Autor Thema: Patientenpingpong  (Gelesen 510 mal)

unkraut

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Patientenpingpong
« am: 20:07:07 Mi. 21.August 2019 »
Tach jesagt , einige kennen mich noch als Leihkeule und Co-Buchautor und später als Störenfried Airport HAM und TXL .

Das ist jetzt kein Jammerpost sondern nur mal so erzählt .

März 17 haben mich zwei Infarkte gesundheitlich ausgenockt  mit sofortigem Berufsverbot . Ich bin jetzt 57 .
Seit 03/17 durch gehend AU . Pfingsten letztes Jahr dann nächste Herz-OP .
Es ging ständig nur hin und her , KK (Krankenkasse)<> DRV (Deutsche Rentenversicherung) >< AfA (Agentur für Arbeit) keiner wollte zuständig sein oder besser gesagt _ keiner wollte zahlen . Dann folgten Rehas und Gutachten . So wie es die Kostenträger erwarten > Selbstverständlich arbeitsfähig entsprechend den gesundheitlichen Einschränkungen . Sprich : zum Kinokarten abreißen reichts alle mal noch .
Hinter vorgehaltener Hand heißt es : Hr. Unkraut es gibt keinen Job für Sie . Umschulung sprich berufliche Um / Neuorientierung wurde von der DRV abgelehnt . (zu alt) . Ich solle mir einen Arbeitgeber suchen der mit meinen Einschränkungen kein Problem hätte .
Ist praktisch genau so als wenn sich eine allein erziehende Mutter mit zwei kleinen Kindern beweben würde .
Die DRV sicherte Eingliederungszuschüsse zu . Nun hatte ich einen AG gefunden .... und die DRV lehnt ab . Die AfA sieht 450_er gar nicht gern ( O-Ton ) . Und die Krönung war das fünf SB und ein Pseudogutachter neun  !!! Wochen lang geprüft haben ob mir nach 40 durchgehenden Arbeitsjahren ALG1 zu stünde .
03/20 stehe ich dann bei H4 .
Was sagt das über unser Solidarsystem aus ? So lange man einzahlt ist es gut . Aber wehe es tritt der Leistungsfall ein ....
Keiner sucht sich so was aus ... schlimm genug das man nicht mehr kann . Ist auch psychisch unheimlich belastend .
Man kämpft gegen Windmühlen .

In 12 Monaten hat die AfA nur gefordert . Von fördern keine Rede .
Wenn dann bekommt man eh nur Midi / Minijobs . Und bei uns in der Provinz sowieso nur in den vier Sommermonaten . Hier gibts nur Altenpflege (darf ich durch mein Handicap nicht) und Tourismus im freien Arbeitsmarkt . Toiletten putzen auf dem Zeltplatz : selbst damit hätte ich kein Problem . Kann und darf ich leider körperlich nicht mehr . 
Ist wie im Hamsterrad .

Nette Grüße vom Unkraut

Noch Fragen Hauser ? Ja Kienzle , wer ist eigentlich Unkraut ?

Wir wagen es nicht weil es schwierig ist sondern es ist schwierig weil wir es nicht wagen .

Mein Buchtip als Gastautor :  Fleißig , billig , schutzlos - Leiharbeiter in Deutschland  > ISBN-10: 3771643945

BGS

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Re: Patientenpingpong
« Antwort #1 am: 20:26:37 Mi. 21.August 2019 »
Moin "Unkraut", hört sich schrecklich an. Hoffentlich öffnen Deine Worte wenigstens Einigen die Augen.

Die allerbesten Wünsche!

MfG

BGS
"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

https://forum.chefduzen.de/index.php/topic,21713.1020.html#lastPost
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)

admin

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Re: Patientenpingpong
« Antwort #2 am: 21:15:19 Mi. 21.August 2019 »
Hallo Unkraut!

Es ist schön, wieder von dir zu hören!
Besser wäre es, du hättest nicht diese schlimmen Sachen am Bein, von denen du erzählst. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Ich sehe mir gelegentlich die Suchbegriffe an, mit denen dieses Forum aufgesucht wird. Die größte Zahl der Suchbegriffe drehen sich irgendwie um die Gesundheit. Offen reden, mag da kaum jemand drüber, doch ein Großteil der Menschen scheint da Probleme zu haben. Menschen werden in dieser Arbeitswelt verschlissen und anschließend ausgekotzt. Es sind würdelose Zustände.

Ich habe vor kurzem einen iranischen Kurden besucht, den ich in den 80er Jahren kennengelernt habe, als er als kritischer Dokumentarfilmer den Iran verlassen mußte, um dem Knast zu entgehen. Er hat seit dem hier in der Gastronomie gearbeitet. Er hatte 5(!) Schlaganfälle und er ist echt hinüber, sitzt im Rollstuhl, lebt in einem Kaff am Arsch der Welt und kann kaum mehr was machen.

Hier im Forum war früher der LKW Fahrer BakuRock sehr aktiv. Ein Arbeitsunfall hat ihn nicht nur aus der Arbeitswelt geworfen, sein Gesundheitszustand hat sich weiter verschlechtert und sein Leben ist insgesamt sehr eingeschränkt.

Das ist alles sehr bitter und eigentlich sind diverse Dinge erkämpft worden, damit das Schicksal, der von solchen Unfällen und Krankheiten heimgesuchten Menschen, etwas einfacher zu bewältigen ist, und das Leben wieder etwas angenehmer macht. Aber die neoliberale Zerschlagung der sozialen Absicherungen und des Gesundheitswesens macht uns das Leben schwer.

Das Thema "Gesundheit" ist zwar extra in diesem Forum aufgeführt, doch wir haben noch keine Antwort darauf gefunden, wie wir auf die Verschlimmerung der Situation reagieren können.

Ich wünsche dir in dieser Angelegenheit eine gute Besserung, Mut und Durchhaltevermögen für den Umgang mit der Gesundheitsbranche und den Behörden und ich wünsche dir viel Glück und alles Gute.

Karsten (Admin)

Nikita

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Re: Patientenpingpong
« Antwort #3 am: 23:19:24 Mi. 21.August 2019 »
Das Verhalten, das du von Seiten der Behörden beschreibst, ist leider die Blaupause. Am langen Arm verhungern lassen und die jeweils andere Behörde ist zuständig. Auch, dass sie inoffiziell zugeben, dass es keine Jobs für deinen Fall gibt, ist klassisch. Der Gutachter möchte die lukrativen Aufträge der Behörden behalten und passt mehr auf seine Quoten als auf Menschen auf.
Als unterste Ebene muss, falls mein Wissen noch aktuell ist, stets das Sozialamt zahlen, wenn sich Behörden nicht einigen können. Die können andere Behörden dann in Regress nehmen.
Generell ist mein Rat:
Hilfe bieten entweder die Gewerkschaft in Form von Rechtsberatung, Anwälten und Prozesskosten, falls du Mitglied bist oder sonst noch entsprechende Beratungsstellen. Die ändern nicht die Umstände, sorgen aber vielleicht dafür, dass man erst mal Geld und damit etwas Ruhe bekommt.
Als ich noch Sozialberatung gemacht habe und aktives Mitglied der FAU war, hatte ich einen Fall, für den keine Behörde zuständig sein wollte, mal durchgeboxt. Mein Trumpf war, dass die FAU einige Jahre zuvor eine unkonventionelle Demo vor dem Jobcenter gemacht hatte. Von ehemaligen Mitarbeitern der Behörde wussten wir, dass die ziemlich Bammel vor der FAU hatten. Das haben wir aufgegriffen und weitere Eskalation in diese Richtung angekündigt, wenn das Spiel so weitergeht und wir haben deutlich gemacht, dass der Antragsteller dabei ist, an dem Verhalten der Behörden zugrunde zu gehen. Daraufhin wurden ihm zeitnah Leistungen gewährt. Später hat er mit einem DGB-Gewerkschaftsanwalt seine EU-Rente durchbekommen. Was ihm aber gar nichts bringt, weil er mit Grundsicherung aufstocken muss. Die EU-Rente hilft also nur dem Sozialamt und er hat zwei Behörden an der Backe.
Natürlich ist das zugrunde liegende menschenverachtende System das Problem. Das muss bekämpft werden.

Onkel Tom

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Re: Patientenpingpong
« Antwort #4 am: 17:45:12 Do. 22.August 2019 »
Moin Unkraut  :)

Schön, von dir wieder was zu lesen und übel, wie "Pingpong" Du das Zuständigkeits-
gehampel zwichen den Ämtern erleben musst.

Bei so viel Herzklabaster sollten sie Butter bei den Fischen bringen und dich mit Behördengenerve
in Ruhe lassen.. Meine Meinung.

Das uns H4 und Co. die Haut abzieht, diskutierten wir ja so ab 2007 schon.

Hoffentlich kommst Du bald in ruhigeres Gewässer  ;)
Lass Dich nicht verhartzen !

unkraut

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Re: Patientenpingpong
« Antwort #5 am: 19:51:51 Do. 22.August 2019 »
Tach jesacht , mit ler weile lernt man ja in Reha oder Wartezimmern der Fachärzte den einen oder anderen kennen . Was man da zu Gehör bekommt bzw. mit erlebt das ist das bei mir noch " Ponyhof " .
ich hatte in der Reha nach 7 Tagen meine Akte in der Hand ( sollte die von der CA Kardio mit nehmen und auf Station abgeben )  und bin auf Bude und hab erst mal geblättert . Da stand nach 7 Tagen schon der Entlassungsbericht fix und fertig drin . Dazu Schreiben an die DRV wie ich mich verhalte ( also aktiv mit mache oder bockig bin .... ) Unkraut hat alles abfotographiert .
Nach der Reha habe ich dann entsprechende Post an den Klinikvorstand , die KK und DRV geschrieben .
Hat keine Sau interessiert .

BakuRock hat es auch ausgenockt  :' mein Gott ....

Ach gestern hatte ich ein Bewerbungsgespräch . Der Unternehmer meinte doch tatsächlich das 13 (dreizehn) Wochenstunden ein Teilzeitjob wäre . Habe ihm viel Erfolg bei der weiteren Mitarbeitersuche gewünscht .

Ich muß aber sagen das ich wunderbare und kompetente Fachärzte habe . Und auch die Schwestern , Betreuer , Seelsorger , Ärzte und OP-Teams im Herzklinikum Bernau sind Spitze . Morgends um 5 kamen die Putzfrauen . Ich habe ihnen gesagt wie sehr ich ihre Arbeit schätze und wie wichtig doch diese Arbeit ist . Da fiel mir eine von ihnen um den Hals und fing an zu weinen .  Da braucht es keiner weiteren Worte . 

nette Grüße ... man liest sich
Noch Fragen Hauser ? Ja Kienzle , wer ist eigentlich Unkraut ?

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Wernichtsweissmussallesgl

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Re: Patientenpingpong
« Antwort #6 am: 20:09:24 Sa. 24.August 2019 »
Hallo Unkraut, denselben Mist mache ich im Moment selber mit. Habe mir Unterlagen für die Em Rente zukommen lassen. Bin also erst im Beantragsscheiss.  Weiss noch gar nicht so recht wer für mich zuständig ist. Ich nehme mal an zuerst das Sozialamt, weil ich keine 3 Std. mehr arbeiten kann. Aber das wird mit Sicherheit von der Rentenversicherung abgelehnt. Selbst das Hartz 4 Amt will mich nicht. Bin seit 2 Jahren Krankgeschrieben hauptsächlich wegen der Psychezusätzlich knockt mich ein Infarkt, eine COPD, und eine PAVK aus. D.h soviel   wie,nie mehr arbeiten. Aber schauen was die DRV dazu sagt.

Wernichtsweissmussallesgl

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Re: Patientenpingpong
« Antwort #7 am: 20:42:46 Sa. 24.August 2019 »
Ich bin ja mal gespannt auf meine Aussage beim Hartz 4 Amt, das ich nicht mehr in der Lage bin 3 Std. zu arbeiten. Da ist dann das Sozialamt zuständig.
Aber mal schauen was passiert.

Onkel Tom

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Re: Patientenpingpong
« Antwort #8 am: 10:39:38 So. 25.August 2019 »
Ich bin ja mal gespannt auf meine Aussage beim Hartz 4 Amt...

Bitte nicht vorauseilend handeln, da das Pingpong dann erst recht los geht, zumal gesundheitliche
Einschränkungen noch nicht begutachtet sind, die dazu führt EM-Rente / Grusi zu bekommen.

Wenn das JC meint, das Du ein Rentenantrag stellen sollst, ist das ok und bis zum Bescheid der
RV ist weiterhin das JC zuständig..

Du könntest Gefahr darin laufen, das das JC auf Grund deiner Aussage einfach die Leistungen einstellt
und dich zur Grusi verweist. Tja und Grusi schüttelt dich villeicht damit ab, weil die Begutachtung der RV
noch nicht abgeschlossen ist.

Ich hatte damals beim JC-Termin gesagt "Ich kann es mittlerweile nicht mehr einschätzen, in wie weit ich
überhaupt noch arbeitsfähig bin."
Mit diesem Spruch habe ich nur Zweifel kund getan, statt auf die unter oder über 3 Stunden Arbeitsfähigkeit
eine klare Antwort zu geben..

Darauf musste ich entsprechende Anträge stellen und hatte bis zum Rentenbescheid Null Probleme damit,
wer nun meine Brödchien bis dahin finanzieren musste.

Im Nachhinein hat sich das JC die Knete bei der RV wieder geholt, die in der "Prüfungszeit" angefallen ist.
Lass Dich nicht verhartzen !

unkraut

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Re: Patientenpingpong
« Antwort #9 am: 21:39:47 So. 25.August 2019 »
Ich ließe mich da ganz Onkel Tom an .
ich muß mich der AfA zur Verfügung stellen (von der KK bereits ausgesteuert ) im Rahmen meines Restleistungsvermögens . Sonst stellen die die Leistungen ein . Sobald man einen Reha / Rentenantrag stellt und der bei der DRV eingeht ist man wieder bei der DRV und beim JC , AfA raus . Solange man noch ein Restleistungsvermögen auf dem allg. Arbeitsmarkt hat ist die DRV zuständig .
So jedenfalls bei mir .

wernichtsweis ... zum ausfüllen des Rentenantrags  mach einen Termin bei der DRV . Erfahrungsgemäß dauert das aber ewig . Und die sind da auch recht lustlos zu so was .
Es gibt aber die sog. Versicherungsältesten . Die machen das ehrenamtlich und kommen zu Dir nach hause .
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counselor

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Re: Patientenpingpong
« Antwort #10 am: 21:54:14 So. 25.August 2019 »
Es gibt auch die Versicherungsämter. Hier für Aachen: https://serviceportal.aachen.de/suche/-/egov-bis-search/institution/44493
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Onkel Tom

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Re: Patientenpingpong
« Antwort #11 am: 11:01:23 Mo. 26.August 2019 »
...
Es gibt aber die sog. Versicherungsältesten . Die machen das ehrenamtlich und kommen zu Dir nach hause .

Ups, das wusste ich noch nicht. Ich hatte mich durch diesen fetten Papierwust selbst durchgeschlagen.
Beim sogenannten Selbsteinschätzungsbogen zum Gesundheitlichen musste ich so ein bissel darauf
achten, nicht zu fett auf zu tragen. Gefühlsmäßig lag ich da wohl ganz richtig, denn nachdem meine Docs
dazu befragt wurden, bekam ich dann ca. 7 Monate später den Verrentungsbescheid. Als ich diesen Din-
A4-Umschlag öffnete, konnte ich das erst nicht so wirklich glauben, das dies bei mir so reibungslos verlief.

Habe dazu ja auch viel im Elo-Forum dazu gelesen und ging bis zum Bescheid davon aus, das die
Prüfungszeit mir nur eine Schonzeit vor dem verhasstem JC beschert..
Nach der Verrentung haben sich Zweifel schnell zerschlagen, da durch den plötzlichen Wegfall von
Existenzängsten, sprich JC-Stress und den damit verbundenen Cortisolabbau die Folgeerscheinungen
richtig zum Ausdruck kamen..

Was zu den Anträgen auch wichtig ist, versuche nicht andere dazu mitverantwortlich zu machen, sondern
beschreibe nur, wie es dir geht bezüglich Leistungsfähigkeiten etc. Gerade beim Ausfüllen kommen gern
Mitteilungsbedürfnisse hoch, wie gewalttätig das JC so drauf ist. Blos nicht davon verleiten lassen !

Zieht man andere wie z.B. das JC in die Mitverantwortung, kann man damit rechnen kadegorisch abgelehnt
zu werden. Könnte wohl daran liegen, das anbei ein juristisches Faß geöffnet werden müsste oder so ähnlich.
Lass Dich nicht verhartzen !