Autor Thema: Eine neue Weltwirtschaftskrise?  (Gelesen 1526 mal)

Kuddel

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Re: Eine neue Weltwirtschaftskrise?
« Antwort #15 am: 09:36:39 Mo. 07.Oktober 2019 »
Es herrscht im Kapitalismus permanenter Klassenkampf.
In den Zeiten des Wachstums in den 70er/80er Jahren hatte der DGB so eine Art Waffenstillstand ausgehandelt, es gab ein paar Lohnerhöhungen, dafür sorgte die Gewerkschaft für Ruhe in den Betrieben. Die deutsche Wiedervereiningung war teuer und seit dem geht es im Bereich der Löhne und Arbeitsbedingungen nur noch bergab. Das liegt auch daran, daß man verlernt hat zu kämpfen, sich gemeinsam zu wehren. Der DGB ist nicht bereit dazu, es haben sich keine tauglichen anderen Gewerkschaften und sonstigen Strukturen der Gegenwehr entwickelt. Deshalb kriegen wir nur noch auf die Fresse.
Das wird so weitergehen und nicht aufhören bis wir zu krank oder tot sind.
Oder wir lernen, uns kollektiv zu wehren.

Troll

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Re: Eine neue Weltwirtschaftskrise?
« Antwort #16 am: 18:57:49 Mo. 07.Oktober 2019 »
Zitat
Die New York Times hat mal die Entwicklung der Steuersätze visualisiert. Ergebnis: Wie man es erwarten würde.

Quelle: nytimes via Fefes Blog

Ich Spoiler ein wenig: The Rich Really Do Pay Lower Taxes Than You
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Tiefrot

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Re: Eine neue Weltwirtschaftskrise?
« Antwort #17 am: 21:33:02 Mo. 07.Oktober 2019 »
Zitat
The Rich Really Do Pay Lower Taxes Than You
Ja, und bei solch einer Schreibe krieg' ich Augenkrebs.  >:(
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Re: Eine neue Weltwirtschaftskrise?
« Antwort #18 am: 10:48:32 Mi. 09.Oktober 2019 »
@Tiefrot
Was meinst du damit?

Zitat
Es ist kontraproduktiv, Wachstum zu verteufeln – auch und gerade im Rahmen der Klimadebatte

...

Quelle: NDS

Zitat
Leserbriefe zur Wachstumsdiskussion

...

Quelle: NDS

Erinnert mich an die BGE-"Diskussion", ich kann da für alle ein gewisses Verständnis auspacken und doch phantasieren alle beteiligten Gruppen vor sich hin.
Hier ist es ähnlich, es gibt ein Wachstum das nicht auf Ressourcenabbau gründet, nur wird in Diskussionen das jeweilig sehr einseitig wahrgenommen, nur das was ins eigene Schema passt und schon ist eine stundenlange Disskussion für die Katz.
Ein vernünftiges BGE passt leider überhaupt nicht in eine Zeit wo Wirtschaft und Politik gemeinsam ausschließlich nach billigsten Arbeitskräften gieren.
Und mit der Wachstumsdiskussion verläuft es ähnlich, Wirtschaft, Politik und Konsument bauen gerade nur auf billigsten Ressourcenabbau, da spielt ein Wachstum jenseits davon keine Rolle und wird damit angegriffen.
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Dieter Hildebrandt
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Re: Eine neue Weltwirtschaftskrise?
« Antwort #19 am: 16:04:33 Mi. 09.Oktober 2019 »
So, die Überproduktionskrise ist jetzt auch bei mir angekommen. Heute morgen im Betrieb kam die Betriebsleitung in die Abteilung. Die Umsätze sind eingebrochen. Ab November werden die Löhne gesenkt, entlassen wird aber niemand. Wer nicht genug zum Leben hat, soll zum Amt. Wer die Lohnsenkung ablehnt, kann kündigen. Außerdem werden Kantinenpreise erhöht und die Betriebsausflüge fallen weg. Die neue Lohnhöhe wird morgen im Einzelgespräch in der Personalabteilung offen gelegt. Mit der nächsten Lohnabrechnung am 15.10.19 erfolgt dann das Schriftliche.

Eine Kollegin brach in Tränen aus. Ihre Miete würde kürzlich erhöht. Sie weiß nicht, wovon sie ihre Rechnungen zahlen soll und meint, sich gleich den Strick nehmen zu können. Andere meinen, sie müssten den Gürtel enger schnallen. Manche finden es ungerecht, dass Flüchtlinge alles bezahlt kriegen oder H4-Empfänger acht Euro mehr kriegen ab Januar. Ein Kollege sagt, er kann kein H4 beantragen, weil seine Wohnung zu groß ist. Er würde dann vom Amt gezwungen auszuziehen und die Katastrophe am Wohnungsmarkt wäre ja bekannt.

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Tiefrot

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Re: Eine neue Weltwirtschaftskrise?
« Antwort #20 am: 18:25:03 Mi. 09.Oktober 2019 »
@Troll, mein Kritikpunkt an der Schreibe ist, das jedes Wort anfangs groß geschrieben wird, ohne Sinn und Verstand.
Hab es (zu) oft gesehn, unabhängig von der Sprache. Es mag ja kleinkariert erscheinen, aber mich stört sowas,
macht längere Texte dieser Art nahezu unlesbar.

counselor sagte:
Zitat
Andere meinen, sie müssten den Gürtel enger schnallen. Manche finden es ungerecht, dass Flüchtlinge alles bezahlt kriegen oder H4-Empfänger acht Euro mehr kriegen ab Januar.
Den Gürtel enger schnallen, wo schon nichts mehr geht ? Sieht Optimismus heute so aus ?
Und was hat das mit den Flüchtlingen zu schaffen ? Die kriegen auch nicht alles bezahlt,
wer hat solchen Gehirnfurz verbreitet ?
H4 Bezieher können auch so schon keine großen Sprünge machen. Die +8 € ändern daran
auch nichts groß. Erstmal schlau machen, dann geifern.  >:(

Das mal als Denkanstoß für die Kolln.
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Re: Eine neue Weltwirtschaftskrise?
« Antwort #21 am: 19:04:44 Mi. 09.Oktober 2019 »
@Tiefrot
Ok, danke!

Diese Denke wurde jahrelang in die Köpfe gepflanzt, die Ernte läuft, und den scheiß mit den Flüchtlingen die alles bezahlt bekommen hab ich auch schon mehrfach gehört, es bleibt dabei, wenn anderen genommen wird scheint es sich mit immer weniger besser zu leben.  :o
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Re: Eine neue Weltwirtschaftskrise?
« Antwort #22 am: 21:36:45 Mi. 09.Oktober 2019 »
Nuja, auch ich habe materialmäßig stark abgespeckt. Tat auch nicht schlecht.
Einem bin ich aber treu geblieben: Wenn ich schon arbeite,
muß ich mich auch selber davon komplett finanzieren können.

Plus was an Wohlstandskram. Das Ende hab ich nicht abgelegt.  ;)
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BGS

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Re: Eine neue Weltwirtschaftskrise?
« Antwort #23 am: 10:20:32 Do. 10.Oktober 2019 »
Nuja, auch ich habe materialmäßig stark abgespeckt. Tat auch nicht schlecht.
Einem bin ich aber treu geblieben: Wenn ich schon arbeite,
muß ich mich auch selber davon komplett finanzieren können.

Plus was an Wohlstandskram. Das Ende hab ich nicht abgelegt.  ;)

Geht mir genauso. Von Krise ist im Hafen noch nix zu merken, im Norden.

MfG

BGS
"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

https://forum.chefduzen.de/index.php/topic,21713.1020.html#lastPost
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tleary

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Re: Eine neue Weltwirtschaftskrise?
« Antwort #24 am: 15:02:16 Do. 10.Oktober 2019 »
Wenn's allen plötzlich dreckig ging, könnten die Herrschenden auch einpacken. Auch wenn's vielleicht nicht beabsichtigt ist, es gibt von oben immer eine Art "Salamitaktik" in Sachen Verarmung der Arbeiterklasse.

Also: Niemals alle auf einmal verarmen, sondern immer nur einen kleinen Teil. Das dafür kontinuierlich. "Salamitaktik".

Genauso lief und läuft es ja auch beim Sozialabbau: Immer nur einen Teil der Betroffenen direkt verarmen, dann - mit längeren Übergangsfristen - den Rest. Und schon hat man den Gegner gespalten: In einen größeren Teil, der noch nicht von irgendwelchen Kürzungen betroffen ist, und einen kleineren, der sofort unter den neuen Gesetzen leidet.

"Teile und herrsche", nur in auf die heutige Zeit angepasster und perfektionierter Form. So wird heute Klassenkampf von oben geführt!
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tleary

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Re: Eine neue Weltwirtschaftskrise?
« Antwort #25 am: 15:09:09 Do. 10.Oktober 2019 »
Wer die Lohnsenkung ablehnt, kann kündigen.
Kündigen muß schon noch der Arbeitgeber. Denn du hast ja (hoffentlich) einen Arbeitsvertrag, in dem dein Lohn in irgendeiner Form fixiert ist. Und der kann bestenfalls nur gesenkt werden, wenn beide Parteien damit einverstanden sind.

Zitat
Die neue Lohnhöhe wird morgen im Einzelgespräch in der Personalabteilung offen gelegt. Mit der nächsten Lohnabrechnung am 15.10.19 erfolgt dann das Schriftliche.
In solche "Einzelgespräche" solltet ihr euch gar nicht verwickeln lassen. Denn da gehen alle dann als Verlierer raus. Da sitzen dann 3 oder 4 Leute von der Arbeitgeberseite vor dir, und du wirst als das "arme Würstchen" behandelt, dem der "Sachzwang" der Lohnsenkung verklickert wird.

Wie wär's wenn ihr euch dazu weigert, und nur als Gruppe bereit seid, mit den Arbeitgebern zu verhandeln? Bzw. die Lohnsenkung gleich ganz ablehnt. - Wo ist überhaupt euer Betriebsrat? Hat der seine Stimme verloren? Oder gibt's den bei euch gar nicht?

Zitat
Die neue Lohnhöhe wird morgen im Einzelgespräch
Dazu wird noch die Überrumpelungstaktik angewandt. Damit niemand Zeit hat, nachzudenken - und ihr nicht, euch abzusprechen und dagegen zu organisieren.

Manche finden es ungerecht, dass Flüchtlinge alles bezahlt kriegen oder H4-Empfänger acht Euro mehr kriegen ab Januar.
Die Debilität ist schon weit fortgeschritten unter Teilen der Arbeiterschaft. Naja, "nach oben buckeln, nach unten treten". Ist wohl die grundsätzliche Lebenseinstellung vieler Malocher. Nur NIE nach oben treten, denn derjenige weiß, daß ihm das nicht bekommt.
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Re: Eine neue Weltwirtschaftskrise?
« Antwort #26 am: 19:21:22 Do. 10.Oktober 2019 »
War heute zum Einzelgespräch. Die Firma hat ihre zwei lukrativsten Aufträge verloren. Mein Lohn soll um etwa 10 Prozent gekürzt werden. Man wolle weiterhin alle Arbeitsplätze anbieten und wolle sich nicht wegen der Löhne Verschulden. Daher sei die Kürzung unausweichlich. Der Betriebsrat ist auf Tauchstation. Unterschrieben habe ich nichts, aber das Schriftliche soll noch kommen. Bin gerade am Überlegen, nächste Woche zur Verdi-Gewerkschaft zu gehen.

Die Kollegen sind halt wütend darauf, dass die Merkel-Regierung Milliarden für Flüchtlingsdeals mit der Türkei und afrikanischen Staaten ausgibt, aber für uns nie Geld da ist. Manche meinen auch, H4-Empfänger könnten dreimal im Jahr auf Staatskosten Urlaub machen und die Flüchtlinge würden alles kriegen, ohne dass sie dafür einen Finger krumm machen müssen. Teilweise widerspiegelt sich in den Aussagen die jahrelange Medienhetze.
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Re: Eine neue Weltwirtschaftskrise?
« Antwort #27 am: 21:24:06 Do. 10.Oktober 2019 »
counselor sagte:
Zitat
Manche meinen auch, H4-Empfänger könnten dreimal im Jahr auf Staatskosten Urlaub machen und die Flüchtlinge würden alles kriegen, ohne dass sie dafür einen Finger krumm machen müssen. Teilweise widerspiegelt sich in den Aussagen die jahrelange Medienhetze.
Die Medienhetze ist nur die eine Hälfte.
Die Andere ist die Verweigerung, das Gehirn einzuschalten. 
Wie blöd kann ein Mensch eigentlich sein ? >:(
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Re: Eine neue Weltwirtschaftskrise?
« Antwort #28 am: 21:38:59 Do. 10.Oktober 2019 »
Jaja, Klassenkampf heißt auch, daß wir uns nicht nur mit dem Klassenfeind auseinandersetzen müssen, sondern auch mit den Idioten in unseren eigenen Reihen.

Tiefrot

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Re: Eine neue Weltwirtschaftskrise?
« Antwort #29 am: 21:48:46 Do. 10.Oktober 2019 »
Oft genug bekomme ich den Eindruck, das den Leuten die Phantasie fehlt,
sich über ein anderes, besseres Leben Gedanken zu machen. Finde das traurig.
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