Autor Thema: Kiel, 18.01.2019 Demo geg. Nazis  (Gelesen 495 mal)

NachbarArsch

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 109
Kiel, 18.01.2019 Demo geg. Nazis
« am: 16:54:48 Di. 15.Januar 2019 »
Nach einen Brandanschlag auf das Li(e)ber Anders findet am Fr (18.01, 18 Uhr Vinetaplatz) eine Demo statt

Gegen Naziangriffe, Rechtsruck und Verdrängung – für einen solidarischen Stadtteil!


der Aufruf zur Demo:
https://www.antifa-kiel.org/2019/01/08/antifa-demo-gegen-naziangriffe-rechtsruck-und-verdraengung-fuer-einen-solidarischen-stadtteil/

Zum Anschlag/Vorfall:
https://lieberanders.gaarden.net/2018/12/brandanschlag-auf-lieberanders#more-332

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 12539
  • Fischkopp
Re: Kiel, 18.01.2019 Demo geg. Nazis
« Antwort #1 am: 16:46:15 Sa. 19.Januar 2019 »
Und so sahs aus:

Zitat
Linke Protest-Demo in Gaarden

Am Freitag zogen etwa 700 Teilnehmer einer linken Demonstration durch den Kieler Stadtteil Gaarden. Auslöser war der Brandanschlag gegen ein Geschäft aus der alternativen Szene.




Eine Demonstration für ein solidarisches Miteinander ist am Freitag in Kiel durch den Stadtteil Gaarden gezogen. Etwa 700 Teilnehmer folgten dem Aufruf mehrerer Organisationen aus dem linken Spektrum.

Nach der Auftaktveranstaltung am Vinetaplatz zog die Demonstration durch den Stadtteil. Auslöser der Veranstaltung ist ein Brandanschlag am 19. Dezember gegen ein Geschäft aus der alternativen Szene in Gaarden.

Linker Protest bleibt friedlich

Die Organisatoren und Redner forderten mehr Widerstand gegen Immobiliengesellschaften, Bauprojekte und rechte Aktivitäten im Stadtteil. Die Polizei begleitete die friedliche Aktion. Die Abschlusskundgebung in der Iltisstraße wurde durch Feuerwerk und Pyrotechnik begleitet.

http://www.kn-online.de/Kiel/Nach-Brandanschlag-Linke-Protest-Demo-in-Kiel-Gaarden


NachbarArsch

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 109
Re: Kiel, 18.01.2019 Demo geg. Nazis
« Antwort #2 am: 23:38:13 Sa. 19.Januar 2019 »
Ja, ich fand die Demo auch recht positiv und mit 700 Leuten auch sehr gut besucht. Der Verfassungschutz schätzte das Mobilisierungspotential im Bericht von 2017 auf 200 Personnen, was zeigt das auch viele jenseits von Antifa und Szene die Demo unterstütze. Als ich versuchte in den engeren Strassen von hinten an der Demo vorbei zum Lauti zu kommen war die Demo mehrere hundert Meter lang. Schön war das neben der migrantischen Bevölkerung Gaardens sich auch kurdische Genossen aus ganz anderen Stadtteilen anschlossen.


Auf der Antifaseite gibt es einen ausführlicheren Bericht, mit weiteren Bildern und kurzer, inhaltlicher Zusammenfassung der Redebeiträge.
https://www.antifa-kiel.org/2019/01/19/nach-rechtem-brandanschlag-auf-lieber-anders-ueber-700-leute-in-solidaritaet-in-kiel-gaarden-auf-der-strasse/

Zitat
Viele Anwohner*innen fühlten sich von den Themen der Demo angesprochen, blieben stehen, standen an den Fenstern und schlossen sich spontan den Parolen an.

Ja das gabs ständig und immer wieder. Was im Artikel nicht steht, es gab auch einzeln gegenläufige Stimmen, von der "Nicht Rechts Aber" Fraktion. Einigen Leute auf der Strasse sah man auch die Abneigung gegen Linke Politszene und insbesondere Antifa. Ist eben doch Deutschland nach Rechtsruck und medialer Hetze. Insgesamt überwiegte aber überraschtes Interesse (Musik, Parolen, Bengalos) oder Solibekundungen.


Alles sehr friedlich, vorallem auch weil wenig Bullen da waren die sich auf den Verkehr konzentrierten. Das ist in Kiel oft so, kann aber bei Antifa oder Kurden Demos schnell anders aussehen, wenn Schlägertrupps von ausserhalb angekarrt werden.


Nee, ist nur nen Feuerwerk zum Abschluss, die haben nicht das Haus selber angezündet. Am Mauerwerk sieht man noch spüren des Brandes (hatte nur 5 min gebrannt)

Zitat
[...]und allen anderen hier im Viertel klarmachen, dass Antifaschismus vor allem Selbstverteidigung der ausgegrenzten, unterdrückten, ausgebeuteten und erniedrigten Klassen ist und keine besserwisserische bürgerliche Heuchelei, dann bietet dies auch den größtmöglichen Schutz vor zündelnden Nazis. Dann wehren wir uns eines Tages hoffentlich nicht nur als antifaschistische Szene, sondern tatsächlich als solidarischer Stadtteil
Es wächst das Bewusstsein das es nicht reicht sich mit indentitärer Szene von allem ekligen hier in Deutschland abzugrenzen.

Allerdings:
"...allen anderen klarmachen"
Ich seh da noch immer eine elitäre Sicht auf die Bevölkerung und Verhältnisse. Bis wir uns wirklich Schulter an Schulter gegen Vereinzelung, Ausbeutung und Unterdrückung bewegen und Kapital, Staat oder andere Bevormundung bekämpfen, ist es auch noch ein weiter Weg.



Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 12539
  • Fischkopp
Re: Kiel, 18.01.2019 Demo geg. Nazis
« Antwort #3 am: 10:16:49 So. 20.Januar 2019 »
Allerdings:
"...allen anderen klarmachen"
Ich seh da noch immer eine elitäre Sicht auf die Bevölkerung und Verhältnisse. Bis wir uns wirklich Schulter an Schulter gegen Vereinzelung, Ausbeutung und Unterdrückung bewegen und Kapital, Staat oder andere Bevormundung bekämpfen, ist es auch noch ein weiter Weg.

Das sehe ich genauso.
Wir haben es weiterhin mit der Verachtung der einfachen Leute zu tun. Das Herabblicken auf den gemeinen "Proll" reicht bis hinein in die alternative-, linke und linksradikale Szene. Das Bild von den Unterschichtsmenschen wurde vom Trash TV verschlimmert. Man stellt sich nur noch fette, dumme, saufende, junkfoodfressende Zellhaufen vor.

Ich habe erlebt, wie Studenten sich Horrorgeschichten über den Stadtteil Gaarden erzählten und sich dort nicht hintrauten. Auf der Vonoviaveranstaltung in der Raucherei sprach einer davon, daß Frauen sich zusammentun sollten, wenn sie nach 20°° durch Gaarden gehen wollen. (Die Realität ist dem entgegengesetzt: Die sozialen Probleme sind in dem Stadtteil derart massiv mit allen Nebenfolgen, wie Suff und Drogen, daß die Bevölkerung es gelernt hat, mit Solidarität und Toleranz vieles davon aufzufangen und den Alltag vernünftig zu gestalten. Andere Stadtteile wären unter solchen Bedingungen längst abgeschmiert.) Ich war vor langer Zeit (vor ca. 20 Jahren) bei der Eröffnung einer Kunstgalerie in Gaarden. Bei der Eröffnungsrede sprach ein Künstler allen Ernstes davon, er hoffe, daß durch die Galerie auch "endlich nette Menschen" nach Gaarden kommen würden.

Mit so einer elitären und herablassenden Haltung wird man niemals eine soziale Gegenwehr organisieren können.