Autor Thema: ABWÄLZUNG DER KRISENLASTEN Ingo Kramer (BDA) fordert neue Agenda a la Schröder  (Gelesen 413 mal)

Troll

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Es sollte/muß aber unbedingt eine Vorstellung davon geben wie es sich verändern soll, sonst kommt "Wir haben verstanden!" die Politik zieht sich mit ihren Fachberatern zurück und präsentiert eine marktgerechte "Lösung".
Und die Presse ist damit betraut eigene Vorstellungen (Alternativen) im Keim zu ersticken, es darf nicht mal mehr ernsthaft in andere Richtungen gedacht werden, es wurde nach neoliberalem Verständnis schon alles ausprobiert, und nichts hat funktioniert! Eine schnuckelig kleine Denkwelt in der sich diese Köpfe nur noch bewegen müssen.
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti

BGS

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  • Polarlicht
Zitat
... .
Die Verlangsamung schafft auch Zeit, solidarische Bande zu knüpfen. Über Internetplattformen wurden mittlerweile über 1 Million Euro gesammelt, zur Unterstützung jener Dauerstreikenden, die ein Monatsgehalt verlieren. Das Konzept der Regierung, eine komplizierte Reform vorzulegen, die niemand versteht, geht nicht auf. Spaltungstaktiken funktionieren nur bedingt, Narrative einer faulen Mittelklasse kommen nicht an. Die Mehrheit in Frankreich befürwortet weiterhin den Streik – und macht mit.

Quelle: https://taz.de/Streiks-in-Frankreich/!5651318/

MfG

BGS
"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

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Schluepferstuermer

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"Widerstand bringt nix" wenn ich den Quatsch schon höre, ...

In anderen Ländern (besonders Frankreich) sind die Leute auf der Strasse und werden von Gewerkschaften im Zaun gehalten. Die Politik reagiert.
Bei uns müssen die Gewerkschaften die Leute auf die Strasse ziehen. Darum kann Politik und Wirtschaft machen, was sie will.
lg Schlüpferstürmer

Die Massenmedien sind schon lange die 4. Macht im Staat.
Wir haben folglich Legislative, Judikative, Exekutive und Primitive.
"Bild" Euch Eure Meinung
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Wer die CxU und SPD in ihrer Terrorherrschaft gegen das eigene Volk lobt, lobt ihren braungefärbten Nazicharakter!!

Fritz Linow

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(...)
Bei uns müssen die Gewerkschaften die Leute auf die Strasse ziehen. Darum kann Politik und Wirtschaft machen, was sie will.

Seit wann versuchen die Gewerkschaften hier, die Leute auf die Straße zu ziehen?

Tiefrot

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  • Rote Socke
Das täte mich auch interessieren.  :o
Denke dran: Arbeiten gehen ist ein Deal !
Seht in den Lohnspiegel, und geht nicht drunter !

Wie bekommt man Milllionen von Deutschen zum Protest auf die Straße ?
Verbietet die BILD und schaltet Facebook ab !

Schluepferstuermer

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Symbolisch

Die Leute kriegen ihren Arsch nicht hoch. Die Gewerkschaften lassen es aber schnell sein, die Leute zu etwas bewegen.
Die paar Leute, die z.B. bei Amazon streiken, lässt Amazon nur die Schulter zucken. Wieviele wissen, wie es bei Amazon zugeht und kaufen wie blöd dä ein. Da sie selbst Ähnliches mitmachen, wird sich nicht gewehrt. Motto: Die sollen sich nicht so anstellen.

Klar sind bei uns die Gewerkschaften von AGs gekauft. Die untere Schicht in den Gewerkschaften kann sich gegen die obere, gekaufte Schicht in den Gewerkschaften nicht durchsetzen. Somit werden nur AG gerechte Politik seit Jahrzeiten durchgesetzt. Dadurch entsteht der Eindruck die gesamte Gewerkschaft ist gegen die Leute.

Wenn "viele" Leute den Arsch hochkriegen, wird die obere Schicht in den Gewerkschaften anders agieren. Daraufhin die Politik. Also, es muß von den Leuten kommen. Aber es kommt nichts. Denn man strengt sich lieber an, damit der Chef sich einen 2. Porsche kaufen kann.
lg Schlüpferstürmer

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BGS

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Wozu braucht der einen zweiten Porsche, wenn er nur einen fahren kann?

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BGS
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Kuddel

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  • Fischkopp
Das halte ich für ein Gerücht das die heutigen Arbeiter Klassenfeinde der Kapitalisten sind.
Über diese weitverbreitete politische Ahnungslosigkeit unter Linken, habe ich mich geärgert.

Perfektere Speichellecker wie Deutsche Arbeiter und Angestellte findet ein Kapitalist wohl kaum auf der Welt.

Sicherlich, es sieht erstmal finster aus, wenn man sich umschaut.
Es liegt hier nicht gerade der Duft der Revolution in der Luft. Aber man kann sich sicher sein: Die Verhältnisse sind nicht halb so stabil, wie sie scheinen. Und auch eine eingeschüchterte und neoliberal hirngewaschene Arbeiterklasse ist Motor aller Veränderungen.

Der deutsche Linke sieht jedoch nur sich als Motor der Veränderung und möchte am liebsten mit der Waffe in der Hand lospreschen und die Verhältnisse auf den Kopf stellen. Doch bei allem guten Willen, wird man keinen Erfolg haben, wenn ein versuchter Aufstand nicht von großen Teilen der Klasse getragen wird.

Im Kapitalismus stehen sich Kapital und Arbeit unversöhnlich gegenüber. Ihre Interessen sind entgegengesetzt.
Nehmen wir selbst die unangenehmsten Teile der Klasse, die perfekten Untertanen, die duckmäuserisch sind, den Kapitalismus toll finden und AfD wählen, die werden bei aller Verblödung nicht ewig so weitermachen, sondern sich querstellen. Auch der Arschkriecher wird es irgendwann ab 50 mit dem Rücken kriegen und nicht mehr so können, wie er soll, auch der Nazi wird irgendwann seine Vorgesetzten und den ganzen Laden zum Kotzen finden und auch der Kapitalismusfreund macht sich nochmal Gedanken, wenn er seine Miete nicht mehr zahlen kann.

In der Klasse (egal ob mit oder ohne Arbeit) wird viel Scheiße gelabert, doch weder Unterwürfigkeit, noch Rassismus lösen die Probleme des Einzelnen. Sie werden stetig schlimmer. Hier wären Linke gefragt, um Hilfestellung zu geben. Um darauf hinzuweisen, daß man seine Wut auf die Falschen richtet. Man sollte erklären, woher die Probleme kommen. Und am wichtigsten: man sollte helfen, eine praktische Solidarität aufzubauen. Hier müssen auch Leute zusammenkommen, die einander nicht leiden konnten.

Um so etwas zu erreichen, muß man dort sein, wo die Menschen und ihre Probleme sind. Man muß von ihnen ernstgenommen werden. Einem "Linken" mit seiner Durchblickermentalität und der herablassenden Haltung Menschen jenseits des eigenen linken Millieus gegenüber, wird jedoch keine Sau zuhören.

counselor

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Ich habe schon die Erfahrung, dass meine Kollegen durchaus auch mal der Theorie lauschen, wenn es um die Probleme im Betrieb geht. Sie fragen dann auch nach, bis sie alles verstanden haben. Entscheidend hierfür ist das Vertrauensverhältnis und dass die Erklärungen nicht platt oder zynisch sind. Eine zynische Haltung zur Gesellschaft ist auch unbeliebt.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Schluepferstuermer

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Wozu braucht der einen zweiten Porsche, wenn er nur einen fahren kann?

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BGS

Weil er es kann. Braucht ja was zum wechseln.

Ich würde lieber fragen, warum er überhaupt einen Porsche hat.
Wurde er von den Beschäftigten bezahlt?
lg Schlüpferstürmer

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Kuddel

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  • Fischkopp
Linke und Klassenkampf

Ich hab da nochmal ein paar Anekdoten auf Tasche, die zeigen, daß Politisches Bewußtsein und Klassenbewußtsein 2 Paar Schuhe sind und sich keineswegs automatisch zusammen entwickeln.

Im Laufe meines Lebens hatte ich es oft mit Linksradikalen zu tun, die auf jedem langweileigen Polititreffen waren, die quer durch Deutschland fuhren, um an irgendwelchen linksradikalen Kongressen teilzunehmen und auch zu allen wichtigen Demos reisten, bei denen man mit Zusammenstößen mit der Staatsmacht rechnen konnte. Da waren sie an vorderster Front zu finden und fürchteten weder Repression, noch Verletzungen.

Diese Leute entpuppten sich in Alltagskämpfen als untauglich und unfähig. Am Arbeitsplatz waren sie feige und jeder noch so unpolitische und bildzeitungslesende Kollege hatte mehr Arsch in detr Hose in betrieblichen Auseinandersetzungen als diese Wochenendrevoluzzer. Ich hab es auch erlebt, wie diese Linksradikalen (ehemaligen Hausbesetzer) in Konflikten mit dem Vermieter nicht nur den Schwanz eingezogen haben, sondern auch andere Mieter in dem Pfanne gehauen haben, um selbst vor dem Vermieter eine bessere Position zu bekommen.

Hier eine weitere Geschichte, die sehr lange zurückliegt. Es gab weder die Linkspartei noch eine AfD. Ich arbeitete als Leiharbeiter in einem großen Industriebetrieb. Der Vorarbeiter unserer Kolonne war mal in einer marxistisch-leninistischen Partei. In jungen Jahren hat er mit den Genossen den bewaffnenten Kampf geübt. Zu der Zeit war er nicht mehr in der Partei, aber gewerkschaftlicher Vertrauensmann. Ich hatte ihn auch manchmal außerhalb der Arbeit getroffen und politisch verstanden wir uns gut.

Ich hatte einen Leiharbeiterkollegen, mit dem ich mich menschlich prima Verstand. Er hatte viel lustiges zu erzählen und wir quatschten auch über Erfahrungen und philosophierten über alles mögliche. Zu den Wahlen fragte er mich, was ich denn wählen würde. Ich sagte, ich fühlte mich von allen verarscht und würde deshalb nicht zur Wahl gehen. Er nickte und sagte, das würde er verstehen und ähnlich sehen. Einen Tag nach der Wahl begrüßte er mich mit den Worten, "Kuddel, du wirst gleich sauer auf mich sein." Ich fragte, was denn los sei und er sagte, er hätte die NPD gewählt. Ich fragte, wie er denn auf so eine derart bescheuerte Idee kommen kann? Er sagte, er wollte es diesen ganzen Arschlochparteien heimzahlen. Er hätte sich diverse Programme durchgelesen. Die Republikaner kamen für ihn nicht in Frage, die hätten fast nur Bullen als Kandidaten aufgestellt und er würde nie und nimmer einen Bullen wählen.  Die NPD hätte ein paar vernünftige Sachen gesagt. Das reichte ihm, sein Kreuz bei der NPD sollte ein Ausdruck seiner Wut sein.

Er war wahrlich kein Fascho, sondern ein feiner Kerl. Wir hatten viel Spaß bei der Arbeit, haben darauf geachtet, daß wir uns nicht totmachen und haben jede Menge Scheiße gebaut. Wir waren nicht sonderlich produktiv.

Der linke Vorabeiter und Vertrauensmann hatte zwar eine gut entwickeltes politisches Bewußtsein, doch er war in der Ausbeutungsmaschinerie perfekt integriert und funktionierte, wie er sollte. Er trieb die Kolonne so an, daß sie ihre zeitlichen Vorgaben stets schaffte.

Kuddel

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  • Fischkopp
Mir fiel gerade ein weiteres Beispiel ein, wie Klassenbewußtsein und politisches Bewußtsein voneinander abgkoppelt sein können.


Finnland


Ende 2019 entwickelte die Solidarität mit prekären Postbeschäftigten eine solche Dynamik, daß sie zu einem Gereralstreik anwuchs. Das führte zum Sturz des Regierungschefs Antti Rinne. Die Regierungskoalition besetzte mehrere Posten neu, ohne Neuwahlen zu fordern. Man ging davon aus, daß Neuwahlen den "Wahren Finnen" einen Sieg bescheren könnte.

Es gibt also ein starkes Klassenbewußtsein, Solidarität und Kampfkraft der finnischen Arbeiterbewegung, die problemlos die Regierung erschüttern kann. Gleichzeitig herrscht so ein schlechtes politisches Bewußtsein und eine allgemeine Verwirrung, daß die Faschos bei den Wahlen eine Mehrheit erhalten könnten.