB traditionell eine große Nähe zu den Gewerkschaften im DGB und zur SPD gezeigt. Präsidenten und Direktoren des DMB waren und sind vielfach SPD-Parteimitglieder.
https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Mieterbund

Es gibt verschiedene Stadtteilinis, die organisieren Blockadeaktionen, wenn Mieter zwangsgeräumt werden. Mit so einer illegalen Behinderung der Polizeiarbeit bräuchte man den Mietervereinen nicht zu kommen.

In den Zeiten der militanten Arbeiter*innenbewegung in Italien (in den 70ern) forderte man bei Streiks und auf Demos, die Miete dürfe nicht mehr als 20% des Einkommens betragen. Heute scheint man es für normal zu halten, daß die Wohnkosten oftmals mehr als die Hälfte des Einkommens auffressen.

Deshalb halte ich die Forderung einer grundlegenden Senkung der Miete(n) für wichtig. Da wird man mit diesen Mietervereinen kaum weiterkommen.

Ich finde die Suche nach neuen Organisationsstrukturen nicht verkehrt.

Das Bild hat mir gut gefallen:


Rudolf Rocker

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Re: Mietergewerkschaft
« Antwort #9 am: 20:43:04 Di. 05.Februar 2019 »
Zitat
Ich halte diese sozialdemokratischen Mietervereine (Deutscher Mieterbund DMB) auch nicht für der Weisheit letzter Schluß
Ich könnte jetzt hier die gleiche Diskussion anfangen, wie damals bei den Gewerkschaften, aber ich lasse es lieber.
Nur soviel: Wir haben nichts besseres! Für einen Jahresbeitrag von 84€ könnte ich mir sonst nicht mal einen einzigen Anwaltstermin leisten! Geschweige denn einen monatelangen Schriftwechsel mit dem Vermieter!
Wie gesagt, die gleiche Diskussion in grün!
Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!

Kuddel

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Re: Mietergewerkschaft
« Antwort #10 am: 21:08:37 Di. 05.Februar 2019 »
Nur soviel: Wir haben nichts besseres!

Ich verstehe dein Festhalten am Bestehenden nicht.
Natürlich kann und soll man ruhig den juristischen Weg auch mit Hilfe des Mietervereins versuchen. Ich habe 10 Jahre über ihn mit meinem Vermieter kommuniziert und alle Prozesse gewonnen. Bis das nächst höhere Gericht meinen Mietvertrag nicht anerkannt hat und ich die Wohnung verloren habe.
 
Wer soll uns denn abhalten, bessere Strukturen aufzubauen?
Es gibt bereits eine Vielzahl an Stadtteilinis, es gibt die Blockadeaktionen bei Zwangsräumungen.









Und solche Mieterinnen gibt es auch:






Rudolf Rocker

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Re: Mietergewerkschaft
« Antwort #11 am: 21:49:47 Di. 05.Februar 2019 »
Zitat
Ich habe 10 Jahre über ihn mit meinem Vermieter kommuniziert und alle Prozesse gewonnen. Bis das nächst höhere Gericht meinen Mietvertrag nicht anerkannt hat und ich die Wohnung verloren habe.
Genau das sollen die machen!

Zitat
Wer soll uns denn abhalten, bessere Strukturen aufzubauen?
Niemand! Hat hier aber auch niemand behauptet. Damit sind wir aber schon wieder in der gleichen Diskussion wie damals über die Gewerkschaften.
Das können wir beide aber viel besser persönlich bei einem Bier besprechen! Anders klappt das eh nicht!
Jetzt können wir endlich rausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten!

Fritz Linow

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Re: Mietergewerkschaft
« Antwort #12 am: 21:43:05 Mi. 06.Februar 2019 »
Mietstreik in Darmstadt gegen Neue Heimat Anfang der 70er:
https://www.youtube.com/watch?v=KDquIKmtoiA (ab Minute 8)

Irgendwie nichts neues unter der Sonne.