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Moderne Arbeitsformen

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Kuddel:
Fabrikarbeit und Schichtarbeit gelten als der totale Horror.
Unmenschlich.

Man will lieber den eigenen Neigungen, seinen Energieschüben folgen und sich bei einem Down zurückziehen können. Homeoffice, Clickwork-Jobs, Freiberuflertum kommen diesen Vorstellungen entgegen.

Wenn man sich diese Entwicklung genauer ansieht, entwickelt sich nicht ein bedürfnisorientiertes Arbeiten, sondern die Arbeit gewinnt Überhand über das gesamte Leben und das Wort "Freizeit" gibt es eigentlich nicht mehr. Soziale Kontakte gehen auch den Bach runter.


--- Zitat ---Ich habe unter der Woche kein Sozialleben und finde das vollkommen okay

Mich selbst nach mindestens acht Stunden im Büro zu handlen reicht mir als Feierabendbeschäftigung. Ich spreche jobbedingt viel, gehe auf Bedürfnisse ein, diskutiere, verteidige und verteile. Die Aussicht auf einen bevorstehenden Abend, an dem ich einfach schweigend Netflix anmachen, nebenbei in Foren lesen und ohne Hose Eis essen kann, entspannt mich sofort. Oder ich gehe zum Sport und freue mich danach auf eine Dusche und mein Bett. Ja, gerne alleine.
--- Ende Zitat ---
https://ze.tt/ich-habe-unter-der-woche-kein-sozialleben-und-finde-das-vollkommen-okay/?utm_campaign=ref&utm_content=zett_zon_teaser_teaser_x&utm_medium=fix&utm_source=zon_zettaudev_int&wt_zmc=fix.int.zettaudev.zon.ref.zett.zon_teaser.teaser.x

Das Leben ist nur noch ein lästiges Anghängsel der Arbeitswelt.

Kuddel:
Homeoffice ist beliebt, aber es schlaucht und macht krank.


--- Zitat ---So sagen drei Viertel der Befragten, dass sie zu Hause konzentrierter arbeiten, zwei Drittel schaffen demnach am Wohnzimmertisch mehr Arbeit als im Büro. Aber die Krankenkasse warnt: Das flexible Arbeiten kann psychische Belastungen verstärken, Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen sind die Folge.

In der Umfrage fühlten sich 73,4 Prozent derjenigen, die häufig im Homeoffice arbeiten, in den vergangenen zwölf Monaten erschöpft. Bei denjenigen, die ausschließlich im Büro tätig sind, waren es 66 Prozent. Wie der AOK-Bundesverband weiter mitteilte, klagten im Homeoffice auch mehr Beschäftigte über Wut und Verärgerung (69,8 Prozent gegenüber 58,6 Prozent), bei Nervosität und Reizbarkeit waren es 67,5 Prozent im Vergleich zu 52,7 Prozent.

Deutliche Unterschiede gab es in der Befragung auch bei der Vereinbarkeit von Arbeit und Freizeit. So gaben für den Zeitraum der zurückliegenden vier Wochen 18,8 Prozent der Homeoffice-Arbeitenden an, dass sie damit Probleme gehabt hätten, aber nur 8,8 Prozent derjenigen, die nur im Betrieb arbeiten. Außerdem fällt es demnach schwerer, nach Feierabend abzuschalten (38,3 Prozent gegenüber 24,9 Prozent). "Im Homeoffice verschwimmt die Grenze zwischen Job und Privatleben stärker", sagte Helmut Schröder vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WidO). "Damit wächst das Risiko, dass Erholungsphasen schrumpfen."
--- Ende Zitat ---
https://www.zeit.de/arbeit/2019-09/aok-krankenkasse-versicherte-krankheitstage-erkaeltung-arbeitsplatz

ManOfConstantSorrow:
Homeoffice wird jetzt massenhaft durchgesetzt und wahrscheinlich zu einem Teil auch nach der Corona Epidemie standard bleiben.

Es wird dabei kaum diskutiert, wie scheiße diese Arbeitsform für die meisten ist.

Kuddel:

--- Zitat ---Homeoffice: Die tückische Form der Ausbeutung

Für eine Zeit lang mag Homeoffice ja ganz sinnvoll sein. Es muss allerdings darauf geachtet werden, dass es nach Corona nicht zum Dauerzustand wird - zur Heimarbeit. Denn das hat keine guten Folgen.

Es heißt jetzt Homeoffice. Man hört die unterschiedlichsten Ansichten darüber. Die einen sind froh, dass sie sich nicht die Kollegen ansehen müssen. Die anderen ärgern sich, dass sie sie nicht mehr sehen. Die nächsten wiederum ärgern sich, dass sie den ganzen Tag die Familie um sich haben. Sie denken selten daran, dass die Familie auch sie um sich hat. Büroflirts sind abgeschafft. Bürotratsch nicht ganz. Man kann froh sein, dass man Homeoffice hat, andere haben derzeit gar keine Arbeit.

Es gibt Kollegen und Kolleginnen, die sagen, sie schafften jetzt mehr als früher. Noch vor dem Zähneputzen würden sie schauen, was sich auf ihrem Computer tut und kurz vor oder gar Mitternacht schauen sie noch einmal nach. Sie befinden sich in einer Welt vor dem Kampf um den Acht-Stunden-Tag. Andere erzählen davon, wie schwer es ihnen fällt, sich in der häuslichen, der eigentlich ja freizeitlichen Atmosphäre umzustellen auf Arbeit und die für die Erledigung der Aufgaben nötige Disziplin. Manchen gelingt es, die Familie einzuspannen: „Rechne doch bitte die Tabelle noch mal nach.“ Die zehnjährige Tochter macht das voller Stolz.

Nicht das Rad der Geschichte zurückdrehen

Das alles gab es schon einmal. Es hieß Heimarbeit. Sie gehörte zur frühen Industrialisierung. Sie gehört immer zur frühen Industrialisierung. Also auch heute. Die Haute Couture zum Beispiel ließ gerne in Heimarbeit produzieren. Nicht in schicken Pariser Schneidereien, sondern in Bangladesch oder in den Slums um Neapel. Ich sage ließ, weil ich nicht weiß, ob sich inzwischen daran etwas geändert hat.

Heimarbeit ist eine immer wieder besonders tückische Form der Ausbeutung. Der Heimarbeiter ist Unternehmer, aber ganz und gar abhängig vom Fabrikanten, der ihm das Material und die Arbeitsgeräte stellt und am Ende ihm die Produkte abkauft oder sie als Mangelware zurückweist. Der Heimarbeiter muss sich selbst um die Instandhaltung seiner Geräte und die Pflege seines Arbeitsplatzes kümmern.

Dem einen oder anderen wird jetzt der schlesische Weberaufstand von 1844 einfallen. Gerhart Hauptmann hat daraus sein 1894 das wilhelminische Deutschland aufrüttelnde Stück „Die Weber“ geschöpft. Es geht um Heimarbeit, um Ausbeutung im Gewand der Scheinselbstständigkeit. Man muss sich nur die Weberhütten vor Augen halten und das Schlesisch der Dialoge hören, um sofort zu wissen: Das ist unendlich weit weg.

Das ist es. Die Virologen, die uns Abstand empfehlen, um das Virus auszubremsen, wollen das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen. Aber wir sollten verhindern, dass es danach passiert.

Menschen werden durch Heimarbeit verkrüppelt

Womöglich kommt der eine oder andere Unternehmer auf die Idee: Das läuft doch ganz gut, lass uns so weitermachen. Homeoffice-Konferenzen sind eher wie Frontalunterricht. Einer sagt, wo und wie es lang geht, und jeder, der einen Einwand hat, hält auf oder steht gar im Weg. Nicht dass es das im üblichen Büroleben nicht auch gäbe, aber das Homeoffice und die dadurch sich ergebenden Kommunikationsformen verstärken diese Tendenz.

Wer im Büro ein Problem hatte mit dem Computer, der wandte sich an die IT-Abteilung. Das waren Damen und Herren mit sehr unterschiedlichen menschlichen und fachlichen Kompetenzen. Aber man kannte sie. Würde das Homeoffice zur Heimarbeit, wäre man auf anonyme telefonische Unterstützung angewiesen. So werden Menschen verkrüppelt. Die IT-Mitarbeiter ebenso wie die Heimarbeiter.
--- Ende Zitat ---
https://www.berliner-zeitung.de/lernen-arbeiten/heimarbeit-die-tueckische-form-der-ausbeutung-li.80175

Kuddel:

--- Zitat ---Der Siegeszug der Heimarbeit
Die Coronakrise hat Millionen Menschen zu Heimarbeitern gemacht. Firmen, bei denen Homeoffice bislang kein Thema war, müssen plötzlich umdenken. Forscher warnen jedoch: Im Homeoffice drohen Isolation und Depression.
--- Ende Zitat ---
https://www.deutschlandfunk.de/homeoffice-in-der-coronakrise-der-siegeszug-der-heimarbeit.724.de.html?dram:article_id=473982&utm_source=pocket-newtab

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