Autor Thema: Wilder LKW Streik bei Lila Bäcker  (Gelesen 615 mal)

Kuddel

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Wilder LKW Streik bei Lila Bäcker
« am: 13:44:27 Mo. 21.Januar 2019 »
Zitat
Nach Insolvenz: Fahrer-Streik bei Lila Bäcker

Viele Verkaufsstellen von Lila Bäcker zwischen Lübeck und Rügen haben am Mittwoch keine neue Waren bekommen.



Die Fahrzeuge vom Logistikzentrum in Gägelow (Nordwestmecklenburg) sind am Mittwoch nicht vom Hof gefahren.

Viele Verkaufsstellen von Lila Bäcker zwischen Lübeck und Rügen haben am Mittwoch keine neue Waren bekommen. Grund: Nach Bekanntwerden des Insolvenzantrages haben die 18 Fahrer des Logistikzentrums in Gägelow (Nordwestmecklenburg) spontan ihre Arbeit niedergelegt. „Wir haben von der Insolvenz aus den Medien erfahren und wussten nicht, wie es weitergeht“, begründen sie ihre Entscheidung gegenüber der OSTSEE-ZEITUNG. Auch das Gehalt sei noch nicht auf dem Konto gewesen. Die Aktion hat Wirkung gezeigt: Nachdem zahlreiche Verkaufsstellen fehlenden Wareneingang gemeldet hatten, soll nach Auskunft der Fahrer am Mittwochvormittag ein Mitglied der Geschäftsführung nach Gägelow gekommen sein – mit dem Hinweis, dass die Gehälter bis kommenden Montag auf den Konten sein soll.

Der Frust bei den Fahrern ist groß. Denn: Wie bereits bei der Schließung der Produktionshalle zum 31. Mai 2018 in Gägelow seien sie völlig ahnungslos gewesen. Nicht einmal seien sie von ihrem Arbeitgeber im Vorfeld auf drohende finanzielle Schwierigkeiten hingewiesen worden. „Gespräche finden mit uns so gut wie keine statt“, bemängeln die Fahrer. Natürlich würden sie gerne für Lila Bäcker weiterfahren, aber nicht um jeden Preis: „Wir müssen auch Rechnungen bezahlen.“

In einer Wismarer Filiale macht sich der Stopp des Warennachschubs bemerkbar. Streuselschnecken und einige andere Backwaren gibt es nicht. „Die Fahrer streiken“, flüstert eine Verkäuferin. Auch sie habe ihren Lohn noch nicht bekommen. „Gestern sollte das Gehalt da sein“, erzählt sie.

Mitarbeiter in Filialen sind verunsichert


In einer anderen Wismarer Filiale teilen sich zwei Frauen die Schichten. Die Nachricht über die Insolvenz hat auch sie überrascht. „Die Geschäftsleitung will noch mitteilen, wie es für uns weitergeht, aber zurzeit wissen wir es nicht. Natürlich verunsichert uns das, aber den Kopf in den Sand stecken werden wir nicht", sagt eine von ihnen. Trotz fehlendem Warennachschub läuft der Betrieb weiter. Auch im Einkaufszentrum in Gägelow – nur einige Hundert Meter vom Logistikzentrum entfernt – gibt es am Mittwoch noch genügend Kuchen und Brötchen. „Weil wir ein Tiefkühllager haben“, erzählt eine Mitarbeiterin. Die Nachricht von den finanziellen Schwierigkeiten ihres Unternehmens habe auch sie überrascht. „Aber ich bin optimistisch, dass es weitergeht“, ergänzt sie.

Kunden sind auf jeden Fall weiterhin da. In einigen Filialen stehen sie sogar Schlange. „Ich gehe immer zu Lila Bäcker und werde es auch weiterhin tun“, sagt Bernd Müller, ein Rentner aus Wismar. Mit seinem Einkauf unterstütze er schließlich auch die Mitarbeiter: „Dann kommt neues Geld rein.“

Ob die Fahrer ihre angefallenen Überstunden jetzt noch bezahlt bekommen, wissen sie derzeit noch nicht. Gestern haben die Männer Unterlagen wegen des Insolvenzverfahrens ausfüllen müssen. „Damit wir unser Geld kriegen“, erklären sie. Mit ihren Fahrzeugen beliefern sie viele Lila-Bäcker-Filialen in Nordwestmecklenburg – unter anderem auf der Insel Poel, in Neukloster und in Karow bei Dorf Mecklenburg. Genau wie die Verkäuferinnen fragen sich die Männer: „Verdiene ich auch künftig noch mein Geld bei Lila Bäcker?“ Diese Frage haben sie sich bereits im vergangenen Jahr gestellt, als die Produktionshalle geschlossen wurde.

Ex-Produktionsmitarbeiter haben neue Jobs

Damals standen rund 120 Mitarbeiter zunächst ohne Job da (die OZ berichtete). „Das haben wir schon zu spüren bekommen“, sagte Petra Groth, Leiterin der Wismarer Agentur für Arbeit, erst vor knapp zwei Wochen gegenüber der OZ. Dennoch: Fast allen konnte danach geholfen werden. „Sie haben schnell neue Jobs gefunden“, berichtet Petra Groth. Bei Produktionsmitarbeitern sei das nicht ungewöhnlich. Die würden in der Region immer gesucht. Die Fahrer sind damals nicht arbeitslos geworden. „Wir haben gedacht, wenigstens unsere Jobs sind noch sicher, aber sicher ist zurzeit gar nichts.“

Gägelows Bürgermeister Uwe Wandel (parteilos) beschreibt die Situation so: „Die traurige Entwicklung setzt sich fort.“ Denn auch die Vorgängerbäckerei, die dann von Lila Bäcker übernommen wurde, sei in die Insolvenz gegangen. Eine Möglichkeit wäre nun, dass sich das Unternehmen neu strukturiere und dann vielleicht sogar das Logistikzentrum schließe. „Sollte es dazu kommen, bin ich optimistisch, dass sich für den Gewerbestandort Gägelow ein neues Unternehmen findet.“
http://www.ostsee-zeitung.de/Mecklenburg/Wismar/Nach-Insolvenz-Fahrer-Streik-bei-Lila-Baecker

Kuddel

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Re: Wilder LKW Streik bei Lila Bäcker
« Antwort #1 am: 15:11:47 Mo. 21.Januar 2019 »
Wilde Streiks werden in Deutschland viel zu wenig bekannt (Es gibt sie häufiger, als man denkt)!

Dieser hat eine lange, bittere Vorgeschichte.

Am wenigsten wundert man sich wohl darüber:


Hintergrund:

Zitat
Gesellschafter ist eine Finanzfirma, die zig Betriebe steuert, der neue Chef blickt auf eine lange Karriere in der Lebensmittelindustrie zurück.
http://www.ostsee-zeitung.de/Mehr/Meinung/Kommentar/Kommentar-zur-Insolvenz-von-Lila-Baecker-Ohne-Profis-geht-es-nicht

"Finanzfirma" (Finanzmafia?), also professionelle Kriminelle. (Kommentartitel: "Ohne Profis geht es nicht ")

Zitat
Der ostdeutsche Aufsteiger
Im Hinterland von Vorpommern gelingt es dem DDR-Flüchtling Volker Schülke, eine riesige Bäckereikette aufzubauen. Nun ist der Konzern in der Krise und er seinen Job los.


Doch Schülke will an die Spitze. "Dinge schaffen, die sich keiner vorstellen kann." Das ist sein Lebensmotto.

Ein Dorfjunge aus Vorpommern, der aus der DDR floh und kurz nach dem Mauerfall in seine Heimat zurückkehrte, um dort zu probieren, was er im Westen entdeckt hatte. Geschaffen hat Schülke die Marke Lila-Bäcker. Ein Unternehmen, das er auf Wachstum getrimmt hat.

Viele Geschäftemacher kamen damals in das zusammengebrochene Land, witterten dort Chancen und nutzen sie, teils hemmungslos – viele kamen aus dem Westen.

Schülke tat das Gleiche, nur eben als Ossi.

Die Belegschaft ist verunsichert, die sozialen Netzwerke sind voll mit Gerüchten: Von prekären Arbeitsverhältnissen, nachlassender Qualität der Waren, sogar von Insolvenzgefahr ist die Rede. Die im Juli frisch gewählte Betriebsratschefin im Konzernsitz in Pasewalk sagt nur, sie wolle es sich nicht schon am Anfang mit der Chef-Riege verderben.

Seit Schülkes Abgang ist die börsennotierte Deutsche Beteiligungs AG in Frankfurt am Main alleinige Herrscherin im Reich des Lila-Bäckers. Zu ihren Großaktionären zählen die Familie des Drogeriehändlers Rossmann und das norwegische Finanzministerium. Sie hat sich nicht nur von Schülke, sondern auch von seinem Führungsteam getrennt. Das Sagen hat nun Stefan Blaschak, ein ehemaliger Vorstandschef des Spirituosenherstellers Berentzen.

In den Neunzigerjahren hilft die Treuhand indirekt beim Aufbau des Lila-Bäckers. Die Behörde hat das riesige Backwarenkombinat Rostock in seine Einzelteile zerlegt. Eines ist die Nordback GmbH. Schülke gelingt es, diese Firma als Großkunden zu gewinnen.

Sein Unternehmen verzweigt sich immer mehr. Die Filialen werden in einer Gesellschaft gebündelt, die Produktion in eine andere. Geld, das übrig ist, landet in der Beteiligungsgesellschaft des Ehepaars Schülke, der Mecklenburger Besitz- und Verwaltungs-GmbH.

2011 fusioniert seine Holding mit der defizitären Dahlewitzer Landbäckerei GmbH südlich von Berlin. Dort hat ein Finanzinvestor namens Steadfast Capital die Mehrheit. Der Deal ist so komplex, dass ihn eine renommierte Wirtschaftskanzlei organisieren muss. Steadfast sowie niederländische Banken ermöglichen einen Kredit von fast 50 Millionen Euro. Schülke landet endgültig im Kapitalismus der Neuzeit.

Volker Schülke ist nun Mitgesellschafter und Chef einer Bäckereikette mit 350 Filialen, fast 100 Millionen Euro Umsatz und rund 2.000 Beschäftigten. Bäcker-Bundesliga. Einen Konzernbetriebsrat gibt es nicht. Noch heute sagt Schülke: "Es gibt niemanden, der so gut auf seine Mitarbeiter achtet wie ich als Chef. Da braucht man keinen Betriebsrat."

Schülkes Nachfolger an der Spitze des Lila-Bäckers ist nun Stefan Blaschak. Als Sanierer sieht sich der 49-Jährige nicht. "Das ist ein Begriff, den benutzen vor allem Gewerkschaften und Medien, um Angst zu schüren", sagt er. "Ich fühle mich als Unternehmer, dessen Blick in die Zukunft gerichtet ist." Die Entlassung von 225 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im April rechtfertigt Blaschak mit "Defiziten in der gesamten Wertschöpfungskette, vom Einkauf über die Produktion bis hin zur Warenauslieferung." Mithilfe der Deutschen Beteiligungs AG seien nun 1,9 Millionen Euro in den Aufbau eines neuen Logistiksystems investiert worden.

Und Volker Schülke?
 Das nötige Geld dürfte er haben. Die Beteiligungsfirma von ihm und seiner Frau verfügte nach dem zuletzt veröffentlichten Abschluss für 2016 über ein Eigenkapital von 38,6 Millionen Euro.

Neben dem Sammeln von Flugzeugen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs findet sich ein weiteres Schülke-Projekt an der Strandpromenade von Heringsdorf-Ahlbeck. "Ein Investment", sagt er. Der einstige Bäckerkönig hat dort eine alte Villa erworben und saniert. Sie hat einst einem DDR-Verteidigungsminister als Feriendomizil gedient. Nun trägt sie den Namen seiner Frau: Villa Arite. Mit "hoher Wahrscheinlichkeit" werde das Paar eine Stiftung gründen, sagt Schülke, "die Villa wird ein gehobenes Schulungszentrum". Für welche Zwecke will er nicht verraten.

https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-09/mecklenburg-vorpommern-baeckerei-betrieb-krise

Zitat
Laut Wirtschaftsministerium flossen 2012 insgesamt 275 000 Euro Fördermittel in den Standort Gägelow (Landkreis Nordwestmecklenburg), der vor einem Jahr teilweise geschlossen worden. Rechtlich sei alles in Ordnung so das Ministerium
http://www.ostsee-zeitung.de/Nachrichten/MV-aktuell/AfD-ruegt-Foerdermittelvergabe-an-Lila-Baecker

Parteispenden an die CDU
Zitat
Der Lila-Bäcker aus Pasewalk, der jetzt in Schwierigkeiten steckt, gab 11.000 Euro
https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Pegel-steigt-zum-Spitzengoenner-der-SPD-auf,spd1126.html

Zitat
220 Mitarbeiter betroffen
Massenentlassungen beim Lila Bäcker
https://www.nordkurier.de/pasewalk/massenentlassungen-beim-lila-baecker-2831629403.html

Zitat
Perfides Bonussystem
Beschäftigte der Filialkette »Lila Bäcker« verlieren Geld, wenn sie krank werden


Bei der Backwarenkette »Lila Bäcker« schleppen sich die Mitarbeiter auch krank zur Arbeit. Hierfür sorgt insbesondere ein extra eingeführter Geldbonus. Diesen bekommt, wer sich nicht krankmeldet. Dafür, dass dieses perfide System funktioniert, sorgt schon die mickrige Bezahlung der Verkäufer. Neun Euro in der Stunde und damit geringfügig mehr als den gesetzlichen Mindestlohn gibt es pauschal für alle 2.700 Beschäftigten – unabhängig von der jeweiligen Qualifikation und Betriebszugehörigkeit. Kein Wunder also, dass Mitarbeiter auf den "Finazbonus" angewiesen sind.

Dieser fällt umso mehr ins Gewicht, je länger die Beschäftigten duchhalten. Nach acht Monaten ohne Krankschreibung gibt es 100 Euro mehr im Monat. Nach 14 Monaten sind es 150 Euro, nach eineinahlb jahren gar 250 Euro, die die angeblich gesunden Verkäufer vom Unternehmen bezahlt bekommen.
https://www.jungewelt.de/loginFailed.php?ref=/artikel/340107.ungesunde-lohnarbeit-perfides-bonussystem.html

Zitat
Fragwürdige Boni beim Großbäcker
Menschenfeindlichkeit statt Lila-Laune

Der Lila-Bäcker zahlt seinen MitarbeiterInnen einen ordentlichen Bonus, wenn sie sich möglichst lange nicht krank melden. Das ist zynisch.
http://www.taz.de/Fragwuerdige-Boni-beim-Grossbaecker/!5533502/

Zitat
"Lila Bäcker": Betriebsrat vor Gründung

Ende Juli wird beim "Lila Bäcker" in Pasewalk ein Betriebsrat gewählt.


Die Bäcker beim "Lila Bäcker" in Pasewalk (Landkreis Vorpommern-Greifswald) wählen am 27. Juli einen Betriebsrat. Fast ein Jahr lang hatten die Mitarbeiter darum gekämpft. Der Arbeitgeber hatte die Wahl immer wieder behindert.

Verkäufer arbeiten bei neu gegründetem Unternehmen

Das Unternehmen sei unter anderem nicht bereit gewesen, die nötigen Personaldaten herauszugeben, hieß es von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Das sei jetzt aber geschehen. Ursprünglich sollten auch die Verkäufer in den Filialen von dem Betriebsrat vertreten werden. Alle Beschäftigten waren bislang beim selben Arbeitgeber beschäftigt. Daraus wird aber nichts: Das Unternehmen habe in der Zwischenzeit ein neues Unternehmen gegründet und die Verkäufer dort beschäftigt.

220 Mitarbeiter entlassen


Der "Lila Bäcker" hatte erst vor Kurzem rund 220 seiner ursprünglich 2.700 Mitarbeiter entlassen. Ein Standort in Gägelow bei Wismar und die Konditorei in Pasewalk wurden komplett geschlossen. Ursache sind nach Unternehmensangaben schwierige wirtschaftliche Verhältnisse.

Zitat
Massenentlassung
Lieferengpässe beim Lila Bäcker?


Trübe Stimmung bei den Mitarbeitern von „Unser Heimatbäcker“. Einige haben sich bereits bei der Arbeitsagentur gemeldet. Vereinzelt soll bestellte Ware nicht geliefert worden sein.

Die angekündigten Massenentlassungen des Pasewalker Unternehmens „Unser Heimatbäcker“ haben bei den Beschäftigten zu ganz unterschiedlichen Reaktionen geführt. Die einen sind traurig und wütend, auch deshalb, weil den Mitarbeitern der Konditorei keine Stellen in Neubrandenburg angeboten worden sind. Das sei nicht in Betracht gezogen worden, dort sollen aber neue Mitarbeiter eingestellt werden, sagte ein Beschäftigter, der nicht namentlich genannt werden will. Erste Mitarbeiter hätten sich bereits bei der Arbeitsagentur gemeldet, um ihre künftige Arbeitslosigkeit anzuzeigen.

Nur die Hälfte der bestellten Torten geliefert

Andere Mitarbeiter haben nach Bekanntwerden der Entlassungspläne beschlossen, nur noch Dienst nach Vorschrift* zu machen. In Pasewalk hieß es, dass in der Konditorei Kollegen beschlossen haben, keine Überstunden mehr zu leisten, was natürlich zu Engpässen führe. In einer Anklamer Filiale soll von den bestellten Konditoreiwaren etwa nur die Hälfte geliefert worden sein, erfuhr der Nordkurier am Donnerstag. Sehr zum Ärger der Kunden. Ob das am Samstag besser werde, wisse niemand.

In einer Demminer Filiale herrschte am Donnerstag Hochbetrieb. Das Verkaufspersonal in der Jarmener Straße hatte alle Hände voll zu tun, um die Kunden zu bedienen. Die Mitarbeiter wüssten selbst auch nicht mehr, als der Nordkurier berichte, und dürften auch nichts sagen. Ähnlich sieht es in einem Pasewalker Verkaufsshop vom Lila Bäcker aus. Aus einem anderen hieß es, dass für den Donnerstag keine extra Torten oder Kuchen von Kunden bestellt worden waren.

Das Unternehmen „Unser Heimatbäcker” hatte am Mittwoch entsprechende Meldungen bestätigt, wonach rund 220 Arbeitsplätze an den drei Standorten Gägelow, Dahlewitz und Pasewalk abgebaut werden sollen. Das Unternehmen wolle die Produktion seiner Backwaren neu ordnen, hatte Geschäftsführer Stefan Blaschak begründet. Die Entlassungen sollen mit einer Transfergesellschaft abgefedert werden.
https://www.nordkurier.de/pasewalk/lieferengpaesse-beim-lila-baecker-2931639503.html

*In diesem Unternehmen gibt es kämpferische Kollegen

Zitat
Politik reagiert auf "Lila Bäcker"-Entlassungen

Das Pasewalker Unternehmen "Unser Heimatbäcker" will 220 Mitarbeiter entlassen. Das bestätigte die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG). Die Mitarbeiter seien über die Pläne informiert worden. Das Unternehmen, das unter der Marke "Lila Bäcker" bekannt ist, plant demnach, den Produktionsstandort in Gägelow (Landkreis Nordwestmecklenburg) zum 31. Mai komplett zu schließen. Etwa 130 Mitarbeiter würden dort ihren Job verlieren. Am Produktionsstandort Pasewalk (Landkreis Vorpommern-Greifswald) soll den Angaben zufolge die Konditorei geschlossen werden. Dort sind etwa 50 Mitarbeiter betroffen. Auch im brandenburgischen Dahlewitz müssen 50 Beschäftigte gehen.

Geschäftsführer verweist auf Kostensteigerungen und Wettbewerbsdruck


Wie der Geschäftsführer, Stefan Blaschak, am Donnerstag mitteilte, seien Kostensteigerungen - auch durch den gesetzlichen Mindestlohn - und Wettbewerbsdruck für die Entlassungen verantwortlich. Er wolle effizientere Strukturen im Unternehmen schaffen, so Blaschak. Der erste Schritt sei, die komplette Kuchenproduktion nach Neubrandenburg zu verlegen. Dort werden nach Informationen von NDR 1 Radio MV derzeit neue Mitarbeiter eingestellt. Den von Entlassung bedrohten Mitarbeitern sind diese Stellen offenbar jedoch nicht angeboten worden.

Offenbar noch keine Gespräche über Transfergesellschaft


Die betroffenen Mitarbeiter sollen demnach in Transfergesellschaften aufgefangen werden. Allerdings sind nach Informationen von NDR 1 Radio MV Mit mit den Agenturen für Arbeit diesbezüglich noch keine Gespräche von der Geschäftsführung erfolgt. Die Arbeitsagenturen prüfen im Vorfeld, ob die Entlassungen unvermeidbar sind. Erst wenn dies geklärt ist, kann eine Transfergesellschaft gegründet werden. Dass sich in dieser Hinsicht trotz der Ankündigung bisher überhaupt nichts getan hat, nannte die Gewerkschaft NGG Betrug. Sollte keine Transfergesellschaft kommen, würde dies bedeuten, dass die betroffenen Mitarbeiter mit ihrer Entlassung am 31. Mai auf der Straße stehen würden.

Transfergesellschaften bieten Vor- und Nachteile


Wer in eine Transfergesellschaft geht, unterschreibt einen Aufhebungsvertrag und bekommt einen zeitlich begrenzten Arbeitsvertrag in der Transfergesellschaft. Für ältere Arbeitnehmer, die kurz vor dem Renteneintritt stehen, könnte dies eine gute Option sein, hieß es. Denn sie seien sozialversicherungspflichtig beschäftigt, allerdings bekämen sie weniger Geld als vorher. Außerdem würden sie nach einem Jahr in der Transfergesellschaft trotzdem noch das reguläre Arbeitslosengeld erhalten. Für junge Menschen biete die Transfergesellschaft die Chance für Weiterbildungen. Doch wer diesen Schritt gehe, betonte die NGG, verliere sämtliche Ansprüche gegenüber dem Unternehmen, also beispielsweise auf eine Abfindung

NGG empfiehlt: Verträge juristisch prüfen lassen

Deshalb warnen Arbeitnehmervertreter davor, einen Aufhebungsvertrag blauäugig zu unterschreiben. Die Verträge sollten vorher von einem Juristen geprüft werden. Manchmal sei es besser, auf die Kündigung zu warten. Dann sei nämlich möglicherweise noch eine Abfindung zu bekommen, mitunter sei sogar eine Wiedereinstellung möglich, sagte Jörg Dahms von der Gewerkschaft NGG.

Entlassungen vor Betriebsratsgründung?

Nach Angaben von Dahms wird in Pasewalk derzeit ein Betriebsrat gegründet. Die Gewerkschaft vermutet, dass die Geschäftsführung mit den Entlassungen Tatsachen schaffen wollte, bevor der Betriebsrat aktiv ist. Die NGG kritisierte die Entlassungen als "reine Profitoptimierung" zu Gunsten der Fondgesellschafter, die auf Kosten der Beschäftigten gehe.

Linke fordert Landesregierung zum Handeln auf

Die Vorsitzende der Linksfraktion im Schweriner Landtag, Simone Oldenburg, sprach von einem schweren Schlag für die ganze Region. Die stellvertretende Bürgermeisterin von Gägelow forderte von der Landesregierung, sich mit der Unternehmensführung und der Bundes-Arbeitsagentur an einen Tisch zu setzen.*

Rund 2.700 Mitarbeiter


Die Kette hat nach Angaben der Deutschen Beteiligungs AG als Hauptfondsgesellschafter derzeit rund 2.700 Mitarbeiter, rund 400 Filialen in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg und rechnet mit 139 Millionen Euro Jahresumsatz.
https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Massentlassungen-beim-Lila-Baecker-in-MV,lilabaecker100.html

*Jetzt sollen Landesregierung und Bundes Arbeitsagentur sich mit öffentlichen Geldern um die Übernahme der Kosten der asozialen Unternehmenspoltik kümmern.

Zitat
Klagen gegen »Lila Bäcker«

Pasewalk/Stralsund. Nach der Entlassung von etwa 225 Mitarbeitern durch die Bäckereikette »Unser Heimatbäcker« - im Nordosten als »Lila Bäcker« bekannt - ziehen viele der Gekündigten vor das Arbeitsgericht. Die Gewerkschaft NGG moniert unter anderem Fehler bei der Sozialauswahl. So seien auch Azubis und Menschen mit Behinderung von Kündigungen betroffen. Die Kette hatte die Entlassungen mit Wettbewerbsdruck begründet. Sie hat derzeit rund 2700 Mitarbeiter in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg und rechnet mit 139 Millionen Euro Jahresumsatz.
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1089060.klagen-gegen-lila-baecker.html


Zitat
Kündigungen bei "Lila Bäcker" waren nicht rechtmäßig

Das Arbeitsgericht Neubrandenburg hat am Freitag außerordentliche Kündigungen der Firma "Unser Heimatbäcker" für unwirksam erklärt. In sechs Fällen muss das Unternehmen die Entlassungen demnach zurücknehmen. Zudem soll die im Nordosten als "Lila Bäcker" bekannte Firma einer Frau, die seit 39 Jahren dort arbeitet, monatlich 1.588 Euro zahlen und dürfe diese Summe nicht - wie seit Monaten - um 600 Euro kürzen. Eine neue Geschäftsführung der Firma hatte im März 225 von 2.700 Mitarbeitern entlassen.

Gehaltsfortzahlung bei Eigenkündigung

Die klagenden Verwaltungsangestellten hatten offenbar Ende 2017 neue Verträge mit der alten Geschäftsleitung unterschrieben. Demnach stand ihnen bei Eigenkündigung nicht nur eine Abfindung, sondern auch eine Gehaltsfortzahlung trotz Freistellung von der Arbeit zu. Der Vorsitzende Richter sprach im Prozess von einer Verfahrensweise, die offenbar veruntreuender Natur sei.
https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Kuendigungen-bei-Lila-Baecker-waren-nicht-rechtmaessig,lilabaecker118.html

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Strafrechtliche Ermittlungen gegen frühere Lila-Bäcker-Chefs

Die Holding „Unser Heimatbäcker“, zu der der Lila Bäcker gehört, hat Insolvenz angemeldet. Davon sind auch viele Beschäftigte in Westbrandenburg betroffen. Jetzt wird bekannt, die Staatsanwaltschaft Schwerin ermittelt gegen frühere Lila-Bäcker-Chefs.


Die Staatsanwaltschaft Schwerin hat Ermittlungen gegen die frühere Unternehmensleitung der Kette Lila Bäcker aufgenommen. Sie ließ Wohnungen und Geschäftsräume der einstigen Konzernchefs durchsuchen. Das meldet der NDR. Danach waren Polizisten am Dienstag in sieben Wohnungen und Büros in Heringsdorf auf Usedom und in Berlin.
Anzeige erstattet hat laut NDR die jetzige Geschäftsführung. Der Vorwurf gegen ihre Vorgänger lautet auf Veruntreuung von Geld.
http://www.maz-online.de/Lokales/Bra...on-Brandenburg

Zitat
Ursache Zahlungsunfähigkeit
„Lila Bäcker“ insolvent – 2700 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs

Die Bäckereikette „Lila Bäcker“ hat beim Amtsgericht Neubrandenburg Insolvenzantrag gestellt. Die Kette hat 400 Filialen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin.
https://www.bz-berlin.de/berlin/lila-baecker-insolvent-2700-mitarbeiter-bangen-um-ihre-jobs

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Lila-Bäcker-Pleite beschäftigt viele Anwälte

Laut einem Medienbericht arbeiten mehrere Teams an der Aufarbeitung des Insolvenzverfahrens. Auch die Banken engagierten eine eigene Juristen-Mannschaft. Für sie stehen viele Millionen auf dem Spiel.
http://www.ostsee-zeitung.de/Nachrichten/MV-aktuell/Lila-Baecker-Pleite-beschaeftigt-viele-Juristen