Autor Thema: Bewegungen und Protestformen  (Gelesen 347 mal)

Onkel Tom

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Bewegungen und Protestformen
« am: 11:35:01 Di. 15.Oktober 2019 »
Edit von Rocco..

Kuddel und Onkel Tom kamen wegen der XR - Bewegung auf Vergleiche zum
ehemaligen Euromayday.. Auslöser dessen war wohl das Kostümieren bei Aktionen.
Ich habe dies nun in einem neuen Thema geteilt, damit der XR-Thread nicht ins
Off-Topic gerät..

M.f.G. Rocco


Mir kommt das ganze ein bischien vor, wie von den ehemaligen Euromaydays
abgeglotzt. Kostümball vol auf kreativ und ob es inhaltlich zum Protest passt,
nicht wirklich sichtbar. Zumindest bei den einfarbig verkleideten..

Das Kostüme bei Protesten und Demos eingesetzt werden, finde ich vom Grunde
her aus gut, sollte jedoch nicht im Vordergrund rücken und anbei Gründe des
Protest nicht aufwässern. Das Result ziehe ich aus den Bildern, die hier bereits
veröffentlicht wurden.. Und Jesus ? wat hat der denn damit zu tun ? Menschen sind
doch eigenständige Wesen.. Haben doch Bockmist selbst fabriziert und da kann
man endlos auf ein Messias warten.

Und das anbei irgendwelche Figuren sich dort einbinden wollen, um den Zampano
machen zu wollen, kenne ma ja schon von anderen Protesten etc..

 ::)
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admin

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Re: Bewegungen und Protestformen
« Antwort #1 am: 12:35:57 Di. 15.Oktober 2019 »
Dein Vergleich mit Euromayday gefällt mir.
Es gibt viele Parallelen.
Ich war von Anbeginn zwiegespalten einer eigentlich guten Sache gegenüber, die jedoch bereits in ihrem Ansatz grobe Fehler enthalten. So gut es war, junge Akademiker ohne Perspektive, prekäre und migrantische Beschäftigte zu mobilisieren, so falsch fand ich die Gräben, die man den traditionellen Arbeitern gegenüber zog. Als Euromayday mich bat, einen Artikel über chefduzen für deren Broschüre zu schreiben, kam ich dem gerne nach. In diesen Artikel ließ ich meine Kritik an dem Euromaydaykonzept einfließen. In der gedruckten Broschüre war die Kritik nicht mehr zu finden. Man hatte den Absatz ohne Rücksprache aus meinem Artikel herausgeschnitten. Die gleiche Erfahrung hatte ich bereits als Auszubildender gemacht, als ich meinen abgedruckten Leserbrief an die IG Metall Zeitschrift in Händen hielt. Die kritischen Absätze waren herausgeschitten. In der Beziehung waren IGM und Euromayday einander erschreckend ähnlich. Ich habe auf einem linken Kongress den Euromaydaygründer kennengelernt. Er kommt aus der Werbebranche. So sah dann auch die politische Praxis der Bewegung aus. Coole Optik, zweifelhafter Inhalt.

Mein Eindruck von XR ist noch negativer.
Ich bin von der Richtigkeit und Notwendigkeit von Protest und Widerstandsformen gegen Umweltzerstörung überzeugt, die in der Lage sind einen wirtschaftlichen Druck aufzubauen. Das Blockieren von Verkehrs- und Warenströmen liegt also auf der Hand. Wenn XR solche Blockaden hier vor Ort organisiert hätte, wäre ich unter den Teilnehmern.

Ich wußte zuvor auch noch nichts ober die Köpfe dieser "Bewegung". Die esoterischen Anwandlungen halte ich bereits für gruselig. Die prinzipielle Staatsgläubigkeit als Konzep macht diese Organisation unglaubwürdig. Es ist eine Farce, zu erwarten, daß die Bundesregierung die Umweltprobleme löst. Widerstand muß direkt gegen Klimakiller-Konzerne wie RWE oder die Autohersteller gerichtet werden. Die große Nähe von XR mit der Polizei und deren Zusammenarbeit belegen, daß die Organisation sich nicht mit den einfachsten politischen Zusammenhängen auseinandergesetzt hat. Die Polizei setzte am Hambacher Forst die Interessen des RWE Konzerns durch. Sie ging auch gegen fff-Aktivisten mit Pfefferspray vor, als diese Kreuzungen blockierten.

XR ist eine von Politprofis inszenierte Bewegung. Diese Bewegungsprofis haben sich mit ihren Aussagen und Positionen disqualifiziert. Eine echte Basisbewegung muß erst noch entstehen.

Onkel Tom

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Re: Bewegungen und Protestformen
« Antwort #2 am: 16:04:12 Di. 15.Oktober 2019 »

    Dein Vergleich mit Euromayday gefällt mir.
    ...

Der Euromayday machte sich jedoch anbei viel Gedanken darüber wie Kostüm auch
zum Thema des Protestes passt. Man hat sich dort nicht sinnfrei kostümiert.

Zitat
    ...
    Es gibt viele Parallelen.
    ...

Sehe ich nicht so. Außer eine Anregung, das man kostümieren kann und Aufruf zu "sozialem
Ungehorsam" haben XR und der Euromayday nichts gemeinsames.

Zitat
    ...
    Ich war von Anbeginn zwiegespalten einer eigentlich guten Sache gegenüber, die jedoch bereits in ihrem Ansatz grobe Fehler enthalten. So gut es war, junge Akademiker ohne Perspektive, prekäre und migrantische Beschäftigte zu mobilisieren, so falsch fand ich die Gräben, die man den traditionellen Arbeitern gegenüber zog. Als Euromayday mich bat, einen Artikel über chefduzen für deren Broschüre zu schreiben, kam ich dem gerne nach. In diesen Artikel ließ ich meine Kritik an dem Euromaydaykonzept einfließen.
    ...

Wundert mich nicht, das die Kritik der Öffentlichkeit verbannt wurde. Welcher "Club" kritisiert sich in
seinen Puplikationen wohl selbst ?.. Ich fand deren Konzepte ausgeschlafen..

Zitat
    ...
    Mein Eindruck von XR ist noch negativer.
    Ich bin von der Richtigkeit und Notwendigkeit von Protest und Widerstandsformen gegen Umweltzerstörung überzeugt,
    die in der Lage sind einen wirtschaftlichen Druck aufzubauen. Das Blockieren von Verkehrs- und Warenströmen liegt
    also auf der Hand. Wenn XR solche Blockaden hier vor Ort organisiert hätte, wäre ich unter den Teilnehmern.
    ...

In HH tun sie es und ja, mit Esoterik kann ich anbei auch nix mit anfangen..
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counselor

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Re: Bewegungen und Protestformen
« Antwort #3 am: 16:20:02 Di. 15.Oktober 2019 »
Ein großes Problem in heutigen Bewegungen ist das Wirken von Nichtregierungsorganisationen (NGO). Diese versuchen, Schlüsselpositionen in Bewegungen zu besetzen, stellen Propaganda-Material und versuchen, Proteste in kapitalismuskonforme Bahnen zu lenken und sie letztlich versanden zu lassen.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

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Re: Bewegungen und Protestformen
« Antwort #4 am: 18:28:32 Di. 15.Oktober 2019 »
.. Ich fand deren Konzepte ausgeschlafen..
    ...

Das sehe ich nicht so.
Es war das Abbild der verkürzten Wahrnehmung der selbsternannten linksradikalen Bewegung.
Die Mobilisierung neuer Teile der Klasse ist gut, doch die neuen Spaltungslinien waren und sind kontraproduktiv.

Zitat
Welcher "Club" kritisiert sich in seinen Puplikationen wohl selbst ?

Ich finde deine Befürwortung von Zensur nicht gut.

Zu einem vernünftigen jounalistischen Umgang gehört eine Absprache der Veränderung eingereichter Texte.
Zu einer ernstzunehmenden Bewegung gehort die Fähigkeit, durch Argumente einer Kritik zu begegnen.

Onkel Tom

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Re: Bewegungen und Protestformen
« Antwort #5 am: 18:49:26 Di. 15.Oktober 2019 »
.. Ich fand deren Konzepte ausgeschlafen..
    ...

Das sehe ich nicht so.
Es war das Abbild der verkürzten Wahrnehmung der selbsternannten linksradikalen Bewegung.
Die Mobilisierung neuer Teile der Klasse ist doch gut, doch die neuen Spaltungslinien waren und sind kontraproduktiv.

Zitat
Welcher "Club" kritisiert sich in seinen Puplikationen wohl selbst ?

Ich finde deine Befürwortung von Zensur nicht gut.

Zu einem vernünftigen jounalistischen Umgang gehört eine Absprache der Veränderung eingereichter Texte.
Zu einer ernstzunehmenden Bewegung gehort die Fähigkeit, durch Argumente einer Kritik zu begegnen.

Weiß ja nicht genau, was damals anbei angefallen ist, aber als linksradikal ernannt, kam es mir nicht so vor
und zu Planungen und Konzepten muss mann schon dabei gewesen sein, um dies bewerten zu können..

Ich halte auch nix von Zensur, vermute jedoch, das deine Kritik gegenwärtig unpassend oder daneben
gewesen sein könnte..

Der Euromayday in Hamburg musste auch mit einigen Gerüchten umgehen.. Egal.. Mir hatte es gefallen und
bereue anbei nix.

 ;)
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Re: Bewegungen und Protestformen
« Antwort #6 am: 18:38:43 Mi. 16.Oktober 2019 »
Onkel Tom,
ich habe das Gefühl, wir haben gründlich aneinander vorbeigeredet.
Ich weiß, daß es im Zusammenhang mit Euromayday zu einigen coolen Aktionen gekommen ist, und wenn du die selbst erlebt hast, will ich dir deine Erinnerungen daran nicht vergällen.

Ich wollte mit der Forumulierung "der selbsternannten linksradikalen Bewegung" sie nicht als "radikal" beschreiben, sondern ich suchte nur nach einem Begriff, der eine Unterscheidung zu den traditonellen Linken, wie DKP, DGB, PDS, etc. möglich macht. Vielleicht wäre "undogmatische Linke" ein besserer Begriff gewesen. Ich wollte nur auf den Unterschied hinaus zwischen den Leuten, die auf die DGB-Maidemos latschen und die, die zu den Euromaydayumzügen gingen.

Und noch einmal: Ich fand in finde das Konzept von Euromayday teilweise gut, teilweise aber auch grundfalsch und halte das für kritisierens- und diskutierenswert.

Euromayday hat irgendwann einfach gesagt, das Konzept war nicht gut oder gar falsch und dann haben sie das Projekt beerdigt und Recht auf Stadt angefangen. Sie haben nie gesagt, was sie denn an ihrem Euromayday falsch oder weniger gelungen fanden.

Mit Recht auf Stadt geht der gleiche Spaß von vorn los. Die Öffentlichkeitsarbeit ist teilweise großartig. Inhaltlich bin ich weniger begeistert.

Worauf ich hinausmöchte: Die linke Szene (egal ob "radikal" oder undogmatisch) hoppelt von einem angesagten Modethema zum nächsten. Mal geht es um die prekären Beschäftigten, dann um die Logistikbranche, dann Stadtteilarbeit, dann ist Klassenpolitik schwer angesagt, ohne daß irgendwer recht weiß, was der jeweils andere damit meint.

So lange man nicht bereit oder in der Lage ist, über Fehler und eigenes Scheitern zu diskutieren, bleibt linke Politik ein Witz. Dann geht es nur um gemeinsame Happenings, ein wenig Gemeinschaftsgefühl und Action, aber nicht um die Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse.
Zitat
...vermute jedoch, das deine Kritik gegenwärtig unpassend...
Das Problem war, daß eine inhaltliche Kritik zu keinem Zeitpunkt erwünscht und möglich war.

Ich halte eine solche kritische Auseinandersetzung mit allen bestehenden Bewegungen und Modethemen für sinnvoll und da sollen weder Stadtteilarbeit, Klimaaktivsten, noch Basisgewerkschaften wie FAU oder Wobblies ausgenommen sein.

Onkel Tom

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Re: Bewegungen und Protestformen
« Antwort #7 am: 21:26:34 Mi. 16.Oktober 2019 »
Zitat

Onkel Tom,
ich habe das Gefühl, wir haben gründlich aneinander vorbeigeredet.
Ich weiß, daß es im Zusammenhang mit Euromayday zu einigen coolen Aktionen gekommen ist,
und wenn du die selbst erlebt hast, will ich dir deine Erinnerungen daran nicht vergällen.
...

An dem Vorbeireden gaube ich auch.. Kann passieren, hinter dem Monitor erst recht.  ;)
Und "vergällen" funzt sowiso nicht. Habe anbei zu viel schöne Erinnerungen  ;D ;D ;D

Zitat
...
Ich wollte mit der Forumulierung "der selbsternannten linksradikalen Bewegung" sie nicht
als "radikal" beschreiben, sondern ich suchte nur nach einem Begriff, der eine Unterscheidung
zu den traditonellen Linken, wie DKP, DGB, PDS, etc. möglich macht.
Vielleicht wäre "undogmatische Linke" ein besserer Begriff gewesen.
...

Naja, der Euromayday lässt sich nicht so einach in einem Begriff politischer Orientierung
"eintopfen". Dafür waren zu viele aus unterschiedlichen Ecken dabei. Ging in die Linke
Richtung..

Zitat
...
Ich fand in finde das Konzept von Euromayday teilweise gut, teilweise aber auch grundfalsch
und halte das für kritisierens- und diskutierenswert.
...

Was fandest Du grundfalsch ?

Zitat
...
Euromayday hat irgendwann einfach gesagt, das Konzept war nicht gut oder gar falsch und
dann haben sie das Projekt beerdigt...
...

Darüber fanden Nachbesprechungen / Reflektionen statt, dessen Resultate überzeugten,
sich neu zu orientieren. Schmerzliche Erkenntnisse aber sachlich und ehrlich..
Ich mag die Auflösung von Euromayday nicht vertiefen..

Zitat
...
Worauf ich hinausmöchte: Die linke Szene (egal ob "radikal" oder undogmatisch) hoppelt
von einem angesagten Modethema zum nächsten.
...

Gab es früher nicht auch "Modethemen" ? Heute geht es dank Smartphone etwas schneller
aber sonst m.E. ein alter Hut.

Zitat
...
So lange man nicht bereit oder in der Lage ist, über Fehler und eigenes Scheitern zu
diskutieren...
...

Kann man machen, halte dazu jedoch ein offenes Forum nicht ideal. Denke, da kommt eine
Sitzung besser.

Zitat
...
Ich halte eine solche kritische Auseinandersetzung mit allen bestehenden Bewegungen und
Modethemen für sinnvoll und da sollen weder Stadtteilarbeit, Klimaaktivsten, noch
Basisgewerkschaften wie FAU oder Wobblies ausgenommen sein.
...

Dies lässt ein sogenannter Kongress offen und der letzte ist ja schon sooo lange her.  :'(
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admin

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Re: Bewegungen und Protestformen
« Antwort #8 am: 10:15:27 Do. 17.Oktober 2019 »
Gab es früher nicht auch "Modethemen" ?

Die gab es schon immer. Ich habe auch nie behauptet, daß früher alles besser war.

...
Ich fand in finde das Konzept von Euromayday teilweise gut, teilweise aber auch grundfalsch
und halte das für kritisierens- und diskutierenswert.
...

Was fandest Du grundfalsch ?

Naja, der Euromayday lässt sich nicht so einach in einem Begriff politischer Orientierung
"eintopfen". (...) Ging in die Linke Richtung..

Meine Kritik an Euromayday lautete nie, sie sei nicht oder zu wenig links.
Meine Kritik richtet sich an nahezu alle linken Bewegungen und Organisationen.

Ich halte die Selbstbezogenheit und die Selbstabrenzung der Bewegungen und Organisationen für falsch. Ich halte es für falsch, daß man diejenigen, die zu den DGB Maidemos latschen, einfach rechts liegenläßt.

Wir sollten uns klarmachen, daß eine noch so gut organisierte linke Bewegung die herrschenden Verhältnisse nicht in einer Revolution überwinden kann. Wir kommen an der Mehrheit der Bevölkerung nicht vorbei. Es ist nur ein verschwindend geringer Teil mit Reichtum und Produktionsmitteln ausgestattet, der Rest ist lohnabhängig oder fristet ein Dasein mit Sozialleistungen (die von den Arbeitern erkämpft worden sind). Diese Mehrheit der Bevölkerung ist aber keinesfalls einheitlich. Sie ist gespalten, verwirrt und aufgehetzt, kämpft teilwese untereinander und teilweise miteinander. Wir haben es mit Gegnern in Form von Nazis oder Bullen zu tun, doch gleichzeitig sind es potentielle Mitstreiter, es sind nur fehlgeleitete Ausgebeutete.

Mit der Entscheidung, allein unterbezahlte junge Akademiker, prekäre und migrantische Beschäftigte als "revolutionäres Subjekt" zu betrachten und die tradionellen alten Arbeiter ganz bewußt außen vor zu lassen, war Euromayday für mich nicht mehr politisch ernstzunehmen. Es war ein typischer linker Haufen.

Euromayday ist eine beachtliche Mobilisierung innerhalb dieser Szene gelungen und es gab tolle und inspirierende Aktionen. Das ist mir nicht entgangen. Es blieb aber der Rückzug in die eigene Gruppe oder Szene, die sich irgendwie links und alternativ fühlt. Das halte ich für ein entscheidendes Problem.

Kann man machen, halte dazu jedoch ein offenes Forum nicht ideal.

Diese Problematik sollte überall diskutiert werden. Ruhig auch in diesem Forum.
Es geht um Grundlagen. Es geht darum, warum die linke Bewegung so schwach, bzw. wirkungslos ist.

Torsten Bewernitz hat sich nach 20 Jahren in der FAU mit einem Stoßseufzer an diese Linke gewandt, um mit einer Streitschrift die notwendige Diskussion zu entfachen:
http://www.labournet.de/?p=149799

Kuddel

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  • Fischkopp
Re: Bewegungen und Protestformen
« Antwort #9 am: 20:30:06 Sa. 06.Juni 2020 »
Soziale Proteste und Revolten entstehen oftmals spontan und völlig überraschend.
Diese hier diskutierten Bewegungen (Euromayday) krankten daran, daß sie nicht wirklich soziale Bewegungen waren, sondern Spektakel, schön inszeniert und mit oftmals guten Forderungen, aber sie waren Treffpunkte der linken Szene, die sich dort selbst feierte. Es waren kaum Menschen, die wegen der Situation in ihrem Job, mit ihrem Vermieter oder wg. des chronisch leeren Kontos aus Verzweiflung auf die Straße gingen. Es waren Bewegungen mit sozialen Forderungen, eher moralisch, denn aus eigener Betroffenheit.

Ganz anders bei den Gelbwesten. Die fingen an, sich an die Kreisverkehre in der Pampa zu stellen, weil sie bei einer Spritpreiserhöhung fürchteten, sich nicht einmal mehr die Fahrt zum Supermarkt und zum Arzt leisten zu können. Sie wären verzweifelt und anfangs teilweise politisch etwas wirr, doch es war eine echte soziale Bewegung, die sich selbst politisierte und klipp und klar formulierte, daß sie auch nichts mit Polit- und Gewerkschaftsprofis zu tun haben wollte, die sie "vertreten" wollten, sie wollten für sich selbst sprechen. DAS war (und ist) eine Soziale Bewegung!

Desgleichen jetzt in den USA, ausgelöst durch den Mord an George Floyd. Überall Massendemos, Riots, Plünderungen! Das ist keine linke Bewegung, das ist die offene Wut der Unterschichten, die die Schnauze voll haben! Weil es keine Linken sind, fragen die auch nicht danach, ob man das darf. Die machen es einfach. Ausnahmezustand, Ausgangssperre, alles Scheißegal! Die Leute gehen auf die Straße und machen, was sie für richtig halten. Plünderungen sind seit Jahrhunderten eine beliebte Kampfform verarmter Menschen. Es ist Enteignung und Umverteilung. Man fordert es nicht. Man tut es.

Mir machen diese Entwicklungen Hoffnung.