Autor Thema: Psychiatrie-Patient stirbt nach Zwangsmaßnahmen  (Gelesen 466 mal)

Kuddel

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Psychiatrie-Patient stirbt nach Zwangsmaßnahmen
« am: 10:19:27 So. 28.April 2019 »
Zitat
Psychiatrie-Patient stirbt nach Zwangsmaßnahmen

Fünf Tage nach einem umstrittenen Einsatz des Sicherheitsdienstes auf dem Gelände des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) ist ein Psychiatrie-Patient verstorben. Der 34-Jährige war am Ostersonntag gewaltsam fixiert worden und hatte dabei das Bewusstsein verloren. Jetzt ermittelt die Mordkommission.

Sicherheitsdienst wendet Zwangsmaßnahmen an

Der Kameruner sollte zu Ostern auf Anweisung einer Ärztin in der Psychiatrie untergebracht werden, da sich sein Zustand verschlechtert hatte. Zuvor war er freiwillig in der Klinik. Laut Polizei wendeten drei Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes Zwangsmaßnahmen an, als sich der Patient widersetzte.

Starb Psychiatrie-Patient durch Zwangsmaßnahmen?


Im Uni-Klinikum Hamburg-Eppendorf ist ein Patient der Psychiatrie ins Koma gefallen und gestorben, nachdem er zuvor offenbar vom Sicherheitspersonal gewaltsam fixiert worden war.

Bericht über brutales Vorgehen


Laut "taz" sollen sie dabei äußerst brutal vorgegangen sein, das hätten Augenzeugen berichtet. Der Mann verlor das Bewusstsein und musste reanimiert werden. Am Freitag verstarb er auf der Intensivstation der Klinik, bestätigte das UKE in einer Stellungnahme auf seiner Internetseite. Weitergehende Aussagen wollte die Klinik unter Verweis auf den Patientendatenschutz sowie die laufenden Ermittlungen derzeit nicht machen.

Mordkommission ermittelt

Bereits zuvor hatte die Polizei Ermittlungen gegen die Ärztin und die drei Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes eingeleitet. Am Sonnabend hat die Mordkommission die Ermittlungen wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge übernommen. Der Leichnam soll jetzt obduziert werden, um die genaue Todesursache zu klären. Laut "taz" soll ein UKE-Mitarbeiter von wiederholt rassistischen Beleidigungen durch den Sicherheitsdienst berichtet haben.
https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Psychiatrie-Patient-stirbt-nach-Zwangsmassnahmen,uke540.html

Mir geht es im Kopf drunter und drüber. Einerseits wundert es mich nicht, daß die Brutalisierung im Gesundheitswesen so radikal voranschreitet. Andererseits kriege ich Panik bei der Vorstellung, daß man in dem Fall eigener Hilflosigkeit den "Kräften des Marktes" und ihren brutalen Handlangern ausgeliefert ist. "Kümmern" sich heute Securityfirmen um das Fixieren von Patienten? Das hat früher dazu geeignetes Pflegepersonal gemacht. Und überhaupt... die Entwicklung in den Psychiatrien... Es gab einige Zeit eine Humanisierung durch kritisches Personal, durch die Diskussionen der Öffenlichkeit und durch eine Gesundheitsbewegung, die sich um die Zusammenhänge zwischen gesellschaftlichen Zuständen und der "Gesundheit" gemacht hat. Heute gibt es ein Rollback durch das Diktat der (Markt-)wirtschftlichkeit. Man ersetzt Personal durch Psychopharmaka. Das alles ist nicht weit weg. Es kann jeden von uns treffen. Die Entwicklungen im Gesundheitssektor sind mörderisch.

milchbrötchen

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Re: Psychiatrie-Patient stirbt nach Zwangsmaßnahmen
« Antwort #1 am: 11:57:31 So. 28.April 2019 »
Ja, Kuddel, ich stimme dir zu. Gestern habe ich diese Nachricht im TV Text gelesen. Mir wurde murmelig, schwindelig, eine tiefe Traurigkeit überfiel mich. Jetzt werde ich durch dich wieder auf das Thema gelenkt. Ich fühle mich ohnmächtig, ich habe Angst.   
Einer flog über das Kuckucksnest- war Realität , ist Realität und dient meinem Empfinden nach dazu Angst zu machen.
Eine verängstigte Gesellschaft wird still, die wenigen, die sich zu wehren trauen werden psychatrisiert. Sieben Jahre Psychatrie, weil die Frau die Verbindung zu entsprechenden Stellen hatte. Der Fall Mollath hat aufgedeckt, wie korrupt Gesundheitswesen, Justiz...sind. Ich weiß nicht was ich zuerst soll. Kotzen oder heulen.

Onkel Tom

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Re: Psychiatrie-Patient stirbt nach Zwangsmaßnahmen
« Antwort #2 am: 00:44:31 Di. 30.April 2019 »
Laut Obduktion hat er ein Herzinfarkt erlitten und Fixierung durch Sicherheitsdienst ist
eigendlich unüblich.. Doch Zeugenaussagen sprechen davon, das Sicherheitsleute dem
schon auf dem Boden liegenden Mann aus einem halben Meter Höhe mit den Knien ins
Kreuz gesprungen sind..

Das UKE wird das wohl noch beschwichtigen wollen doch derartiger Gewalteinwirkung,
die anbei Wirbel und Rippen brechen, kann ich mir vorstellen, das dies ein Herzinfarkt
herbei geführt hat..

Jedenfalls hat Security völlig überzogen gehandelt, in dem "nachgetreten" wurde, obwohl
er schon wehrlos auf dem Boden lag. (Versteckt ausgelebter Rassismus ?)  >:(
Lass Dich nicht verhartzen !

Kuddel

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Re: Psychiatrie-Patient stirbt nach Zwangsmaßnahmen
« Antwort #3 am: 11:56:02 Fr. 03.Mai 2019 »
Zitat
Sicherheitsdienst in Hamburger Krankenhaus tötet einen Patienten. Einmal Hautfarbe raten?
http://www.labournet.de/?p=147949

Zitat
William Tonou-Mbobda
Schleppende Aufklärung nach Tod in Uniklinik

Vorwürfe gegen Polizei aus Hamburger Black Community / SPD und Grüne zurückhaltend im Gesundheitsausschuss


Die Berichte über die Umstände des Todes des Kameruners William Tonou-Mbobda im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) am Freitag sind lückenhaft. Fest steht, dass der 34-jährige Student sich zunächst freiwillig wegen einer Erkrankung in die psychiatrische Abteilung des Klinikums begeben hatte. Als sich sein psychischer Zustand verschlechterte, sollte er in die geschlossene Abteilung der Klinik eingewiesen werden.

Nach übereinstimmenden Berichten setzte sich der Student auf eine Bank vor der Klinik, um eine Zigarette zu rauchen. Als er sich gegenüber dem Krankenhauspersonal weigerte, eine Tablette einzunehmen, sollen sich drei Mitarbeiter des Sicherheitspersonals auf den Mann gestürzt haben mit dem Ziel, ihn zu fixieren. Dabei sollen die Security-Männer laut »Hamburger Abendblatt« und »taz« den Patienten zu Boden geworfen und »immer wieder« in die Nieren getreten haben.

Eine Krankenhausmitarbeiterin habe dem Studenten dann ein Beruhigungsmittel verabreicht. Daraufhin verlor der Mann das Bewusstsein und musste reanimiert werden. Später wurde er in ein künstliches Koma versetzt und verstarb fünf Tage später.
(...)
weiter: https://www.neues-deutschland.de/artikel/1117876.william-tonou-mbobda-schleppende-aufklaerung-nach-tod-in-uniklinik.html

counselor

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Re: Psychiatrie-Patient stirbt nach Zwangsmaßnahmen
« Antwort #4 am: 15:15:03 Sa. 04.Mai 2019 »
Zitat
Fall des Psychiatrie-Patienten Mbobda - Er wollte Hilfe, und er fand den Tod

Tonou Mbobda stirbt im Hamburger Uni-Krankenhaus. Zuvor soll ihn das Sicherheitspersonal rassistisch beleidigt und brutal geschlagen haben.

HAMBURG taz | Fünf Tage haben Familie und Freunde von Tonou Mbobda ­gehofft und gebangt. Freitag kam die Nachricht: Er ist tot. Nach einem von Augenzeugen als äußerst brutal beschriebenen Übergriff im Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) durch drei Sicherheitsangestellte starb der 34-jährige gebürtige Kameruner. Und nicht nur das unmittelbare Umfeld des Toten sagt: Mbobda ist ein Opfer einer rassistisch motivierten Tat. „Wir wollen Gerechtigkeit, denn es hätte jede*n von uns als Schwarze Menschen treffen können“, sagte ein der Aktivist*innengruppe Black Community Hamburg am Sonntag bei einer Gedenkkundgebung vor dem UKE.

Quelle: http://www.taz.de/Fall-des-Psychiatrie-Patienten-Mbobda/!5588064/
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Frauenpower

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Re: Psychiatrie-Patient stirbt nach Zwangsmaßnahmen
« Antwort #5 am: 11:11:31 Fr. 10.Mai 2019 »
Ich war auch sehr betroffen, als ich das gelesen habe. Spontan musste ich auch an Oury Jalloh denken. Oder an Mollath, der den Weg nach Jahren aus der Psychiatrie zum Glück wieder herausfand, aber die verlorenen Jahre bringt ihm niemand zurück. Mollath stellt inzwischen Schadenersatzforderungen. Skepsis und Vorsicht bei Psychiatrie ist hochangebracht. Man lese auch was Gert Postel zum Psychiatrie-Wesen schreibt und herausfand.
Für den leider verstorbenen TonouMbobda gab es am 05.05.19 ein Mahnwache. https://twitter.com/hashtag/TonouMbobda?src=hash

Leider ist es inzwischen zu einem  z w e i t e n  Fixierungs-Tod in Hamburg gekommen!
Zitat
In Hamburg ist wieder ein Mann nach einem Zwischenfall bei einer Fixierung gestorben. Der 27-Jährige starb am Montag im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), nachdem er bei einem Polizeieinsatz in der vergangenen Woche einen Herz-Stillstand erlitten hatte. Die Polizei bestätigte gegenüber NDR 90,3 den Todesfall. Jetzt soll eine Eilsektion durchgeführt werden.
https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Beim-Einsatz-fixiert-Wieder-Mann-gestorben,rotherbaum130.html

Ich meine es ist noch gar nicht so lange her, dass das Thema Fixierungen Thema im Bundestag war. https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2019/kw14-de-fixierung-632806

Und  durch Zufall erfuhr ich auf Tagesschau 24 von einem für den Betroffenem tragischem Psychiatrie-Fall. Die Schwester des Betroffenen versuchte alles Mögliche, um ihn aus der Psychiatrie zu holen, für die er  per Strafprozess verurteilt war. Die Schwester schrieb ein Buch darüber: https://www.antipsychiatrieverlag.de/versand/titel/perez.htm
Zitat
Bianka Perez
Die Schwarze Liste. Nazi-Paragraf 63 StGB– weggesperrt und weggespritzt

ausführliche und mit Faksimiles von Behandlungsberichten, Gerichtsentscheiden, Gutachten und Strafanzeigen belegte Dokumentation über einen wegen einer eher geringfügigen Körperverletzung seit 2007 gerichtspsychiatrisch untergebrachten jungen Mann in Rheinland-Pfalz (u.a. Rheinhessen-Fachklinik Alzey, Klinik Nette-Gut), der mit Fixierung und jahrelanger folterartiger Isolationshaft gefügig gemacht werden soll, damit er endlich wieder die verordneten Psychopharmaka schluckt. Mit Zusatz-Informationen zum ähnlich gelagerten Fall Holger Zierd. Originalausgabe

Original-Verlagsinfo

Seit neun Jahren erleidet Michael Perez Folter – weggesperrt und weggespritzt in der forensischen Psychiatrie. Verurteilt nach Nazi-Paragraf 63 StGB auf der Grundlage eines falschen psychiatrischen Gutachtens. Wegen eines unbedachten Faustschlags. Es gibt viele Opfer wie ihn. Aber nicht jeder hat eine Schwester wie Bianka Perez. Unaufhaltsam kämpft sie für die Freilassung ihres Bruders. Ihre Gegner erscheinen übermächtig: Gutachter, Gerichte, Psychiater, Kliniken. Doch Bianka Perez kann das Unrecht dokumentieren, das an ihrem Bruder verübt wird. Sie nennt alle Namen: in der Schwarzen Liste. Man hat Michael Perez alles genommen, was ein menschenwürdiges Leben ausmacht. Nicht jedoch seine Hoffnung auf Gerechtigkeit und Freiheit.

Tragisch: nicht jede,r hat eine Schwester wie es der Betroffene hat. Laut der Fernsehreportage ist der Betroffene inzwischen entlassen, hat aber die Auflage, die Psychopharmaka (Neuroleptika) weiter zu schlucken.

Um so erschreckender, dass Bayern letztes Jahr anfing Reden von sich zu machen, psychisch Kranke wie Straftäter behandeln zu wollen! https://www.morgenpost.de/politik/article214043465/Bayern-will-Depressive-wie-potenzielle-Straftaeter-behandeln.html

in wikipedia:
Zitat
Das Bayerische Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz ist ein bayerisches Landesgesetz, das die Voraussetzungen und die Gestaltung der öffentlich-rechtlichen Unterbringung psychisch kranker Menschen sowie die Anwendung von Zwangsmaßnahmen regelt. Teil 1 trat zum 1. August 2018 in Kraft, Teil 2 tritt am 1. Januar 2019 in Kraft. Es löst das Gesetz über die Unterbringung psychisch Kranker und deren Betreuung von 1992 ab.
Kritik:
Zitat
Entgegen der Ankündigung des Gesetzgebers, mit dem Gesetz einen Beitrag zur Entstigmatisierung psychisch kranker Menschen zu leisten,[11] werde deren Stigmatisierung noch verstärkt.[12] Der besonders umstrittene Art. 35 BayPsychKHG in der Fassung des ersten Entwurfs sah die Führung einer Unterbringungsdatei vor, deren personalisierte Daten einschließlich des erhobenen Untersuchungsbefundes zur Verhinderung oder Verfolgung von Straftaten sowie zur Abwehr von Gefahren für Leben, Gesundheit oder Freiheit einer Person oder für bedeutende Sachwerte auch an die Polizei übermittelt werden durften (Art. 35 Abs. 2 Nr. 6 BayPsychKHG-E). Eine entsprechende Regelung wird zum 1. Januar 2021 für den bayerischen Maßregelvollzug in Kraft treten (Art. 38b Abs. 1 Nr. 22, 39 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BayPsychKHG, Art. 34a Bayerisches Maßregelvollzugsgesetz n.F., Einführung einer Maßregelvollzugsdatei). Die Unterbringung eines Patienten diene damit nicht mehr dem therapeutischen Ziel, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, sondern wie bei Straftätern allein der Gefahrenabwehr. Ausweislich der Begründung zum Gesetzesentwurf sollten mit dieser Regelung Zugriffsbefugnisse für den Bereich der Justiz, der Polizei und der Kreisverwaltungsbehörden eingeführt werden.[13] Insbesondere sollte die Polizeidienststelle, in deren Zuständigkeitsbereich das Bedürfnis für die Unterbringung aufgetreten war, von der bevorstehenden Entlassung benachrichtigt und auch notwendige Informationen für eine Gefährdungseinschätzung übermittelt werden (Art. 27 Abs. 4 BayPsychKHG-E). Das bayerische Polizeiaufgabengesetz hätte sodann eine Überwachung dieser Personen ermöglicht.
https://de.wikipedia.org/wiki/Bayerisches_Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz

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