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Patientenpingpong

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unkraut:
Tach jesagt , einige kennen mich noch als Leihkeule und Co-Buchautor und später als Störenfried Airport HAM und TXL .

Das ist jetzt kein Jammerpost sondern nur mal so erzählt .

März 17 haben mich zwei Infarkte gesundheitlich ausgenockt  mit sofortigem Berufsverbot . Ich bin jetzt 57 .
Seit 03/17 durch gehend AU . Pfingsten letztes Jahr dann nächste Herz-OP .
Es ging ständig nur hin und her , KK (Krankenkasse)<> DRV (Deutsche Rentenversicherung) >< AfA (Agentur für Arbeit) keiner wollte zuständig sein oder besser gesagt _ keiner wollte zahlen . Dann folgten Rehas und Gutachten . So wie es die Kostenträger erwarten > Selbstverständlich arbeitsfähig entsprechend den gesundheitlichen Einschränkungen . Sprich : zum Kinokarten abreißen reichts alle mal noch .
Hinter vorgehaltener Hand heißt es : Hr. Unkraut es gibt keinen Job für Sie . Umschulung sprich berufliche Um / Neuorientierung wurde von der DRV abgelehnt . (zu alt) . Ich solle mir einen Arbeitgeber suchen der mit meinen Einschränkungen kein Problem hätte .
Ist praktisch genau so als wenn sich eine allein erziehende Mutter mit zwei kleinen Kindern beweben würde .
Die DRV sicherte Eingliederungszuschüsse zu . Nun hatte ich einen AG gefunden .... und die DRV lehnt ab . Die AfA sieht 450_er gar nicht gern ( O-Ton ) . Und die Krönung war das fünf SB und ein Pseudogutachter neun  !!! Wochen lang geprüft haben ob mir nach 40 durchgehenden Arbeitsjahren ALG1 zu stünde .
03/20 stehe ich dann bei H4 .
Was sagt das über unser Solidarsystem aus ? So lange man einzahlt ist es gut . Aber wehe es tritt der Leistungsfall ein ....
Keiner sucht sich so was aus ... schlimm genug das man nicht mehr kann . Ist auch psychisch unheimlich belastend .
Man kämpft gegen Windmühlen .

In 12 Monaten hat die AfA nur gefordert . Von fördern keine Rede .
Wenn dann bekommt man eh nur Midi / Minijobs . Und bei uns in der Provinz sowieso nur in den vier Sommermonaten . Hier gibts nur Altenpflege (darf ich durch mein Handicap nicht) und Tourismus im freien Arbeitsmarkt . Toiletten putzen auf dem Zeltplatz : selbst damit hätte ich kein Problem . Kann und darf ich leider körperlich nicht mehr . 
Ist wie im Hamsterrad .

Nette Grüße vom Unkraut

BGS:
Moin "Unkraut", hört sich schrecklich an. Hoffentlich öffnen Deine Worte wenigstens Einigen die Augen.

Die allerbesten Wünsche!

MfG

BGS

admin:
Hallo Unkraut!

Es ist schön, wieder von dir zu hören!
Besser wäre es, du hättest nicht diese schlimmen Sachen am Bein, von denen du erzählst. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Ich sehe mir gelegentlich die Suchbegriffe an, mit denen dieses Forum aufgesucht wird. Die größte Zahl der Suchbegriffe drehen sich irgendwie um die Gesundheit. Offen reden, mag da kaum jemand drüber, doch ein Großteil der Menschen scheint da Probleme zu haben. Menschen werden in dieser Arbeitswelt verschlissen und anschließend ausgekotzt. Es sind würdelose Zustände.

Ich habe vor kurzem einen iranischen Kurden besucht, den ich in den 80er Jahren kennengelernt habe, als er als kritischer Dokumentarfilmer den Iran verlassen mußte, um dem Knast zu entgehen. Er hat seit dem hier in der Gastronomie gearbeitet. Er hatte 5(!) Schlaganfälle und er ist echt hinüber, sitzt im Rollstuhl, lebt in einem Kaff am Arsch der Welt und kann kaum mehr was machen.

Hier im Forum war früher der LKW Fahrer BakuRock sehr aktiv. Ein Arbeitsunfall hat ihn nicht nur aus der Arbeitswelt geworfen, sein Gesundheitszustand hat sich weiter verschlechtert und sein Leben ist insgesamt sehr eingeschränkt.

Das ist alles sehr bitter und eigentlich sind diverse Dinge erkämpft worden, damit das Schicksal, der von solchen Unfällen und Krankheiten heimgesuchten Menschen, etwas einfacher zu bewältigen ist, und das Leben wieder etwas angenehmer macht. Aber die neoliberale Zerschlagung der sozialen Absicherungen und des Gesundheitswesens macht uns das Leben schwer.

Das Thema "Gesundheit" ist zwar extra in diesem Forum aufgeführt, doch wir haben noch keine Antwort darauf gefunden, wie wir auf die Verschlimmerung der Situation reagieren können.

Ich wünsche dir in dieser Angelegenheit eine gute Besserung, Mut und Durchhaltevermögen für den Umgang mit der Gesundheitsbranche und den Behörden und ich wünsche dir viel Glück und alles Gute.

Karsten (Admin)

Nikita:
Das Verhalten, das du von Seiten der Behörden beschreibst, ist leider die Blaupause. Am langen Arm verhungern lassen und die jeweils andere Behörde ist zuständig. Auch, dass sie inoffiziell zugeben, dass es keine Jobs für deinen Fall gibt, ist klassisch. Der Gutachter möchte die lukrativen Aufträge der Behörden behalten und passt mehr auf seine Quoten als auf Menschen auf.
Als unterste Ebene muss, falls mein Wissen noch aktuell ist, stets das Sozialamt zahlen, wenn sich Behörden nicht einigen können. Die können andere Behörden dann in Regress nehmen.
Generell ist mein Rat:
Hilfe bieten entweder die Gewerkschaft in Form von Rechtsberatung, Anwälten und Prozesskosten, falls du Mitglied bist oder sonst noch entsprechende Beratungsstellen. Die ändern nicht die Umstände, sorgen aber vielleicht dafür, dass man erst mal Geld und damit etwas Ruhe bekommt.
Als ich noch Sozialberatung gemacht habe und aktives Mitglied der FAU war, hatte ich einen Fall, für den keine Behörde zuständig sein wollte, mal durchgeboxt. Mein Trumpf war, dass die FAU einige Jahre zuvor eine unkonventionelle Demo vor dem Jobcenter gemacht hatte. Von ehemaligen Mitarbeitern der Behörde wussten wir, dass die ziemlich Bammel vor der FAU hatten. Das haben wir aufgegriffen und weitere Eskalation in diese Richtung angekündigt, wenn das Spiel so weitergeht und wir haben deutlich gemacht, dass der Antragsteller dabei ist, an dem Verhalten der Behörden zugrunde zu gehen. Daraufhin wurden ihm zeitnah Leistungen gewährt. Später hat er mit einem DGB-Gewerkschaftsanwalt seine EU-Rente durchbekommen. Was ihm aber gar nichts bringt, weil er mit Grundsicherung aufstocken muss. Die EU-Rente hilft also nur dem Sozialamt und er hat zwei Behörden an der Backe.
Natürlich ist das zugrunde liegende menschenverachtende System das Problem. Das muss bekämpft werden.

Onkel Tom:
Moin Unkraut  :)

Schön, von dir wieder was zu lesen und übel, wie "Pingpong" Du das Zuständigkeits-
gehampel zwichen den Ämtern erleben musst.

Bei so viel Herzklabaster sollten sie Butter bei den Fischen bringen und dich mit Behördengenerve
in Ruhe lassen.. Meine Meinung.

Das uns H4 und Co. die Haut abzieht, diskutierten wir ja so ab 2007 schon.

Hoffentlich kommst Du bald in ruhigeres Gewässer  ;)

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