Autor Thema: Sachgrundlose Befristung bei Arbeitsverträgen  (Gelesen 810 mal)

Kuddel

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Sachgrundlose Befristung bei Arbeitsverträgen
« am: 21:52:50 Mi. 21.August 2019 »
Zitat
Neuer Zeitvertrag nach 22 Jahren:
Arbeitsrichter erlauben Ausnahme bei befristeten Arbeitsverträgen


Die Richter am Bundesarbeitsgericht ermöglichen Arbeitgebern mehr Spielraum – obwohl die Bundesregierung die sachgrundlose Befristung einschränken will.

Ein Zeitvertrag ohne Sachgrund ist möglich, wenn die Vorbeschäftigung beim selben Arbeitgeber schon sehr lange zurückliegt.

Ein Arbeitgeber darf einen Arbeitnehmer nicht ohne Sachgrund befristet einstellen, wenn der Beschäftigte vorher schon einmal für ihn gearbeitet hat. So sieht es das Teilzeit- und Befristungsgesetz vor. Das gilt aber nicht, wenn die Vorbeschäftigung schon sehr lange zurückliegt. In diesem Fall ging es um ein Arbeitsverhältnis von vor 22 Jahren. So hat es diesen Mittwoch das Bundesarbeitsgericht entschieden (7 AZR 452/17).
https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/urteil-neuer-zeitvertrag-nach-22-jahren-arbeitsrichter-erlauben-ausnahme-bei-befristeten-arbeitsvertraegen/24928722.html

Kuddel

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Re: Sachgrundlose Befristung bei Arbeitsverträgen
« Antwort #1 am: 08:50:52 Fr. 18.September 2020 »
Zitat
Wegwerfware Mitarbeiter

Millionen Menschen haben nur befristete Jobs. Sie können ihr Leben kaum planen, nur damit Arbeitgeber minimal Flexibilität gewinnen. Die SPD trat mit dem Versprechen an, Zeitverträge einzudämmen - und vergisst es jetzt. Es ist erbärmlich.

(...)
Ein Nischenproblem ist die Befristung von Arbeitsverträgen nämlich längst nicht mehr. Vor allem jüngere Beschäftigte bekommen heute Jobs mit Verfallsdatum, der Einstieg ins Berufsleben ist in vielen Fällen prekär, trotz des doch so boomenden Arbeitsmarktes, den es bis zur jüngsten Zeit gab. 3,2 Millionen Stellen waren nach Berechnung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung im Jahr 2018 befristet, doppelt so viele wie noch zur Jahrtausendwende. Unter dem Entfristungsversprechen des Koalitionsvertrags und in der Regierungszeit der zwischenzeitlichen Entfristungspartei SPD ist diese Zahl zunächst sogar weiter gestiegen. In den meisten Fällen befristen Firmen dabei nicht einmal, weil jemand offiziell für einen Kollegen einspringt, der krank oder in Elternzeit ist, was man ja noch verstehen kann (aber längst nicht muss, Betriebe könnten auch für Vertretungsfälle genügend Personal vorhalten). Bei 1,8 Millionen Befristungen stand zuletzt nicht einmal ein Sachgrund im Vertrag. Anders gesagt: Arbeitgeber lassen Menschen ohne jede Erklärung zappeln, halten sie im Ungewissen, ohne sich dafür überhaupt rechtfertigen zu müssen.
(...)
Aus dem Haus von SPD-Arbeitsminister Hubertus Heil heißt es nun, im Moment gebe man Maßnahmen den Vorrang, die die Corona-Folgen eindämmen. Das Befristungsrecht gehört nicht dazu. Eine merkwürdige Kurzsichtigkeit: Denn gerade diese Krise mit Millionen Kurzarbeitern hat vielen erst verdeutlicht, wie schnell der Absturz, wie nah selbst in vermeintlich sicheren,unbefristeten Jobs die Kündigung sein kann. Da wäre es schön zu wissen, dass die nächste Stelle keine befristete ist.
https://www.sueddeutsche.de/karriere/befristung-spd-1.5035111