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Was will überhaupt die "Fridays for future"-Bewegung genau?

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tleary:
Hi!

Ich frage mich die letzte Zeit immer wenn ich "Fridays for future" in den Medien höre oder sehe, für was diese Bewegung überhaupt genau steht?

Was mir aufgefallen ist: Sie hat einen Star. Das gefällt den Medien. Ein 16jähriges schwedisches Mädchen mit braunen Zöpfen. Aussehensmäßig nicht spektakulär, eher etwas zum Schmunzeln, wenn man sie das erste Mal mit diesen Zöpfen sieht. Aber doch mit großer Klappe, und somit für den Medienbetrieb nicht unbrauchbar.

Der "Gelbwesten"-Bewegung z.B. fehlt ja so eine Führungspersönlichkeit, besser: Held. Zumindest sehen das die Medien so, weil sie dann dieser Bewegung kein Gesicht zuordnen können, dieses auch nicht zu Interviews einladen und sie damit noch populärer machen können.

Sie kennt keine Klassengesellschaft. Jedenfalls nicht im für uns gebräuchlichen Sinne mit "reich und arm". Sie kennt nur "die Jungen" (zu denen sie sich zählt), und "die Alten". Wobei "die Jungen" gerade ihrer Zukunft beraubt werden, wegen Umweltzerstörung und übermäßiger CO2-Emission "der Alten" bedingt durch deren Lebensstil und Konsumverhalten.

Sie möchte, daß die "reichen" Nationen mit ihrer Umweltverschmutzung aufhören, und jedes Jahr ihre CO2-Emmissionen um 15 % senken.

Das Mädchen hat scheinbar noch nie etwas von "Kapitalismus" gehört. Daß dieses Wirtschaftssystem die Ursache allen Übels (auch der Umweltzerstörung) ist, ist ihr noch nicht aufgefallen. Wie gesagt: Es gibt in ihrer Weltanschauung nur "Jung" und "Alt" als gegensätzlche Pole. Auch verkennt sie (als Mittelklasse-Kid wohl zwangsläufig), daß es auch Armut und Arme in den jeweiligen "reichen" Ländern gibt. - Und das nicht zu knapp.

Vollkommen verdächtig macht sie sich damit, daß sie sogar von den Herrschenden (Merkel, Steinmeier, Bundestag) eingeladen und hofiert wird. Also von jenen, die eine nicht unerhebliche Schuld an dieser Umweltzerstörung tragen. Wobei: Der Fokus ist bei ihr (fast wie bei den Grünen) nur auf der Umwelt. Die soziale Ungleichheit, die ja sehr oft die Umweltzerstörung nach sich zieht, wird bei ihr fast ganz ausgeblendet.

Also, mir ist diese ganze "Fridays for future"-Bewegung nur suspekt. Die Herrschenden haben die "Kritik" nun aufgegriffen, und werden diese gerne in Steuererhöhungen umsetzen. Natürlich sollen dieses "ausgewogen" sein. Aber was das bedeutet, bekam man schon mit der letzten "Ökosteuer" zu spüren. Die war nämlich auch eine indirekte Steuer, die bekanntlich in erster Linie nur den Armen besonders weh tut (Stichwort "Kopfsteuer"). Die neue Ökosteuer heißt jetzt nur anders: "CO2-Bepreisung". Die, die viel Einkommensteuer bezahlen (also die Reichen) werden dann über diese wohl weitgehend entlastet werden. Wer keine Einkommensteuer zahlt... tja, der hat halt Pech gehabt, und zahlt sie voll. Also Renter, Arbeitslose, nicht Erwerbstätige...

Was haltet ihr von der ganzen Bewegung?

Troll:
FFF ist naiv gestartet, lernt aber dazu und der Kapitalismus ist mittlerweile ein Thema innerhalb der Bewegung.
Greta Thunberg hat es bedankenwerter Weise begonnen und öffentlich gemacht, daß sie zum Star gekürt bzw. als Ursprung allen Übels herhalten muß ist wohl modernen Gesellschaften geschuldet, die brauchen unbedingt Held und/gegen Bösewicht.
Greta ist bisher ziemlich immun gegen Vereinnahmungen, ich wünsche ihr das es so bleibt.

Bei den Gelbwesten wurde es verzweifelt versucht eine Führerfigur zu basteln, hat nicht geklappt, auch die Gelbwesten haben sich in meinen Augen sehr positiv entwickelt und als weitgehend immun gegen Presse und Politische Angriffe gezeigt.

Beides entwickelt sich bisher zu einem schlagkräftigen Widerstand.
Perfektion in Form einer alle glücklich machenden eierlegenden Wollmilchsau gibt es nicht, auch wenn Presse und Politik einem es Weis machen wollen.

ManOfConstantSorrow:

--- Zitat ---Kolleg*innen Leitfaden "How-To-20.09."

LiebeKolleg*innen, Auszubildende und viele mehr,
am  20.09.2019  ruft  Fridays  For  Future  unter  dem  Motto #AllefürsKlima gemeinsam  mit vielen   anderen   Organisationen,   Vereinen,   Verbänden   und   Unternehmen   zum   nächsten globalen Klimastreik auf. Zu diesem Streik hoffen wir auf eine breite Beteiligung nicht nur von Schüler*innen  und  Studierenden,  sondern  auch  von  Menschen  aus  den Unternehmen  und Betrieben, denn wenn wir die größten Schäden der Klimakrise noch verhindern wollen, dann muss  das  jetzt  getan  werden!  Hierfür  müssen  wir  den  Druck  auf  die  Entscheidungsträger ständig erhöhen und das geht nur gemeinsam.
(...)
Einen  Streik  organisieren:  Auch  ohne  den  direkten  Aufruf  von  den  Gewerkschaften können von der Belegschaft aus sogenannte "wilde Streiks" organisiert werden. Wirkliche Streiks  sind  natürlich  das  politisch  größte  Zeichen.  Hier  sollte  man  sich  aber  der möglichen Konsequenzen bewusst sein.(...)
--- Ende Zitat ---
https://fridaysforfuture.de/wp-content/uploads/2019/08/20.09._kolleg_innen_leitfaden.pdf

CubanNecktie:
Sehr wohl gibt es in dieser Bewegung antikapitalistische Ansätze

https://www.jungewelt.de/artikel/363045.umweltschutz-verbrennt-den-kapitalismus.html?fbclid=IwAR3BW6cFgepq6BRHfgreTzasZ2m76oj3-Y9vSvEpf3N5tp4AQ1o88im6StE


--- Zitat ---Gleichwohl hat sich die Jugendbewegung progressiv entwickelt. »Verbrennt den Kapitalismus, nicht die Kohle«, hieß es vergangenes Wochenende auf dem Fronttransparent von »Fridays for Future« bei Protesten vor den Toren der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt am Main.
--- Ende Zitat ---

und noch einen sehr wichtigen Artikel jetzt auf die Schnelle gefunden habe:

https://didf-jugend.de/ist-ein-gruener-kapitalismus-moeglich/


--- Zitat ---„Der Kapitalist verkauft den Baum, dessen Schatten keinen Gewinn bringt!“

Eine der einprägsamen Sprüche des Gezi-Protestes aus dem Jahre 2013 in der Türkei lautete: „Der Kapitalist verkauft den Baum, dessen Schatten keinen Gewinn bringt!“. Oder anders zugespitzt: Ein Kapitalist, der aus Sorge vor dem Klimawandel weniger umweltschädlich produzieren lässt, wird auf dem Markt schnell scheitern, sofern sich diese Maßnahmen nicht selbst wieder profitabel verwerten lassen.
--- Ende Zitat ---


--- Zitat --- Ein Unternehmer denkt nicht an das Allgemeinwohl, sondern nur an sein Geschäft und orientiert sich immer am Markt und ihren Gesetzen. So kann man das Beispiel des Recyclings anführen: Es wird nicht wiederverwertet, weil es umweltschonender ist, sondern weil sich auch mit Müll die große Kohle machen lässt. Alles, was zu kostenintensiv im Recycling war, landet in Malaysia zur Verbrennung, was die malaysische Regierung im Februar veranlasste, 3000 Tonnen Müll in Containern mit „verseuchtem“ Recyclingmüll wieder u.a. nach Deutschland zurückzuschicken.
--- Ende Zitat ---

counselor:
Die FridaysForFuture - Bewegung hat folgende Kernforderungen zur Europawahl 2019 aufgestellt:

1) Ab 2035 dürfen nur so viel Treibhausgase ausgestoßen werden, wie durch natürliche Prozesse (Wachstum von Pflanzen, etc.) wieder aufgenommen werden können (Nettonull).
2) Der Kohleausstieg, also die Abschaltung aller Kohlekraftwerke, muss bis 2030 erfolgen.   
3) Deutschland muss bis 2035 seinen gesamten Energiebedarf durch erneuerbare Energien decken. Das beinhaltet auch die Energie für Transport und Wärme-Erzeugung.   
4) Die Subventionen für die Förderung, Verarbeitung und Nutzung fossiler Energieträger (Kohle, Öl und Gas) müssen bis Ende 2019 beendet werden.   
5) Bis Ende 2019 ist 1/4 der Kohlekraft abzuschalten.   
6) Bis Ende 2019 muss eine Steuer auf alle Treibhausgasemissionen (CO2-Steuer) eingeführt werden.   

Hier die Antworten der Parteien darauf:
https://www.klimawahl-2019.eu/?page_id=149

Die Bewegung hat eine antikapitalistische Plattform (ChangeForFuture). Hier in Nürnberg legen sich die Jugendlichen mit der Erdöl- und Energieindustrie an.

https://bonner-jugendbewegung.org/antikapitalistische-plattform-innerhalb-von-fridays-for-future/

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