Autor Thema: Den Kapitalismus abschaffen. Wie??  (Gelesen 546 mal)

Kuddel

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Den Kapitalismus abschaffen. Wie??
« am: 14:29:17 So. 16.Dezember 2018 »
Es ist ein riesiges Thema und sicherlich nicht in einem Diskussionsstrang abzuhandeln.
Da aber im Zusammenhang mit den Gelbwestenprotesten interessante Fragen aufgekommen sind, habe dich dieses Thema hier eröffnet, damit der Frankreichthread beim Thema Frankreich bleiben kann.

Hier ein paar von mir flüchtig rausgehauene Gedanken zum Thema:

  • Das kapitalistische System hat sich in mehr als zweihundert Jahren entwickelt und ist nicht so einfach zu überwinden.
  • Es genügt nicht, mit einem entschlossenen (bewaffneten) Haufen Regierungsämter, Kasernen und Polizeistationen zu stürmen und anschließend alle Wirtschaftsmanager zum Teufel zu jagen.
  • Man kann nicht einfach im Namen des Volkes kämpfen, man muß auch einen Großteil der Bevölkerung hinter sich haben.
  • Man muß von und mit der Klasse lernen. Arroganz der Revoluzzer den einfachen Menschen gegenüber ist das Letzte!
  • Es geht nicht darum, daß "wir" als Linke die Macht übernehmen, sondern die Klasse muß selbst ihre Macht erkennen und ergreifen.
  • Die größte Macht liegt in der Produktion. Das Behindern und Stoppen wirtschaftlicher Abläufe ist bedeutsamer als große Demos.
  • Demos haben eine große symbolische Bedeutung. Sie sind Ausdruck des kollektiven Widerspruchs zu den Verhältnissen. Sie sind wichtig für die Bewußtseinsbildung.
  • In den Kämpfen entwickeln sich neue Zusammenhänge und Strukturen. Diese können ein Blick in die Zukunft ermöglichen und Strukturen für eine neue Gesellschaft vorwegnehmen.
  • Wir müssen nicht nur andere Organisationsstrukturen aufbauen, wir müssen unseren Umgang miteinander und unsere Kultur in Frage stellen und bereit sein, diese zu ändern.
  • Das Problem an den herrschenden Verhältnissen sind nicht nur irgendwelche Arschlöcher, die gerade das Sagen haben, sondern das brutale und zerstörerische Prinzip des Kapitalismus: Konkurrenzkampf, Profitmaixumierung, das Wachstum um den Preis, die fortschreitende Umverteilung mit dem Ergebnis massenhafter Verarmung und Entrechtung. Da sind einzelne Politker, Manager oder Wirtschftsbosse unerheblich. Sie können alle ersetzt werden, ohne daß das Ergebnis sich ändert.

counselor

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Re:Den Kapitalismus abschaffen. Wie??
« Antwort #1 am: 15:46:54 So. 16.Dezember 2018 »
Was, wenn die Arbeiterklasse nicht kämpfen will, weil sie bescheiden ist und denkt: Mir gehts gut, ich hab doch alles, was ich brauche: Arbeit, Essen und eine warme Wohnung?
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Tiefrot

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Re:Den Kapitalismus abschaffen. Wie??
« Antwort #2 am: 16:21:59 So. 16.Dezember 2018 »
Zitat
ich hab doch alles, was ich brauche: Arbeit, Essen und eine warme Wohnung?
Ja, aber selbst das wird einigen Leuten bereits streitig gemacht.
Nicht zuletzt auch wegen irgendwelcher Renditeinteressen. Siehe Vonovia.
Von daher halte ich eine Diskussion über eine dauerhafte Änderung der Verhältnisse für sinnvoll.

Auch wenn ich momentan nichts Fundiertes dazu sagen kann.
Denke dran: Arbeiten gehen ist ein Deal !
Seht in den Lohnspiegel, und geht nicht drunter !

Wie bekommt man Milllionen von Deutschen zum Protest auf die Straße ?
Verbietet die BILD und schaltet Facebook ab !

admin

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Re:Den Kapitalismus abschaffen. Wie??
« Antwort #3 am: 17:04:43 So. 16.Dezember 2018 »
Was, wenn die Arbeiterklasse nicht kämpfen will, weil sie bescheiden ist und denkt: Mir gehts gut, ich hab doch alles, was ich brauche: Arbeit, Essen und eine warme Wohnung?

Man kann niemanden zwingen zu kämpfen.
Wir müssen damit klarkommen, wenn die Klasse nicht will. Dann isses eben so. Wir können es nicht stellvertretend machen.

Es ist aber nicht Not und Hunger der einzige Grund für Kämpfe und Revolten. Es gibt Elendsregieonen, in denen wird nur gestorben und nicht gekämpft.

Paris, Mai 68, da ging es nicht um Brot, da ging es um die Machtfrage und die Arbeiter hatten einen enormen Kampfeswillen ohne vom Elend getrieben zu sein.

Aber:
Zitat
ich hab doch alles, was ich brauche: Arbeit, Essen und eine warme Wohnung?
Das mit dem Essen der der warmen Wohnung hat sich für viele bald erledigt... trotz Arbeit.

Rudolf Rocker

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Re:Den Kapitalismus abschaffen. Wie??
« Antwort #4 am: 18:20:05 So. 16.Dezember 2018 »
Zitat
ich hab doch alles, was ich brauche: Arbeit, Essen und eine warme Wohnung?
Es kann ja auch um die Forderung nach gut bezahlter Arbeit gehen und nach bezahlbarem Essen und bezahlbaren warmen Wohnungen!
Dann sind wir schon relativ nah an dem was viele Menschen umtreibt!

BGS

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Re:Den Kapitalismus abschaffen. Wie??
« Antwort #5 am: 20:15:16 So. 16.Dezember 2018 »
Eine dauerhafte Änderung der Verhältnisse wäre allerorten begrüssenswert. Auch am Polarkreis arbeiten manche auf Abruf und müssen darüber noch froh sein angesichts der immensen Lebenshaltungskosten.

Gesundes, auf Wunsch Bio-Essen, und eine warme Wohnung sollten angesichts des vorhandenen Reichtums und des Wachstums der Produktivität das Mindeste für alle Menschen sein.

MfG

BGS
"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

http://www.chefduzen.de/index.php?topic=21713.msg298043#new
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)

Fritz Linow

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Re:Den Kapitalismus abschaffen. Wie??
« Antwort #6 am: 23:10:27 Mo. 17.Dezember 2018 »
Gut bezahlte Arbeit, bezahlbares Essen (auch Biofraß) und bezahlbare Wohnungen und so weiter sind ja erstmal Nahziele, die, wenn man sie erfolgreich einfordert, den Kapitalismus auch nur zähmen. Durch bessere Löhne und Gnadenakte, die aus Verlustangst der herrschenden Klasse zugestanden werden, verschwindet er nicht. Dazu ist er zu anpassungsfähig, und es geht immer auf Kosten anderer.
Eine gemeinsame und solidarische Gegenwehr kann aber trotzdem ein Anlaufpunkt dafür sein, um Gegenprojekte jenseits von weltabgewandter Flauschinzest zu entwickeln. Es geht nicht so sehr darum, wie der Kapitalismus abgeschafft werden kann, sondern was stattdessen eigentlich kommen soll. Mit guten Ideen wäre das sogar anschlussfähig. (ist aber tatsächlich nicht in einem Diskussionsstrang abzuhandeln)

Kuddel

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Re:Den Kapitalismus abschaffen. Wie??
« Antwort #7 am: 09:04:41 Di. 18.Dezember 2018 »
Gut bezahlte Arbeit, bezahlbares Essen (auch Biofraß) und bezahlbare Wohnungen und so weiter...
sind als verständliche und nachvollziehbare Forderungen ein hervorragender Start, um eine gemeinsame Gegenwehr zu ermöglichen und Solidarität zu entwickeln. Das ist eine notwendige Grundlage für alles weitere.

Daß alles weitere dann von selbst kommt, sollte man nicht hoffen und es ist tatsächlich notwendig, sich Gedanken über ein Zusammenleben zu machen, das nicht auf Konkurrenzkampf und Profitmaximierung basiert.

Kuddel

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Re: Den Kapitalismus abschaffen. Wie??
« Antwort #8 am: 17:39:06 Do. 21.März 2019 »
Zitat
In Arbeitskämpfe intervenieren, aber wie? Ein Vorschlag von Wolfgang Schaumberg

Der folgende Beitrag ist entstanden vor dem Hintergrund eines auch unter jüngeren, linken AktivistInnen wieder stärker formulierten Interesses an den emanzipatorischen Dimensionen von Arbeitskämpfen.

...genauso wichtig ist aber die Frage nach den Kampferfahrungen und Kampfbedingungen, also auch nach den Perspektiven und dem Wozu, so das folgende Plädoyer von Wolfgang Schaumberg an Aktive und solche, die es werden wollen.
...
Insbesondere für Linke, die bei einer konkreten Unterstützung von Belegschaftskämpfen Anknüpfungspunkte für eine systemkritische Debatte erfassen und die Begrenztheit einzelbetrieblicher Kämpfe deutlich machen wollen, ist es aber nicht nur wichtig, die Arbeitsbedingungen zu erfassen, sondern ebenso die Probleme und Möglichkeiten, sich gegen Unternehmerangriffe zu wehren oder für konkrete Verbesserungen zu kämpfen.
...

Ein lesenswerter Text: http://www.labournet.de/?p=146149

Kuddel

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Re: Den Kapitalismus abschaffen. Wie??
« Antwort #9 am: 18:54:08 Di. 14.Mai 2019 »
Wenn man den Kapitalismus abschaffen will, muß man die Eigentumsfrage stellen.



Der konzentrierte Besitz in den Händen einiger weniger gehört in die Hände aller!

Kuddel

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Re: Den Kapitalismus abschaffen. Wie??
« Antwort #10 am: Gestern um 19:31:35 »
Zitat
Verstaatlichen wir erst mal Google
Plattformkapitalismus. Monopole schaden der Allgemeinheit. Das gilt auch für die Digitalindustrie. Sie muss also reguliert werden
https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/verstaatlichen-wir-erst-mal-google