Autor Thema: Was will überhaupt die "Fridays for future"-Bewegung genau?  (Gelesen 5820 mal)

tleary

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Was will überhaupt die "Fridays for future"-Bewegung genau?
« am: 05:19:12 Do. 19.September 2019 »
Hi!

Ich frage mich die letzte Zeit immer wenn ich "Fridays for future" in den Medien höre oder sehe, für was diese Bewegung überhaupt genau steht?

Was mir aufgefallen ist: Sie hat einen Star. Das gefällt den Medien. Ein 16jähriges schwedisches Mädchen mit braunen Zöpfen. Aussehensmäßig nicht spektakulär, eher etwas zum Schmunzeln, wenn man sie das erste Mal mit diesen Zöpfen sieht. Aber doch mit großer Klappe, und somit für den Medienbetrieb nicht unbrauchbar.

Der "Gelbwesten"-Bewegung z.B. fehlt ja so eine Führungspersönlichkeit, besser: Held. Zumindest sehen das die Medien so, weil sie dann dieser Bewegung kein Gesicht zuordnen können, dieses auch nicht zu Interviews einladen und sie damit noch populärer machen können.

Sie kennt keine Klassengesellschaft. Jedenfalls nicht im für uns gebräuchlichen Sinne mit "reich und arm". Sie kennt nur "die Jungen" (zu denen sie sich zählt), und "die Alten". Wobei "die Jungen" gerade ihrer Zukunft beraubt werden, wegen Umweltzerstörung und übermäßiger CO2-Emission "der Alten" bedingt durch deren Lebensstil und Konsumverhalten.

Sie möchte, daß die "reichen" Nationen mit ihrer Umweltverschmutzung aufhören, und jedes Jahr ihre CO2-Emmissionen um 15 % senken.

Das Mädchen hat scheinbar noch nie etwas von "Kapitalismus" gehört. Daß dieses Wirtschaftssystem die Ursache allen Übels (auch der Umweltzerstörung) ist, ist ihr noch nicht aufgefallen. Wie gesagt: Es gibt in ihrer Weltanschauung nur "Jung" und "Alt" als gegensätzlche Pole. Auch verkennt sie (als Mittelklasse-Kid wohl zwangsläufig), daß es auch Armut und Arme in den jeweiligen "reichen" Ländern gibt. - Und das nicht zu knapp.

Vollkommen verdächtig macht sie sich damit, daß sie sogar von den Herrschenden (Merkel, Steinmeier, Bundestag) eingeladen und hofiert wird. Also von jenen, die eine nicht unerhebliche Schuld an dieser Umweltzerstörung tragen. Wobei: Der Fokus ist bei ihr (fast wie bei den Grünen) nur auf der Umwelt. Die soziale Ungleichheit, die ja sehr oft die Umweltzerstörung nach sich zieht, wird bei ihr fast ganz ausgeblendet.

Also, mir ist diese ganze "Fridays for future"-Bewegung nur suspekt. Die Herrschenden haben die "Kritik" nun aufgegriffen, und werden diese gerne in Steuererhöhungen umsetzen. Natürlich sollen dieses "ausgewogen" sein. Aber was das bedeutet, bekam man schon mit der letzten "Ökosteuer" zu spüren. Die war nämlich auch eine indirekte Steuer, die bekanntlich in erster Linie nur den Armen besonders weh tut (Stichwort "Kopfsteuer"). Die neue Ökosteuer heißt jetzt nur anders: "CO2-Bepreisung". Die, die viel Einkommensteuer bezahlen (also die Reichen) werden dann über diese wohl weitgehend entlastet werden. Wer keine Einkommensteuer zahlt... tja, der hat halt Pech gehabt, und zahlt sie voll. Also Renter, Arbeitslose, nicht Erwerbstätige...

Was haltet ihr von der ganzen Bewegung?
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Troll

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Re: Was will überhaupt die "Fridays for future"-Bewegung genau?
« Antwort #1 am: 10:34:02 Do. 19.September 2019 »
FFF ist naiv gestartet, lernt aber dazu und der Kapitalismus ist mittlerweile ein Thema innerhalb der Bewegung.
Greta Thunberg hat es bedankenwerter Weise begonnen und öffentlich gemacht, daß sie zum Star gekürt bzw. als Ursprung allen Übels herhalten muß ist wohl modernen Gesellschaften geschuldet, die brauchen unbedingt Held und/gegen Bösewicht.
Greta ist bisher ziemlich immun gegen Vereinnahmungen, ich wünsche ihr das es so bleibt.

Bei den Gelbwesten wurde es verzweifelt versucht eine Führerfigur zu basteln, hat nicht geklappt, auch die Gelbwesten haben sich in meinen Augen sehr positiv entwickelt und als weitgehend immun gegen Presse und Politische Angriffe gezeigt.

Beides entwickelt sich bisher zu einem schlagkräftigen Widerstand.
Perfektion in Form einer alle glücklich machenden eierlegenden Wollmilchsau gibt es nicht, auch wenn Presse und Politik einem es Weis machen wollen.
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
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Re: Was will überhaupt die "Fridays for future"-Bewegung genau?
« Antwort #2 am: 11:34:09 Do. 19.September 2019 »
Zitat
Kolleg*innen Leitfaden "How-To-20.09."

LiebeKolleg*innen, Auszubildende und viele mehr,

am  20.09.2019  ruft  Fridays  For  Future  unter  dem  Motto #AllefürsKlima gemeinsam  mit vielen   anderen   Organisationen,   Vereinen,   Verbänden   und   Unternehmen   zum   nächsten globalen Klimastreik auf. Zu diesem Streik hoffen wir auf eine breite Beteiligung nicht nur von Schüler*innen  und  Studierenden,  sondern  auch  von  Menschen  aus  den Unternehmen  und Betrieben, denn wenn wir die größten Schäden der Klimakrise noch verhindern wollen, dann muss  das  jetzt  getan  werden!  Hierfür  müssen  wir  den  Druck  auf  die  Entscheidungsträger ständig erhöhen und das geht nur gemeinsam.
(...)
Einen  Streik  organisieren:  Auch  ohne  den  direkten  Aufruf  von  den  Gewerkschaften können von der Belegschaft aus sogenannte "wilde Streiks" organisiert werden. Wirkliche Streiks  sind  natürlich  das  politisch  größte  Zeichen.  Hier  sollte  man  sich  aber  der möglichen Konsequenzen bewusst sein.(...)
https://fridaysforfuture.de/wp-content/uploads/2019/08/20.09._kolleg_innen_leitfaden.pdf
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CubanNecktie

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Re: Was will überhaupt die "Fridays for future"-Bewegung genau?
« Antwort #3 am: 13:17:33 Do. 19.September 2019 »
Sehr wohl gibt es in dieser Bewegung antikapitalistische Ansätze

https://www.jungewelt.de/artikel/363045.umweltschutz-verbrennt-den-kapitalismus.html?fbclid=IwAR3BW6cFgepq6BRHfgreTzasZ2m76oj3-Y9vSvEpf3N5tp4AQ1o88im6StE

Zitat
Gleichwohl hat sich die Jugendbewegung progressiv entwickelt. »Verbrennt den Kapitalismus, nicht die Kohle«, hieß es vergangenes Wochenende auf dem Fronttransparent von »Fridays for Future« bei Protesten vor den Toren der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt am Main.

und noch einen sehr wichtigen Artikel jetzt auf die Schnelle gefunden habe:

https://didf-jugend.de/ist-ein-gruener-kapitalismus-moeglich/

Zitat
„Der Kapitalist verkauft den Baum, dessen Schatten keinen Gewinn bringt!“

Eine der einprägsamen Sprüche des Gezi-Protestes aus dem Jahre 2013 in der Türkei lautete: „Der Kapitalist verkauft den Baum, dessen Schatten keinen Gewinn bringt!“. Oder anders zugespitzt: Ein Kapitalist, der aus Sorge vor dem Klimawandel weniger umweltschädlich produzieren lässt, wird auf dem Markt schnell scheitern, sofern sich diese Maßnahmen nicht selbst wieder profitabel verwerten lassen.

Zitat
Ein Unternehmer denkt nicht an das Allgemeinwohl, sondern nur an sein Geschäft und orientiert sich immer am Markt und ihren Gesetzen. So kann man das Beispiel des Recyclings anführen: Es wird nicht wiederverwertet, weil es umweltschonender ist, sondern weil sich auch mit Müll die große Kohle machen lässt. Alles, was zu kostenintensiv im Recycling war, landet in Malaysia zur Verbrennung, was die malaysische Regierung im Februar veranlasste, 3000 Tonnen Müll in Containern mit „verseuchtem“ Recyclingmüll wieder u.a. nach Deutschland zurückzuschicken.
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Re: Was will überhaupt die "Fridays for future"-Bewegung genau?
« Antwort #4 am: 21:11:34 Do. 19.September 2019 »
Die FridaysForFuture - Bewegung hat folgende Kernforderungen zur Europawahl 2019 aufgestellt:

1) Ab 2035 dürfen nur so viel Treibhausgase ausgestoßen werden, wie durch natürliche Prozesse (Wachstum von Pflanzen, etc.) wieder aufgenommen werden können (Nettonull).
2) Der Kohleausstieg, also die Abschaltung aller Kohlekraftwerke, muss bis 2030 erfolgen.   
3) Deutschland muss bis 2035 seinen gesamten Energiebedarf durch erneuerbare Energien decken. Das beinhaltet auch die Energie für Transport und Wärme-Erzeugung.   
4) Die Subventionen für die Förderung, Verarbeitung und Nutzung fossiler Energieträger (Kohle, Öl und Gas) müssen bis Ende 2019 beendet werden.   
5) Bis Ende 2019 ist 1/4 der Kohlekraft abzuschalten.   
6) Bis Ende 2019 muss eine Steuer auf alle Treibhausgasemissionen (CO2-Steuer) eingeführt werden.   

Hier die Antworten der Parteien darauf:
https://www.klimawahl-2019.eu/?page_id=149

Die Bewegung hat eine antikapitalistische Plattform (ChangeForFuture). Hier in Nürnberg legen sich die Jugendlichen mit der Erdöl- und Energieindustrie an.

https://bonner-jugendbewegung.org/antikapitalistische-plattform-innerhalb-von-fridays-for-future/
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Kuddel

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Re: Was will überhaupt die "Fridays for future"-Bewegung genau?
« Antwort #5 am: 21:35:13 Do. 19.September 2019 »
In Bremen haben sie alle Parteien ausgeladen zum Klimastreik.
Sehr cool!

Zitat
FFF lädt R2G in Bremen aus
Keine Zukunft für Parteien

Fridays for Future hat Bremens organisierte Politik vom Klimastreik am 20. September ausgeladen. Dabei findet sich die Regierung doch vorbildlich.

...
Die Begründung: „Keine entspricht in ihren Forderungen dem wissenschaftlichen Konsens oder hat einen konkreten Plan, wie das 1,5-Grad-Ziel geschafft werden soll.“
...
Vertreter*innen von SPD, Grünen und der Linkspartei reagieren verwundert: In einem gemeinsamen Brief an FFF weisen die die Kritik zurück und weisen auf die „großen Gemeinsamkeiten“ hin, die einander verbinde. „Ich finde es befremdlich, auch aus meinem Demokratieverständnis heraus, die Politik explizit auszuladen“, sagt die grüne Umweltsenatorin...

Die FFF-Aktivist*innen wollen den Vorwurf eines mangelhaften Demokratieverständnisses dagegen nicht gelten lassen: „Wir sehen einen weitaus größeren Widerspruch darin, dass ihr als Politiker*innen auf eine Demonstration gehen möchtet, die sich gegen eure eigene Klimapolitik richtet“, antworten sie.
...
https://taz.de/FFF-laedt-R2G-in-Bremen-aus/!5622925/

counselor

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Re: Was will überhaupt die "Fridays for future"-Bewegung genau?
« Antwort #6 am: 22:22:11 Do. 19.September 2019 »
Im Konfliktfall werden die Bremer Schüler da aber eine Niederlage erleiden, weil dem Ausschluss von Parteien von Demonstrationen Art. 21 Abs. 1 GG entgegensteht. Außerdem kann nur die Polizei Personen von einer Demo ausschließen - nicht die Demoleitung.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

tleary

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Re: Was will überhaupt die "Fridays for future"-Bewegung genau?
« Antwort #7 am: 22:45:54 Do. 19.September 2019 »
2) Der Kohleausstieg, also die Abschaltung aller Kohlekraftwerke, muss bis 2030 erfolgen.   
Das ist aber auch nicht übermäßig ambitioniert. 2025 wäre bestimmt locker drin. Schließlich wird in Deutschland ein Überangebot an Strom erzeugt, das dann billigst ins Ausland verkauft werden muß. - Auch ein Grund, warum die Energiewende so teuer ist. Aber der Hauptgrund ist wohl, daß große Teile der Industrie, die 3/4 des Stroms verbraucht, durch uferlose Ausnahmeregeln (dank erfolgreicher Lobbyarbeit) finanziell überhaupt nicht mehr für die Energiewende bezahlen muß. Niemand bekommt Strom in D billiger als eine Aluminiumhütte, von denen jede einzelne allein schon so viel an Strom verbrät, wie eine mittelgroße Stadt.

Außerdem kann nur die Polizei Personen von einer Demo ausschließen - nicht die Demoleitung.
Echt? - Da steckt bestimmt das neue Polizeiaufgabengesetz vom Seehofer dahinter.  ;D

Trotz aller guter Vorsätze: Was von FFF politisch bleibt, ist die nächste Erhöhung der indirekten Steuern in Form der Energiesteuern. Und die treffen wieder die ärmeren Schichten. Das scheint abgemachte Sache zu sein in der GroKo. Denn man muß ja "etwas tun" gegen den Klimawandel. Und Mineralölsteuer erhöhen ist ja sowas von einfach. Daß die Maßnahme überhaupt nicht zielgerichtet wirkt, ist dabei egal. Wenn überhaupt, dann müsste evtl. der Emissionshandel effizienter gestaltet werden.

Im übrigen glaube ich wirklich, daß die Reduzierung des CO2-Ausstosses das Klima nicht (mehr) rettet. Besser wären konkrete Maßnahmen wie etwa Deiche bauen für Städte, die von Überflutung bedroht sind (besonders in der 3. Welt). Oder man siedelt die Menschen gleich ganz um in höhergelegene Regionen. Wäre natürlich sehr teuer, aber man hat ja noch etliche Jahrzehnte Zeit für solche Maßnahmen, so daß sich die Kosten dafür auf viele Jahrzehnte verteilen. Jedenfalls wären solche Maßnahmen meß- und überprüfbar. Und nicht so schwammig wie weniger CO2 erzeugen.
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Re: Was will überhaupt die "Fridays for future"-Bewegung genau?
« Antwort #8 am: 08:36:33 Fr. 20.September 2019 »
Ich verstehe das "Ausladen" der Parteien so:

Die Parteien stehen nicht auf der Liste der Veranstalter und Einlader zur Demo und sie haben auf dem Rednerpodium nichts verloren. Ich halte die Entscheidung für absolut richtig.

Hinzu kommt die die Sondersituation von Bremen. Die SPD ist da länger an der Macht als die Kommunistische Partei in China. Es gibt dort einen politschen Filz von SPD und DGB, da dürfte die FIFA vor Neid erblassen.

So hat sich an der Mieterdemo in Bremen zum Beispiel die SPD beteiligt, die zuvor den kommunalen Wohnraum an Vonovia verscherbelt hat. Auch die Gewerkschaft der Polizei demonstrierte mit, deren Mitglieder noch 3 Tage zuvor eine Zwangsräumung durchsetzten.

Zitat
„Wir sehen einen weitaus größeren Widerspruch darin, dass ihr als Politiker*innen auf eine Demonstration gehen möchtet, die sich gegen eure eigene Klimapolitik richtet“

Troll

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Re: Was will überhaupt die "Fridays for future"-Bewegung genau?
« Antwort #9 am: 11:18:03 Fr. 20.September 2019 »
Seltsam, müssen sich die Veranstalter demnächst bei RWE & Co. entschuldigen weil sie die Mitverursacher des Klimawandels nicht einladen um ihre Hirnfürze in die Demonstranten abzulassen, die Politik hat alle Hinweise ignoriert und sogar Jahre lang den Klimawandel voran getrieben, wegen der "zukünftigen" Arbeitsplätze, haha, dann kann ich mir eine fette Klimaanlage leisten die mit billigem Kohlestrom kühlt, ich weiß, absurd übertrieben, aber genau so eine Politik wird gemacht, der eigentliche Klimawandel interessiert die Politik immer noch nicht, die Demonstranten interessieren sie in bestimmter Weise.
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Re: Was will überhaupt die "Fridays for future"-Bewegung genau?
« Antwort #10 am: 16:19:32 Fr. 20.September 2019 »
FFF Aktivisten besetzen Paulskirche in Frankfurt:


Kuddel

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Re: Was will überhaupt die "Fridays for future"-Bewegung genau?
« Antwort #11 am: 16:37:04 Fr. 20.September 2019 »
Hier eine messerscharfe politische Analyse:

Zitat
LKA warnt vor Missbrauch des Klimathemas durch Radikale

Das niedersächsische Landeskriminalamt (LKA) warnt dabei vor einer Radikalisierung der Klimaschutzszene. LKA-Chef Friedo de Vries sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", es sei nicht überraschend, "dass gewaltbereite Linksextremisten an das Klimathema andockten". Eine solche Entwicklung würde demselben Muster folgen, wie es bei den gewalttätigen Castor- und Anti-Atom-Protesten, beim G-20-Gipfel in Hamburg und auch in der militanten Tierschutzszene zu beobachten sei. Sie seien kaum inhaltlich motiviert, sondern nutzten die Aufmerksamkeit eines Themas für Krawall.

Vorboten habe es jüngst mit der Blockade eines Kreuzfahrtschiffes in Kiel gegeben, sagte der LKA-Chef. Er erinnerte ferner an Brandanschläge auf niedersächsische Filialen des Discounters Kik, zu denen es auf dem Höhepunkt der Kritik an Produktionsbedingungen für Billigkleidung in Asien gekommen sei. Aus den Bränden folgte ein hoher Millionenschaden.
https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-09/fridays-for-future-massenprotest-weltweit-australien-europa-usa


Tiefrot

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Re: Was will überhaupt die "Fridays for future"-Bewegung genau?
« Antwort #12 am: 16:55:16 Fr. 20.September 2019 »
Da geht einem aber der Arsch mächtig mit Grundeis.
Denke dran: Arbeiten gehen ist ein Deal !
Seht in den Lohnspiegel, und geht nicht drunter !

Wie bekommt man Milllionen von Deutschen zum Protest auf die Straße ?
Verbietet die BILD und schaltet Facebook ab !

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Leiharbeit und Werkvertragsmißbrauch verbieten! Weg mit dem Dreck!

tleary

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Re: Was will überhaupt die "Fridays for future"-Bewegung genau?
« Antwort #14 am: 21:39:02 Fr. 20.September 2019 »
FFF ist naiv gestartet, lernt aber dazu und der Kapitalismus ist mittlerweile ein Thema innerhalb der Bewegung.
Also, ich hab' mir heute mal die Nachrichten der Öffis angetan, und konnte da weit und breit nichts davon hören, daß die FFF-Bewegung irgendeine "Kapitalismuskritik" geäußert hätte.
Laut dem Bericht wurde "Hannover lahmgelegt", was die Medien ausnahmsweise nicht weiter schlimm fanden. - Wenn sich das die Autonomen vom schwarzen Block herausgenommen hätte, hätte es ein von Bullen belagertes Hannover gegeben mit entsprechend vielen Verletzten auf der anderen Seite.
Dann sah ich wieder so ein pubertierendes 16jähriges Mädchen (nein, nicht die Thunberg) im Hintergrund des Reporters in die Kamera spitzen, die selbst nicht so recht wusste, was sie nun machen sollte. Sie machte dann mit den Händen ein Herz und hampelte so noch etwas rum.

Und es kam so, wie ich befürchtete: Die Mächtigen nehmen die Forderungen auf, und wandeln sie kurzerhand in Steuererhöhung für gewöhnliche Volk um. Benzinsteuererhöhung um 3 Cent pro Liter, dann in weiteren Stufen noch mehr.

Also, Heizöl, Benzin, Diesel wird teuerer. Als "Ausgleich" gibt's 5 Cent mehr Kilometerpauschale. Wobei wie immer bei Erhöhungen der indirketen Steuern wer viel Lohnsteuer zahlt, auch viel zurück bekommt => die Schlechterverdienenden bekommen fast keinen Ausgleich, die Reichen hingegen zu einem großen Teil.

Arbeitslose und Renter zahlen wieder den vollen Preis der Steuererhöhung. Leiharbeiter und Niedriglöhner ebenso, wenn sie keine oder kaum Lohnsteuer zahlen.

Die Mittelschicht bekommt einen kleinen Nachlaß, und die Reichen interessiert's sowieso nicht, wieviel der Sprit für ihren 3-Liter-SUV kostet. Auto ist sowieso geleast und dank Dienstwagenprivileg voll von der Steuer absetzbar. Der Kraftstoff ebenso.

Also, ich sehe die FFF-Bewegung mit ihren unverbindlichen Forderungen mittelerweile als extrem schädlich für die wirtschaftlichen Interessen Arbeiterklasse an. Sie bringt einen Stein bei der Regierung ins Rollen, der wieder in "wer hat dem wird gegeben" und "wer nicht hat, dem wird genommen" mündet.

Ich verstehe das "Ausladen" der Parteien so:
Die Parteien stehen nicht auf der Liste der Veranstalter und Einlader zur Demo und sie haben auf dem Rednerpodium nichts verloren. Ich halte die Entscheidung für absolut richtig.
Da stellt sich für mich aber die Frage, wieso die etablierten Parteien da unbedingt mitmitschen wollen. Würde die FFF-Bewegung nämlich wirklich für einen strikt antikapitalistischen Kurs stehen, wie es z.B. der Protest in HH anlässlich des G7-Gipfels, war, würden diese Parteien sich als Mitläufer bestimmt nicht aufdrängen.
Oder hat man bei den Demos in HH damals irgendwelche Gewerkschafts-Funktionäre oder SPD-Spitzenpolitiker neben den Autonomen demonstrieren gesehen?

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