Autor Thema: Rußland  (Gelesen 205 mal)

Kuddel

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Rußland
« am: 18:52:24 Do. 18.Juli 2019 »
Bin gerade beim Stromern durch Youtube auf eine live Übertragung aus Moskau gestoßen.

Proteste gegen die Nichtzulassung diverser Kandidaten für die kommende Wahl. Da gibt es wohl seit Tagen Dauerkundgebungen mit offenem Microphon. Da scheint ordentlich Druck auf dem Kessel zu sein.

Ich verstehe von den flammenden Reden kein Wort.

Weiß jemand genaueres?

ManOfConstantSorrow

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Re: Rußland
« Antwort #1 am: 19:07:08 Sa. 27.Juli 2019 »
Zitat
Die Polizei hat in Moskau Hunderte Menschen festgenommen - kurz vor und während der neuen Proteste gegen den Ausschluss von Oppositionskandidaten bei der Kommunalwahl. Das Bürgerrechtsportal OVD-Info spricht von 638 Festnahmen, wobei sich diese Zahl kontinuierlich ändert. Die russische Agentur Interfax meldet 295 Festnahmen und beruft sich auf die Polizei. Augenzeugen berichten, dass auch viele Unbeteiligte von Beamten festgehalten werden.

 Zu der Kundgebung vor dem Moskauer Rathaus hatten zahlreiche von der Wahl ausgeschlossene Politiker sowie der bekannteste russische Oppositionsaktivist Alexej Nawalny aufgerufen. Dem Aufruf sind Polizeiangaben etwa 3500 Menschen gefolgt. Die Demonstration ist jedoch nicht genehmigt. Die Polizisten sicherten am Nachmittag das Rathaus mit einem Großaufgebot und sperrten den Bereich mit Einsatzfahrzeugen und Linienbussen.

Im Vorfeld hatten die Behörden angekündigt, hart gegen Teilnehmer und Oppositionelle vorzugehen und die Ankündigung zum Teil bereits vor der Kundgebung umgesetzt.

https://www.tagesschau.de/ausland/opposition-moskau-105.html

livestream: https://www.youtube.com/watch?v=npk2_3n86Xo
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Kuddel

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Re: Rußland
« Antwort #2 am: 19:29:52 Sa. 27.Juli 2019 »
Völlig ätzend.
Einige Tausend Leute wie auf einem Sommerfest in T-Shirts, kurzen Hosen, Badelatschen, völlig entspannt, um sie rum ebensoviele Bullen und die kommen in Fünfertrupps, greifen sich jemanden beliebig aus der Menge, um ihn/sie in die Gefangenenbusse zu schleppen. Ich schätze, alle 20 Sekunden eine Festnahme. Widerstandslos. Einmal gab es einen Sprechchor gegen die Bullen: "Faschisten! Faschisten!"

Kuddel

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Re: Rußland
« Antwort #3 am: 08:34:21 So. 28.Juli 2019 »
Zitat
Die Moskauer Polizei hatte gestern bei einer nicht genehmigten Kundgebung mehr als 1.000 Menschen festgenommen.
https://www.deutschlandfunk.de/moskau-eu-kritisiert-massenhafte-festnahmen.2932.de.html?drn:news_id=1032450

Die Meldung kann man den Putinfreunden mal um die Ohren hauen!

Troll

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Re: Rußland
« Antwort #4 am: 15:44:00 Mo. 29.Juli 2019 »
Unbedingt!
Mir geht die jeweilig einseitige Berichterstattung auf den Zeiger, immer noch quälend im Kopf:

Zitat
200 Millionen, das sind 2,6 Prozent der heutigen Weltbevölkerung – so viele muss man erst einmal mobilisieren. Indischen Gewerkschaften ist das gelungen. Ein Weltereignis? Denkste. Denn während allzu häufig einzelne Gewalttaten durch die überregionale Presse gehen, herrschte absolute Funkstille über den Generalstreik. Das lag an der Ignoranz der großen Nachrichtenagenturen. Auf diese sind fast alle Medien angewiesen. Denn heute verfügen sie nicht mehr über eigene Korrespondenten in vielen Teilen der Welt. Deshalb schaffen es Ereignisse es meist nur dann auf die große Playlist, wenn dpa und Co sie aufgreifen, journalistisch aufbereiten und gegen Geld an die Presse weitergeben.

Das ND, offenbar durch eigene Korrespondenz informiert, tat das einzig Vernünftige: Es fragte bei der größten deutschen Nachrichtenagentur dpa nach, die natürlich auch über Mitarbeiter in Indien verfügt. Antwort: Sie habe nicht über den Streik berichtet, da die Zahl der Beteiligten für sie nicht verifizierbar gewesen sei. Außerdem sei es weder zu größeren Ausschreitungen noch zu Todesfällen gekommen. Man habe, so ein dpa-Vertreter laut ND, „den Generalstreik daher als irrelevant erachtet“.

Aus: https://kenfm.de/tagesdosis-14-1-2019-ganz-indien-streikt-die-presse-schweigt/

Das pack ich bis heute nicht!
Ärmste Bevölkerungsschicht, Sklaven aller Industrienationen, 200 Mio. Menschen streiken und NICHTS, diese alltäglich beschissene Heuchelei ist unerträglich.
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti

ManOfConstantSorrow

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Re: Rußland
« Antwort #5 am: 13:51:11 Do. 29.August 2019 »
Zitat
Neue Jobs bei Russlands Nationalgarde: Verstärkung gegen Proteste?

Russlands Nationalgarde sucht neue Mitarbeiter. Die Stellenbeschreibung eines Jobangebots wirft jedoch Fragen auf, denn zu den genannten Aufgaben gehört auch die "Unterdrückung von Unruhen".
https://www.dw.com/de/neue-jobs-bei-russlands-nationalgarde-verst%C3%A4rkung-gegen-proteste/a-50199331
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Kuddel

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Re: Rußland
« Antwort #6 am: 09:41:09 So. 22.September 2019 »
Zitat
Proteste gegen Deponie
Hartnäckig gegen Moskaus Müllpläne

In einem weitgehend unberührten nordrussischen Waldgebiet soll eine der größten Deponien Europas entstehen - für Müll aus dem weit entfernten Moskau. Längst protestieren nicht mehr nur Anwohner.




 Das mit den Barrikaden ist durchaus wörtlich zu nehmen. An allen Zufahrtswegen zur Deponiebaustelle haben die Aktivisten Stellung bezogen. Sie harren in provisorischen Unterständen aus, die mehr schlecht als recht gegen Wind und Wetter schützen. Junge und Alte, aus allen Schichten, von überall her.

"Wir stehen hier", sagt ein junger Mann, der seinen Namen lieber nicht nennen möchte, "um zu verhindern, dass die Tanklaster zur Baustelle in Schijes gelangen". Eine Barrikade nicht aus Fahrzeugen oder Baumstämmen, sondern aus Menschen.

Ein Ort mit besonderer Bedeutung

Der eh schon morastige Weg ins Hauptlager, der nach dem nächtlichen Regen eher einer Seenplatte gleicht, führt durch dichten, herbstlich gefärbten Wald. Ein Wald, mit und von dem die Bewohner der Regionen Komi und Archangelsk leben - vom Wild, von den Fischen, Beeren, den Pilzen und dem sauberen Wasser.

Sergej, der so viel Zeit wie möglich im Lager verbringt, schüttelt den Kopf. Wie so viele kann auch er nicht begreifen, warum ausgerechnet hier in Plastik verpackter, geschredderter Abfall - von Altreifen über Plastik bis hin zu Restmüll - deponiert werden soll. "Überall hier sind Bäche und Flüsse, die weiterführen bis ins Nordmeer, ins Weiße Meer." Eine Umweltkatastrophe, warnen Aktivisten wie Experten, sei quasi vorprogrammiert.

"Ohne uns wäre hier schon eine Deponie"

Vom großen Schotterhügel jenseits der Bahntrasse, auf dem ein schwarz gekleideter, vermummter privater Sicherheitsmann steht, hat man freien Blick auf das bereits abgeholzte, mit Betonplatten versiegelte Areal. "Ohne uns", ist Sergej überzeugt, "würden hier bereits 20.000 Wagonladungen Müll liegen".

Der Plan sei es gewesen, im Laufe der Zeit immer mehr Wald abzuholzen, die Fläche zu versiegeln, um am Ende auf einer Fläche von 5000 Hektar Müll unterzubringen.

Für den Gouverneur ein Projekt mit Priorität

In der für Schijes zuständigen Verwaltung von Archangelsk weist man solche Aussagen zurück. Zurzeit, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme, befinde sich das Projekt in der Vorbereitungsphase. Die bisherigen Bauten dienten allein der Projektierung. Bevor mit dem eigentlichen Bau begonnen werden könne, müssten erst die entsprechenden Gutachten vorliegen und öffentliche Anhörungen durchgeführt werden.

Das Grundstück, das der Investor gewählt habe, erfülle aber alle Kriterien, die es für eine Platzierung eines solchen Objektes gebe. So handele es sich unter anderem nicht um ein Naturschutzgebiet.

Grundsätzlich, heißt es, sei das Projekt auf jeden Fall wünschenswert. Weil es der gesamten Region, auch den umliegenden Dörfern, zugute komme.

"Wir wollen weder euren Müll, noch euer Geld"

Laut und vernehmlich schallt Koljas Protestsong durch das Lager. Den Worten der Gebietsverwaltung glauben sie hier schon lange nicht mehr. Vor mehr als einem Jahr, erzählt Ludmilla, die sich am Holzofen aufwärmt, habe man angefangen zu bauen. Heimlich. Dann sei von einer Fabrik die Rede gewesen. Erst nach und nach sei auf Drängen der örtlichen Abgeordneten und der Aktivsten alles herausgekommen.

Seit über einem Jahr sind sie deshalb nun draußen und kontrollieren, was sich auf der Baustelle von Schijes tut. Sie protokollieren alles, was gegen geltendes Recht verstößt, reichen Klagen ein.

Die privaten, schwarz maskierten Sicherheitsleute protokollieren ihrerseits genau das Kommen und Gehen der Aktivisten.

"Wir geben nicht nach"


Anna, die seit langem dabei ist, hat sich an diesen psychologischen Kleinkrieg längst gewöhnt. Ungerührt schreibt sie einen neuen Dienstplan. Fünf Posten sind rund um die Uhr zu besetzen. Freiwillige zu finden ist kein Problem. Fast alle sind zum wiederholten Mal hier.

Einen Winter habe man schon überstanden. Man werde auch den nächsten überstehen, sagt Anna gänzlich ohne Pathos. "Wer uns aus dem Weg räumen will, der muss schon über Leichen gehen." Die Deponie werde es nicht geben. Punkt.


Das Lager der Aktivisten in Schijes

Ein Machtwort von oben?

Sie haben bei ihrem Protest schon Prügel bezogen. Es laufen Gerichtsprozesse gegen sie. Eine Mehrheit der Bevölkerung im hohen Norden aber, das zeigen Umfragen, steht hinter ihnen.

Auf der Baustelle ruhen zurzeit die Arbeiten. Zum einen, weil die Aktivisten erfolgreich die Zufahrtswege blockieren. Zum anderen, weil sich Präsident Wladimir Putin eingemischt hat.

Ein Machtwort von oben steht noch aus. Ein Zeichen von unten soll es heute geben - beim landesweiten Protesttag gegen die Verklappung von Moskauer Müll im Hohen Norden.
https://www.tagesschau.de/ausland/schijes-muelldeponie-101.html

ManOfConstantSorrow

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Re: Rußland
« Antwort #7 am: 18:11:31 So. 29.September 2019 »
Zehntausende Menschen haben in Moskau die Freilassung inhaftierter Demonstranten gefordert.

Nach Polizeiangaben versammelten sich rund 20.000 Menschen zu der genehmigten Kundgebung. Unter den Teilnehmern war auch Kremlkritiker Nawalny. Die Demonstranten riefen „Freiheit für alle“. Aus der Menge ragten Fahnen zahlreicher Oppositionsgruppen hervor.

Bei den Protesten für freie und faire Kommunalwahlen hatte es im Juli und August tausende Festnahmen gegeben. Die teils hohen Gefängnisstrafen sowie ein mutmaßlich brutales Vorgehen der Polizei hatte die Öffentlichkeit empört.

https://www.deutschlandfunk.de/russland-zehntausende-demonstrieren-in-moskau.2932.de.html?drn:news_id=1054287
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