Autor Thema: Rassistische und antisemitische Ausfälle des Vorgesetzten: Ehemaliger Zeitarbeit  (Gelesen 5488 mal)

Rappelkistenrebell

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 2900
Aus: Ausgabe vom 23.02.2019, Seite 4   / Inland

»AUF EIGENES RISIKO«
»Ronny hat’s richtig gemacht!«
Rassistische und antisemitische Ausfälle des Vorgesetzten: Ehemaliger Zeitarbeiter wehrt sich vor dem Arbeitsgericht in München gegen Kündigung
Von Sebastian Lipp


Im August 2018 wurde Ronny F. als Leiharbeiter beim Forschungs- und Innovationszentrum von BMW in München eingesetzt, wo er sich gegen rassistische Sprüche eines Kollegen wehrte. Dann wollte ihn der Auftraggeber nicht mehr haben. Nach nur zwei Wochen in der Probezeit erhielt der Leiharbeiter die fristlose Kündigung. Bis heute ist Ronny F. erwerbslos. Doch er geht mit Hilfe der Gewerkschaft Verdi gerichtlich gegen die Kündigung vor und möchte so die Wiederanstellung erzwingen.

Am Freitag befasste sich das Münchner Arbeitsgericht mit dem Fall. Anfangs habe sich Ronny F. rassistische und antisemitische Ausfälle seines Meisters eine Weile angehört. Schließlich war er neu in der Abteilung. Dann sei es ihm aber zuviel geworden. Ronny F. stellte den Mitarbeiter zur Rede und machte sich gegen die Sprüche stark. Der Kollege habe sich jedoch nur noch weiter in seine »Hasstirade« hineingesteigert und ihn ausgelacht. Später sei es auch noch Ronny F. selbst gewesen, der sich rechtfertigen musste. Statt sein Verhalten zu ändern, schwärzte der Meister Ronny F. beim Leiter der Abteilung an, in der beide beschäftigt waren.

»Schlag auf Schlag wird er von einem Termin zum anderen zitiert; wie in einem Tribunal muss er sich sogar noch beschimpfen lassen und wird darauf verwiesen, er habe im Betrieb den Mund zu halten«, schreibt Verdi in einem Flugblatt, das zur Solidarität mit Ronny F. aufruft. »Von einem Tag auf den anderen wird Ronny von BMW abgemeldet, und keine 24 Stunden später kündigt ihm die Leiharbeitsfirma«, heißt es weiter in dem Flugblatt der Gewerkschaft.

Deshalb stellt sich Verdi hinter den ehemaligen Leiharbeiter: »Ronny hat’s richtig gemacht!« heißt es in dem Solidaritätsaufruf. Gemeinsam gehen sie juristisch gegen die Kündigung vor. Denn beide sehen in dem Rausschmiss eine Sanktion gegen Zivilcourage. Das verwundere um so mehr, da es sich sowohl BMW als auch die Leiharbeitsfirma »zum Firmencredo gemacht haben: Kein Rassismus am Arbeitsplatz«, so der Rechtsanwalt des Klägers. Und danach habe der Kläger regelkonform gehandelt.

Auch die Kammer des Münchner Arbeitsgerichtes sah es grundsätzlich als legitim an, für ein »vernünftiges Betriebsklima« zu sorgen: »Da hat man sicher auch ein Recht als Arbeitnehmer, nicht rassistischen Beleidigungen ausgesetzt zu sein«, sagte die Vorsitzende Richterin am Freitag. Mit einer Entscheidung will sich die Kammer aber noch mindestens eine Woche Zeit lassen. Am kommenden Freitag geht der Prozess weiter. Ob dann eine Entscheidung fällt, ist unklar.

Denn die Vertreter der Leiharbeitsfirma hatten kurz vor Schluss der Gerichtsverhandlung am Freitag noch ganz neue Vorwürfe erhoben, wegen derer diese ihren früheren Beschäftigten keinesfalls wieder einstellen könne, wie der es einzuklagen versucht. So habe sich der Kläger mit der Begründung, er trete nur für das Grundgesetz ein, geweigert, sich bei seinem Vorgesetzten für sein Verhalten zu entschuldigen. Außerdem habe er das Ansehen seines ehemaligen »Arbeitgebers« geschädigt. Indem er über die Gewerkschaft die Öffentlichkeit eingeschaltet habe, habe Ronny F. das Leiharbeitsunternehmen in ein schlechtes Licht gerückt.

Mit einer Aussage löste der Rechtsanwalt der Firma am Freitag lautstarke Entrüstung unter den rund 50 Zuschauern aus, die dem Aufruf der Gewerkschaft gefolgt waren, Ronny F. vor Gericht zu unterstützen: Nach Ansicht der Beklagten habe F. »auf eigenes Risiko gehandelt«, als er sich für andere einsetzte.

Quelle

https://www.jungewelt.de/artikel/349717.auf-eigenes-risiko-ronny-hat-s-richtig-gemacht.html

Gegen System und Kapital!


www.mlpd.de

Fritz Linow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1591
Zitat
Indem er über die Gewerkschaft die Öffentlichkeit eingeschaltet habe, habe Ronny F. das Leiharbeitsunternehmen in ein schlechtes Licht gerückt.
Es geht um den Sklavenhändler Brunel: https://www.sueddeutsche.de/muenchen/bmw-rassismus-kuendigung-1.4339996

algol46

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 7
 ??? Meistens ist es doch anders herum, dass der Mitarbeiter wegen rassistischer Meinungsäußerung gefeuert wird. Wenn ich mir vorstelle, dass ich irgendwo neu anfange, dann halte ich mich doch mit Meinungsäußerungen zurück. Zumindestens bis die Probezeit vorbei ist. Auch wenn Andere rasisstische Äußerungen von sich geben, dann wende ich mich doch erst an ( hier in diesem Fall Verdi ) an den Betriebsrat oder Betriebsobmann im Betrieb, bevor ich mich gegen andere äußere. Ich vermute leider dass Ronny F. die Kündigung mit zu verantworten hat.

Ich kann Ronny F. verstehen, dass ihm diese rassistischen Äußerungen nicht gefallen haben. Da er vorher 1 Jahr arbeitslos war, hätte er lieber in den sauren Apfel beißen sollen, anstatt hier auf sein Recht zu pochen. Meiner Erfahrung nach wird in den Betrieben nie nach geltenden Recht enschieden, sondern nach Symphatie. Wenn du jemanden nicht passt, dann wird dieser Mittel und Wege finden dich loszuwerden. In der Probezeit bist du Freiwild.

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 13330
  • Fischkopp
Daß man in der Probezeit Freiwild ist und in Betrieben nach Sympathie und nicht nach Recht entschieden wird, ist ja richtig. Wenn man das als "normal" hinnimmt, macht man die Situation nur noch schlimmer. Deshalb finde ich deine Haltung ziemlich Panne.

Kündigung ist eine Keule mit der Ausbeuter ihre Beschäftigten bedrohen.

Dagegen hilft manchmal das Arbeitsrecht (Arbeitsgerichte/der Staat) oder
der Zusammenhalt der Kollegen (Solidarität!).

Deinen Spruch
Zitat
...dass Ronny F. die Kündigung mit zu verantworten hat
finde ich unsolidarisch.



rebelflori

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1027
Daß man in der Probezeit Freiwild ist und in Betrieben nach Sympathie und nicht nach Recht entschieden wird, ist ja richtig. Wenn man das als "normal" hinnimmt, macht man die Situation nur noch schlimmer. Deshalb finde ich deine Haltung ziemlich Panne.
Genau. Man wird nur physisch und psychisch kaputt gemacht und was man sich erhofft, kriegt man eh nicht z. B. einen Festvertrag.

@algol46 Vielleicht bräuchtest du mal eine kleine Deutschnachhilfe. Was glaubst du bedeutet denn das Wort Probe?

Werners_Stolz_IGL

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 8
Da es um BMW geht und gerade aktuell ist, stelle ich die Presseanfrage hier rein:

Ein Nachrichtenmagazin sucht für eine Recherche Leiharbeiter, die schon länger bei BMW beschäftigt sind. Falls also jemand jemanden kennt, der jemanden kennt und so weiter, kann sich gerne unter kontakt@igleiharbeit.de melden.

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 13330
  • Fischkopp
Zitat
Kündigung wegen einem Gespräch mit dem Betriebsrat unzulässig

Ronny F. hat alles richtig gemacht! Der Leiharbeiter wehrte sich gegen rassistische Sprüche von Kollegen bei BMW in München und ging zum Betriebsrat. Dann wollten BMW und die Leiharbeitsfirma Brunel GmbH ihn loswerden. Das Arbeitsgericht München erklärte seine Kündigung jetzt für ungültig. Im Urteil stellte das Gericht zudem klar: Weder die Leiharbeitsfirma noch BMW haben einen Anspruch darauf zu erfahren, ob, wann und mit welchem Ziel ein Arbeiter den Betriebsrat aufsucht.
https://arbeitsunrecht.de/frontberichte-04-2019/#anker04

algol46

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 7
 :)
Zitat
Deinen Spruch
Zitat

    ...dass Ronny F. die Kündigung mit zu verantworten hat

finde ich unsolidarisch.

@Kuddel - Solidarität gibt es meinerseits nur für Leute die sich selbst korrekt verhalten. Ich bin der Ansicht, es gehört sich nicht in der Probezeit mit anderen Kollegen anzulegen. Zumindestens nur dann wenn ein Kollege einen persönlich beleidigt. Allgemeine rasisstische Äußerungen gehören da nicht dazu. Wenn einer sich abfällig über andere Menschen äußert, dann laß Ihn in Ruhe und gehe im aus dem Weg! Solange dies möglich ist, wird der soziale Frieden dadurch nicht gestört!

algol46

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 7
Zitat
Kündigung wegen einem Gespräch mit dem Betriebsrat unzulässig

Ronny F. hat alles richtig gemacht! Der Leiharbeiter wehrte sich gegen rassistische Sprüche von Kollegen bei BMW in München und ging zum Betriebsrat. Dann wollten BMW und die Leiharbeitsfirma Brunel GmbH ihn loswerden. Das Arbeitsgericht München erklärte seine Kündigung jetzt für ungültig. Im Urteil stellte das Gericht zudem klar: Weder die Leiharbeitsfirma noch BMW haben einen Anspruch darauf zu erfahren, ob, wann und mit welchem Ziel ein Arbeiter den Betriebsrat aufsucht.
https://arbeitsunrecht.de/frontberichte-04-2019/#anker04

 :D Schön für Ronny F.

Ronny F. wird "falls" er dort weiterarbeiten "darf" kein schönes Leben dort haben! Ob der Sieg für Ronny F. sich gelohnt hat? Warscheinlich wird er trotz seines Sieges nicht dort weiterarbeiten. Die Verleiher wird ihn sicherlich andersweitig los werden! Ich glaube nicht, dass Ronny F's. Karriere im Arbeitsleben erfolgreicher wird!  :D

Fritz Linow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1591
Solidarität gibt es meinerseits nur für Leute die sich selbst korrekt verhalten. Ich bin der Ansicht, es gehört sich nicht in der Probezeit mit anderen Kollegen anzulegen. Zumindestens nur dann wenn ein Kollege einen persönlich beleidigt. Allgemeine rasisstische Äußerungen gehören da nicht dazu. Wenn einer sich abfällig über andere Menschen äußert, dann laß Ihn in Ruhe und gehe im aus dem Weg! Solange dies möglich ist, wird der soziale Frieden dadurch nicht gestört!

Wieder Freigang?

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 13330
  • Fischkopp
@Kuddel - Solidarität gibt es meinerseits nur für Leute die sich selbst korrekt verhalten. Ich bin der Ansicht, es gehört sich nicht in der Probezeit mit anderen Kollegen anzulegen. (...) Solange dies möglich ist, wird der soziale Frieden dadurch nicht gestört!
Leute wie dich nennt man im Betrieb "Kollegenschwein".
Es sagt ja genug, wenn dir der Betriebsfrieden mehr bedeutet als die Kollegialität.

:D Schön für Ronny F.

Ronny F. wird "falls" er dort weiterarbeiten "darf" kein schönes Leben dort haben! Ob der Sieg für Ronny F. sich gelohnt hat? Warscheinlich wird er trotz seines Sieges nicht dort weiterarbeiten. Die Verleiher wird ihn sicherlich andersweitig los werden! Ich glaube nicht, dass Ronny F's. Karriere im Arbeitsleben erfolgreicher wird!  :D

Dein Smiley am Ende sagt alles.
Toller Typ!

counselor

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 4270
  • Sapere aude!
Allgemeine rasisstische Äußerungen gehören da nicht dazu.
Rassistische Äußerungen sind widerlich! Wer sowas macht, gehört zur Rede gestellt und abgemahnt!
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!